Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-07-03 · Heft 27 (3.7.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 27 (3.7.1924)
Date
1924-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450312--71378-2528689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

vtr. 27 Seite 5 3 Juli 1924 Der Israelit es -fein. ~nm ‘lam -ist^-durch unmittelbares Eingeht nicht nur um den ,Jahresbeitrag von 2 M., der jetzig gesamte Erziehung der Jugend ihres religiösen Charakgreifen von der Sünde zurückzuhalten, geschweige sich selber zu diesem Zweck auch nur dem Schein eine eigenen Versündigung auszusetzen, Vgl. ,123*12 zü/rr SSjgl. auch •w 7,o n"wn n'2, n"w Auch aus der Geschichte ließe sich zur Beleuchtung und Klarstellung des wahren Ärelvüs-Begriffs gar manche anführen. Wir beschränken uns heute auf das folgende Zitat aus dem 11. Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft S. 182: : „Als die Herrschaft der Rabbiner der Vierländer mächtig, wurde, sandten die Karäer ihre Großen zur Synode der Rabbiner der Vierländer mit einem in klarem Ausdruck abgefaßten Flugblatte, die bitten sollten, daß die karäischen Chachamim mit den Synodal-Räbbinern disputieren sollten. Falls sie besiegt werden sollten, wollten sie die mündliche Lehre annehmen und sich mit uns zu einem Volke in Liebe und Freundschaft vereinigen. Auf der Synode würden vielfache Ansichten darüber laut, was man ihnen antworten sollte. Es erhob sich sodann der berühmte R. Samuel, Rabbiner in Krzemieniece, einer derjenigen, die zu den Häuptern der Synode gehörten, und schrieb ihnen eine Antwort, die aus folgenden fünf Worten bestand: D*?iyV i'nrm» px n*nopn „Mit diesen Karäern darf man sich niemals vereinigen." /Was sagt die Achduth-Bereinigung dazu? siorrespsnäenre« « NacbNcdte» Reietz. Aus Baden. Karlsruhe, 18. Juni. Man schreibt uns: In einer Zeit, die den Jüngeren schon nur noch vom Hörensagen bekannt ist, hatte das gesetzestreue Judentum in Baden manchen harten Kampf zu bestehen, und, beim „ancien regime". in der Aera des Großherzoglichen Oberrats, war der „Vere.in zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden"-nicht gerade sehr beliebt bei den höchsten Instanzen des badischen Judentums. Tempi paffati. Der Verein darf dankbar auf erfreuliche Erfolge unserer Sache in Baden zurückblicken, und dies mag ein wenig versöhnen mit dem, was auf der anderen Seite leider in den letzten Jahren unterblieben ist, unterbleiben mußte. Denn es ging wie überall. Die materiellen Werte zerrannen in nichts, die Tätigkeit der Organisationen im Lande beschränkte sich auf gelegentliche Wahrung unserer Interessen bei Wahlen und so müßte die erweiterte Vorstandssitzung des Vereins, an der — am 29. Mai in Karlsruhe auch unsere Freunde aus Oberrat und Synode teilnahmen, den Charakter einer Wiederausbausitzung tragen, auf der nicht nur von der Möglichkeit einer Aufwertung materieller Werte, sondern auch vor allem, von der aufzuwertenden etwas sehr verdrängten Werbetättgkeit im Lande gesprochen wurde. Es war ja das •alte Lied, was da alles von den Landgemeinden, den Schmerzenskindern solcher Debatten, gesagt wurde. Man braucht sich nicht in Einzelheiten zu verlieren. Das Schlagwort „Verfall der niYatf" kennzeichnet die Lage. Die eine Gemeinde hat kein Minjan mehr, hat keinen Lehrer mehr, ist in Auflösung begriffen. Die andere Gemeinde hat noch einen Lehrer, hätte Minjan, aber es muß gut gehen, wenn das Minjan an raw und t:"*» zustande kommt. Daß die Alten, die den Bestand der Landgemeinden ausmachen, nicht genügen, um die Thauroh zu erhalten, versteht sich von selbst. Darum muß der Verein auf die verschiedenste Weise versuchen, die. jüdischen Menschen da draußen aufzurütteln- Es erhoben werden soll, auch das äußerliche Gewinnen neuer Mitglieder macht nichts. Not tut ein Werben von Mensch zu Mensch, nicht ein Vorträgehalten über abstrakte Themen, sondern ein Hintreten von ""die Einzelnen und die Gemeinden. Es gilt jedem klar zu machen, wie sehr er verpflichtet ist, alle die zu unterstützen, materiell oder ideell, die es sich zur Lebensaufgabe machen, das Thorajudentum in seinen verschiedensten Einrichtungen und Zielen zu erhalten und zu fördern. Richtlinien für die neu aufzunehmende Vereinsarbeit sind auf der Karlsruher Besprechung gegeben worden. An Anregungen fehlte es nicht. Wenn alles was geplant ist, verwirklicht wird, werden s. G. w. die Erfolge nicht ausbleiben. Kein Beschluß, keine Satzung nützt aber, wenn diejenigen, die man zur Arbeit braucht, „keine Zeit haben". Es ist die Z e i t z u r Arbeit. In einer demnächst stattfindenden Mitgliederversammlung wird es Sache der Anwesenden sein, die in Karlsruhe vorläufig getroffenen personellen Aenderungen bzw. Ergänzungen des Vorstandes und die geplanten organisatorischen Maßnahmen gutzuheißen, evtl, noch andere Beschlüsse zu fassen und Vorschläge zu machen. Jedenfalls hat zurzeit jeder Freund unserer Sache in Baden und jeder Interessent die Möglichkeit, sich beim Vereinsoorftand, Herrn E d u a r d B a ü e r - Mannheim, Kaiserring 46, über alles zu informieren, und beim Rechner, Herrn Samuel I eff elf ohn-Neckarbischofsheim sich als Mitglied anzumelden und den Jahresbeitrag von 2 M. an ihn einzuzahlen. Mögen viele, die diese Zeilen lesen, davon Gebrauch machend Die orthodoxe Landesversammlung in der Slowakei. Bratislawa, 26. Juni. Am 16. Siwan (17. Juni) hielt die Landesrepräfentanz der orthodoxen Gemeinden in der Slowake! ihre Jahresversammlung ab. Tags zuvor fanden Sitzungen des Rabbinerkomitees und des Verwaltungsausschusses statt. In der Plenarsitzung der Landesrepräsentanz erstattete der Präses der Gemeindeorganisatton Oberrabbiner Kalman Weber den Tättgkeitsbericht des Verwaltungsausfchüsfes, der mit großer Spannung .angehört wurde. Die großzügige Konzeption des Berichtes wie der allgemeine jüdische Horizont, der sich in jeder Zeile des Berichtes offenbart, wurde von allen Teilnehmern freudig begrüßt. Aus dem Berichte ist die Entschlossenheit der orchodoxen Leitung „ der erweiterten Angriffstätigkeit gegen die Orthodoxie eine erweiterte Abwehraktion entgegenzustellen" zu entnehmen. Die Worte des Präsidenten „Die Solidarität der Thoragegner erfordert die Solidarität der Thoraanhänger", und seine begeisterte Stellungnahme zu der Kenesfio Gedaulo der Agudas Jisroel und zu den aus ihr auch für die slowakische religiöse Iudenheit erwachsenden Aufgaben, lösten jubelnden Beifall aus. Der Bericht beschäftigte sich ferner mit dem Problem der Pensionsversicherung der Kultusbeamten, ein Thema, worüber zwei Referenten der „Landesstelle der staatlichen Beaamtenoerficherung" in der Repräsentantenoersammlung besondere Referate erstattet haben, wie mit der Schulsrage und Humanitären Angelegenheiten. An der Debatte zum Berichte beteiligten sich Oberrabbiner Schreiber- Bratislawa, Tiegermann-Nowe Zamki, Reich- Wrbova, Hirschle r - Bratislawa, H o r o w i tz - Hundsdorf, B r a u n - Brzovica und viele andere von den Laienvertretern. Nachdem dem Präsidium für die geleistete mühevolle Arbeit während des Berichtsjahres einstimmig Dank und Anerkennung vottert wurde, haben folgende Resolutionen einstimmige Annahme gefunden,- 1. Die Landesrepräsentanz der orthodoxen Gemeinden in der Slowakei erklärt, daß das orthodoxe Judentum in der Slowakei an der bisherigen religiösen, gesetzlich anerkannten, in den Landesstatuten festgelegten Konstitution der Gemeinden unerschütterlich festhält und verwahrt sich gegen jeden Versuch, durch Verbreitung von demagogischen Schlagworten den Geist der Gemeinden zu untergraben und eine Umwandlung ihrer altbewährten organisatorischen Grundlagen herbeizuführen. 2. Die Landesversammlung verwahrt sich auf das enschiedenste gegen das Bestreben, das Schulwesen der religiösen Gemeinden und damit im Zusammenhänge die ters zu entkleiden und sie den Eittflüffen nattonalisttscher Tendenzen preiszugeben. 3. Die Landesrepräsentanz errvartet, daß das orthodoxe Zentralbüro sowohl bei der Regierung als auch zur Aufklärung der Gemeinden Schritte unternehmen wird, damit alle auf die Durchführung der erwähnten Versuche gerichteten Bestrebungen ohne Erfolg Und die bisherigen Rechete der religiösen Gemeinschaften unangetastet bleiben. Auf Antrag des Präses wurden Begrüßungstelegramme an den Herrn Präsidenten Maffaryk, an den Minister des Aeußeren Benes und den bevollmächtigten Minister für die Slowakei Dr. Kally abgesandt. £n$lanfe. Tagung des Board of Depulies. London, 19. Juni. Am 16. Juni fand in London die Tagung des Deputiertenrates der englischen Juden statt. Colonel Waley Cohen erstattete den Bericht des Gesetz- und Parlaments-Komitees und teilte u. a. mit, daß er den vom Colonial Office erhaltenen Brief» in welchem der Oberkommissar von Palästina die Beschuldigungen, daß Juden Kreuze von britischen Kriegergräbern entfernt hätten, als haltlos bezeichnet, an Lord Hamilton weitergegeben hat. Daraufhin habe dieser erwidert, er sei nun überzeugt, falsch informiert worden zu sein. —• Nachdem verschiedene fötale Angelegenheiten besprochen Morden waren, ergriff dÄvigdor Goldsmid das Mort und teilte mit, daß das Joint Foreign Committee während der letzten vier Wochen zwar kein Meettng abgehalten, aber doch sehr viel Arbeit geleistet habe. Er b.-ntyrne sodann über die Zustände in Rumänien und verlaß den Text der von der J.T. A. bereits veröffentlichten Telegramms Herrn Lucien Wolfs über die offizielle rumäni,lye Darstellung betreffend die Progrombewegung. Er teilte weiter mit, daß Mr. Woys Hilfsarbeit für die Flüchtlinge in Rumänien von . Erfolg gekrönt war. M. Lazarus bemerkte, daß die Berichte Lucien Wolfs sich nicht mit den Zuständen in ganz Rumänien decken. Sogar rumänische Zeitungen hätten über anttsemittsche Vorgänge berichtet und darüber genaue Angaben gemacht. Etwa hundert Fälle sollen in Transsylvanien vorgekommen sein, wo Juden in den Ersenbahnzüge nüberfallen worden sind. Bei dem griechischen Geschäftsträger in London wurde wegen Des geplanten Sonntagsruhegesetzes interveniert. Es wurde an die Versicherung Venezelos an die Juden erinnert, daß sie im Falle eines Sonntagsruhegefetzes davon nicht betroffen werden würden. Der griechische Bevollmächtigte versprach, die Korespondenz nach Griechenland weiterzugeben. Dr. Jochelmann ricytet einen Appell im Interesse der 20 000 bis 25 000 Flüa-^mge, die in den Häfen weilen und nirgends einwandern können. In der Nähe von Southhampton sind ungefähr 900 solcher Flüchtlinge, unter ihnen Waisen von zwei Jahren aufwärts, Witwen und alte Leute. Junge Leute konnten nach Kanada, Brasilien oder Palästina geschickt werden. Aber nicht kleine Kinder, Waisen, Die ihre Eltern in Pogromen verloren hatten. Nach ungefährer Schätzung sind mehr als 50 Prozent gezwungen, hier zu bleiben. Der Deputtertenrat muß sich unbedingt mit den Behöreden in Verbindung setzen und die Lage klären. Mr. Laski gibt die Anregung, leine Deputatton zu dem Staatssekretär Herrn Henderson zu schicken, um die Erlaubnis zu erwirken, daß diese Leute in England bleiben. Auf den Vorschlag des Vorsitzenden kam man überein, die Angelegenheit dem Ausländer-Komitee zu übertragen, das nötigenfalls eine Deputation abschicken soll. Jagddekoration. Anläßlich der jetzt tagenden Jagdausstellung zeigt die Firma M. Lange in einem ihrer Schaufenster des Hauptgeschäftes Zeil 84 eine Sonderauslage in Jagd-, Sport- und Schützenhüten in unerreicht großer Auswahl, tragfähigen und wetterfesten Qualitäten. Frankfurt a. 2R., 2. Juli. Der Inhaber der Firma M. Schneider auf der Zeil, Herr Gottlob Beilharz, feierte am Dienstag, 1. Juli, das Jubiläum seiner 25 jährigen Geschäftstätigkeit. Er gehört zu den verdienstvollsten Pionieren des Hauses Schneider, die das Geschäft aus bescheidenen Anfängen durch Initiative, Fleiß und Umsicht zu einem der größten Geschäfte der Branche am Platze emporgearbeitet haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.