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Der Israelit · 1924-07-03 · Heft 27 (3.7.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 27 (3.7.1924)
Date
1924-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. V fTl' J «! t (i e t i t “ 3. Juli 1824 palafttnd. Aufbau in Palästina. — Die Sabbakentweihung. ' Jerusalem, 19. Juni. Au den Bestrebungen, die seit der Anwesenheit der Chassidimrabbis hier im Gange sind, gehört die Errichtung eines großen Sanatoriums auf dem Karmel. Mit aller Kraft setzt sich der Czortkower Rebbe für diese Idee ein und w,u im Kreise feiner Verehrer dafür werben. Herr Goldberg, dem die technische Ausführung obliegt, verspricht sich von dem Plane eminente Vorteile für Haifa. Große Erregung hat es in Palästina verursacht, daß zwei hohe Beamte des N. F., Mitglieder der Zionistischen Leitung in Jerusalem, die Herrn Holpern und Friesland, in der Sabbatnacht mit ihrem Auto in Haifa eintrafcn und in einem christlichen Hotel abstiegen. In Haifa, in Safed, wie auch in Tel Awiw fanden stürmische Protestversammlungen statt gegen das skandalöse Benehmen von Männern, die von zionistischen Geldern besoldet sind und von der Leitung als offizielle Vertreter des palästinensischen Judentums ausgegeben werden. Der Waad der Aschkenasim-Gemeinde in Jerusalem verlangt kategorisch die Absetzung der beiden Beamten. Selbst der nationale „Doar Hajom" erhebt Protest. Ein Berichterstatter dieses Blattet erzählt bei dieser Gelegenheit von einem.charakteristischen Erlebnis, in einer Kolonie. An einem Schabbosnachmittag kam da ein junger jüdischer Arbeiter mit seinem Wagen angefahren. Ein alter Jude, der dabei stand, machte seiner- Entrüstung ^stuft mit den Worten: „Pfui, am heiligen Sabbat!" Ebenso entrüstet antwortete der junge Arbeiter :„Jehudi, daber iwrith, schabath todesch!" (Jude, sprich hebräisch, heiliger Sabbat). Spruchs, knallte mit der Peitsche und fuhr ■ weiter ... Akarranen in Portugal. Jerusalem, 14. Juni. Dr. Uriel B e n z i o n, der zurzeit den Orient für den ,Leren Hajesod" bereist, berichtet viel Interessantes über feine Erlebnisse und Entdeckungen in Spanien, Portugal und Marokko. In Portugal fand er 10 000 Marranen, die nach außen ein christliches Leben führen und die Sehnsucht hegen, zum Judentum zurückzukehren und nach Palästina auszuwandern. Er will sich in England im Interesse dieser vom Judentum entfernten .Brüder verwenden. In Bagdad erfteute sich Benzion des größten Entgegenkommens von Seiten des Königs Feiful. Ptvficn. Gefährliche antijüdische Stimmung in Teheran. Teheran, 13. Juni. Wie schon kurz berichtet, fanden in der zweiten Hälfte des Mai in Teheran antijüdische Unruhen statt. Nunmehr liegen darüber ausführlichere Nachrichten vor. Die Sache begann damit, daß ein paralytischer moslemittscher Knabe in ein jüdisches Haus kam und sagte, das Haus gehöre ihm und die Leute, die darin lebten, wären seine Diener. Der Hausbesitzer rief einen Polizeimann herbei, damit dieser den Jungen in ein Krankenhaus schaffe. Inzwischen bekam der Junge einen epileptischen Anfall. Ein Haufen von Mohammedanern rottete sich zusammen und verlangten von den Mullahs (Priestern) eine Autorisation, die Juden zu massakrieren, die, wie sie sagten, einen mohammedanischen Jungen getötet hätten. Die Polizei zerstreute den Haufen und -er Junge, der jüdische Hausbesitzer, sowie zwei Jüdinnen wurden zur Untersuchung auf die Polizeiftation gebracht, wo sie noch immer zurückgehalten werden. Am nächsten Morgen drang ein Haufen von ungefähr 2000 Mohammedanern in das jüdische Viertel ein mit der Absicht, zu massakrieren und zu plündern. Jedoch die Polizei war vorbereitet und zerstreute den Pöbel. Alle jüdischen Läden wurden geschlossen und sind seither noch nicht wieder geöffnet worden. Kein Jude wagt es, das jüdische Viertel zu verlassen. Am Abend daraus gelang es dem Pöbel, wieder in das Viertel einzudringen und ein Massakre einzuleiten. Sechs Juden erhielten Messerstiche, zwei von ihnen ringen mit dem Tode. Ungefähr ein Dutzend anderer Juden erhielten andere Verletzungen. Auch diesmal diesmal verhinderte die Polizei ein größeres Unglück. Der Ueberfall wiederholte sich am nächsten Tag, und diesmal wurden acht Juden verwundet. Die Stimmung lst noch immer sehr erregt. In Verbindung mit den SaHaltrSberstchr. 1. Leitartikel: Dolus Schechina in Erez Zisroel. — 2. Wocheurundschau: Rituelle Epeisehäuscr. — Wahrheit über die Juden im Kriege. — 3. Kleines Feuilleton: Heimatslütnge. — Die Ausgrabungen in Paliistiiia. — 4. Buffiktze: Arervus. — 8. Korrespondenzen und Nachrichten. — 6. Persoualien. — 7. Vermischtes. — 8. Briefkasten. — 9. Frankfurter Berichte. — Vereinskalender. — Gebetzeiten. 10. Beilage: Eine Schreckenstat in Erez Iisroel. — 11. Entwurf eines Gesetzes über die jüdische Gemeinschaft in Erez Iisroel. — 12. Feuilleton-Beilage: Die Mefslasbraut. — 18. Kinderecke: Igel und Fuchs. Gerüchten, daß der paralytische Junge inzwischen gestorben ist, hetzten Agitatoren immer wieder die Menge aus,, indem sie verlauten lassen, die Juden hätten einen Seyed (Nachkomme des Propheten) getötet. Ans uücr Welt. Deutschland. Das Andenken Walter Rathenaus ist am 24. Juni, dem Jahrestag seiner Ermordung, in den meisten Städten Deutschlands mit würdigen Feiern geehrt worden. In Berlin wurde unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten die konstituierende Sitzung der Walter Rathenau-Stiftung und Rathenau-Gesellschaft übgehalten.— An der Berliner Universität fand am 23. Juni die feierliche Eröffnung des von Prof. Strack einstmals gegründeten, jetzt aber von den Beziehungen zur Judenmission losgelösten „Jnstit u t u m J u dai c u m" statt. Das Institut widmet sich der historischen Erforschung des nachbiblischen Judentums.-— In Leipzig hat vor dem Staatsgerichtshof der Prozeß gegen die völkischen Atentäter, die im Oktober -vorigen. Jahres einen Dynamitanschlag gegen die Synagoge in der Königsteiner Straße zu Frankfurt a. M. verübten, stattgefunden. Die Angeklagten, die bekanntlich mit den Franzosen in Verbindung getreten wären,? üm in Deutschland Unruhen zu erregen, wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt. — Im Reichstag gab es am 26. Juni eine antisemitische Brandrede des Nationalsozialisten Fahrenhorst,Der berühmte Chemiker der NMchner UniversitätGeheimrät Willst ä t t e r hat aus Protest gegen den Antisemitsmus fein Amt niedergelegt. — In der Privatklagesache des Bankiers Max Warburg gegen den Antisemiten Theodor Fritsch, der die wahnsinnigsten Beschuldigungen gegen Warburg geschleudert hat, ist vom Reichstag vorläufig die Aufhebung der Immunität Fritfchs mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. — In Breslau fand vom 22. bis 24. Juni der sechste Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands statt, der interessante Referate von W 0 l f f - Berlin: „Die jüdischen Handwerker im Abwehrkampf" und Rechtsanwalt Jacobson - Breslau: „Wiederaufbau und Kreditbeschaffung", brachte. Gefordert wurde Propaganda fiir die Handwerk unter der Jugend und materielle Förderung des jüdischen Handwerks durch gemeinnützige Darlehnskassen. Slowakei. Die Stadtverwaltung in Munkacz hat unter zionistischem Einfluß der dortigen zionistischen Schule eine Subvention von 60 000 Kronen bewilligt, worüber in den Kreisen der zumeist streng orthodoxen jüdischen Bevölkerung größte Erbitterung herrscht. — In Poprad fand ein Delegiertentag des zionistischen Volksverbandes statt. England. Sir Herbert Samuel trifft Anfang Juli in London ein. — Baron Edmund von Rothschild besuchte die Palästina-Ausstellung in Wembley. — Dem zwischen England und Polen abgeschlossenen Handelsoertrag hat sich auch die palästinensische Regierung angeschlossen. — Vor dem internationalen Schiedsgericht in H a a g schwebt ein interessanter Prozeß der griechischen gegen die englische Regierung wegen der Ruthenberg-Konzession. Der Kläger behauptet, daß die Konzession während des Krieges einem Griechen übertragen war und daher ohne dessen Abfindung nicht weiter vergeben werden konnte. Rußland. Die Sowjetregierung hat den eigenartigen, jedenfalls aber dankenswerten Einfall gehabt. 37 Zionisten, die zur Verbannung nach Sibirien verurteilt waren, nach Palästina auszuweisen. Die Ausgewiesenen sind von der Polizei in Odessa aufs Schiff gebracht worden, nachdem ihnen Einreiseerlaubnis erteilt war. Schumann'Theater. 8 Uhr Große Internationale 8 Uhr Ringkampf- Konkurrenz um den Goldenen Gürte! ran Frankfurt und weitere - wertvolle Ehrenpreise. Heute ringen: Peter Deble, Europameister, Köln gegen Reinhold Philipp. Meisterringer von Brandenburg, Alfons Steurs, Weltmeister, Belgien, gegen Pepi Winter, Mittelgewichtsmeister, Oesterreich, Willy Kellermann, Rheinland, gegen Fritz Löwe, Meisterringer, Schlesien, Heinrich Meierhanz, Meisterringer Rheinland- Westfalen, gegen Gabr. Lassartesse, Weltmeister, Frankreich. Vorher: Boxkampf Dempesey-Firbo im Film und ein erstklasfiger Bariete-Deil Volkstümliche Preise. Ptrsonäkicn. Berlin, 15 Juni. Am 10. Juni beging das Ehepaar Julius Hertz und Frau Helene, geborene Gvetze feine Diamantene Hochzeit. Das Ehepaar wohnt in Berlin, Prenzlauer Allee 1. Burghaslach, 16. Juni. Eine unserer. edelsten jüdischen Frauen. Frau Helene Massenbacher, ist aus unserer Mitte gegangen. Durch ihren Heimgang sind nicht nur der Gatte, die Kinder und die Verwandten schwer bettoffen, sondern die ganze Gemeinde hat einen gewaltigen Verlust zu beklagen. .Eine von denen war sie, die alle Tugenden einer jüdischen Frau in sich vereinigt. Ihr tief religiöses Gemüt ließ ihre Kinder zu treuen Juden heranziehen. Manches Leid ist der Heimgegangenen widerfahren, aber kein Leid konnte die Edle infolge ihres unerschütterlichen Gottverttauens beugen. So möge die teure Entschlafene den Lohn im pr p für ihr Wirken auf Erden empfangen! yörstein bei Äschaffenburg, 1. Siitt. Das Ehepaar David Oppenheimer und Frau Esther geborene Rothschild feierten am Samstag, den 21. Juni, in körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer. Kinder und Enkel das Fest der Goldenen Hochzeit. Vermischtes. Berlin, 25. Juni. Zum Aufruf der „Ose", Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden, e. SB., in .der jüngsten Nummer sei. hinzügefügt, daß die Adresse der Gesellschaft Berlin W. 57, Frobenstraße 4, Postscheckkonto 16260, lautet. ■ " "-"Y.-. Reichelsheim ik O.. 26. Juni - Die: Israelitische Religionsgemeinde legt Wert darauf, festzustellen, daß,, das im April gezahlte Fixum 90 M, betrüg und die Stelle monatlich ca. 50 M. * Nebenveröienst Änbrstigt; welchem Ersuchen ich hiermit hiermit Nachkomme. -i ' AUrrienbad, 4. Juli. Der,^Pelzer Rebbe istf zum Kurgebrauch' hier eingetroffen. Briefkasten. 'V- M. H. in Malsch. Besten Dank für die Busendung. Es ist leider nicht möglich, von jeder zionistischen Ueberfteihung, mit der die OeffentNchkeit belästigt wird, Nottz zu nehmen. H. L. in H. In Talmud ..Megillah' F.-29 II. findet sich eine Andeutung dahin, daß man damals in manchen Gegenden Palästinas (nnw 133^) solchen Brauch Rannte; Die Konsequenzen, die die Reform in manchen Gemeinden daraus ziehen zu können glaubte, beruhen auf Irrtum und Mißachtung altgeheiligter Traditionen.;. M 3. E. Wir hoffen, daß Ihr Wünsch erfüllt werden kann. M. St. Wir haben zur Zeit eine solche Uebersülle an derartigem Material, daß wir deine Verpflichtung eingehen können. - Lehrer R. A. in Mittelsinn. Sie schulden für Abonnement Mk. i.50 bis 1. Okt. 24. frankfurter Berichte. Jacob GottheKner Den, Dreiundsiebzigjährrgen sah man fein Alter nicht an. Wenn er früh morgens, der erste im Gotteshaus, Sommer und Winter, vor dem m»y seine Stimme erhob, um mit den unsterblichen Lobgesängen des mi-nn '0 den Schöpfer zu preisen, erschien er elastisch und jugendlich, und in. der Tat, vielleicht hätten wir noch lange die gehabt, ihn den unfern zu nennen, hätte nicht plötzlich die Notwendigkeit einer Operatton sich geltend gemacht, deren Opfer seine kräftige Natur werden sollte. »rrm und n-roy haben den Heimgegangenen in seltenem Ausmaße geziert. Vierunddreißig Jahre lang hat er, wie Herr Rabbiner Breuer in einem in der na'Br» gehaltenen Nachruf hervorhob, n jemals beim Nebenfchiur des Raws gefehlt, soweit er nicht geschäftlich verreist war. Und so wie ihn sein warn,es jüdisches Herz die schöne ms» der a^nn imjx vor dem m»y ergreifen und mit wunderbarer Stetigkeit sesthalten ließ, so war seine ni-sv überhaupt von solcher Wärme und Innigkeit, -aß er andre mit fortriß und selber daraus die Kraft schöpfte, in schweren Zeiten aufrecht zu bleiben und in guten das bescheidene Eingehen in des Höchsten Willen als Lebensziel zu begreifen. Mit Eifer und opferfreudiger Hingebung hat er Hunderte von Kindern «"r wpa eingeführt und der man o^m» lebhaftes Interesse gewidmet. So hinterläßt Jacob Gottheimers Scheiden eine schmerzlich empfundene Lücke in den Reihen der Gemeinde, in der er sich ganz besonderer, allgemeiner Beliebtheit erfteute. An der Bahre des wackeren Mannes gab Herr Rabbinatsassefsor Posen dem Schmerze der Gesamtheit ergreifenden Ausdruck, den Hinterbliebenen Kindern Trost spendend und sie zur treuen Nachfolge in den Lichtspuren des väterlichen Wirkens ermahnend. n"as2v- Jüdische Leihkasse e. V. Der uns vorliegende erste Rechenschaftsbericht der Ende 1922 gegründeten Vereins, der der Initiative des Herrn Rabbiners Dr. Jacob Horovitz feine Entstehung verdankt, hat eine — heute natürlich nicht mehr ziffernmäßig zu erfassende — überaus fruchtbare Tätigkeit während der Inflationszeit ausgeübt, die durch gute Anlage der Gelder und sparsame Wirtschaft stark ge-

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