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Der Israelit · 1924-07-03 · Heft 27 (3.7.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 27 (3.7.1924)
Date
1924-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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\ -Sette 2i Nr. 27__ - beliebigen religiösen Richtung ist so ziemlich das Ungeheuerlichste, das der blinde Bürokratismus -es Entwurfes dem religiösen Gewissen zu bieten wagen konnte Wenn in irgendeiner Ortsgemeinde die Gesetzestreuen die Mehrheit bilden, müssen sie — sobald eine Anzahl neu eingewanderter religiöser Bolschewisten vorhanden sind, diesen besondere Schulen und Kultusstätten nach ihrer Weltanschauung unter Herauszahlung ihrer Steuerbeitrüge bereitstellen. Das gleiche Recht steht natürlich auch einer orthodoxen Minderheit zu — nur nicht da, wo gerade die ostjüdische Orthodoxie am empfindlichsten zu sein pflegt, bei der nvmv. Die nvmvbleibt vielmehr immer ein Monopol der Ortsgemeinde, wie weitab diese samt ihrem Rabbiner auch von den Vorschriftendes Gottesgegefetzes sich entfernt haben möge. Diese offenkundige Rechtsungleichheit zum Vorteil des Radikalismus und zum Nachteil der Orthodoxie ist ebenso charakteristisch für den Entwurf wie die Art und Weise, in der das elementarste Freiheitsrecht jeder modernen Kirchengesetzgebung geregelt ist, das Austrittsrech k. ' Man vergegenwärtige sich die Situation. Der radikale Atheist, der aus einer religiösen Gemeinschaft austritt, will nichts weiter, als der sein Gewissen bedrückenden oder auch ihm nur überflüssig scheinendLN Mitbeteiligung an dex Mlmltung religiöser Institutionen individuell enthoben zu sein. Ihm ist durchaus genügt, wenn er dieser Gemeinschaft den Rücken tzekehrt hat und von ihr fortan Ln Muhe gelaffm wird. Er braucht weder Minjan, noch Eheder, weder Jeschiwa, noch Schechita, weder Mikwe noch n'2 um seinen sittlichen Idealen die Treue zu wahren. Anders der thvratreue Jude, der feine Gemeinde blutenden Herzen verlassen muß, weil entweder ihre Institutionen ihm unbenrchbar sind oder weil er dem Fluche des nmv mnoV iva v durch eine wackere Tat entgehen will. Er ist aus seiner religiösen Not keineswegs erlöst, wenn das Gesetz ihn dazu verurteilt. Individuum zu bleiben, wenn er nicht das Recht hat, mit den ihm Gleichgesinnten gemeinsam ein jüdisches Zibbur zu gründen, das der Jude nun einmal braucht wie die Luft zum Atmen. Gerade das aber soll ihm versagt bleiben. Herbert Samuels Entwurf sorgt — ein bitterer Hohn — für die A t h e i st e n, aber nicht für die Gottesfürchtigen. D n a e f i t j:, m Er gewahrt e ein i n b j vihu e ttßß. trittsrecht, läßt aber. ,den also aus GeyrifsenG zwäng Erlösten/ zwiWn. 'HWmef und CM hangen; beharrt eigensinnig, tyrannisch auf dein sinnlosen reaktionären Dogma, es könne nur eine Ortsgemeinde geben und raubt damit dem religiösen Gemeinschaftsleben die Möglichkeit, aus Abfall, Bürokratisierung, Versandung zu frischer, schöpferischer Erneuerung zu gelangen. Wenn die englische Regierung dieser Ungeheuerlichkeit, die nur der krankhafte Ehrgeiz unserer Waad-leumi-Machtpolitiker geschaffen, ihr Placet erteilen sollte, so würde sie der im Mandat feierlich übernommenen Verpflichtung, die religiöse Freiheit aller Bewohner Palästinas — selbst die der orthodoxen Juden — zu wahren, geradezu ins Gesicht schlagen. Denn das Recht der religiösen Gemeinschaf t s b i l d u n g ist eine elementare Konsequenz der Gewissensfreiheit überhaupt. Ungerecht und fast tückisch zu nennen ist auch die Methode, nach der die Zwangsgemeinschaft des Waad leumi geboren werden soll. Qui tacet, consentire videtur — wer nicht rechtzeitig protestiert, wird einfach als unterworfener Untertan der Zwattgsgememfchaft registriert, statt daß man jedem Volljährigen das Recht zuerkennt, positiv zu erklären, ob er den neuen Gewalthaber für sich und seine Kinder anerkennen will oder nicht. Man rechnet offenbar damit, daß Tausende.das Odium nicht M nehmen werden, ihre Streichung aus den Listen der „Landes-Kehilla" zu beantragen und damit das Martyrium der Befehdung und Verfolgung durch die geistlichen und weltlichen Machthaber zu ertragen. Wäre das Verantwortungsgefühl in allen Kreisen der gesetzestreuen Jrchenheit auf dem Erdenrund lebendig, trübte nicht die materielle Not und die eigene Sorge so oft leider die Klarheit des Urteils, die Entschiedenheit des Wollens und den Mut des Bekenntnisses — ein Sturm der Entrüstung müßte in allen Ländern der Diaspora gegen dieses Attentat auf das jüdische Erez Jisroel aufflammen und den Entwurf, trotz der Macht seiner Hintermänner, wie einen Haufen welker Blätter hinwegfegen. Von denen, die am ehesten berufen wären, ihre Stimme, im Namen der gefährdeten min der bedrohten jüdischen Zukunft, der in den Schatten der Namenlosigkeit zurückgedrängten religiösen Treue gegen den Entwurf zu erheben, von dem Oberrabbinüt und seinem Letter, ist, von Einzelheiten abgesehen, ein Widerstand nicht zu erwarten. Oberrabbiner Kuk ist, das muß heute in aller Ehrfurcht und Offenheit * der . Mlärt. In eine Welt hochMMgexier MWAei^ Gigefponnen, die der mystischen Elemente MiHtHentbehrt, steht er Menschenkenntnis' chM Haktischer Blick waren me seine starke SeM %en klugen Politikern des „Waad leumi" in einer Haltung gegenüber, die mmtsub spöcie aeterni zwar als geistige Ueberlegenheit betrachten, in der Sprache der Alltagspolitik aber nur als vollendete Hilflosigkeit bezeichnen muh. Er hat immer zu schieben geglaubt". und ist immer, in eine Wolke von Weihrauch gehüllt, kräftig geschoben worden. Aber selbst wenn der Einfluß des heutigen Oberrabbiners Wahrheit und Wirklichkeit wäre, wenn Rabbiner Mk kraft der Macht seiner sicherlich wunderbaren Persönlichkeit in der Tat aus den Seelen der dem alten Judentum halb Abgestorbenen die. Funken der mrnij? hervorzulocken vermöchte, um'hie er so eifrig wirbt — ist diese Eigenschaft vererbbar? Spricht nicht alle Wahrscheinlichkeit dafür,,'daß Hllenräbbiner Kuk jedenfalls der konservatiHteOherrab biner gewesen sein wird, den die zionistischen Politiker, die WoWMWMr Zer"AeOM MWcy als religiösen Repräsentanten 6es fyqpermo&ertten Palästina gerade Noch zugesassen Mben? Man lese im „Jewffh Chronicle", was ,> Mentor" sich von dem als Annex der palästirabbinat" an grundstürzenden religiösen Reformen versprW, eine Ahmmg bekommen von der unsäglichen Gefahr, die der jüdischen Wahrheit droht durch die .unnatürliche Verquickung hochsliegender national-politischer Herrschaftspläne auf der einen und weltfremder, die Menschen idealisierender Mystik. auf der anderen Seite, deren Exponent das palästinensische Oberrabbinat faktisch heute ist. Wenn gar erst eines Tages dieser TroHen mystischen Oeles von einem Tröpflein ni2'» aus irgend einem westeuropäischen theologischen Seminar abgelöst wird — wie nahe liegt den Machthabern des Waad leumi diese Entwicklung —dann werden auch denjenigen die Augen aufgehn und übergehn, die heute in einem auf staaüichen Zwang und staatlichen Glanz gestützten palästinensiischen Oberrabbinat einen x>im für cnvV n«T»i mm erblicken. So führt auch die Betrachtung der Institution des Oberrabbinats selbst in seiner engen organisatorischen Verquickung mit der Zwangsorganisation und in feiner starken moralischen Abhängigkeit von dieser zu der klaren Erkenntnis, daß es gegenüber dem Entwurf vor allem tzilt, der religiösen Fr e ih ei t eine Gaffe zu Uleines Feuilleton. Heimatsklänge. Don Enge« Tstchter-HrnSov.*) Heimatskläuge Heilig hohes Wort Klinget ewig Ewig kling« in. mir fort. Klinget fort wenn Auch die Wunde blutet — Klinget fort und sei ihr Der Balsam der Heilung. Klinget fort in Ttaum und Wachen Wachen und Träume Heimat sie mögen dir gelten. Wenn ich im Geiste Geh durch die Sttaßen Heimat ich grüße dich Heimat du traute. Heimat du Teure Dir gilt mein Denken Denken und Fühlen Ewig dtt leben. '*) Verfasser ist ein Posener Flüchtling, dem das starke Heimatsgesuhl die Verse in die Feder diktterte. Ewig dir leben Wird die Treue Des Kindes, des Jünglings, des Mannes. Des Mannes der kämpft Des Mannes der streitet Um das Recht Um die Freiheit. Still im Zimmer sitzend Zaubert die Seele Mir schöne Bilder Bilder der Heimat. Hermatsbilder vor Das geistige Auge Und ich gehe Straßen Gäßchen gehe Wege Wege^die als Kind Gegangen Kindheit, Wohin bist Du entschwunden Teure Kindheit dein gedenk ich. Wenn im Kampfe ich Will erlahmen werfen alles Ueber Bord — Heilige Gräber Euch sehe ich wieder. Schwindende Stärke Dich find ich wieder f inde dich wieder u neuem Karnpse. Wenn im Geiste ich Durchschreite alle Sttaßen Alle Gäßchen, bleib ich Stehen vor dem Hettigtume. Dos als Kind mtt Schon ward teuer Hermatstempel Dich dich mein ich. So auch hier, wenn alles'. Ruft innerlich zum beten Mich lenk ich zu Dtt. Gotteshaus Daß Heimatslust mich umweht. Me Bilder feh ich wieder Mle Bilder meiner Kindheit Bor die Seele treten Langsam — langsam. Doppelt stark die Stunde wirket Wirket das Gebet Zu meinem Gotte. Und gestärkt an Geist und Seele Und gestärkt für Kampf und ringend Trete ich aus den heiligen Hallen Hallen heilig bleibt, Mir immer hellig Bleibt und stark In mtt.

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