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Der Israelit · 1924-06-26 · Heft 26 (26.6.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 26 (26.6.1924)
Date
1924-06-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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naia - Menschenr recht unangenehm ist, wenn er dann einmal später bei Gelegenheit von sich erzählen hört: „Sieh mal oder hör mal: - der und der ist ein naiwi tya1' Dies dürfte einem im «üinvn wa wohl kaum Vorkommen. Noch eine ändere Eigenschaft haben die Besucher des «man fj’a (nicht ganz dem Wunsche Unserer w van entsprechend: rnjti »Tnsw p*v). Man „dawent" etwas lauter. Hieran aber wird sich der wirklich naia-Suchende unschwer' gewöhnen, er wird sogar in ganz kurzer Zeit selbst nicht mehr so ganz leise „dawnen", und er wird nicht einmal mehr irre werden, wenn der tbs mto noch während seiner , die Wiederholung der frwjr NLiäv beginnt. Er wird die schwer erlangte naaa nicht wieder hergeben müssen. Sollten obige Zeilen — die' die eingangs aufgeworfene Frage wohl ziemlich beantwortet haben — nur dazu beitrage.n, daß einige, wenige etwas nach? deutliche Menschen sich die Erlangung der so bedeutungsvollen -Eigenschaft zum Ziel setzen, so wäre düs der schönste Preis für diese kleine Arbeit. Ein junger Agudist. * Das Dementi. Bon Prof. 2. 2. de Haan in Jerusalem. Warum soll ich heute nicht einmal über ein Dementi schreiben? Es ist der erste Mai. Ein herrlicher, voller Sommertag. Die jüdischen Arbeiter arbeiten heute nicht. Und unser kleiner Mohammed muh uns das Wasser bringen. — Und so nehme ich die Feder ruhig zur Hand und schreibe „Ein Dementi". Wie geht doch die Zeit dahin! So etwas fängt ganz unschuldig an. Dienstag, den 11. März haben die Abgeordneten Palästinas König Hussein von Hedschas in seinem Lager Schune Nimrin zum Kalifen ausgerufen. Im Anschluß an die Feier empfing mich der König und auf eine Frage, welche Politik er in Zukunft mit der zionistischen Organisation zu treiben gedenke, mir geantwortet: „. . Und da ich die gegenwärtige areligiöse zionistische Bewegung als ein Unrecht gegenüber Mohamedanern, Christen und orthodoxen Juden ansehe, fühle ich mich als Diener der Gerechtigkeit verpflichtet, die gesamte mohamedanische Welt gegen die augenblicklich unreligiöse Zionistische Organisation zu organisieren und mobilisieren." Verschiedene arabische Journalisten haben mich in Schune interviewt und .so ist diese Erklärung des Königs in verschiedenen arabischen Blättern erschienen. Die Zionistische Exekutive hat an alle zionistischen Blätter darüber eine offizielle Mitteilung zugehen lassen. Das deutsche Zionistenblatt „Jüdische Rundschau" schrieb darüber einen Artikel: „König Hussein und die Agudas Jisroel. Ein Dementi." Danach habe Kol. Kisch ein offizielles Dementi gefordert. Und solches auch erhalten. Das im El Sheik el Arabi abgedruckte offizielle Communique lautet u. a.: „Die Nachricht, die in der Zeitung „Felestin" Nr. 4662 vom 14. März bezüglich einer sogenannten Erklärung S. M. des Kalifen an die jüdische Delegation erschien, entbehrt aller Wahrheit." Es wird wohl niemand geben, der glaubt, daß ich solch eine wichtige Erklärun gaus den Fingern gesogen habe. Und so haben gemäßigte zionistische Blätter geschrieben, daß hier doch irgendwie ein Mißverständnis vorliegen müsse. Die Sache ist. die: Letzten Februar besuchte eine Delegation der Agudas Jisroel den Köniss und über diesen Besuch gab die Aguda ein offizielles Kommunique heraus. Darin wird von einer derartigen Erklärung des Königs mit keinem Wort bericht e t. Ich selbst war, Mitglied dieser Delegation der Agudas Jisroel, und kann ich versichern, daß eine derartige Erklärung nicht abgegeben wurde. Ungefähr acht Tage später hat man den König zum Kalifen ausgerufen. Ich war als geladener Gast persönlich dabei anwesend, und mir hat der König diese Erklärung abgegeben. So schreibt die „Jüdische Rundschau" vollkommen zu unrecht: „König Hüffes und die Agudas Jisroel". Bei dieser Unterhaltung war Minister Fuad el Khatib überhaupt nicht anwesend. Nun frage ich: Was mag wohl die Ursache dieses Mißverständnisses. sein. Warum hat man. das Telegramm von Kolonell Kisch an Fad el Khatib nicht veröffentlicht? Und warum nicht den Brief von Kisch an El Kathib? Die arabische Presse behauptet, der Brief des Kolonel Kisch müßte auf die Zionisten einen unangenehmen Eindruck machen und darum habe man ihn nicht veröffentlicht. Lissan el Arab schrieb, daß nach aus Mekka stammenden Informationen, Kol. Kisch den Brief von Fuad el Khatib ohne. Erlaubnis veröffentlicht habe und daß der hedschasifche Minister auf Veranlassung des Königs deshalb alle seine Beziehungen zu Kolonel Kisch abgebrochen habe; , sagt Kisch: „Ich hatte das Recht zur Veröffentlichung." Aber in welcher Form. diese Erlaubnis verlangt und erhalten wurde, sagt er nicht. Und wenn wir das ganze Dementi lesen, welche Bedeutung hat es dann, noch? Der Minister sagt, der König habe diese Erklärung nicht abgegeben. Aber er sagt nicht, daß sie des Königs Meinung nicht wiedergebe. Im Gegenteil: Seit dem Besuch der zionistischen Delegation unter politischer Leitung des Kolonel Kisch habe sich des Königs Meinung nicht geändert. Damals erklärte der König, daß alle Juden in allen arabischen Ländern willkommen seien, aber Nur auf dem Boden der Gleichheit. Unter den arabischen Ländern ist Palästina -inbegriffen. : Natürlich hat so ein Dementi doch etwas Wert. Man kann zur Meinung kommen, daß Kolonel Kisch bei Fuad el Kathib Einfluß besitzt und daß der Minister des' Hedschas der zionistischen Organisation gerne Entgegenkommen will: Derartige politische Erfolge sehen viele Zionisten außerordentlich gerne,, da sie am politischen Charakter die Marke der gegenwärtigen zionistischen Bewegung sehen. "Kolonel Kisch hat ein Dementi gefordert," schreiben die zionistischen Blätter recht zufrieden. Es ist warm und außerdem der erste Mai. Wollen wir drum doch verständig sein und den Wert solcher Dementis und Z u -- sagen nicht über s chätzen, Hiersindwir im Osten. Nach'beiden Seiten macht man Zusagen. Mach beiden Seiten dementiert man. Das ist nicht Lüge und Schlechtigkeit. Es ist nur die Sprache des Landes. Sind wir von der Anständigkeit all der Menschen überzeugt, die wir mit „Sehr geehrter Herr" anreden? Sind wir all den Menschen so sehr ergeben, denen wir am Ende des Briefes schreiben: „Ihr ergebener"? Vielleicht geht man im Osten etwas zu weit damit. Ist ein General ein schlechter Mensch, wenn er seine Truppenbewegungen verschleiert? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem falschen Dementi und einer versteckten Kanone? Zum Beispiel: Die offiziellen Beziehungen zwischen König Hussein und den französischen Autoritäten in Syrien sind schlechte. Die französischen Behörden haben verboten» syrische Delegationen an König Hussein zu senden. Briefe und Telegramme werden nicht durchgelassen. Die Mohamedaner dürfen des Königs Name in ihren Gebeten als Kalifen nicht nennen. Natürlich schreibt die arabische Presse über diese schlechten Beziehungen. Da plötzlich kommt ein offizielles Dementi. Die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Hedschas sind gar nicht schlecht. Und all das, was in Syrien geschieht, ist das Werk kleiner, unbedeutender Ortsbeamten. Das Dementi von Fuad el Khatib hat natürlich in den nationalen arabischen Kreisen einen bösen Eindruck gemacht. „Das hat Abdullah getan", sagen die, die es wissen können. — Ich glaube nicht, daß die Zionisten Emir Abdullah zum Regenten Palästinas wünschen. Aber der Emir scheint zu glauben, Herbert Samuel könne ihm zum Emirat über Palästina verhelfen, wenn er nicht öffentlich gegen die Zionisten auftritt. Der Erfolgt ist: Die Palästinenser mißtrauen dem Emir. Fast die gesamte rabische Presse ist deshalb gegen Emir Abdullah. Seine Regierung in Transjordanien ist auch nicht in jeder Beziehung ein Erfolg. Lord Raglan, der als Major Sommerset in Transjordanien diente, wird darüber im Oberhaus interpellieren. Auf jeden Fall: hinter dem Dementi an Kol. Kisch scheint Emir Abdullah zu stehen. Teilweise um den Zionisten entgegenzukommen. teilweise um den Palästinensern eins auszuwischen. Wir, Zionisten in Zion, sehen das^piel seekenruhig mit an. Wir halten nicht viel davon. Wir lesen die Statistiken. Die zunehmende Immigration und die ebenso stark zunehmende Emigration. In den ersten drei Monaten von 1924 bleibt kein Ueberschuß. Das ist viel, viel wichtiger. Die Palästinenser haben sich natürlich bei diesem Dementi nicht beruhigt. Sie haben dem König Husiein deutlich gemacht, daß auf dieses Dementi wieder ein Dementi folgen muß, andernfalls der König nicht auf die Palästinenser bei der Propagandierung seines Kalifats rechnen kann. Und die Palästinenser haben großen Einfluß. Denn mit Palästina ist innerhalb der arabischen Welt etwas ganz Merkwürdiges geschehen. Früher war Palästina den Arabern ein ganz gewöhnlich arabisches Land. Durch den Zionismus aber ist es anders geworden. Nun sind die Palästinenser so eine Art Märtyrer und streiten für eine gute Sache. Sie haben augenblicklich in Indien und Aegypten Einfluß, und ohne Anerkennung dieser Länder bekommt das Kalifat. für Hussein gar keine Bedeutung. Und gerade in diesen beiden Ländern will man den König noch nicht anerkennen, weil man ihn zu pro-englisch findet. Auf Ersuchen der Palästinenser hat König Hussein seine Erklärung nun an Mussa Kazem Pascha el Hussein, Führer der nationalen palästinensischen Bewegung, erneuert. Ueberall wird es veröffentlicht. Auch die zionistische Exekutive weiß es. Eine Abschrift, gezeichnet vom Sekretär der arabischen Exekutive, habe ich der Reda ktion zugesandt. Die Erklärung lautet: „Ich sehe die zionistische Bewegung als Unrecht gegenüber Mohammedanern, Christen und orthodoxen Juden an. Und als ein Diener der Gerechtigkeit werde ich mich mit aller Macht gegen eine solche Politik stemmen, mit Hilfe der gesamten islamitischen Welt. Diese Erklärung hat Seine Majestät der König Sr. Exz. dem Pascha gegeben, nachdem Kol. Kisch won der Zionistischen Exekutive einen Brief Seiner Exzellenz Sheik Fuad el Khatib, Minister des Auswärtigen, veröffentlichte, womit die Zionistische Exekutive beweisen wollte, daß eine derartige Erklärung nicht schon früher durch S. M. dem König abggeben wurde." Gez. Khalib Sakakini. (Aus dem Amsterdamer „Handelsbland"). (Damit ist klar erwiesen, daß das ganze „Dementi", das man gegen „Agudas Jisroel" veröffentlichte, ein ganz gewöhnliches Partei-Manöver ohne jeden wahrhaftigen Hintergrund war. Red.) Eingesandt. Verehrte Redaktion! Herr Direktor Josef Carlebach in Hamburg behandelt in Nr. 9 Ihrer geschätzten Zeitschrift einige „Verfassungsfragen der Agudas Jisroel" von einem Standpunkte aus, der wohl auch von vielen, die der A. I. heute noch fernstehen, mit Freuden begrüßt werden wird. Indes fordert die Art, wie Herr Dr Carlebach von dem Streite Hirsch-Bamberger spricht, unseren schärfsten Widerspruch hervor, und mir können die Schilderung der Person des Rabb. Bamberger, wie Dr. Carlebach sie gibt, nicht unwidersprochen lassen. Daß ein Rabbiner Bamberger es gewagt hat, „einem Genie — wie Rabbiner Hirsch es unbestritten war — in den Arm zu fallen" darf uns eigentlich doch nicht so verwundern, wie es bei Herrn Dr. Carlebach der Fall zu sein scheint. Die Persönlichkeit Hirschs ist gewiß über alle Kritik erhaben, aber schließlich war er aber auch nur tnvwa» und ein Rabbiner Bamberger durfte es wohl wagen, ihm feine gegenteiligen Ansichten entgegenzustellen. Ein Rabb. Bamberger, der ohne Zweifel ebenso zu den Tiari gezählt werden durfte wie Rabb. Hirsch, hatte nach der jüdischen Anschauung, daß wir alle nur Menschem-und daher nicht fehlerfrei sind, das Recht und die Pflicht, Rabbiner Hirsch darauf hinzuwetfen, daß sich ihre Ansichten über diese Frage nicht deckten. Denn Bamberger war durchaus nicht der „altmodisch-fromme, nair gläubige Jude", wie ihn Herr Dr. Carlebach hinstellt Zunächst, Herr Dr. Carlebach, gibt es für Sie als^ frommen Juden überhaupt Leute mit „altmodischer Frömmigkeit"? Unser Judentum ist n"a so beschaffen, \ daß es der Wandelbarkeit der Zeiten zum Trotz stets jung bleiibt, und vor 2000 Jahren schon genau so „altmodisch" war, wie es heute noch ist. m' daß alle unsere Brüder „altmodisch-fromm" wären! — Und „naivgläubig"!?! Wir deutschen Juden haben bis vor wenigen Jahren, als wir unseren Brüdern noch wett mehr entfernt waren als heute, mit einer gewissen Herablassung auf unsere *mn im Osten gesehen, deren Autorität in halachischen Fragen wir unumwunden anerkannten, deren Urteilsfähigkeit in jüdisch-politischen Fragen wir jedoch stark bezweifelten. Durch die Annäherung zwischen Ost und West» die der Krieg und die Nachkriegszeit gebracht haben, sind wir eines besseren belehrt worden. Wir sehen heute endlich ein, daß die Großen unserer Zeit sich durchaus nicht auf die nai-n bv ivwas 'n beschränken, sondern daß sie aus der p''mn das Wissen schöpfen, das zur Beurteilung sämtlicher das Judentum tangierenden Fragen befähigt. Und nun wollen Sie, Herr Dr. Carlebach, wieder in unseren früheren n"a abgelegten Fehler verfallen, indem Sie einen Rabb. Bamberger, Verfasser von Werken wie .vmairi» mia apy> wai» rmix u. a. m. als „naiv-gläubig" bezeichnen?! — Wir können uns dieser „altmodischen" Ansicht nicht anschließen, die Persönlichkeit des Rabb. Bamberger steht uns zu hoch, als daß wir ihn als „naiv-gläubiig" hinstellen können! Und weiter: „Hirsch blieb in der Auseinandersetzung Sieger; er war der größere Kopf, der in der logischen Herausarbeitung des Standpunktes bei weitem Ueberlegene". — Hirsch blieb Sieger? Für diese Behauptung wäre der Beweis noch zu erbringen, Herr Dr. Carlebach! Wo sind die die vielen Gemeinden Deutschlands, die sich den Standpunkt Hirschs zu eigen gemacht haben? Außer der Wirkungsstätte Hirschs ist es kaum eine Gemeinde von Bedeutung, die die Konsequenzen Hirschs gezogen hat. Und wo finden wir die Entscheidung eines aus allen *rnn zusammengesetzten Greniums, die für Rabb. Hirsch und gegen Rabb. Bamberger lautet? Oder wollen Sie, Herr Dr. Carlebach, etwa den Beweis für Hirsch darin sehen, daß Bamberger auf die letzte „Würdigung der Antwort von Rabb. Bamberger" von Hirsch nicht mehr erwiderte? Den Grundsatz nn-rina npntf können wir hier nicht anwenden, denn von einer Seite mußte dieser wohl nicht im Interesse der Sache öffentlich geführte Disput beendet werden, und wenn es Bamberger war, der den Schriftwechsel nicht weiter fortsetzte, so war dies bei weitem kein Zeichen dafür, daß er sich besiegt fühlte. Und daß Hirsch „der größere Kopf, der in der logischen Herausarbeitung des Standpunkts bei weitem Ueberlegene" war, mühte uns Herr Dr. Carlebach auch noch beweisen. Eine derartige Behauptung aufzustellen, Postscheck - Konto des LaBdesverbaDdes der „Agudas Jisroel“ in Deutschland: Berlin Nr. 18901. \ \ \

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