Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1924)
- Date
- 1924-06-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 10 Der Israelit B-i ö t tz^r^ 26. Juni 1924 die Erscheinung tritt, die herrschende gewordeM ist, so dürfen Sie sich nicht wundern, daß viele' Mitglieder sich in diesen Verbänden nicht wohs fühlten und sich von der Betätigung am jüdischen Leben ganz. zurückhielten, und daß; als Folge' dieser Entwicklung die Achduth gegründet wurde.. Der Zweck dieser Gründung war durchaus nicht die Propagierung der Gleichberechtigung der „Richtungen", des liberalen und des orthodoxen Judentums, wie dies wiederholt fälschlich behauptet worden ist. Gegenüber dem in dem letzten Jahrzehnt immer mehr hervorgetretenen Anspruch unserer separatistischen Brüder, das orthodoxe Judentum schlechthin zu repräsentieren, will allerdings die Achduth den Standpunkt der Anhänger der Einheitsgemeinde auch theoretisch begründen. Sie will ferner die noch fernstehenden Gesetzestreuen zur Arbeit für die Zwecke der Thora heranziehen, um dann auf der Grundlage der Gleichberechtigung der orthodoxen Richtungen eine wirklich harmonische Einheit aller trKV, ein ninrm in wahrem Sinne des Wortes herzustellen. Zu dieser theoretischen Begründung soll auch der Hinweis auf den Arewutgevanken etwas beitragen. Wenn Sie sagen, daß nach dieser An- „ Wendung des Arewutgedankens der Zweck der Erhaltung orthodoxer Einrichtungen den Jssur des Verbleibens in einer Reformgemeinde in eine Mizwa verwandle, so bedeutet diese Argumentation einen logischen Sprung. Wenn das Verbleiben in der Einheitgemeinde ein Jssur an sich, der Austritt also eine Art2M2n mn wäre, so hätten Sie recht. Aber der Austritt ist nur eine utima ratio, eine bittere Notwendigkeit, wenn die Gemeinde den Standpukt einnimmt, wie ich dies in meinem Referat ausgeführt habe. Wenn es sich aber nur um das Fortbestehenlassen der Reformeinrichtungen seitens des Vorstandes handelt, gewissermaßen um dn'i'2 orrmiK ania wenn dazu die Möglichkeit kommt, daß wir durch das Verbleiben in der Gemeinde wieder strengfromme Einrichtungen schaffen können, so erwächst uns nach meiner Auffassung aus dem nirnv Gedanken die Pflicht, diese Möglichkeit auszunützen. Meinen Hinweis auf Simon ben Schetach glauben Sie damit zu enkräften, daß Sie sagen, daß er „in voller Kriegsausrüstung die Höhle des Löwen betreten habe, um ihn zur Strecke zu bringen." Bei dieser poetischen Darstellung, verehrter Herr Kollege, hat, glaube ich, die Phantasie stark mitgewirkt. Simon ben Schetach wird schwerlich mit einer Kriegserklärung in das Synhedrion eingetreten. sein, sonst hätten sich wohl die Sadduzäer mit all ihrer Macht, die da-, mals noch recht bedeutend war, seinem Eintritt widersetzt. Er ist, trotzdem dies gegen das Gesetz war, ohne Vorbehalt eingetreten, in der Zuversicht, daß ihm bei seinem Streben, die Gegner zu besiegen Erfolg beschieden sein werde. Daß dieser Erfolg so rasch eintrat, war gewiß seiner überragenden Persönlichkeit zu danken. Es ist aber eine schiefe, den Tatsachen widersprechende Darstellung, wenn man sagt, daß wir uns „zu gegnseitiger Duldung neben der Neologie häuslich niederlassen". Auch wir kämpfen für unser Prinzip und suchen den Standpunkt der Thora zur Geltung zu bringen. Und hat die Politik der „Unionisten", wie Sie sie nennen, nicht schon recht beachtenswerte Erfolge erzielt? Um zunächst nur von Baden zu reden, so haben sich z. B. in Mannheim seit 10 Jahren die Verhältnisse radikal geändert. Während früher die Reform eine unbestrittene Alleinherrschaft ausübte, sind heute die religiösen Institutionen unter orthodoxer Aufficht, und der Vorstand trägt in jeder Beziehung unseren Wünschen Rechnung. In einer Nachbargemeinde, wo ebenfalls die Reform dominierte, ist sogar das unmöglich Scheinende möglich geworden: man hat die Orgel aus der Synagoge entfernt. Und in einer anderen Gemeinde Badens, wo unter Hunderten von Mitgliedern kaum 20 Orthodoxe sind, hat trotzdem der Vorstand eine sehr große Summe für die Mikweh bewilligt . Bedeutet eine solche Bewilligung nicht an sich schon eine Anerkennung ÄW orthodoxeMPrinziPs? Ohne diese Aner- Mnung häfftz jacher nleologe Vorstand) gär nichji Ms Recht? solche Summen aus dem^GemeinK^ säckel zu bewilligen. Und führende liberale Persönlichkeiten^ haben Mckhältlos WgMmden^ daß sie ..in der. Orthodoxie bas. Rückgrat des . Judentums sehen. Wenn der Vorstand das orthodoxe Judentum für die Gemeinde anerkennt, auch wenn er dieser Anerkennung für feine P e r s o n keine Folge, gibt, so genügt dies ja auch Ihnen; denn darauf gründen Sie ja Ihre Antwort auf meine Frage, mit welchem Recht separatistische Rabbiner in Gemeinden mit neologem Vorstand amtieren können.. Sie sagen, daß der Austritt in Frankfurt nur erfolgte, „weil die Gemeinde von einem neologen Vorstand neolog verwaltet wurde." Wird sie also von einem neologen Vorstand orthodox verwaltet, so sind auch Sie zufrieden. Sachlich kann ich Ihnen hierin allerdings — von Ihrem Standpunkte aus — nicht Recht ^Mdern, bei allen Mitgliedern freudige Unterstützung fänden, als daß wir Schritt für Schritt ditz Anerkennung unseres Standpunktes erkämpfen und uns bei jeder Maßregel von neuem frätzm müssen, wieMMM ^WHfüHrÄMkönnAO .daß wir. oft.Jahre lMg.^Mß'WchK..^tolerier.eN. müssen, bis wir endlich unser Ziel -erreicht haben? Es ist viel leichter, auszutreten und die Anulesovgainsaüon dev „Agullas Iis oel" in Deuijeklanck Wir empfehlen den Ortsgruppen den Bezug folgender Broschüren: I, Der Delegiertentag der Landesorganisation der flgudas Jisvoef in Deutjcfifand zu fiafßerftacff Berichte und Materialien. 64 Seiten. preis 40 pkg. II. (Referate erstattet der Keneflio Sedaufo von Iacov Ilosenheiur, Dr. Isaak Breuer Dr. Wathau MirnSaum. 36 Seiten. preis so plg. Bestellungen erbeten an den Vorstand der Landesorganisation in Halberstadt. geben. Der Schulchan Aruch verlangt die religiöse Vollwertigkeit des Vorstandes nicht aus der Befürchtung heraus, daß er andernfalls die Gemeinde neolog verwalten könnte, die Forderung ist vielmehr S e l b st z w e ck. Aber ich gebe zu, daß ihre Verwirklichung unter den heutigen Umständen kaum möglich sein dürfte. Wenn aber auch Sie deshalb darauf verzichten, so ist dies eben auch eine Konzession, eine Konzession, die aus der Not der Zeit geboren ist. Solche Konzessionen hat sogar S. R. Hirsch gemacht. Es wird Ihnen z. B. nicht unbekannt sein, daß er bereit war, den gemeinsamen Friedhof mit der Hauptgemeinde beizubehalten, und nur die Jntransigenz des neologen Vorstandes hat dies verhindert. Hirsch wollte diese Einheit wahren, trotzdem ihm die Vorschrift p« pnx ^>2» swi wohl bekannt war. Aber er hatte eben doch das Empfinden, daß bei diesen Dingen Imponderabilien mitspielen und. daß die Not der Zeit uns zu manchem zwingt, was wir unter normalen Verhältnisien vermeiden müßten. Und die abnormen Zeitverhältnisse sind es auch, die uns dazu nötigen, in Gemeinden, die auch Reformeinrichtungen haben, für die Anerkennung der Thora zu kämpfen. Glauben Sie denn nicht, verehrter Herr Kollege, daß es für mich und für meine Gesinnungsgenossen viel angenehmer und bequemer war, in einer Gemeinde von lauter ä'*n' und.nixan ayipna zu wirken, wo wir in unserem Streben min und nm’ zu Israels für die Thora, macht es uns zur Pflicht auszuharren, um so vielleicht— der Erfolg liegt immer in der Hand eines Höheren — Tmn^ nivl'b, rnvp '' die allgemeine Anerkennung -der Thora wieder herbeizüführen. ' "- Gedanken und Feststellungen Über die Erziehung znr,1212 bei der nVsn* Ich glaube, man muß, um. über obengenanntes Thema sich zu unterhalten, erst mal sich fragen: „Was ist eigentlich mia denn es' ist nicht ganz' identisch mit Ler deutschen „Andacht". Das Wort Andacht-besagt wohl, daß man „an etwas denkt", daß man vielleicht sogar sein ganzes Denken und Fühlen auf etwas Bestimmtes konzentriert hat. mia aber ist außer dieser Definierung noch etwas anderes, Höheres, ni« ist — ich möchte beinahe sagen -reine Eigenschaft, die den Betreffenden, sofern er sie besitzt — und das.will viel heißen —, hinweghebt über alles Irdische, hinaufhebt in eine Region, die für uns Menschen nur in den seltensten Fällen erreichbar ist, nur dann erreichbar ist, wenn die Person ihr Sinnen und Denken in höchstem Maße und in äußerster Anspannung zu konzentrieren weiß auf die Empfindung des Augenblicks . Eine solche, mia wie sie hier ausgezeichnet und wie sie nur noch als wahre mia angesehen werden kann, habe ich noch nie erreicht während der Dauer einer ganzen n^-m. Und nun frage ich mich: Warum habe ich eine solche noch nicht erreicht, und welche Mittel muß ich anwenden, um mich zu solcher 0212 zu erziehen? Auf die aufgeworfene Frage gibt mir die erste mm im fünften pa von ma-obie denkbar beste und deutlichste Antwort. Es heißt dort: mna -pna rürr onsw y>« mrr ina'u ns v'^soai nnrr nsu D\Yiu m tjvhtfmn d’T’Dh uni bv ins um i^'srri iia'U' ab laiVua bxw *]Van i^'srr aipaV nnV *p'vs' xb I3ps Es ist unbedingte Folge eines Nachdenkens über den Inhalt dieser mua, daß die nötigste und erste Voraussetzung zur 0212 ein intensives Sammeln aller Gedanken zur ist. Unsere ö’nan — will uns die mua sagen, — die doch ganz unzweifelhaft weit größere Jdealmenschen waren als wir, pflegten, um wahrhafte mia zu erlangen, sich eine Stunde vor Beginn der mi-on. an dem hierzu bestimmten Orte (siehe mntna) einzufinden, um sich richtig konzentrieren zu können. Um eine solche Konzentration handelt es sich wohl nur bei den je einmal täglich vorgeschriebenen nii-sn ansmi nma Nicht sehr nötig dürfte dieselbe sein, wenn beispielsweise es eine rn'nn ist (um mich des Ausdrucks in der vierten mtfa des vorangehenden pis zu bedienen) die jedem bei Gelegenheit Herzensbedürfnis ist. Ist hier eine wirkliche mia erreicht — und das wird nicht sehr schwer fallen — so finden sicherlich Körper und Seele reiche Befriedigung. Ueberhaupt man möchte sagen: Der untrüglichste, unzweifelhafteste Beweis für das Vorhandengewesensein einer wirklichen mia, ist — auch bei Verrichtung von m^sn — das Gefühl einer unbedingten, sofortigen Befriedigung von Körper- und Seelenempfindungen. Ein einziges Mal ist es mir geglückt in mia bei völliger Ausschaltung aller äußeren Umstände und Einwirkungen bei musr miau rt»’an bis zu ir>^ *pa zu gelangen. Ich kann mich noch genau entsinnen, es war zu nma in einem größeren pa. Als ich am Ende der i2'rrs*i nana angelangt war, da fing der pn an laut die n*iu? miau zu wiederholen, und das brachte mich ganz aus der Gedankenwelt meiner fo schwer erreichten mia. Es wurde mir seit jener Zeit zur unbedingten Gewißheit, daß für denjenigen, der den festen Willen hat, die Eigenschaft der mia sich zu erwerben, es vor allem unerläßlich ist —- während der Zeit der Ausbildung hierzu — zur Verrichtung seiner ni^vn ein «man ma aufzusuchen. Es besteht die Tatsache, daß in den meisten aiema 'va - ein sehr großer Prozentsatz der ni^vo >*>*a länger (zeitlich) „dawent" als in den deutschen Synagogen; infolgedessen der pn erst entsprechend später mit der Wiederholung von rnus? miau beginnt. Man kann also länger mia haben. Ein zweiter, recht wichtiger Grund, der mit dem efften in Zusammenhang steht, ist folgender: Man wird in den Synagogen, vielleicht erst unwillkürlich, dann aber wissentlich beobachtet bei dem (nach deutschen Begriffen) sehr langem-wr, rniau-Stehen, und zwar gerade von denen, die schon , lange mit der. eingefleischten, zur Gewohnheit gewordenen. Schnelligkeit gebetet haben. Es wird mir wohl kaum jemand abstreiten wollen, daß es dem noch immer dastehenden