Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1924)
- Date
- 1924-06-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 10 mutet uns doch merkwürdig an. Ein Bambergere, der mit allen Großen seiner Zeit über die schwierigsten halachischen Fragen in lebhafter Verbindung stand, stand Hirsch in der Fähigkeit der „logischen Herausarbeitung des Standpunkts" sicherlich nicht nach, und wir möchten bezweifeln, ob Herr Dr. Carlebach die große „Ueberlegenheit" Hirschs uns Nachweisen kann. Hochachtungsvoll Hermann Hirschberg. (Der Herr Einsender hat Herrn Direktor Carlebach durchaus mißverstanden. In höchster Verehrung wurde in dem Artikel der Würzburger Raw als wundervoller Typus der alten deutschen Rabbonim genannt, „dessen seelischer Abglanz noch heute in seinen ihn unendlich verehrenden Schülern nachlebt und fortstrahlt". Gerührt und rührend fügte Direktor Carlebach die Worte ein von dem altmodisch-frommen, naiv-gläubigen Juden, im Gegensatz natürlich zu den neumodischen. Nur Ueberempfindlichkeit eines Urenkels des also gefeierten Mannes kann den ersten Teil des Eingesandts erklären. — Daß bei der Auseinandersetzung der Frankfurter Raw „in der logischen Herausarbeitung des Standpunktes" stärker blieb, ist ganz einfach der Eindruck, den persönlich Direktor Carlebach aus der Lektüre des Briefwechsels der beiden Rabbonim gewonnen hat. Herrn Hirschberg bleibt es unbenommen, einen gegenteiligen Eindruck davonzutragen. Persönliche Eindrücke aber bedürfen gemeinhin keiner mathemathischen Beweise. Red.) Aus der Bewegung. Nürnberg. Die Ortsgruppe hat, wie der Bericht auf der Mitgliederversammlung ergab, Bemerkenswertes geleistet. Eine Darlehenskasse gewährt zinsfreie Gelder gegen Sicherheit an ortsansässige Juden. Schritte zur Errichtung eines Kindergartens find getan. Zur Erholung und Heilung schwacher und kränklicher Kinder wurden trefflich organisierte, höchst erfolgreiche und allseitig dankbar anerkannte Maßnahmen getroffen. Die Ritualienkommission hat Mazzos beschafft, Tefillin und Lehrbücher bereitgestellt, Konseroendepots eingerichtet. Wieder ausgenommen wurde zur Freude zahlreicher Teilnehmer der beliebte R a s ch i - S ch i u r von Herrn Rabbiner Dr. Klein auf Veranlassung der Ortsgruppe, ebenso wird ein Gemoro-Schiur von Herrn Rabbiner Dr. Klein gelernt. Die Vortragsabende wurden von den Nürnberger A.-J.-Gruppen zusammen veranstaltet. Dank der Rührigkeit Moritz Klugmanns wurden an sämtliche Fonds der Palästina-Zentrale ansehnliche Beträge überwiesen. Die Vorstandswahl ergab die bisherige Zusammensetzung wieder unter Dr. L. Eisemanns bewährtem Vorsitz. Nürnberg. Im großen Saale des Künstlerhauses sprach Dr. Max Cohen-Köln über „Agubas Jisroel, die Organisation der Weltorthodoxie". Trotzdem an demselben Abend anderwärts noch zwei jüdische Vorträge gehalten wurden, war die Versammlung groß. Redner klärte zu Beginn den Unterschied, der sich durch die Aufklärungsbestrebungen anfangs des neunzehnten Jahrhunderts herausbildete zwischen dem deutschen Judentum vor und demjenigen nach dieser Geisteswende: vorher die natürliche innere und äußere Einheit des Judentums durch Tauroh und in Tauroh» nachher Zerrissenheit unter der Wirkung eines himmelanstürmenden „Aufklärung"sRausches. Den zertrümmerten Klal Jisroel wiederzuschmieden und in der Tauroh zu einen, trat Agudas Jisroel in die Welt. An Hand der Organisationsverfassung, die die erste Kenessio Gedaulo geschaffen hat, wurde aufgezeigt, wie unsichtig, zielklar und prägnant in wenigen, kurzen Paragraphen Idee und Aufgaben der Agudas Jisroel fixiert und gegen-"' über anderen Strömungen innerhalb der Judenheit abgegrenzt sind. Die klare und warme Rede fand reichen Beifall. Nürnberg. 2. Juni. Heute sprach Herrn Dr. Nathan Birnbaum-Hamburg im großen Saale des „Deutschen Hofes" vor einem weiten Zuhörerkreise über das Thema: „Der Sinn desJudentums". Geradezu gewissenhaft scharf entwickelte Redner seine Gedanken und wie in Ehrfurcht vor der Präzision einer Idee opferte'er ihr sogar zuweilen die ihm eigene Kunst der sprachlichen Einkleidung. Das zeigt uns Birnbaum in erster Linie als Denker. Doch gehört er nicht zu jenen pergamentenen Denkerseelen, die nur ein Organ des Geistes zu haben scheinen, mathematisch-nüchternes Gehirn, sondern Birnbaums Denken atmet Herzwärme, die Herzwärme eines um Gott Denkenden. Was ist nun nach Birnbaum der Sinn des Judentums? Zunächst der jedweder monotheistischen Religion: Der Israelit _Blätter 1. Das Religiöse an sich (auch dem Heidentums wohnt es auf eigeneArt inne), 2. die religiöfeGemeinschaft(Vorgänge der Geschichte, Kulturideen bewegen sich immer in Gemeinschaften, 3. der Eingottglaube (das Judentum hat das Verdienst ihn der Menschheit gebracht zu haben und besitzt ihn in der reinsten Form). Im besonderen aber beruht der Sinn des Judentums darin, Zeichen zu sein. Ein Bergfeuer sei es über dem ziellos pilgerden Menschheitsgeiste und weise die Bahn zu Gott. Das Judenvolt ist seelisch für diese Aufgabe prädistiniert, denn die Juden sind ein „Ernstvolk". Ertüchtigt und gestählt zum Vollbringen ihrer Mission werden sie aber erst durch die disziplinierende Macht ihres Gottesgesetzes. Das Gesetz zum Impulsator des jüdischen Volkes erheben, heißt daher ben Sinn des Judentums erfüllen. Das bedeutet jedoch den Konflikt mit der Zeit auf sich nehmen und ihn durchkämpfen aus Scheu vor dem Konflikt mit der Ewigkeit. Die Führer des Judentums haben indes die Pflicht, dem Juden das Ringen soweit als möglich zu erleichtern und müssen mit allen, auch den raffiniertesten Mitteln der Zivilisation suchen ihm Unterstützung zu bieten. Der Vortrag fand allerseits starken Beifall und wurde von Herrn Rabbiner Dr. Klein mit sinnreich an die kürzlich begangene Jubelfeier des Gastes anknüpfenden Worten geschlossen. L. G. Wien. (A.J. P. B.) Am 3. und 4. Siwan (5. und 6. Juni) sind in Wien mehr als 60 Emigranten eingetroffen. Das Rechtsschutzbüro mnb das Emigrantenfürsorgekomitee der Wiener Aguda haben einen Teil der Emigranten im neuen Wanderungsheim des Jüdischen Hilfswerkes untergebracht und die übrigen privat versorgt. Es wurde auch die Verköstigung der Emigranten, trotz der kurzen Frist vor den Feiertagen, befriedigenderweise geregelt. Die Wiener Polizei zeigte sich sehr entgegenkommend und gewährte mit Rücksicht auf die bevorstehenden Feiertage alle möglichen Erleichterungen. 'Verwendet (Aguda - OTtae&en * ßvfiafffiefi in allen Ortsgruppen. Wien. (A. I. P. B.) Der ständig wachsende Strom von Emigranten, die über Wien ihren Weg nehmen, erfüllt die hiesigen Kreise mit Besorgnis, da fast alle Länder ihre Tore gesperrt halten. In Wien selbst herrscht zurzeit andauernd eine schwere Wirtschaftskrise, die die philantrophische Arbeit für die Emigranten sehr erschwert. Die Landeszentrale und Palästinazentrale der Aguda in Wien setzte ein Fürsorgekomitee für die Emigranten ein, das die bisherige Versorgung der Emigranten klaglos durchgeführt hat. llniversitötsprofessor Max Eisler, Präsident des Jüdischen Hilfswerkes, wandte sich an die großen Wiener Hilfsorganisationen mit dem Vorschlag, die Fürsorgetätigkeit für die Emigranten gemeinsam durchzuführen. Wien. (A. I. P. B.) Anläßlich der Keren Hathora- Woche haben fast alle konservativen Rabbiner in ihren Schebuothpredigten die Bedeutung des Keren Hathora hervorgehoben. Unter dem Eindruck der Reden wurden in allen Synagogen bei der Thora für den Keren Hathora gespendet. Antwerpen. (A. I. P. B.) Das neue Büro der Agudas Jisroel in Antwerpen wurde vor Schebuoth feiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig wurden Besprechungen abgehalten, um die Propagandatournee von Oberrabbiner Kalmanowitsch Rakow für Keren Hathora vorzubereiten. Czesiochow. (A. I. P. B.) Nach langen Vorberetungen ist es der Agudas Jisroel und Zeirei Agudas Jisroel in Czestochow gelungen, eine Gruppe von Owdei Adomo (Feldarbeiter) zu schaffen, welche die Ausbildung von orthodoxen jungen Leuten in allen Zweigen der Landwirtschaft sich zur Aufgabe gemacht hat. Großes Verdienst hat an der Realisierung des Projektes Rabbi Mosche Chaim Lau aus Suczawa, der seine Anwesenheit in Czestochow dazu benützt hat, um die Bildung der Gruppe in die richtige Wege zu leiten. Ferner dem 26. Juni 1924 Pilzer Rabbi, der ein ihm gehöriges Stück Feld der Gruppe zur Verfügung gestellt hat. Der Pilzer Rabbi selbst hält den Mitgliedern der Gruppe jeden Tag vor der Arbeit einen Schiur über die Mizwoth, die an Erez Jisroel gebunden sind. Buenos Aires. (A. J.P. B.) Es gelang der Aguda in Buenos Aires, größere Summen für Keren Erez Jisroel zu schaffen, die bereits den Thoralehranstalten des heiligen Landes zur Verfügung gestellt wurden. Ferner würde eine spezielle Ünterstützungskasse für Sabbathhaltende geschaffen. Auch auf dem Gebiete des Kaschruthwesens und der Schaffung einer koscheren Schechita in Buenos Aires gelang es der Aguda, einige Verbesserungen zu erreichen. Es wurde ein Kafchruthuiid ein Schechitakomitee gebildet, die mit großer Energie und gutem Erfolge arbeiten. Warschau. (A. I. P. B.) Dr. Nathan Birnbaum hegibt sich in einigen Wochen nach dem Osten, um in Llodz, Vialystock, Wilna, Warschau, Lemberg und Krakau Vorträge zu halten. Seine Freunde und Anhänger treffen überall große Vorbereitungen, um den populären Führer, der erst jüngst feinen 60. Geburtstag gefeiert hat, würdig zu empfangen. Wilna. (A. I. P. B.) Sonntag, den 13. Siwan (15. Juni), fand hier unter Vorsitz von Rabbi Chaim Ofer Grodzenski eine große Protestversammlung gegen die Kampfmethode der Lnksparteien, besonders aber gegen die gehässigen persönlichen Angriffe Dr. Wigodskis auf das Wilnaer Rabbinat. Die Versammlung beschloß, geeignete Abwehrmaßnahmen zu treffen, gegen diese Art des Kampfes gegen den religiösen Charakter der Gemeinde, ferner wurde beschlossen, eine ständige Vertretung der Bethäuser zu gründen. Wien. (A. I. P. B.) Obwohl das neue Wanderungsheim des „Jüdischen Hilfswerkes" der Aguda, durch Adaptierung vergrößert, nunmehr 50 Emigranten Obdach bietet, sind noch immer viele Emigranten ohne geeignetes Quartier. Die andauernde kritische Wirtschaftslage erschwert furchtbar die Arbeit des Fürsorgekomitees. Man befürchtet, falls der Zustrom von Emigranten nach Wien noch andauern sollte, ernste Schwierigkeiten. Christiania. (A. I. P. B.) Rabbiner Dr. Winkler (Christiania) hat die jüdischen Gemeinden Norwegens bereist und für Keren Havhora und Keren Erez Jisroel erfolgreiche Propaganda gemacht. Spendenlisten. Organisations-Fonds. Breslau: D. Koppenheim z. Hochzeit Fränkel- Levinger 5. Cöln: Ortsgruppe 300. Frankfurt: Palästina-Zentrale 65 35, Ortsgruppe 168, Ortsgruppe 134, Leo Wrefchner 15 Lstg., Philipp Feist 100. Halberstadt: Frau Bachmann zum 6. Jjar 10, Dr. Emil Hirsch 60 Lstg., Mar Hirsch Juni-Rate 5 Lstg., Js. Nutzbaum, Juni Rate 91 M. Hamburg: Keren Hatora-Direktorium 235.45. Nürnberg: Wilh. Besteller 5, Frau L. Grünbaum 10 Lstg. Keren Hathora. Breslau: Martin Friedländer 10. Cassel: N. N 5. Frankfurt a. M.: durch Iugendgruppe: Meier Bing 50, Alex Birnbaum 20. Isidor Hirsch 10, I. Schalmann 20, Jos. Plaut 25, Dr. Maier 5, Leoq. Hirsch 20, Saymel Eisemann 20. Heinrich Edinger 10. Jugendgruppe Treuchtlingen 20, Dr. Gust Stiebel 40, Max Adler 100, Frau Selma Goldschmidt 200, Sally Goldschmidt 50. Ludwigshasen: Oberstudienrat D. Heinemann 5. Memel: Durch Ortsgruppe 64.30 Dollar. Norden: M. Klein 50, N. N. 20. Markenerlös. Alsfeld: Jugendgruppe z. Hochz. Bethmann-Kadden- Dietz 6.50, I. Rothschild, Ablös. 4. Halberstadt: Klara Bachmann 112. Karsruhe: Jakob Altmann 75. Mannheim: Sigmund Würzburger, Tel. Ablös. 3, ders. 16. München: Arthur Feuchtwanger 25. Sammelbüchsen. Bad Brückenau: Hotel Strautz 12.55. Jchenhausen: 12. Verantwortlicher Schriftleiter: G. Goldschmidt in Halberstadt.