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Der Israelit · 1924-06-26 · Heft 26 (26.6.1924) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 26 (26.6.1924)
Date
1924-06-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Hfäffet* fieeausgegeßen von dev landesovganifation der Agudas-Jiseoet In Ventsekkand. JO. Jahrgang Frankfurt a. 2H., den 26. Juni 1924 / 24. Susan 5684 Nummer JO SiUiger Soden-Devfeauf in ®a(S[Hna. •psV mnn nVisa Die Verwaltung des Keren Hajischuw ist durch neuerliche Bodenkäufe in Palästina in der Lage, einen Dunam gut bebauten Bodens etwa 15 Kilometer von» Jerusalem entsernt sür 50 Alar^k abzugeben. Angesichts des eminent billigen Preises ist sosorkige Einzahlung des Betrages sür die gewünschte Anzahl Dunam nötig. An den Erwerb des Bodens ist die Bedingung geknüpft, daß der Käufer sich verpflichtet, nicht in einer dem Thoragefeß zuwiderlaufenden Weise das Land zu bebauen, ferner bei einer evtl. Wiederveräußerung des Bodens der Palästinazentrale das Vorkaufsrecht einzuräumen. Reflektanten, sowohl einzelne wie Gruppen, werden gebeten, bis spätestens 15. Tamus 5684 (13. Juli 1924) sind an die Unterzeichnete Stelle zu wenden. (Palä/Cina - Zentrale der Jlgudas Jisroel Jronßfurf am Main Eschenheimer Anlage 32. Postscheckkonto Frankfurt a. Al. 53 900. Jüdisches Hilföwerk der Agudas Jisroel. Durch Vermittlung von Rabbiner Dr. Leo Jung-Neuyork sind zwei Kisten mit Kleidungsstücken als Erfolg einer Sammlung der Frauenvereinigung seiner Gemeinde, sowie zehn Ballen Kleidungsstücke, die von Mitgliedern der Gemeinde gesammelt wurden, dem Hilfswerk der Agudas Jisroel zugeschickt wodren. Willkommgruß an Nathan Birnbaum in Hamburg. In Hamburgs Hafen läuft ein stolzes Schiff Nach langer, stürmischer Ozeanreise ein. Es geht vor Anker, beinah unbemerkt Vor all dem Lärm der Schlote, Docks und Krähne, Der ohrengellend in der Luft sich spreizt. Wer ahnt, daß dieses Schiff wohl vier Jahrzehnte Mit seinen Schicksalen die halbe Welt In ständig atemloser Spannung hielt, So Lob, wie Tadel, Liebe hier, dort Haß Von Tausenden und Tausenden erweckte? Bald war's Entdeckerschiss, da» fremde Länder Mit ungekannten Gütern kühn erschloß, Und einen neuen Seeweg fand nach Osten! Bald fuhr's als Kriegsschiff, stahlgepanzert, aus, Umdräut von Schlachtenlärm, von Kampf zu Kampf, Bald gleitet's facht nach fernem Strande hin, .Zu Sturmverfchlag'nen, Heimatssehnsuchtbangen, Geschenke bringend, Gruß und Liebe tauschend. Nun liegt es draußen auf der Reede still; Doch hoch in Lüften weht sein Wimpel leuchtend! Ein seltsam Wimpel, anders wie die andern. Bon einer Farbe, die man nie geschaut. Wie Saphirsglanz und' Himmelsblau an Reinheit. Nicht immer führt dies Schiff das gleiche Wimpel, Einst trug's am Heck der Freiheit stolzes Banner, Nahm dannn von Zion wehend die Standards. So stand's im Dienst der Menschheit; kämpft Für Volk und Land, für neues Zutunftsglück, Den Golusmenfchen eine Heimat suchend. Doch fuhr es nie im Solde schnöder Selbstsucht. Und oer es führt, er stand an seinem Steuer Oft darbend, hungernd, einsam und verkannt Befehdet, angefeindet und umgeifert — Wie leicht hält er ins Goldland seinen Kurs. Dort gülden Schatz zu heimsen, nehmen können. — Doch hohen Sinns verschmäht er solches Ziel, Sein Kompaß war allein des Ganzen Wohlfahrt, Und nach den ew'gen Sternen dort am Himmel Sucht er die Richtung sich für seine Fahrt — Und immer höher ward sein Tatendrang Und immer weiter sein Entdeckermut, Bis endlich dann sein Mast die Fahne Gottes, Die Sinaifahne, welterlösend, hißt — In diesem Zeichen landet es bei uns. Willkommen denn, du wackrer Kapitän» Ein Gottesfürst bist du in unserer Mitte! Willst du nach Sturm und Braus im sichren Port Bei uns zum Dauernden den Fuß gewöhnen? Dein Feuergeist voll der Unendlichkeit, Erträgt er wohl des Horizontes Enge? Kannst je du es entbehren in die Weite Ins Unermeßliche des Geists zu schweifen, Hineinzugreifen in das volle Leben, Wo es sich leidenschaftlich wallend regt? Mag immerhin schon silbergrau der Bart, Der wallende das edle Antlitz rahmen, Jedoch dein Auge blitzt noch Jugendkraft, Glüht noch Begeisterung und Wettersturm, Wie in den großen Stunden deines Lebens, Wie jenen Tags, da du zum ersten Male Vor den Studenten sprach in Oesterreichs Hauptstadt, Als ihnen du das eigen Volk entdecket, Ihr fremdgewordenes Volkstum, ihre Sprache, Den goldnen Reichtum jüdischer Kultur, Die heil'ge Pracht der reinen Volkesseele, Die ungebrochner Schönheit heut noch strahlt — Wie damals, als du in Pgromland fuhrst, Die Leiden littest unsrer armen Brüder, Um ihnen Trost zu bringen und Erquickung — Wie jenen Tag, da in Columbus Land Du kalten Herzen Deine Lehre predigst. Wo aus dem Felsen Du das Wasser schlugst, Zum Leben weckend starres Totenbein — Oder wie damals, als den kühnen Traum Von Zions Auferstehung Du erfüllet sahst. Als am Kongreß man Deine Pläne dachte, Als auf sich selbst die Herzen sich besannen. Durch Arbeit Mutter Zion zu befrein. Ja, edler Mann, wenn wir ins Äug' Dir schaun, Verrät's noch jetzt den. Abglanz höchsten Denkens, Den Widerschein von kiefer, keuscher Liebe Zu unsres Gottes ew'ger Offenbarung, Von einer Liebe, die nicht enden kann. Die nimmer sich genug zu tun glaubt, Die wirbt und sucht und mahnt und kämpft und ringet, Um des Messias Lichtspur aufzuspüren, Für Gottes Reich das Gottesoolk zu werben. Nein, ganz gewiß, Du wirst nicht ausruhn können, Denn Deinesgleichen findet keine Ruhe, Nicht hier in dieser Welt — und nicht in jener. Der Du ein Fünfziger bereits an Jahren, Zu ungeheurem Leisten fähig warst Des Lebens Werk vom Grunde neu zu bauen Mit kühnem Ruck der freundlichen Gewohnheit, Den Freunden, Plänen, allem was Du schufst. Den Rücken wandtest und zu Gottes Ehren In neue Bahnen lenkst Dein Lebensschiff, Als der Tyrannin der Moderne Du, Der kalten allzerstörenden Vernünftelet, Den Krieg erklärtest; als Dein eigen Selbst Im schwersten Erdenkampfe du bezwangest. Dein Ich verleugnet um des Höchsten willen — Du wirst nicht alt! Die ew'ge Jugend Der Gottessöhne trägst Du in der Brust, Stets neue Schwingen wachsen Deinem Flug In Äetherhöhen jüdischer Geisteswelt. Willkommen denn, Du wackrer Kapitän, Du Jünglinggreis in ungeschwächter Kraft, Du großer Führer Israels und Meister! Schlag immerhin Dir eine Hütte auf Und laß Dein Schiff vorerst im sichren Hafen. Daß wir, die Jungen, hier uns um Dich scharen, Daß Du von Deinem Geiste auch auf uns Herniederströmen läßt als Deine Jünger! Erzähle uns von Deines Lebens Taten. Aufhorchend woll'n wir sie ins Herz uns graben, Wir wollen von Dir lernen, alles, alles Sogar uns selber opfernd hinzugeben Im Dienste unsres Gottes; unsres Volks! Und sollt' die Stunde neuen Wetters schlagen. Wenn neues Land Du neu erobern willst. Wenn neuen Kampf Du heldisch kämpfen mußt. Dann ruf uns Junge alle auf Dein Schiff, Dann fei uns Steuermann, sei Du uns Kompaß, Weis' uns die Sterne höchsten Ideals, Die nimmer trügen und die nimmer schwinden. Dann lichten wir mit Dir aufs neu die Anker, Das Banner weht, das Gottesbanner uns, Volldampf voraus! Wir stechen in die See Mit: Nathan Birnbaum Heil! zu Sturm und Sieg. Joseph Carlebach. Eine Replik auf die offene Antwort des Herrn Dr. Raphael Breuer, Ztaööiner in Afchaffenöurg. Von Ar. Afali Anna. Rabbiner in Mannheim. Sehr geehrter Herr Kollege! Ich habe mit großem Interesse Ihre Antwort auf meine Ausführungen im „Jüdischen Wochenblatt" zur Kenntnis gnommen, und Sie gestatten wohl, daß ich auf Ihre Darlegungen hier nochmals eingehe. Ich denke, zwischen gebildeten Menschen muß eine Auseinandersetzung in urbanen Formen wohl möglich sein, und da, wie ich hoffe, die Leser sich dabei auch nicht langweilen werden, so wird dieser Weg vielleicht zur Beseitigung mancher Mißverständnisse und zur Klärung der Meinungen führen. Sie beanstanden meine Aeußerung, daß die Austrittsgegner in Ihren Augen „religiös minderwertig" seien, und betonen, daß sie nur „irregehen" und „irreführen". Ich will zugeben, daß der Ausdruck „religiös-minderwertig" zu stark ist. Sie geben aber Ihrerseits zu, daß Sie und Ihre Gesinnungsgenossen die Austrittsgegner als Vertreter der Außenpolitik der Agudas Jisroel nicht zulasten können, und daß deshalb (das geht aus Ihrem ersten Artikel hervor) ihr Ausschluß von den Verwaltungsorganen berechtigt und geboten sei. Sie unterscheiden also doch zweierlei Arten von Mitgliedern. Nun können aber in die A. I. nach dem Statut nur solche Juden ausgenommen werden, die das Thoragesetz „für sich und für das jüdische Volk" anerkennen. Unter diesen Mitgliedern selbst, die doch nur ann*» sind, wird also ein Unterschied gemacht. Ob dies mit Rücksicht auf die Außenpolitik oder aus anderen Gründen geschieht, ist sachlich vollkommen gleichgültig- Die Äustrittsgegner sollen nach Ihrer Auffassung minderen Rechts sein. Es wäre denkbar gewesen, daß die A. I. auch Mitglieder ausgenommen hätte, deren Wandel nicht den Forderungen der Thora entspricht, wenn sie nur die Ziele der A. I. zu fördern bereit wären, und die ursprüngliche Fassung des Statutenentwurfs konnte in diesem Sinne verstanden werden. Solche Mitglieder wären aber dann, und mit vollem Recht, als religiös minderwertig von der Wahl in die Verwaltungsorgane ausgeschlossen worden. Rach Ihrer Meinung müssen aber auch jetzt die Austrittsgegner diesen religiös Minderwertigen gleichgeachtet werden, weil ihre Wahl eine Gefahr für die A. I. bedeuten würde. Daß unter diesen Voraussetzungen eine harmonische Vereinigung aller cpnt nicht möglich ist, sollte, meine ich, klar sein. Und wenn nun diese Auffassung, die auch in der Freien Vereinigung von maßgebenden Persönlichkeiten theoretisch vertreten wird, obgleich sie praktisch nicht so sehr in

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