Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1924)
- Date
- 1924-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Juni 1S24 Der Israelit Nr. 26 Seite» . dafür sein. " Das Pestreben allein, mit grauenhaften Schreckensbildern, zu deren grauenerregendsten der „Einfluß von Außen" gehört, kann es noch nicht rechtfertigen, in solch unver- -antwortlicher Weise einen Verleumdungsseldzug gegen Gemeinden und Kreise zu unternehmen, deren Voraussetzungen und Verhältnisse man nicht im entferntesten kennt. Wychenxundfchau. Der orthodoxe Wahlerfolg in Polen und die zionistische Presse. Wenn im Westen eine Partei im Wahlkampfe unterlegen ist> so sucht sie aus der Niederlage die nötigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Die Zionisten in Polen machen es klüger und einfacher: Sie rechnen aus ihrer Niederlage einen Sieg heraus und machen aus dem Siege der Gegenpartei eine Niederlage, und alles ist in bester Ordnung . . . Denn es kommt ja nur auf die. Stimmung an. Ünd diese wird in Ländern, wo die politische Reife noch nicht sehr weit gediehen ist, nicht mit Tatsachen, sondern mit Aufmachung und Behauptung gemacht. Insofern ist das Rechenexempel nicht gerade falsch angelegt. Bei den Kehillah-Wahlen in Warschau erhielten von 50 Mandaten die Orthodoxen 21 insgesamt. Unter den Kandidaten anderer Parteien, besonders unter den 6 Misrachisten, dürften sich noch außerdem hier und da welche finden, die nach ihrer religiösen Einstellung zur Orthodoxie gehören. Die gewählten orthodoxen Kandidaten figurieren indes nicht auf einer einheitlichen Liste, sondern setzen sich aus verschiedenen Listen zusammen. Die Aguda hatte eine eigene Liste für Praga, von der 2 gewählt wurden, während ihre Hauptliste für Warschau 15 Mandate errang. Aus taktischen Gründen, deren Haltbarkeit wir von hier aus nicht prüfen wollen, ging ein Teil der Chassidim, und zwar der um den Rabbi von Alexander, mit getrennter Liste in den Kamps und brachte 3 Mandate durch. Ein Mandat fiel den philanthropischen Organisationen zu, das ebenfalls der Orthodoxie zugute kommt. Also zieht die Orthodoxie mit einer geschlossenen Vertretung von über 20 Stimmen in die Kehillah ein. Von den gewählten Zionisten nennen sich 3 „Poalezion", denen „Misrachi" mit 5 Mandaten gegenübersteht, 12 heißen sich „Natiönalrat" und haben eigenes Programme. Der Rest der Mandate verteilt sich auf Bund (5) und Volkisten (3). Nach welchem Einmaleins das zionistische „Lodzer Tageblatt" aus diesem Wahlresultat einen „großen zionistischen Sieg" herausrechnet und sogar in einem Extrablatt in dieWelt hinauspospunt, ist nicht erfindlich. Die große Zahl der abgegebenen orthodoxen Stimmen zeigt, wie es sich in allen Kreisen der Gesetzestreuen kräftig regt, wie da der Wille zur Arbeit überall erwacht ist. Das Bild in Westgalizien und in der Provinz ist, wie unseren Lesern bereits bekannt, gleich erfreulich. Da es uns weniger auf Stimmung als vielmehr auf die Arbeit und hie Sammlung der Kräfte ankommt, so können wir uns mit den Tatsachen begnügen und die Wahlresultate ohne lange Kommentare für sich sprechen lassen. Zum Ausgange der. Wahlen ist jedoch noch folgendes zu sagen: Per Kampf der linksstehenden Parteien gegen die Orthodoxie, insbesondere gegen die Aguda, tobte in einer Weise, wie man ihn auch dort noch nicht erlebt hat. Die Agitation der Orthodoxen war beschränkt, weil sich die gesetzestreuen Agitatoren in den letzten Tagen kaum auf die Straße wagen durften. Alle Gegensätze zwischen Chassidim und Misnagdim „Polen" und „Litwacks" wie zwischen Chassidim der verschiedenen Observanzen wurden aus der Vergangenheit und Vergessenheit vpn der anderen Seite liebevoll hervorgeholt, um Keile in die orthodoxe Einheit zu treiben. Die Aguda hatte sich auf die gegebenen und friedlichen Mittel, auf Wahrheit und Tatsachen zu beschränken. Und gerade dieses führte zum Ziele. Der Sieg darf aber nicht über den schweren bevorstehenden Kampf in der Gemeindestube hinwgetäuschen, und nichts wäre verfehlter für die Orthodoxen, als jetzt auf den Lorbeeren ruhen zu wollen. Wohl stehen die Orthodoxen als größte Partei jeder anderen Partei gegenüber, die absolute Majorität besitzen sie aber nicht, und es steht immer zu befürchten, daß sich in religiösen Lebensfragen die anderen sonst widerstreitenden Parteien und Parteichen finden und gegen die Gesetzestreuen zusammenschließen. Der glücklich überstandene Kampf zeigt erst der polnischen, und nicht zuletzt der Warschauer Orthodoxie, welch schwere Arbeit ihrer in der neuen Kehillah wartet, eine Arbeit, die die Sammlung und Anspannung aller Kräfte erfordert. Die neue Wakuf-Verordnung in Erez Jisroel. Durch die an-anderer Stelle veröffentlichte Verordnung der palästinensischen Regierung über die Errichtung und Verwaltung milder Stiftungen nach den Grundsätzen des allgemeinen bürgerlichen Rechtes scheint erfreulicherweise einer der vielen Zankäpfel, die seit Jahren die Atmosphäre der heiligen Stadt vergiften, aus der Welt geschafft zu sein. Während ein Teil der Presse die unrichtige Nachricht gebracht hatte, das Kolonialamt in London habe die Wünsche der palästinensischen Agudas Jisroel hinsichtlich der Errichtung milder Stiftungen abgelehnt, trägt die Verordnung im Gegenteil diesen Wünschen in weitgehendstem Maße Rechnung und ist somit ein Beweis dafür, daß einer sachlichen und einigermaßen ausdauernden Aufklärungsarbeit doch auch unter ungünstigen Verhältnissen Erfolg beschieden sein kann. Obgleich die Verordnung, oder vielmehr der daraus veröffentlichte amtliche Auszug nicht ausdrücklich sagt, daß auch die bereits vorhandenen milden Stiftungen nicht zwangsweise der Rechtsprechung eines ihnen nicht genehmen religiösen Tribunals unterstellt werden dürfen, scheint uns diese Konsequenz doch mit unabweisbarer Folgerichtigkeit aus den grundsätzlichen Voraussetzungen der Verordnung hervorzugehen. Ist das Recht auf Unterstellung unter einen uninteressierten bürgerlichen Gerichtshof als eine Forderung der Gewissensfreiheit für die neuen Stiftungen anerkannt, so kann es auch den alten, seit Jahrzehnten bestehenden und niemals religiösen Gerichtshöfen unterworfen gewesenen nicht versagt werden. Dem Uneingeweihten mag es auffällig erscheinen, daß gerade die Orthodoxie in Jerusalem die bürgerliche Jurisdiktion der rabbinischen vorzieht. Leider rechtfertigen die gemachten Erfahrungen, wofür auch wir aktenmäßige Beweise besitzen, diesen Standpunkt. Das Oberrabbinat zu Jerusalem ist eben bereits heute eine Behörde, für deren Geist und Wirksamkeit nicht die individuellen Gesinnungen einer idealen Persönlichkeit wie Rabbiner Kuck oder wie diejenigen der gewiß verehrungswürdigen Dajanim maßgebend sind, sondern eine Bürokratie von Sekretären, der man nur mit größtem Mißtrauen gegenüberstehen kann. Hält man sich insbesondere vor Augen, mit welch beispielloser Leidenschaftlichkeit die Kämpfe der religiösen Parteien in der heiligen Stadt von jeher geführt worden sind, so wäre es ein unerträglicher Hohn auf alle Gerechtigkeit, das Oke?- rabbinat, das zu unserem tiefsten Schmerze nach seiner ganzen Stellung heute als eine reine Parteiinstitution angesehen werden mü». zwangsweise zum obersten Richter in allen Stiftungsangelegenheiten einzusetzen. Das würde die Auslieferung der milden Stiftungen an die Einflußsphäre des „Waad leumi" bedeuten Versuch zur Aufklärung einer dunklen Targnmstelle. Mus meinem handschriftlichen Werke »tpi t>). ' Von Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. > smT p p yann*? mp» rnp'1 „Moses nannte Hosea, den Sohn Runs, Josua", gibt Targum Jonatan durch die Worte wieder: mp» aan 'iai 3Wi.v p, p vmb mp» mp "nimin- ..Als Mos es seine Bescheidenheit bemerkt chatte, nannte er Hosea. den Sohn Runs. Josua". — Zweierlei ist hier unklar: 1. Wo findet sich in unserem Abschnitt ein Anhalt für das Hervortreten dieser Eigenschaft bei Josua? 2. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Namensänderung und der Demutseigenschaft? Die vielen Versuche, die bisher gemacht wurden, diese Schwierigkeiten zu lösen, lassen alle unbefriedigt: wir möchten folgenden Vorschlägen. Zunächst wollen wir aus eine interessante Tatsache Hinweisen, worauf unseres Wissens bisher noch nirgends, auch nicht in der Midraschliteratur, aufmerksam gemacht wurde: Daß Iosuas Bater Nun hieß, weiß 'jeder; aber wer Runs Vater war, wer denkt daran und wer weiß es? Und doch handelt es sich um eine hervorragende, in der Schrift mehrfach genannte Persönlichkeit! Der Vater Nuns war nämlich der bekannte Stammessürst Efraims: Elifchomo den Amihud, wie aus I. Chron. Kap. 7. V. 26, 27, deutlich zu ersehen ist (wo auch p st. p steht). Nun ist zu beachten, daß bei der Ernennung Ken dieses Großvaters von Josua zum Oberhaupte »Efraims. (ob. Kap. 1 V. 10) d e r S t a m m E fr a i m als der Vertreter aller Söhne Josefs, hier dagegen, wo es sich um Josua als den Erwählten Efraims handelt, der Stamm Manasse als der Vertreter aller Söhne Josefs angegeben wird. Liegt nicht darin eine gewisse Zurücksetzung für Josua. gegen die er sich unter Berufung auf das einmal seinem Großvater eingeräumte Vorrecht hätte verwahren können? Und zeugt es nicht von besonderer Bescheidenheit, wenn er das nicht tat, vielmehr die Wahl ohne Einspruch annahm? An diese Betrachtung wohl dürfte das Targum feine Bemerkung geknüpft haben: „Als Moses die Demut Iosuas bemerkte." usw. Somit wäre die erste Schwierigkeit gehoben. Was die zweite anbelangt, so sei daran erinnert, daß oben Kap. 12 V. 3, wo von Moses gesagt wird, „er war überaus demütig", das Wort iIp (demütig), ohne -> geschrieben und mit' gelesen wird. Als Grund hierfür wird angegeben, daß Moses, als er dieses Wort auf Gottes Befehl niederschreiben sollte, es unvollständig, also ohne S, auszeichnete. Da er nun an seinem Jünger Hosea die gleiche Eigenschaft der Demut wahrnahm, legte er dessen Namen jenes ' bei. Wenn später. (5. B. Mos. 32, 44) einmal gleichwohl der ursprüngliche Name yipirt wiederkehrt, so führt dies Raschi nach Sisre auf die bescheidene Gesinnung Iosuas zurück, der. obgleich nunmehr das Oberhaupt von ganz Israel, sich doch nicht für bedeutender ansehen mochte, als er ehemals gewesen war. Vgl. übrigens auch Sota 34 b und Midrasch rabba n*’a inaa. ferner über die Schreibweise sw» p p in Nehemia 8, 17, Arachin 32 b und endlich über die Identität des Namens Viatp in I. Chron. 5, io mit Josua Midr. rabba (mm pios) rrx rvnpma und ^»a 's tp"mp. — Bei dieser Gelegenheit sei auch noch jenes merkwürdigen Satzes »ans zu niviairn 'a erwähnt: pllv *iai |iuüp Der Dichter nämlich gebraucht eine talmudifche Bemerkung „Jonatan war demütig (»»2 'K rrs“), um daraus den Satz zu formen: Gott gab dem demütigen Mann (— Moses die Thauro)". Familiennachrichten. Barmizwo. 28. Juni. Josef, Sohn von Elias Reutlinger, Scheoeningen (Holl.) lVochenkalender. 88. Juni bis 8. Juli 1924 / 28. Siwan bis 3. Tammus 5834 Samstag Sonntag Juni 28 29 rPtp 26 27 po Moled: Mi. früh 4.62 °/«M. Rosch-Chaudesch-Benschen Montag 30 28 Dienstag Juli 1 29 Mittwoch 2 30 1. Rosch-Chaudesch-Tag Donnerstag 3 1 2. Rosch-Chaudesch-Tag Freitag 4 2 \ Samstag 5 mp 3