Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1924)
- Date
- 1924-06-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450310--71343-2528652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
Seite 2 Nr. 25 D e; Israelit 19. Juni 1824 Leistungen der Vergangenheit bilden und sich — beide — mit jenen b e i aller Verschiedenheit zum harmonischen Ganzen sehr wohl einen lassen. Aus diesen Erwägungen folgt zunächst einmal, daß man weder das Recht hat, die spanische Einstellung zu dem Problem „Wissenschaft und Thora" als die endgültige, absolut bedenkenfreie auf den Thron zu erheben und jede andere Einstellung zu verurteilen, noch auch das Recht, die spanische und die aschkenasische Geisteshaltung in einen absoluten Gegensatz zu bringen und ein „Entweder — Oder" zu sprechen. Gewiß, der Inhalt der wissenschaftlichen Zeitkultur, deren Niederschlag sich in den Werken der spanischen B'Vm findet, ist gänzlich verschieden von dem Weltbild unsrer Zeit und darum bedeutet die Kenntnis des More Nebuchim an sich noch keine Vertrautheit mit der Naturphilosophie oder der Erkenntniskritik der Neuzeit — aber die Universalität der W e l t b e t r a ch t u n g , die nicht auf die Jurisprudenz der Halacha beschränkt bleibt, die Metaphysik, ethische, ästhetische Elemente in reichster Fülle in sich birgt, sie gehört der östlichen Geisteswelt genau so unveräußerlich an wie der inhaltlich besser fundierten d. h. auf einer gründlicher durchforschten Erscheinungswelt beruhenden westlichen Universitätsbildung. Nicht sowohl aus den Inhalt aber,! als auf die Richtung, und die Intensität der Kultur kommt es an, wenn es sich um die Schöpfung von Persönlichkeitswerten handelt, wie sie die nach Osten blickende mefteuropäische gesetzestreue Jugend sucht. Hat sich diese Jugend in unserem Milieu einmal die wichtigsten Inhalte der wissenschaftlichen Kultur (etwa bis zur Höhe der Realschulbildung) angeeignet und dabei in den oben angeführten grundlegenden beiden Punkten p nmna nn&K dwü und rrrinn pvm die unentbehrliche seelische Affinität zum Judentum der Jeschiwa, dem schlechtweg historischen Judentum, erworben, dann erblicken wir in der „Polönisireung" ein höchst erfreuliches Symptom freudigen Aufwärtsstrebens und nicht im mindesten eine Gefahr. Mag dem oder jenem, der zu Uebertreibungen oder zum „entweder — oder" in geistigen Entscheidungen neigt, der radikale Bruch mit Westeuropa und seinem rr"n üv niin als die notwendige Vorbedingung für den Zug nach dem Osten und für das ersehnte Volljudentum sein — auch darüber ziemt es sich nicht zu klagen. Der Radikalismus ist das Vorrecht der Jugend und im Sinne des bereits früher m anderem Zusammenhänge zitierten avia '■m nDis? ist dieser Radikalismus des Nichts- Bemerkungen zum Wochenabschnitt. Don Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. I. „ nnan wan? mr nm:nn °?iv »Die sieben Lampen sollen leuchten nach der Vorderseite des Leuchters", d. i. nach dem mittleren Licht, u. z. darum, damit man nicht sage, er bedürfe des Lichtes". Raschi z. St. — Kann dieses Wort buchstäblich aufgefaßt werden? Es seien Vorkehrungen zu treffen, damit man nicht sage, ,Y'an, der Sonne und Mond und Sterne geschaffen, bedürfe des winzigen, von Menschenhand entzündeten Lichtes?! Der tiefere Sinn dieses Wortes scheint uns vielmehr der zu fein: Das Licht, das ist unser Wissen und Erkennen. Die sieben Lichter stellen die sieben Kategorien menschlicher Erkenntnis (mnan savl dar, deren Mittelpunkt die Taurowisfenschast (V© .Tilian) ist. All unser Wissen, alle unsere Erkenntnis als-Jude-Seins auf alle Fälle zukunftverheißender als die Halbheit zerrisiener. Seelen oder das Bekenntnis zu irgendeinem westlichen radikalen Kulturideal. Abschleifung und Ausgleich besorgen die Wogen des modernen Lebens weit sicherer als sie imstande sind, positiv aufbauende Lebenswerte zu bieten. Wir glauben darum, daß die Hinwendung zum Osten, wie sie den agudistischen Kreisen eigentümlich ist, durchaus zur Bereicherung ' und Vertiefung des geistig-religiösen Lebens führen und daher nicht zu beklagen, sondern zu begrüßen sein dürfte. Wochemundschau. Die Kehillothnmhlen in Polen. Die ersten Resultate der Kehillawahlen in der polnischen Provinz brachten einen Sieg der Orthodoxie, der auch moralisch von größter Bedeutung ist. Nach den statistischen Ziffern welche der Warschauer „Jud" veröffentlicht, wurden von 721 neugewählten Vorständen 417 Agudisten (59 Prozent), 58 von anderen unparteiisch religiösen Gruppen (7 Prozent), 22 von der speziellen Liste der Radomsker und Alexander Ehafsidim (3 Prozent), ferner 77 Handwerker (11 Prozent), 101 Zionisten (14 Prozent), 24 Misrachisten (3 Prozent), 6 Bundisten (1 Prozent) und 6 Volkisten (1 Prozent) gewählt. Selbstverständlich werden die Wahlresultate in Warschau und Lodz, wo die Orthodoxie dem Arbeiterbunde und anderen radikalen Organisationen gegenübersteht, noch mancherlei Verschiebungen bringen. Aber unsere Gesinnungsgenossen sind hier im Brennpunkte des Kampfes doppelt gerüstet und der Erfolg in der Provinz wird seine moralische Wirkung auch hier nicht verfehlen. Der Segen der straffen orthodoxen Organisation zeigt sich in Polen in einer Weise, die auch in anderen Ländern den richtigen Weg weist. Und willst du nicht mein Bruder sein ... Die Herren von der Judenmission wollen allesamt „Freunde Judas und Zions" sein — so sie aber keine Gegenliebe finden, schlägt die Freundschaft leicht in Feindschaft und offene Gegnerschaft um. Vor kurzem fand in Dresden eine von der Sächsischen Hauptmission einberufene Studientagung über die Judenfrage statt. Man weiß ja allenthalben, wie die Judenmission die Judenfrage zu lösen hofft, oder richtiger, nach ihren Erfahrungen — nicht mehr ernstlich hofft. Was wäre da noch viel zu studieren? Es scheint aber mit dieser Studientagung das neue Stadium angezeigt zu fein, in das die Judenmission, bei dem schlechten Geschäftsgänge im Hauptberufe tritt. Denn man hörte in der Aussprache viel vom „Dämonischen im Judentum" und besonders wurden Zerrbilder »vom östlichen Judentum entworfen, wie es die gewandtesten Völkischen nicht besser hätten machen können. ' Es fielen Aeußerungen, von denen vielleicht noch die mildeste, die des Missionsdirektors a. D. Lic. Schäffer - Berlin " war und die lautete: „Abwehr des jüdischen Einflusses ist berechtigt, aber sieben Achtel der Judenfrage verschulden die Deutschen selbst durch Würdelosigkeit. Durch innere Erneuerung und Festigung werden wir widerstandsfähig, wird die Judenfrage gelöst, aber nicht durch gewaltsame Lösung der Judenfrage unsere Erneuerung geschaffen." Uebrigens stellte einer der Teilnehmer — soll Jude von Geburt sein — die neue „Phase" selber fest, indem er seine Freude über die Tagung und die neue Art der Verhandlung zum Ausdruck brachte. Man kann es einerseits begrüßen, daß die Herren ihr wahres Gesicht zeigen... Ein verschwundener Menschen-Typ. Von A. Mannheimer in PettekSach. (Fortsetzung.) Nicht selten führte der polnische Arme außer dem „Siddur" noch ein Lern-nsv mit, oft ein in Jargon übersetztes oder auch ein Mußar-nso. Und wenn er nach der Woche Mühen und Plagen die Vergünstigung genoß, am mw sich in der Synagoge aufhalten zu dürfen zum Thillirm sagen und Lernen, so war er glücklich. Dürften wir nicht ein wenig stolz sein auf solch ein „Proletariat"? Uns ist ein katholischer Geistlicher in höherer Rangstufe bekannt, der mit Worten höchster Achtung und Bewunderung vom Sabbat der polnischen Armen sprach im Gegensatz zu den oft wüsten Szenen und rohen Schlemmereien am Sonntag überhaupt und dem moralischen Tiefstand sonstiger „Wanderarmtzr". Wir kennen auch einen etwas einsam gelegenen Bauernhof, dessen Besitzer, ein frommer Christ, besondere Vorliebe für die östlichen Gäste hatte, sie mit Milch, Eiern und Butter regalierte, ihnen in der Scheune Nachtlager bot oder Erfrischungsgelegenheit, in dem festen Glauben, diese Gäste bringen ihm Glück ins Haus.. Auf den Segen und Dank der vom „Judenhöfte" Abschiedmutz sich dem mittleren Licht, dem Thorawiffen, zuwenden. vor diesem sich verneigen, seine Souveränität unbedingt anerkennen. Würden jedoch alle 7 Lichter gleichmäßig brennen, dann könnte man sagen, auch das Thorawiffen bedürfte des menschlichen Lichtes, auch die Lehren der Tauro feien das Produkt menschlicher Erleuchtung und dürsten mithin auch wie jede andere Disziplin zum Gegenstand der Kritik gemacht werden. Unsere Tauro aber ist selbst Licht Gnifl u niirr)' himmlisches, göttliches Licht und bedarf nicht des Lichtes des begrenzten Menschenverstandes zur Festlegung ihrer Grundwahrheiten. Unser Forschen in der Tastro hat nur den Zweck, die gegebenen, unverbrüchlichen Wahrheiten mit unserem Verstand zu erfassen, aber nicht sie zu korrigieren und umzusormen. tt. pnn 13 rcspi Und Aron tat also". Hierzu bemerkt Raschi nach Sifre: ..Es sollte damit Arons Ruhm heroorgehoben werden, daß er nicht anders getan, als er beauftragt worden. — Allgemein wird die Frage aufgeworfen, warum Aron eine besondere Anerkennung dafür gebühre, Gottes Befehle gemäß, die Lichter entzündet zu habest? Wer an seiner Stelle hätte anders gehandelt? — Ich möchte folgende Deutung Vorschlägen: Für das Entzünden der Menoralichter nämlich wird eine ganz besondere, sonst nirgends übliche Bezeichnung „anssteigen lassen", gebraucht. Der Priester müsse demgemäß so entzünden, daß die Flamme von selbst emporsteige n^iv rian^v n.ijiv iv ('"vl -n'^rra. Hiermit dürfte wohl auch gemeint sein» daß der Priester in seiner Eigenschaft als Lehrer 1 in den Menschen das Licht der Thauro so entzünde, siedergestalt unterweise, daß in ihnen dann ganz von selbst, ohne äußere Einwirkung, die Flamme der Begeisterung für alles Wahre und Gute emporsteige. So erst wird die fragliche Bemerkung verständlich: nbv prw W was? YinV .Es sollte damit Arons Verdienst anerkannt werden, das Gebot des Lichtentzündens ganz fo ausgeführt zu haben, wie er beauftragt wurde". Dgl. übrigens auch Mechilta n"tf KpO’B xa 'S und Sifre xpj 's a»’ Kpü’»S‘ Hl. man ^xisn ia nun*? nwa nain „Moses sprach zu Hobab dem Sohne Reuels aus Midjan". - Die Nachkommen Hobabs existieren noch heute als ein arabischer Stamm unter dem Namen »Bern Hobab", südlich von Hedschas. Sie bekennen, zwar äußerlich den Islam, beobachten aber das mosaische Gesetz.. Ihr Scheich verstand sehr gut hebräisch uud ihr arabischer Dialekt ist mit hebräischen Phrasen durchsetzt. Dgl. H. Löwe, Die Sprachen der Juden. S. 69. Nach dem Wochenfeste. Azurblau wölbt sich der Himmel über lachende Fluren und herrliche Weinberge des heiligen Landes. Von den Bergen rauscht die mächtige Zeder, grüßt die edle Olive, winkt der ertragreiche Feigenbaum, ist vorbei. Die Festeswanderer sind längst heimgekehrt zu ihren freundlichen Hütten, zu Weib und Kind. Don