Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1924)
- Date
- 1924-06-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Nr. 24 Der Israelit 12 Juni 1924 vor Nacht '.Midrasch"; Herr Dr. Willy Hosmann. Sonntag und Mittwoch nach Schluß der Synagoge dipd mxD; Herr Red. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9'/» Uhr und Di ensta g 1 Stunde vor „Mincho" „Gemoro,,; HerrR.A.G.Posen. Man rag und Mittwoch abend7 Uhr „Gemoro", Herr Rabbiner Dr. Joses Breuer. Donnerstag abend: Dortrag des Herrn Rabb. Dr Josef Breuer ^Aus der jüdischen Gedankenwelt". Dienstag und Freitag morgens nach Schluß der Synagoge „Mischna; Herr Rektor Falk, an anderen Tagen Mitgliederlernen. Allabendlich abends 83/4 Uhr Schatz-Lernen; Herr Herz Halp er n. Jahrzeits-Stistungen: Sonntag, Jacob Löwenstein-Stistung. Dienstag. Nanette Isaak geb. Prager-Stistung. Donnerstag. Falk Goldschmidt-Stiftung. Freitag, Benjamin Roos-Stistung. Lstuvas Zisroel-Hrts- und Jugendgruppe. Alltäglich von 8-12 Uhr vorm.: Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Dozent: Herr Herz Halpern. A l I t ä g l i ch v. 12—1 Uhr : Schiur; Dav. I a m m i. Alltäglich im Anschluß an 7-^n. Gemoroh Sanhedrin. Dozend: Dr. E h r m a nn. 7>2v Dorm. 9^/z— 11 Uhr: «ms; Herr Dr. I. Posen, Am Tiergarten 42, :■>, - Dorm. y2il—V2I2 Uhr: Kizzur, Schulchan Aruch; Herr Louis Kahn. — 11—12 Uhr: n-,28'p->s; Hermann Frankenthal. — 12—1 Uhr: v'nos '»s für Fortgeschrittene; Herr Halpern. — lh Stunde vor Nacht, Vortrag; Dr. Ehrmann.—12-1 Uhr: ’en; Herr Lehrer Hirschberg. - V22-3 Uhr nachm.: Raschi (lausende Sidroh); Herr M. Halpern. - 3- 4Uhr nachm., cm "n(Hilchaus Schabbos); Herr Halpern, anschließend — 3—4 Uhr: B'noB; Herr Dr, Rothschild. - l/26 Uhr. im Volksbildungsheim (Aguda-West). Vortrag; Rabb. Dr. Jos. Breuer. Sonntag, vorm. 7-8 Uhr: Turnkursus der israel. Volksschule; Leiter: Dr. Rothschild. —8—9 Uhr vorm.: n-iiri bv ’bh; Herr Leopold Opp enheimer. — 2—3 Uhr nachm.: trnos m-w»; Herr Dr. Rothschild. Montag, 8-9 Uhr abends wv» für Fortgeschrittene; Herr Hermann H i r s ch b er g, Hegelstr. 13II. — 3/4q—3/40 Ul)r abends: m» «n; Herr Dr. Rothschild. Dienstag, VrS-V-10 Uhr abends: Gemoro; Herr Michael Kohn. Mittwoch, V2I0 Uhr abends: oirr "n; Herr Mich. Kohn. Donnerstag. 8—9 Uhr abends: w'»» für Fortgeschrittene; HerrHerm. Hirschberg,Hegelstr. 1311. Ägudas Aisroek-Mädchengruppe. 712V 11—12 Uhr: maK’ps; Herr Hermann Frankenthal. — V2I2-V2I Uhr: B’Vnn; Herr Louis Kahn. — 4—5 Uhr um.: wmn; Herr Lehrer Hirschberg. Sonntagabend: ^.Zirkel für Ansänger und Fortgeschrittene von 1/29— V2IO Uhr. Montag, 9—10 Uhr abends: Herr S. Unna, Kl. Obermainstr. 30. __ Dienstag. y&-\0 Uhr: Dinim; Herr Dr. Weger. Sämtliche Veranstaltungen finden im Vereinslokal, Hanauerlandstratze 17, statt. Tatmud-Hkora-Derei«. Vereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag. 3’/4 Uhr: zum Wochenabschnitt. Herr Rabb.-Ass. Lipinsky. — ®/4 Stunden vor Nacht *np«, Herr S. Unna - Sonntag bis emschl. Freitag nach Schluß des Morgengottesdienstes rwp», Herr E. Gr 0ß, bezw. Herr S. Unna tSamstag 11-12Uhr). — 9lll Uhr vormittags Herr S. Unna. Montag, 6V4 Uhr abends npy> py, Agadrsche Stellen aus dem Talmud, Herr S. Unna. — 8^/2 Uhr abends Herr Rabb. Dr. Hoffmann. Dienstag, 8^» Uhr abendsv'X'21, Herr S. Unna. Mittw 0 ch. 6h'-, Uhr abends tmw n^on. Herr Dr. A- Braun. Donnerstag, ö1/« Uhr abends xim» Herr S. Unna. Schiur für Damen. Mittwoch, 6>/4 Uhr abends Herr S. Unna. Fortbildungsunterricht für junge Leute, Knaben und Mädchen täglich mehrere Stunden in kleinen Abteilungen. Anmeldungen an Adolf Dorfzaun, Am Tiergarten 32 (Tel. H. 4878>. Alle übrigen Schiurim wie gewöhnlich. Kevetzeiten. xipi mw Freitag abend 7.45. Samstagmorgen 7.45 Samstag nachmittag 5.—. Samstag abend 9.40. , lVochengottesdienst: TU orgens 6.15. Nachmittags 7.15 Tefilin-Legen am TUorgen 2.30. Die Messiasbraiit. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von S. Schachnowih. Die Verkündung. (Fortsetzung.) II. Es war bereits Mitternacht, als sich die vielen Gäste entfernten, es blieben nur Josef Jskaffa und Rabbi Nathan aus Gaza- 2m Nebengemach hinter der dünnen, buntbemalten Wand aus Zelltuch verstummte das Geräusch des Webstuhles und die Stimmen der Frauen und Kinder. Die drei Männer saßen am Oellichte und hingen ihren Gedanken nach. Plötzlich hob Rabbi Nathan den Kopf und sah Mordechai Zewi klar ins Auge. „Ihr habt doch auch Kinder und Gott hat Euch mit Söhnen begnadet. Jskaffa erzählte mir so manches von Eurem Jüngsten." „Ja," antwortete der Hausherr, „mein Weib Rachama hat mir zwei Söhne geschenkt. Groß war die Freude trotz der Trauer des neunten Ab, als vor Jahren der Jüngste zur Welt kam, denn das Haus war in Glanz und Licht gehüllt. Doch menschliche Freude und Hoffnung trügen. Es sind bereits zwei Jahre her, daß der Knabe auf das Gesetz Israels verpflichtet ist. Er macht uns Kummer und Sorge." „Worin besteht diese Sorge?" Mordechai Zewi wies auf Josef Jskaffa: „Redet Ihr, Jskaffa, Ihr seid sein Lehrer und kennt die seltsame Natur des Knaben am besten." „Es ist so," seufzte Josef Jskaffa, „der Junge macht uns mannigfache Sorge, wie er uns in den ersten Jahren seiner Entwicklung Freude gemacht hat. Er mag das klare Wort des Gesetzes nicht sehr und sein Sinn steht nicht nach dem Einfachen und Gewöhnlichen. Er sucht und geht in die Tiefe und übersieht dabei das Nächstliegende. Wie der Astronome, der sich mit seinem Blicke an den Gang der Sterne heftet, indeß sein Fuß unten über jeden Stein stolpert . . . Wie oft es wohl passiert, daß er mitten in einer schweren talmudischen Abhandlung. der er nur mit Widerwillen gefolgt, wie aus den Wolken gefallen mit der Frage kommt, was sich hinter den Bergen und jenseits der Meere verstecke, was oben und unten, hinter und vor uns, in und um uns sei . . . Er fragt mehr als ich, der Mann der Lehre und des Gesetzes, beantworten kann und lenkt sich dabei vom Nötigsten ab." Der fremde Rabbi zuckte mit den Schultern als wollte er sagen: „Ist das alles?" „Gemach mit dem Jungen," mahnte er nach einer Weile. „Es steckt oft die höhere Wahrheit außerhalb des Gerippes von Buchstaben und Worten. Wo ist der Knabe? Ich möchte ihn sehen." „Er wird wohl schlafen, im Gemache der Kinder. Ich hörte ihn vorhin noch Psalmen singen." „Auch ich hörte es," sagte Rabbi Nathan, „und die lieblichen Töne gingen wie milder Wind über meine Seele. Ich muß den Jungen sehen." Der Vater entfernte sich und nach wenigen Minuten kam er mit Sabbatai am Arm, der groß und schlank, im langen, weißen Kittel, das weiße Tuch turbanartig um den Kopf gewunden, mit bleichen Wangen und halbgeschlossenen Augen wie ein Traumbild dastand. Rabbi Nathan streichelte den Jungen und legte dann seine Hände auf dessen Haupt. „Du hast viel gelernt, Sabbatai, was weißt Du von der heiligen Schrift?" Statt der Antwort fing der Knabe an, aus dem Hohenliede zu rezitieren, und seine Stimme schillerte wie fließendes Gold. „Er küsse mich mit den. Küssen seines Mundes, denn lieblicher ist Deine Kosung denn Wein! . . ." . Er sprach immer weiter und weiter,ganze Abschnitte, mit halbg'eschlossenen Augen, und das Sprechen gnig in Singen über. Dann fing der Knabe plötzlich an, aus den Psalmen zu'beten. Kapitel auf Kapitel, ohne zu stocken und einzuhalten, sagte er her. Er öffnete dabei die Augen „ nicht, als spräche er das alles im Schlafe. „Was hast Du noch sonst gelernt?" fragte der Rabbi. Der Knabe brach jäh ab, wie ein Nachtwandler, der auf steilen Höhen mit einer Anrede überrascht wird. Er öffnete ein wenig die Augen, schloß sie aber bald wieder und trug langsam, -fast flüsternd, eine S 0 h a r st e l l e vor über Völkeransammlungen, Kampf und Leid und Hoffnung und Wiederauferstehung, von Seelen früherer Könige und Propheten, die wiede> kamen, um in einem zwei.en Leben aus anderem Körper heraus Glücksverheißung der Welt zu bringen ... Es war fast eine wörtliche Wiederholung dessen, was Rabbi Nathan vorher aus den allen Pergamenten vorgelesen; hatte. ,,Du hast in Deinem Bette gelauscht, Sabbatai," sagte der Vater mit gelindem Verweis, aber nicht ohne Stolz auf das Gedächtnis des Jungen. „Ich weiß nicht, .ob ich gelauscht habe," sagte Sabbatai, zum erstenmale wieder Kind. „Ich weiß nicht, ob ich sprach und was ich sprach. Es sprach in und aus mir, und ich habe vieles heute in mir gesehen und erlebt . ." Rabbi Nathan legte noch einmal beide Hände auf das Haupt des Knaben und flüsterte einen Segen- Dann ging Sabbatai wieder in das Zelt hinüber, um sich aufs Lager zu begeben. Rabbi Nathan senkte die Stimme, und beide Männer lauschten wie auf eine Botschaft aus himmlischen Höhen- „Höret Mordechai Zwi. Alles wiederholt sich auf Erden, und die Zeit der Erlösung ist nahe. Wißt Ihr, wie Prophet Samuel nach Bethlehem kam, um einen König für Israel zu wählen und es beim Anblick Dawids in ihm rief: der ists!... Wir find in Gaza, ich darf es Euch nun verraten, in den nächtlichen Gebetsübungen auf den Gräbern der Frommen dahin gekommen, daß der zweite und letzte Dawid bereits d a ist, und daß es an der Zeit sei, daß ein Samuel hinausgehe, um ihn zu suchen uno die Hände auf sein Haupt zu legen. In Träumen, die nicht mir allein geworden sind, bin ich dazu erkoren worden. Ich ging hinaus und wußte nicht wohin-. Der Weg führte mich nach Smyrna in Euer Haus. Die Londoner Berichte, die Ihr von der Reife mitgebracht, gaben mir Anlaß, hier zu verweilen und aus meines Herzens Schreine das herzugeben, was ich noch länger in mir zu tragen gedachte. Nun ist es heraus . . . Großes, so scheint es mir, hat Gott mit Eurem Sohne vor- Ob er der Dawid ist, auf dessen Haupt ich das Oelhorn zu leeren hätte? Wer gäbe einem Spätgeborenen, in der Sünde des Geschlechtes Haftenden, den prophetisch sicheren Blick eines Samuel? Allein seid Ihr und Euer Weib Rachama, und auch Ihr Rabbi Josef Jskaffa, bedacht auf all feine Schritte. Eine Hoffnung für Israel wächst mit ihm, vielleicht die Erlösung. Heil denen, deren Hand solche Blume anvertraut ist ... Seid auf der Hut und wartet auf ein Zeichen! - - " Mordechai Zewi, der die ganze Zeit still und gebannt zugehört hatte, tat eine Bewegung, als wollte er dem fremden Rabbi zu Füßen fallen. „Womit hätten wir es verdient, einer solchen Gnade würdig zu werden?" „Wir kennen nicht den Weg, auf dem Gott seinem Volke die Gnade sendet. Heil demdem sie geworden. Und eine Prüfung ist damit verbunden, schwerer denn jede andere. Besteht sie! ..." Damit entfernte sich Rabbi Nathan, und der greise Josef Jskaffa begleitete ihn, ohne,