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Der Israelit · 1924-06-12 · Heft 24 (12.6.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 24 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 24 n c » n f j 2 um nur obenhin der Pflicht des Lernens Genüge getan zu haben'. Die Vorbereitung, die von ihm verlangt wird, soll selbstredend dazu dienen,daß das Gelernte auch vom Zuhörer verstanden wird. In der „Säule des Gottesdienstes" Abschnitt 10 tadelt der Verfasser, daß es so viele gäbe, die auch den Sinn der Gebete, die sie sagten, gar nicht begriffen. Um diesem Mißstande zu begegnen habe er, als er Rabbiner in Frankfurt war, eine große Einrichtung (Tickun godaul getroffen. Alle Mitglieder der Chewra-Kadischa sollten sich in besonderen Vereinen zusammenschließen, um die Gebete zu lernen, von Anfang bis Ende des Jahres, ebenso die Pijutim und. die Selichaus mit Erklärungen, oder wenigstens die Bedeutung der Worte, damit sie die Gebete nicht plappern, wie zwitschernde Vögel. Erst dann wird ihnen das Gebet auch nützen. Wir haben somit die Begründung von Kursen und Vorträgen über .Tefillo, Pijutim und Selichaus, ganz wie sie heute noch bestehen. Der Mekor Chajim-Verein hat es verstanden, sich in würdiger Weise seinen alten Vorbildern anzuschließen und deren Traditionen bis in unsere Tage zu wahren. Merkwürdig ist, daß auch damals die äußeren Verhältnisse denkbar ungünstig waren, es sind ja die Zeiten des unheilvollen 30 jährigen Krieges, die über ganz Europa so viel schweres Leid brachten. Und doch sehen wir, wie hell in Israel damals das Licht der Thora strahlte, daß die damaligen Führer unbeirrt von der Ungunst der Zeit, ihren Weg für Thauro und Awaudoh gingen. Auch heutzutage liegen die Zeiten für das jüdische Volk äußerlich nicht günstiger. Und darum haben wir erst recht die Pflicht, wie der Josif Omez und wie Rabbi Scheftel und alle anderen Großen jener Tage für uns im Innern zu sorgen, auf daß hell das Licht der Thora leuchte. Möge es auch dem Mekor Chajim-Verein beschieden sein, hierzu beizutragen, möge er als Lernverein weiter dafür sorgen, daß bald die Geulah komme ptn Der Toten Vermächtnis.*) Von Studienrat Mar Munk. D’w* ■’nswnnn Die Stimmen der Toten sprechen zu uns aus dem Grabe. In dieser Stunde wollen wir ihnen; lauschen. Was sie geduldet und ertragen,» brauchen sie urt« nicht zu künden. Wir glauben es zu wissen. Doch was sie an innerem Erleben, an tiefem Sinnen und Denken mit hinüberno.hmen, dies Vermächtnis wollen wir heute empfangen. Wer gleich ihnen das Wüten des Krieges gesehen, wer gleich ihnen dem Tod ins Auge schaute, steht ihnen am nächsten, weih am besteu, welche Probleme ihnen das grausige Bild da draußen stellte. Nur selten fand der Geist dort Ruhe zu innerer Sammlung. Der Sturm des Kampfes, das ewige Hin und Her, die Aufgaben des Augenblicks ließen keinen Raum für Gedanken, die über den' Augenblick hinausragten. Nur hier und da gewährte auch dort die Stunde uns Muße zur tieferen Erfassung des Geschehens, zum Fragen und Suchen nach dem Sinn dieser großen, schrecklichen Zeit. In eine solche Stunde wollen wir uns versetzen. In heller Mondnacht steht der Posten vor dem Feind. Da ist keine Kampfhandlung zu befürchten. Jede Bewegung würde den Feind sofort verraten. Das milde Mondlicht spendet auch hier Ruhe und Frieden. Nun mag der Blick sich getrost nach innen wenden. Nun mag der Geist Halt machen im ewigen Vorwärtsblicken und rückschauend fragen: Was ist die Ursache dieses großen Kämpsens, was überhaupt treibt $im» 50 jährigen Jubiläum des Mekor Chajim überreicht der Verein feinen Mitgliedern und Freunden eine Festschrift, die auf 114 Seiten neben der Chronik des Vereins, Mitteilungen und anschaulichen Schilderungen aus seiner Tätigkeit während des Krieges usw. 7 wissenschaftliche Aufsätze enthält. Einer derselben fei hier wiedergegeben. die Völker gegeneinander, warum leben sie nicht friedlich miteinander, warum gibts für die Menschheit kein Paradies auf Erden? — Warum kein Paradies? Warum wurden dann die ersten Menschen aus dem Paradies vertrieben? Sollte nicht die Ursache ihrer Vertreibung auch die Ursache allen weiteren Unglücks sein? ll. 3, 17) iivQ bvrrn xb nvxb *]vns upr pn p bvxni * - „Weil du von dem Baume aßest, von dem ich dir befahl, nicht zu essen,"wegen dieser Sünde verlor die Menschheit das Paradies. Warum aber versagte der Mensch dem göttlichen Gebote den Gehorsam? si. 3, 6) xin mxn ’m bvrrvb pn nie ’a ♦ b'vwnb pn ivnii „Weil der Baum gut zur'Speise und eine Lust für die Augen und köstlich der Baum für die Betrachtung war." — Der Mensch war in den Garten des Paradieses gesetzt, ma^i rms;^ „ihn zu bearbeiten und zu behüten". Eine göttliche Aufgabe war ihm gesetzt. Und die Früchte des Gartens waren ihm zum Genuß gegeben. Nur eine Frucht war ihm verboten. Hier sollte es sich entscheiden, ob er sich der Aufgabe gewachsen und sich stark genug zeigen werde, die von Gott, gesetzte Schranke innezuhalten. Ob er sich stets als Gottes Geschöpf und Gottes Diener fühlen werde, ob es ihm höchste Ausgabe sein werde, Gottes Willen zu erfüllen, oder ob es ihm höheres Ziel fein werde, dem Genuß sich hinzugeben, sich selbst die Zaele seines Wollens zu setzen, zu vergessen, daß ein höherer ihn nis Leben rief, der ihm Aufgaben und Schranken setzte. Und indem der Mensch von der Frucht des Baumes aß, siegte sein Ich über die göttliche Stimme. Hier vollzog sich die völlige Umkehrung in der Stellung des Mnschen zu Gott. Nicht mehr ist Gott der Herr der Welt und des Menschen, sondern der Mensch ist der Herr der Weltund sein eigener Herr. Er hat sich von seinem Schöpfer und Vater losgesagt und sich damit selbst zum Gott gemacht. So verlor er das Paradies. Hat die Menschheit von diesem Sündenfall gelernt. Begreift sie es als höchste Stufe der Entwicklung, sich von der Hand des ewigen Vaters führen zu lassen? Mit Nichten! Seit dem stolzen Wort beim Turmbau zu Babel: aw Mb nwzli' „Wir wollen uns einen Namen machen", hat die ganze Menschheit, hat jedes Volk das zum Lebensmotto gewählt, was das erste Menschenpaar zur Richtschnur seines Handelns machte. Die eigene Einsicht soll die Wege zeigen, die zum vermeintlichen höchsten Glück, zur höchsten Vollkommenheit führen. Streben nach Besitz und Macht, nach Macht des Einzelnen, nach der Macht des Staates, das war und ist das Hochziel aller Arbeit. Die Staaten setzten sich zum Gott ein für ihr Volk, ihr Wille, ihre Machtentfaltung ist höchste Aufgabe des Volkes. Daß ein Gott aller Völker Vater ist. ist ein Gedanke, der keinen Raum gewinnt, wenn der Schwache des Starken Größe Eintrag hu. Wer die Macht hat, hat das Recht. Kann da Friede herrschen zwischen Volk und Volkk? „Das in geheimnisvoller Macht sich immer neu schärfende Schwert" nvonrwn mnn vnb wie es an den Pforten des Paradieses seinen Ausgang nahm, wandelt seitdem über die Erde, wandelt als Fluch für die Menschen, geboren aus ihrer irrenden Sünde, um sie zu strafen für den stolzen Gedanken, des göttlichen Vaters und Leiters entraten zu können. Wandelt aber nicht nur als Strafe, wandelt auch als Mittel der Er- Whung des Menschengeschlechts, daß sie lernen, welches Unglück, welchen Jammer ihr eitles Denken im Gefolge hat, und aus dieser Not sich zurückzusehnen ins Paradies, zum Baum des Lebens. Je ärger das Leid, um so klarer muß die Erkenntnis werden, daß der alte Weg verlassen und ein neuer gesucht werden muß. Und auch hier hat uns Gott seine Hilfe geschenkt. Er ließ von den Pforten des Paradieses außer dem erziehenden Schwert auch die „Cherubim" ausgehen, die Engel, „die den Weg zum Baum des Lebens behüten sollen". Cherubim 1024 sind alle Großen, die-Funken göttlichen Lichts in die Zeiten tragen; Cherubim, die großen Dichter und Denker, die ewige Wahrheit ins Herz der Menschheit pflanzten. Ja, jeder ist berufen, als Cherub mitzuwirken an der Erlösung der Menschheit. Uns Juden vor allem ist diese Aufgabe gestellt. In vollendetem Bild stand ,sie vor uns als Symbol im Heiligtum. Zwei Cherubim erhoben schützen ihre Fittiche über der heiligen Lade, in der Gottes Gesetz ruhte. Ihre Augen waren aufs Gesetz gerichtet und blickten zugleich liebend einander an. Sie verkündeten damit als Aufgabe des jüdischen Volkes: Hut des göttlichen Wortes und Menschenliebe. Nur aus dem Gehorsam gegen des Vaters Wort kann die Liebe der Kinder zueinander erblühen. Wer darum Mitarbeiten will an der Gewinnung des ewigen Friedens, stelle sich ganz in den Dienst Gottes und entthrone das Irdische im Menschen von seiner stolzen, eitlen Höhe. So mag sich der Sinn der Weltgeschichte und der Menschenaufgabe dem Auge des jüdischen Kriegers dargeboten haben. Es ist die alte, ewig neue Lehre vom Kampf gegen das immer neu erstehende Schwert. Noch trennt es Volk von Volk, noch tötet es, trennt die Seele vom Körper und läßt nur sie einziehen ins Paradies. Darum dringt um so lauter der Ruf dieser abgeschiedenen Seelen als ihr Vermächtnis an unser Ohr: Lernt besiegen die Zauberkraft des schier unsterblichen Schwert, seid Cherubim in Treue zu Gott und Liebe zu den Menschen! So nur bahnt ihr hieneieden schon den Weg ins Paradies, zum Baum des Lebens. Ans der Chronik des Frankfurter Mekor Chajim. Gründung und erste Enlwicklungsjahre. Die Männer, die im Jahre 1850 die Gemeinde Adaß Jeschurun in Frankfurt am Main gegründet und 1851 deren Geschick in die Hand des von ',n zu großen jüdischen Aufgaben hergesandten Rabbiners Samson Raphael Hirsch V'XT legten, wußten es, wie ihr großer Führer, daß von den drei Grundlagen eines wahrhaft jüdischen Gemeinwesens, nun an erster Stelle stehen muß. Als Wahrzeichen der neuen alten jüdischen Gemeinde stand bald neben der Synagoge 1853 eine Schule, die über das allgemeine Ziel . der Realschule hinaus den Geist zu pflegen hatte, aus dem das Ganze geboren war, den Geist, wie er nach Talmuderklärung aus. dem Psalmworte hervorleuchtet: w mov ll'pii'i a'bbip <BoUte aber die Jugend Trägerin der jüdischen Zukunft sein, so mußte ihr Gelegenheit, geboten werden, in reiferem Alter das in der Schule Erworbene zu vertiefen und zu mehren. Es mußte aber auch den auswärtigen jungen Leuten, die den Anschluß an die Kehillah suchten, Gelegenheit zu gemeinsamem Lernen gegeben werden. Aus dieser Notwendigkeit entstand aus den Kreisen der Jüngeren, der Verein Mekor Chajim. Wackere, tatkräftige Männer nahmen sich der Idee mit der ganzen Glut ihres Herzens an. Wir nennen hier von den Gründern: Emanuel Beer V'su der bis zu seinem früh erfolgten Tode (1878) auch Präsident des Vereins war, während ihm Rabbiner S. R. Hirsch als Ehrenvorsitzender erhöhten Glanz verlieh. Die ersten Statuten waren entworfen, die ersten Lehrpläne versuchsweise aufgestellt, und am 12. Silvan 5634 (28. Mai 1874) konnte die Lehrtätigkeit des Vereins mit einem Vortrag von Samson Raphael Hirsch b"*! eröffnet werden, der einleitend seiner Freude über die Gründung — nach Aufzeichnung eines Ohrenzeugen — mit folgenden Worten Ausdruck gab. es mir glauben, meine Herren, daß ich die Gründung eines Vereins, wie des Ihren, in dieser Zeit, unter diesen Umständen, von Leuten Ihres Alters mit keiner geringen Erregung von Freude und Hochgefühl begrüße. Ich habe es nicht nötig, ein fo großes Streben mit meinen schwachen Worten zu segnen — es ist gesegnet, ist geadelt, bis

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