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Der Israelit · 1924-06-12 · Heft 24 (12.6.1924) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 24 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jl jffSt As *8 8 2»enr H «M LL« "'•if Zum ZOjäkr. Jubiläum 4er Frankfurter Nekor Lkajim. Frankfurter jüdische Vereine in alter Zeit.'' Don >Dr. med. Willy Hofmann in Frankfurt a. M. Wenn in Frankfurt ein Verein wie der Mekor Ehajim ein Jubiläum begeht, so dürfte es sich geziemen, den Blick der geschichtlichen Betrachtung nicht nur in die Vergangenheit dieses Vereins selbst, sondern weithin zurück in frühere Zeiten schweifen zu lassen. Blühte doch gerade in Frankfurt von jeher ein reges jüdisches Vereinsleben, und ganz besonders die Quellen des 17. Jahrhunderts wissen uns mancherlei Interessantes hierüber zu erzählen. Wir wällen daher im folgenden über einige Frankfurter Vereine aus dieser Zeit und über die Zwecke, die sie mit ihrer Tätigkeit verfolgten, in Kürze berichten. Als Vereine ganz besonderer Art müßten wir zunächst diejenigen nennen, die sich mit der Ausübung tätiger Nächstenliebe befaßten, mit Unterstützung notleidender Brüder, Krankenfürsorge und Liebesdiensten an Verstorbenen. Sie trugen schon zur Zeit, als Rabbi Jesaia Hurwitz Halevi, der Verfasser des Scheloh, in Frankfurt Rabbiner war, und des Verfassers des Josef Qmez, Rabbi Josef Hahn (ans. 17. Jahrh.), bestimmten, ausgeprägten Charakter und hatten festgefügte Statuten. Wir gehen indessen im Rahmen dieser Abhandlung nicht näher auf ihre Geschichte ein, da wir vor allem solche Vereine schildern möchten, deren Aufgabe darin bestand, für rrmsn min zu wirken. Hingegen möchten wir an dieser Stelle einen Verein aus der Zeit des Jofif Qmez erwähnen, den wir am besten als nviv oder N2ivm-Verein bezeichnen. Er wurde von Rabbi Josef Hahn selbst begründet, der uns in der Vorrede zum Josif Qmez darüber näheren Aufschluß erteilt. Bald nach der Wahl und Krönung des Kaisers Matthias (1609) befand sich die Frankfurter jüdische Gemeinde in arger Bedrängnis. Es begann in der Stadt zu gären, und es entstand jene Bewegung, die schließlich zum Fettmilchschen Aufstande führte. Rabbi Josef Hahn sah Schlimmes voraus; so ließ er denn an seine Freunde und Schüler den alten Ruf ergehen: Wer für Gott ist, der eile zu mir! Er forderte sie auf, besonders sorgfältig ihre Handlungen und ihre Lebensweise zu prüfen, den Weg des Bösen zu verlassen und sich innerlich zu läutern, um nach ältjüdischer Weise durch aufrichtige Rückkehr zu Gott den Versuch zu machen, das drohende Unheil von der Frankfurter Judenheit abzuwenden. 18 Männner folgten dem Rufe ihres Führers, auch solche von großem Ansehen waren unter ihnen. Sie schlossen sich zu einem Vereine zusammen, dessen Statut vom Josif Qmez selbst festgesetzt und in einem besonderen Buche aufbewahrt wurde. *) Der nachfolgende Aufsatz sollte ursprünglich in der Festschrift des Mekor Chajim-Vereins erscheinen, konnte aber aus technischen Gründen nicht mehr ausgenommen werden. Nur der grundlegende Paragraph wird im Josif Qmez näher gewürdigt, da er in umfassender Weise die Absicht der Genossenschaft kennzeichnet. Jeder Donnerstag vor dem Rüsttage zürn Neumond oder ein anderer Tag, der dazu festgesetzt wurde, ward von den Vereinsmitgliedern in besonderer Weise begangen samt der darauffolgenden Nacht. Sie fasteten, und ein jeglicher war verpflichtet, den anderen zurechtzuweisen und ihm alle Unrechten Dinge vorzuhalten, die er im Laufe des Monats bei ihm gesehen oder im Kreise der Genossen gehört hatte. Diese Zurechtweisung geschah unabhängig von der Pflicht, die jedem Jehudi auferlegt ist, seinen Nächsten sogleich, wenn er bei ihm ein Unrecht sieht oder hört, darauf aufmerksam zu machen. Der Zurechtgewiefene durste zunächst nichts zu feiner Entschuldigung erwidern, bis drei Tage vergangen waren. Diese Anordnung entsprach einer gleichen in Safed in Palästina üblichen, wie sie in dem Buche a°"n rwnn berichtet wird. Der Josif Qmez hebt hervor, wie groß die Zahl der guten Taten war, die so veranlaßt wurden. Viel segensreiche Arbeit hat infolgedessen dieser Verein geleistet. Er bestand bis zum Marcheschwan des Jahres 1614, in diesem Jahre erfolgte bekanntlich die Vertreibung der Juden aus Frankfurt. Vom Jahre 1632 bis 1642 wirkte in Frankfurt als Rabbiner Rabbi S ch e f t e l Hurwitz Halevi, der Sohn des oben erwähnten Rabbi Jesaja. (Scheloh). Er verfaßte das bekannte Werk, Wowe hoamudim, das er in seiner Bescheidenheit nur als eine Art Anhang zu dem großen Werke seines Vaters herausgab. In diesem Buche finden wir an mehreren Stellen Anhaltspunkte über Frankfurter Vereinstätigkeit. Was besonders interessant dabei erscheint, ist, daß auch die damaligen Lernvereine schon dieselben Stoffe in ihren Kursen und Schiurim behandelten, wie es heute noch der Mekor Chajim und unsere Lernvereine überhaupt tun. Vor allem suchten sie auch den im Berufsleben Stehenden, wie dem Kaufmann und anderen, Gelegenheit zum Lernen zu geben. Wir lesen darüber im Amud Hatauroh, Abschnitt 5, in dem über die Verpflichtung des Thorastudiums gesprochen wird, folgendes: Darum gehört es sich für jedermann in Israel, daß er sich mit den Worten der Lehre beschäftige, auch der Geschäftsmann soll sich eine bestimmte Stunde hierfür Tag für Tag auswählen, er soll sich einen Genossen suchen oder sich einem Vereine anschließen, damit man lerne. Und als ich Vorsitzender des Gerichts und Vorsteher des Lehrhauses (dies war der offizielle Titel des Rabbiners) in der heiligen Gemeinde Frankfurt war, bestand dort der Brauch, daß sich an jedem Tage, wenn der Mittag kam, kleine Gruppen, Abteilungen und Vereine zusammenfanden. Jede Gruppe hatte als Vorsitzenden einen Lehrer, der ihr vortrug, je nach ihrer Weisheit und Einsicht, danach wurde Rabbonon Kaddifch gesagt und in die Büchsen eine Münze geworfen. So erfreute man mit diesem Gelde Gott und die Menschen. Heil dem Auge, das dies alles mit ansehen durfte! Wir haben hier also regelmäßige Mittagsschiurim und Lernen in kleinen Zirkeln, ganz besonders sei aber auf den Minhag hingewiesen, bei jedem Schiur etwas für Zedokoh zu geben. Er wäre wohl auch heute noch am Platze! Im Anschluß an diese Beschreibung wird die Lehrmetode von Amsterdam gerühmt, die Rabbi Scheftel bei seiner Uebersiedelung von Frankfurt nach Posen kennen lernte. Er machte hierbei eigens einen Umweg über Amsterdam. Dort lernten die Kleinen systematisch zuerst die ganze Thauro, dann Tenach, dann Mischnajoth, erst wenn sie größer wurden, auch Talmud. Alles dies wurde ebenfalls in vielen Einzelabteilungen gelernt, und zwar waren diese durch Wände voneinander getrennt. Auch damals wurde schon morgens nach dem Gottesdienste Mischnajoth gelernt. Dieser Brauch kam von Prag her, es lag ihm die Absicht zugrunde, überhaupt etwas zu lernen und ganz besonders auch Geläufigkeit in der Mischnah zu erlangen. Man lernte in der Synagoge, damit man es nicht so schnell vergesse. Hierbei dachte man auch an die Erfüllung des Psalmverses Vk V’m? tsV’ sie gehen von einem Werke der Kraft zum anderen, darum sollte dem Gebete unmittelbar das Thorastudium folgen. Die Art und Weise, wie indes gelernt wurde, mißfiel Rabbi Scheftel so sehr, daß er von einer rr-rnm etwas Abscheulichem, spricht. Er sagt: Ich habe manche Leute gesehen, die den Perek Mischnajoth lernen, ohne vorher irgendwie über das Lernen nachzudenken. Sie kommen manchmal in die Synagoge mitten im Gebet oder fast zu dessen Ende. Dann beeilen sie sich, den Abschnitt Mischnajoth, während des Gebetes zu lesen, damit sie später noch am Lernen des Vereins teilnehmen können, ihr Gebet aber haben sie noch nicht verrichtet. Manchmal liest man den Perek während der Zeit des Gebetes, ein Auge ist auf das Mischnajoth gerichtet, und ein Auge schweift umher, in Gedanken auf den'Gegenstand des Lernens gerichtet, um Gebet und Lernen zu vereinen, in Wahrheit aber kommen beide nicht zurecht und keines tritt dein anderen nahe. Und wie oft habe ich diejenigen gescholten, die diesen Weg gehen, denn die Thauro hat ihre Zeit für sich und das Gebet ebenfalls. Darum gehört es sich, solchen Männern, die so handeln, zu wehren und sie zu schelten, denn dies ist kein Lernen um seiner selbst willen; lieber soll man den Perek zu Hause lesen oder vor dem Gebete. Auf diese Weise find dann Thora und Gebet miteinander verknüpft und verbunden ebenso wie die Flamme mit der Kohle. Man sieht also, daß sich der Autor hier vor aallem auch gegen ein gedankenloses Lernen der Mrfchnah oder ein bloßes Heruntersagen wendet,

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