Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1924)
- Date
- 1924-06-05
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450308--71322-2528629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
's. Jünt 1SS4 tnt. zö ome ao hat allein Anspruch an uns. unsere Vorstellung auszufüllen. Kip tn der von Hirsch gegebenen Bedeutung würde sich mit dieser Auffassung decken. Jede andere Ausfüllung unserer Idee von einer beherrschenden Macht wirkt materialistisch, da alles andere als Einzigkeit nur auf dem Gebiete der Körperlichkeit gefunden wird- Der Materialismus der Eltern aber rächt sich unbedingt an den Kindern. „Es ist kein Zufall, daß die Söhne geldsüchtiger Eltern nur zu häufig gerade ökonomisch zugrunde gehen, eben weil die Oberherrschaft bloß materieller Gesichtspunkte in solchen Familien sich dem ganzen Innenleben der Nachkommen mitteilt und allmählich die unentbehrlichen moralischen Grundlagen aller dauerhaften ökonomischen Disziplin vernichtet." (För.ster.) Eben darum aber, weil in dem Leben und Denken der Vorfahren der Materialismus jeder gegenwärtigen Generation begründet liegt, drum ■''Di Ips. Heftet dieses »'» min jw ips ist naturgemäß viel gedacht und geschrieben. Es scheint aber immer von dem Standpunkte aus geschehen zu sein, daß *Tps nur im prägnantesten Sinne der Vergeltung aufzufassen sei. Dagegen wäre einzuwenden, daß im Zusammenhang mit den rm» jt* II 34, 7 und IV 14, 18 kaum an eine Verschärfung,, sondern doch wohl mehr an eine Erleichterung der Strafe zu denken ist. Infolgedessen müßten wir wohl sagen, daß *rpö eine vor media ist- In dem Dekalog wird auf die zersetzenden Folgen aufmerksam gemacht, die sich aus der Ablehnung des Einzigkeitsgedankens einer rein geistig vorzustellenden Gottheit ergeben. Die Folge ist materialistische Weltanschauung, die sich von Geschlecht zu Geschlecht stärkt, wenn keine Selbsterneuerung und Erhebung eines Geschlechtes eintritt, bis als schlimmste Strafe für einen Juden das vierte Geschlecht unter die Völker untvrtaucht. Im Zusammenhang mit den nrra an aber wird die Langmut und das Erbarmen Gottes angerufen, das eben wegen des Vorlebens der voraufgegangenen Geschlechter für das gegenwärtige eine Entschuldigung hat. Nicht in dem Sinne wird ein späteres Geschlecht für das frühere heimgesucht, um die Sünden der Väter an den Kindern zu strafen; ein jeder stirbt um seiner eigenen Sünde. Wohl aber wirken die Fehltritte der früheren Geschlechter in geheimnisvollem, aber sichtlich in die Erscheinung tretendem Zusammenhang ze setzend weiter. Nur die sittlich rein gebliebene Geisteskraft hat Lebenszukunft auch im irdischen Sein des Menschen und seiner Nachkommen, der Familie und des Volkes. Die Seele eines Menschen ist 'freilich rein. Aber die Sitte des m sündigem Gedanken Erzeugten bleibt mit Aussatzschaden behaftet und darf — wie der iw» — nicht in Israels Lager eintreten. Blutschuld muß fortzeuglend Blutschuld gebären. Denn es gibt eine Vererbung der sittlichen Mängel so gut, wie organische Fehler des Körpers sich übertragen- Sie sind nach ihrer Wirkung gestaffelt. Manche lassen sich durch zweckentsprechende Hygiene lindem, manche ganz beheben- Ebenso auf dem Gebiet der Sitte. Manches läßt sich ausmerzen, manches nicht. Der Bau, der Anzug, der in der Ausführung Schönheitsfehler hat, läßt sich korrigieren. Ist Anlage oder Zuschnitt verdorben, dann ist eine Aenderung unmöglich. Zufällige» nicht prinzipielle Verirrungen können paralysiert werden. Freilich trifft die Schuld der Väter den iw» hart. Dabei kann er persönlich der hervorragendste Mensch sein, und mit Ehrerbietung begegnen wir ihm'Hi QYij? rrn iw».. Die Gesamtheit würde es indetz härter treffen, wenn ihm eine Verbreitung seiner in ihm schlummernden Eigenart gestattet würde. Die Menschen- «erdung ist heilig. Ein unheiliges Geschlecht versteht das nicht; ein sich heiligendem, ein sittlich emstes erkennt diese Wahrheit als Selbstverständlichkeit. Immerhin wirkt ein zerstörendes Moment nur so lange, als keine Erhebung dagegen erfolgt. Die Wechselvollen Lebensschicksale aber bleiben nicht vier Geschlechter aus, sie gemahnen den Menschen früher an Einkehr und Rückkehr. Auch der nicht gut angewandte Reichtum überdauert keine drei Geschlechter in einer Familie. V- 6. 'in 'inrr steht eigentlich im diametralen Gegensatz zu 'Kiff- Zwischen beiden gibt es noch ein Mittelding. Aber denen, die nicht o’Kiff sind, tut Gott nicht ivn. sondern nur solchen, die wie »Niirr sich mit ganzer Persönlichkeit für die Verbreitung des Bewußtseins von Gott einsetzen, die, wie er, p*TS unter den Menschen wachrufen und stärken oder die, wie so viele in der jüdischen Geschichte, mit Wagnis ihres Lebens dem Gottesgesetze Treue gehalten haben und lieber den Tod empfingen, als Tauroh übertraten (Mechilta). V. 7. War bisher vor Verzerrung der Vorstellung von der Einzigkeit Gottes gewarnt, so wird jetzt gemahnt, auch bei völliger Anerkennung Gottes die Ehrerbietung vox feinem Namen nicht durch unnötigen Gebrauch zu verletzen. Denn jedes Aussprechen bedeutet, sich als „Träger dieses Namens" bekennen mit vollem Bewußtsein der Pflichten und des Emstes, den er uns auferlegt. Wir dürfen ihn daher nicht profanisieren. Ausdrücke, Ausrufe, wie „ach Gott" und dergl. sollen wir uns nicht angewöhnen» und falls geschehen, darauf achten, uns solche abzugewöhnen. In Briefen, die hemmfahren, erwähnen wir ihn besser nicht. Diese Aeußerlichkeiten bekunden häufig mehr Leichtfertigkeit. als Innigkeit. Wir brauchen Vnkanntes nicht mit Gottes Namen zu bekräftigen, geschweige denn Hnwahres oder Hnmögliches oder Hnerlaubtes zu beteuern. D. 8. Bis hierhin war die Verehrung Gottes in der Theorie und mit Worten geboten. Es kommt jetzt' das Gesetz, das die Erhaltung des Bewußtseins von Gott in der Praxis bewirkt hat: der Schabbos. Wenn aber To*n *nt 7i»8i TN8 so heißt das, daß im nur durch i»ff möglich ist. Der raff ist nämlich wirklich nicht von Israel erfunden, er stammt allerdings auch nicht aus Babylon, sondem er ist so alt wie die Welt. Mit i^i'i ist er eingesetzt. Der Menschheit gegeben, wurde er von viK über ni dem »nun zur Erhaltung im Gedächtnis übermittelt Denn das Gedenken des Mff erhält das Gedenken an den Schöpfer der Welt. In Awrohoms Hause lernten seine, von den Nebenfrauen ihm geborenen Kinder, ihn kennen und nahmen ihn als geistige Gabe in ihre neue Heimat im Osten I 25, 6, d. i. Assyrien und Babylonien I 2, 14 mit. In zeitlicher und räumlicher Entfernung von dem Hrsprung der Menschheit wird das Wesen des raff dort getrübt und erscheint in der entstellten und verzerrten Form des Hnglückstages. Diese Degenerierung des Gedankens ist begreiflich. Es gibt eine Abwärtsentwickelung vom Guten zum Schlechten. Aber daß das Schlechte sich aufwärts zum Guten entwickelt, sehen wir in de>r Erfahrung nirgends. Es sei denn im Menschen auf Grund der Befreiung eines guten in ihm schlummernden Keimes von der Heberwucherung des fremd und von außen in ihn hineingetragenen Schlechten. So gibt es keine Möglichkeit, daß von dem Polytheismus sich der Monotheismus entwickelt haben sollte, wohl umgekehrt ist der Werdegang. Der Monotheismus löst sich in Polytheismus auf. Daß der »iff-Gedanke sich in sein Gegenteil verwandelt hat, ist denkbar, daß er aus dem „dies ater" dem „schapatu" der Babylonier, ein jüdischer raff mit seiner Veseligung, seinem msr und seiner ntmp geworden sein soll, ist undenkbar. Der Heide kann sich nur denken, daß man darum an einem bestimmten Wochentag nicht arbeitet, weil dieser Tag Hnglück bringe. Darüber hinaus geht sein egoistisches Lebensprinzip nicht. Aber dieser jüdische raff gehörte der W e l 1. Er ist von Gott eingesetzt, der »iff n ffip» ist und der raff heiligte Israel, nicht Israel erfand ihn. Er war der Welt aber bloß in.YVit. im Gedenken, geboten- Eine Idee wird indetz vergessen, wenn ihr keine Zeit völlig gewidmet ist. So kam es. daß die Welt durch Pharaos Mund sprechen konnte n *»» wer ist Gott und 'i nn wn | ich kenne Gott nicht. Sie hatte mit dem niff Gott verloren. Da mußte der Welt zu ihrer Erhaltung der Gedanke n 'ix wiedergegeben werden. Hnd dazu mußte ein Dolkskreis ausgewählt werden, der einer Familie entstammte, in der allein dieses Bewußtsein vom Weltengott nie untergegangen war, die allein die Heberlieferung von »irr liffXin treu bewahrt hatte. In dieser Familie waren daher die edelsten Tugenden heimisch geblieben, im Gegensatz zur Welt, die mit einer geistigen Hochentwicklung. wie die ägyptische Kultur lehrt, einen moralischen Tiefstand verband, der unvergleichlich ist. Die sittlichen Kleinodien der Welt zu erhalten, ist Israel berufen und die einzige praktische Möglichkeit hierzu ist das Vewußtwerden von Gott in Natur und Geschichte, das Mittel dafür ist eine raff Institution, die nicht wieder vergessen werden kann, und das ist der praktisch geübte raff der ni'»ff der die Notiz zur Erinnerung an die «Yi’ir ist. Hnser mit ist das i»ff. Daß der raffkeine Neueinrichtung des Dekalogs ist, beweist der bestimmte Artikel raff». Der bekannte raff' der außer dem überlieferten raff der ni'ir Israel durch bereits gegebene Vorschriften für diesen bisher immer nur als '»'iffrr dt» bezeichneten Tag seit m» und dem |» besonders bekannt geworden ist. Seitdem wird er K'n mx das Merkmal für das, wenn es verloren, den Beruf Vxiff' zugleich mit sich hinweggenommen hat. In Ausführung des Gedankens der nrnir d. h. der Aufgabe, niff zum Mittelpunkt unseres Sinnens zu machen, soll der raff Vorbereitung nt und Nachwirkung *i»ff in den ihm voraufgehenden und nachfolgenden Wochentagen finden. Man zählt daher die Wochentage nach dem »IN und so wird auch der bloße Tageskompler zu einem mit Geist erfüllten Gedanken, zu einem geschlossenen zeitlichen Heer im Dienste der höchsten Erfüllung. Jeder Tag hat seine Beziehung zum raff« Da gibt es keine glückbringenden und keine Hnglückstage, keine Zeilenwahl und keine Ahnungskünste. Aber es gibt auch keine Gedankenzersplitterung dadurch, daß ein Tag dem einen,- der andere Tag dem andern Schutzpatron gewidmet wäre. Ein einheitlicher Gedanke zieht sich durch 'das ganze Leben des Juden und das ist seine »'»ff nxv. Hm die nmit auch äußerlich zu kennzeichnen und dem Gedanken Ausdruck zu verleihen, daß der raff ein Tag der Erholung und Stärkung ist, ehrt man ihn durch Lichter, durch Kleidung, Nahrung und Blumen, sodatz die nmit auf Schritt und Tritt in unserer Hmgebung uns entgegenleuchtet. V. 9. nip» ist nicht die Form des Befehles, sondern der Parenthese; dagegen ist »'ffvi die eigentliche Befehlsform. Bei dieser steht irnxV», während in der Parenthese iiv gebraucht ist.^ip kann Berufsarbeit, auch harte Fronarbeit bezeichnen. Es wird aber auch' der allgemeine Menschenberuf (I. ,n»ffW damit ausgedrückt. Jedenfalls ist kein direkter Befehl mit tipp ausgesprochen: in sechs Tagen kannst du deine Arbeit verrichten, sei es deine besondere Berufsarbeit, sei es eine Tätigkeit zu Nutz und Frommen der Menschheit. Dagegen ri'ffvi ist Befehl: du mußt all dein Werk in diesen sechs Tagen schaffen, nix^» Nffp bezeichnet aber diejenige Handlung, welche den Begriff der raff rax£» ausmacht: Du mutzt fertig sein oder wenigstens den riiff dir nicht durch den Gedanken stören lassen, daß dein Werk noch nicht vollendet sei. V. 10. Was den »iff über einen „Ruhetag" erhebt, ist seine Bestimmung 'j?^K mV Es ist kein Ruhetag für uns, sondern ein Tag, der dem Gedanken an den Schöpfer und Lenker geweiht ist, wie es i.r der »iff iw nmn n^an zum Ausdruck gebracht ist. Als Zweck wird die Ruhe V 5, 14 nur für Ochs und Esel genannt, beim Menschen ist die Ruhe eine Folge des zum