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Der Israelit · 1924-06-05 · Heft 23 (5.6.1924) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 23 (5.6.1924)
Date
1924-06-05
Page
– (sequence 22)
Language
German
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äi' Sette 22 Nr. 23 Der 3 s tue l i t ’ ■’ ' . ■ ■- 5. Iüni iS24 oder..der Trinität beweist deren Verkehrtheit. (Midrasch Rabb. mvv 29, 1 u. 4). Nur aus der Einheitlichkeit erklärt sich die Möglichkeit der Wirkung auf jedes Einzelne. Nur die 1 geht in jede Zahl auf. Zusammengesetzte Zahlen, gerade oder ungerade, sind einer Reihe anderer Zahlen wesensfremd. mV« ist aber nichts anderes als rr"1?« mit Wandlung des *» in v Gott ist der Machtfaktor des Einzelnen, also auch der Gesamtheiten. Wegen dieser Vielseitigkeit der Wirksamkeit auf viele Objekte steht sein Name im plural- Wegen seiner Majestät hat er es wahrlich nicht, nötig, sich mit einem Nimbus der Pluralität zu umgeben. Der irdische König mutz den Schein wahren. Bei Gott wird IV 14, 17 die Langmut großgeschrieben. Er kann Erhebung gegen sich dulden. An seiner Ewigkeitsmacht zerschellt doch alles, was sich gegen ihn erhebt. Und grade was Anlatz zum Dualismus gab, ist Beweis für den Unismus. Denn gäbe es verschiedene Mächte — Licht und Finsternis, dann würden sie miteinander um die Vorherrschaft ringen. Datz sie getrennt, ein jedes seine Herrschaft behaupten, beweist, datz sie einer höhern einheitlichen Macht dienend untergeordnet sind. Und diese beherrschende Macht bs bv N33 3M81 2N8 teilt sich jedem einzelnen Geschöpf, dessen Aufnahmefähigkeit entsprechend, mit. Sie ist der Summand 1, der sich in dem Matze vervielfältigt, als das Ding seine Bestimmung hat- Kind und Greis, Jüngling und Mann tragen in sich ein Vielfaches dieser Eins. Ein Zusammengesetztes würde für das Kind zu viel, für den Mann vielleicht wesensfremd sein. Denn der Mann entwickelt sich aus dem Kind, wie jede Zahl aus der 1. Diese reine Einzigkeit der Individualität wird durch '328 ausgedrückt. Der Unterschied zwischen '28 und *03« ist klar in der Gegenüberstellung zum Ausdruck gebracht; I 27. 19*p33 WV '328 und ibid.V. .321332122 '28 ivs. Insbesondere deutlich wird '28 definiert in der «n"33 zu II 12, 12 als 3N8 8Vi '28 '28 ist relativ. „Ich und kein anderer". '228 absolut. Jakob tritt als wV auf und gibt sich als dessen Persönlichkeit aus, oder nach Raschi: Ich bin ich — Esau ist dein Erstgeborener. Er kann aber nicht sagen: Ich und kein anderer ist ws- Esau dagegen kann sagen: ich und kein anderer bin dein Erstgeborener. Hier kann 28 nicht stehen, da es keine anderen Gottheiten gibt. Denn das zweite Wort des Dekalogs enthält das Verbot der Verehrung anderer Götter. Das erste Wort gehört der markanten Präzisierung der einzigen, einheitlichen und auf alles und in allem wirkenden Persönlichkeit Gottes, der in alles Leben gehaucht hat. Cs bezeichnet also '328 die reinste unbeeinftutzte und einheitlich in sich geeinte Individualität, die grade dadurch fähig ist, sich jedem Menschen zu assimilieren und zu verbinden. Kein Wunder, wenn im Gegensatz zum menschlichen König, Gott allein in den Krieg zieht, aber mit Myriaden zur Gesetzgebung erscheint. Sein Wort ist ja keinem Einzelnen mitgeteilt, sondern unabhängig von einem Zuhörerkreis als Wahrheit in die Welt gerufen. Es wird von dieser Welt aufgenommen, weil es ihr menschlich nahe steht (vgl. zu V 33. 2). Alle erscheinen zur Gesetzgebung (Midrasch Rabb. 29, 6). Doch nur durch die Vermittlung eines Kreises, der durch Erfahrung und Geschichte belehrt war, vermag die übrige Welt die Lehre anzunehmen 1'pV8- Der Gott der Allheit wird von der degenerierten Welt geschlossen aus dem Gott, der sich als Annehmer eines besondern Kreises bewährt hat. Denn die anderen haben ja nicht einmal die sieben noachidischen Gebote heilig gehalten, wie sollten sie Depositäre von 613 werden? (Mechiltah). Um die .2313 aufzunehmen, mutz man an Gehorchen gewöhnt sein: 'vv NV3D .222282 Ps. 50, 7: „Gott dein Gott bin ich" (Midr. Rabb. 29. 3). Hätten sie lassen wollen . von ihrem Lebensprinzip des Mordens. Stehlens und der Unsittlichteit, dann wären auch sie ebensogut berufen gewesen (Mechiltah), Vollstrecker und Objekt des göttlichen Willens zu werden. Auch sie bedurften der Erlösung. Wenn Aegypten Israel bedrücken und versklaven konnte, so haben auch andere mächtige Staaten schwachen Minoritäten gegenüber sich durch Vergewaltigung vergangen. Die ganze Erde bebte damals und das Himmlische im Menschen war zerflossen (Ps. 66, 9) Und nur darum ward von den Unterdrückten kein Volk ausersehen, die Tauroh zu empfangen, weil ihnen das pTS* Ideal nicht vererbt war. Befreit, hätten auch sie Macht und Gewalt gegen andere angewandt. Denn Moral als Selbstzweck, als innerer Drang zum Sollen war ihnen fremd. Wohl mag der Gelehrte am Schreibtisch in ruhigen Zeiten meinen, Lohn und Strafe dürste Treue oder Untreue zum Sittengesetz nicht bestimmen. In unruhigen Zeiten, wenn der Löwe tierischer Begehrlichkeit und bestialischer Gewaltherrschaft brüllt, dann sieht man ein, datz neben dem Lebenspender '.2 auch der Richter über Leben v'pb« genannt sein mutz. Denn ohne Furcht vor Strafe verschlingt einer den andern lebendig. Dann begreift man, datz die Menschheitserziehung der des Kindes gleicht. Durch Lohn und Strafe wird schließlich der eine Wille des Erziehers dem Zögling sich ein- und aufprägen. Dieses Richteramt Gottes zeigt sich in solchen Zeiten, in denen man Seines Daseins vergessen hatte. Kein Strafgericht ist zu groß für das Verbrechen, das die Menschheit an sich begeht, wenn sie Gott aus Gedenken und Leben streicht Midr. Rabb. 29, 7. 6). Drum ist der Dekalog nicht einleitend an die Spitze der Tauroh, sondern stach Jahrhunderten der Erfahrung gestellt, damit er begriffen wird (Mechilta). Wenn politische 3'3L» -und wirtschaftliche Versklavung ll'23p p'2 gezeigt haben, wohin das Leben ohne Gott führt, dann wirkt '328 als Erlösung. Dann, wenn die Welt sich nach Erlösung sehnt, wenn alles Leben erloschen, kein Vogel mehr seine muntere Weisen singt, keine Schwingen mehr zu lichten Höhen streben, keine Kraft mehr Mut zur Betätigung findet, alle Räder im Wellgelriebe stille stehen, kein Idealismus mehr Selbstheiligung ansttebt, aber auch die Leidenschaft sich ausgetobt, die Menschen nicht mehr zu reden wagen und Totenstille über der Erde liegt — dann wird von neuem der Ruf umso lauter vernommen: jetzt wisset ihr es (Midr. Rabb. 29. 9) Tp^8 '3 '328- V. 3. Es heißt nicht plur.: Tir- Denn dann würde das Verbot ein Zugeständnis des Daseins anderer Götter enthalten und nur Israel dürfte sie nicht anerkennen. So aber, da sing. N'.2'8^ steht, heißt es: Cs soll für Deine Vorstellung nicht geben. Dann ist 3N8 sofort nicht konkret, sondern abstrakt zu fassen- Zugleich' ist aber mit der subjektiven Vorstellung von der Gottheit ihr Begriff so vielfach geteilt. als Köpfe darüber denken und Nationen sich daran beteiligen. Die Wesenheit der höhern Macht wird abhängig vom Gefühl der Menschen und Patronate und Nationalgötter erleben, die miteinander im Kampfe liegen- Der Begriff der Gottheit wird zur Vorstellung von der Macht des Bösen. Die Gottheit wird dem Menschen ein 2N8 ein Fremder, kein Naher, kein Annehmer, sondern ein Neider und Hasser. Die einige Menschheit hat einen Vater. Die Zerfällung des Einzigkertsbegriffes Gottes zerklüftet die Menschheit. Das ,2'.2' 8b ist nichts anderes, als die negative Seite des '328- Und wenn selbst das 238 in derselben Linie wie das '328 liegen sollte, 'elbst, wenn es '28 bp wäre, wenn die gedachten anderen Mächte keine gleichgeordneten, sondern nur untergeordnete Größen wären, wenn sie 'elbst nur verschiedene Seiten eines und deselben Wesens darstellten, — (*piw) die Einzigkeit wäre zerstört. Wie die Religionsgeschichte aller Völker aller Zeilen beweist, ist eine derartige gedankliche Zerteilung des höchsten Wesens nur dadurch möglich, datz ein menschlicher Gedankengang das Denken des höchsten Gedankens beeinflutzt hat. Nur ein g e i st i ges Wesen ist unteilbar, Körper sind teilbar. Die körperliche Vorstellung liegt der Teilung der Gottheit zugrunde, da Gott kein einheitliches Wesen in dieser Vorstellung ist. Und infolgedessen treffen wir überall auf Bilderdienst oder doch Bilderverehrung, wo man nicht eine rein abstrakt geistige Vorstellung vom höchsten Wesen hat. Irdischkeit der Gottheit mit irdischen Mängeln^ Tod und Sterben und irdischen Fehlern, Leidenschaften und Vergehungen, Erdenleben bilden die Accidentien solcher Göttervorstellung. Es stellt schon eine hohe Anschauungsstüfe dar. wenn man zum Ideal solcher irdisch veranlagten Gottesbegriffe Menschen — statt Pflanzen, Gestirne und Tiere — macht. Der Schritt ist natürlich dann nicht zu vermeiden, datz, wenn Gott Mensch ist, auch der Mensch Gott ist — und so viele Machtmenschen, soviele Herrgötter die Wett beherrschen wollen und sie — vernichten. Jede Körperlichkeit hat Iisroel drum zu meiden und darf nichts plastisch darstellen, wodurch die Idealisierung des körperlichen Lebens gefördert wird. Es ist nur logisch, wenn daher im Judentum jede plastische Darstellung verpönt wird, nicht nur zum Zweck des Götzendienstes. Die japhetitische Kunst hat Iaphet im Heidentum erhalten, aus der seine Wissenschaft. besonders seine Philosophie, es vielleicht hinausgeführt hätte. Seine plastische Kunst hat die Körperpflege zu seiner Hauptaufgabe gestaltet. Iaphet stählt den Körper, um ihn widerstandsfähig zu machen und vernachlässigt den Geist. Israel will auch den Körper stärken, erreicht es aber dadurch, datz es den Geist unaufhörlich beschäftigt, durch Gedächtnisübung (.23 bv2V ,2213) ebenso wie durch Anspannung scharfsinniger Tätigkeit, — sodatz die Bedürfnisse des Körpers nicht empfunden werden und die Seele vom Körper sozusagen abgezogen wird. Wenn der Geist redet» mutz der Körper schweigen. Abhärtung ist bei beiden das Ziel: der Weg ist verschieden. Iaphet will es auf dem Wege des körperlichen Verlangens erreichen, Israel durch Beherrschung dieses Verlangens. V. 5. Als Beispiel der verbotenen Götterverehrung wird das passive Hinworsen angeführt, das als Anbetung der Körperlichkeit in jedem Fall — ohne Ansehung der sonstigen Form des jeweiligen Götzendienstes — strafbar ist, ebenso wie 7132 >msr und 210p (Maim. III, 3 3*335? das ebenfalls die gewöhnliche Ausdrucksform für die Verehrung der Gottheit ist. Es ist aber doch das als Vorzug Israels, als Erfolg seinermin, als Ergebnis des 3WK 222 2N2 zum Ausdruck gebracht, datz ein Volk, das einmal die reinste Gotteserscheinung geschaut und das geistigste Gotteswort gehört, begriffen hat, datz jede vs eine Lüge ist und datz dieses Volk aus sich nie dazu kommen wird rsr zu üben. Dafür ist 322V3 Hb durch den Hophal ausgedrückt. Die ganze jüdische Geschichte während Israels Selbständigkeit und Abhängigkeit beweist, daß Israel nur durch Beeinflussung seiner Umgebung, nur stets durch äußere Ziele veranlaßt, r? diente, nicht aus sich. Wir haben daher zu übersetzen: „Du sollst dich nicht verführen lassen, ihnen zu dienen" 3*3388 3V2). Die Begründung des Verbotes mutz sehr erwogen werden. Es ist mit '328 die Begründung der nicht bloß relativen, sondern absoluten Einzigkeit gegeben. Aber wir dürfen nicht übersehen, daß der Name *.2 genannt ist. Schon durch diesen erhält das Prädikat «2p nicht den Beigeschmack, den taurohfeindliche Kreise ihm zu geben wünschen. Es kommt dieser Ausdruck immer nur in Verbindung mit dem Gottesnamen im Gegensatz zu Götzendienst 0**?) vor. Wäre seine Bedeutung Neid und Hatz, dann würde es ja gegen seinen Willen die ry zu einer ebenbürtigen Macht erheben, wie ein Philosoph R. Gamliel gegenüber meinte. (Mechilta.) Es kann nicht die objektive oder konkrete rv so hoch veranschlagt sein, sondern wie das f? .2'.2' «b unsere Vorstellung rein erhalten will, so hat auch «2p keinen andern Sinn. Gott

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