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Der Israelit · 1924-06-05 · Heft 23 (5.6.1924) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 23 (5.6.1924)
Date
1924-06-05
Page
– (sequence 21)
Language
German
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so-6 jf o—o ftp* D 3fldiscftev Cd •Oll 0—0 llo-° IIF” 1) o ( h s freu n d $um ^»vaedi Organ des Dereins für die jiidlfchen 3itferefleti «Rheinlands eD. nsn fu» W*lf in dln n. Rh. i8. Jahrgang Frankfurt a. M., 5. Juki l9^4 / 3- ^iwan 5684 Nr. 4 Aufruf. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich katastrophal ausgewachsen. Die Institutionen, welche durch freiwillige Beiträge erhalten werden, leiden zuerst und am empfindlichsten. Kaum hat der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands begonnen, seine Tätigkeit wie in der Vorkriegszeit wieder zu entfalten, für Religionsunterricht zu sorgen, für Verbreitung des Taurohwortes in Wort und Schrift, erheben sich neue Schwierigkeiten. — Wir hoffen gern, daß die Freunde unserer Sache eingedenk des Wortes bleiben: wenn keine Tauroh, dann auch kein Mehl. Auf den Hauch des lernende« Kindermundes gründen wir die Dolkskraft. Lasset Tauroh nicht unter der Rot der Zeit leiden, bedenket den Ernst der Verantwortung. Lasset die Tauroh nicht klagend beiseite stehen. Bestehet die Prüfung» die in der Not der Zeit an Euch herantritt. Erhaltet die Institutionen. Denn von dort allein winkt Segen und Besserung. Spendet weiter sorglos und hoffnungsfreudig für den Verein für die jüdischen Interesse« Rheinlands, für die Talmud-Tauroh in Köln, für die Jawne (Realgymnasium und Lyzeum) in Köln. Cure Kinder werden es Euch lohnen! Gedenket auch unserer „Verfügungskasse", aus der Witwen und Waisen, Lehrer und Schüler, verschämte Armen mit ihre« Familien unterstützt werden. Die neue alte Offenbarung. In früheren Zeiten konnte man den Gedenktag an die Offenbarung der Tauroh dazu benützen, Umschau zu halten in den Werkstätten des Geistes, um festzustellen. welchen Fortschritt der Menschengeist im letzten Jahr gemacht hatte und ob und worin er der göttlichen Wahrheit nähergekommen sei. Die Zeiten sind zu unruhig geworden. Neue Systeme der Weltanschauung wurden nicht erdacht. Das Abendland geht unter, wozu die Mühe, seine Rettung zu versuchen? Und welches Mittel, wenn man es erdächte, könnte es geben, das noch nicht erprobt wäre? Zwischen den beiden Polen, Idealismus und Materialismus schwankte die Welt, solange sie besteht, nichts hat ihr gefrommt. Die Neuzeit, die stolz auf ihren Fortschritt gewesen ist, kann sich beschämt zurückziehen. Sie, die sich rühmte, es so herrlich weit gebracht zu haben, hat Altertum und Mittelalter an Grausamkeit und Rohheit übertroffen, quält sich noch im Frieden gegenseitig bis aufs Blut. Wozu noch philosophieren, Gedanken und Worte prägen? Deklamieren können viele, aber als Menschen einfach menschlich handeln, kann niemand. Die Tauroh hat nicht viel Phrasen und technisch-wissenschaftlich hochtönende Ausdrücke geprägt. Sie fordert: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht gelüsten nach Weib und Gut Deines Nächsten. Damit ist die eine Seite unserer Pflicht, unserer Philosophie, unserer Weltanschauung, unserer Ethik erledigt. Wie steht *5 aber damit in den gebildeten Kulturstaaten? Wir wollen keine Antwort auf die Frage. Wir Kinder des zwanzigstrn Jahrhunderts glaubten einmal der Notwendigkeit enthoben zu sein, diese Frage zu stellen. Alles wußten wir aus menschlicher Ethik. Dazu und noch zu viel mehr brauchten wir nicht erst die Tauroh. Denn wir trugen zwei S'äbe der Parabel des Propheten Sechs-fah. Der eine des Massenmordes der Nüstungen.der Lrst am Kriege verbarg sich wenige Jahrzehnte hinter dem andern westeuropäischen Bildungselement der Verbrämung mit Aesthetik. Und als die Gewitterluft die Schonung der Eifersucht der Staaten nicht mehr ertrug, da zerbrach der Stab der Aesthetik. Jede Rücksichtnahme schwand, und das wahre Gesicht der Menschheit erschien. Der Genius der Weisheit und der Bildung, der. Gesittung und der Menschlichkeit errötete. Er zog das Fazii seiner Wirksamkeit und verschwand, seine Gläubigen, die er zu Gottlosigkeit geführt, ihrem Sicksal überlassend. Und am Firmament der Menschheit zogen dunkle Wolken herauf. Finsternis breitete sich aus, Unwetter zogen sich zusammen, unter Blitz und Donner, Tod und Verderben streuend, entluden sie sich. Die Welt dachte zu versinken. Sie tötete und stahl und gelüstete nach allem, was ihr nicht gehörte. Sie seufzte unter eigenem Druck, unter dem Elend, in das sie sich selbst gestürzt und staunt die Größe des Wortes an: Du sollst nicht tüten. Du sollst nicht stehlen. Und was das Schlimmste ist, — der Richter fehlt, der bestrafen kann. Denn, wenn die Priester selbqr ihre Götter stehlen, wer soll dann noch bei ihnen schwören? Aus diesem Zusammenbruch erhebt sich ernst und strafend vor Gott der Offenbarung. Man konnte ihn mit Worten wegdiskutieren, aber an sein Dasein verma i der Hochmut himm^.stürme d n Mensch nwitzes nicht zu rühren. E ist da, erscheint im Dunkel der Zeit. Führt die Menschheit bis zur Zermalmung und spricht: Kehret zurück, ihr Menschensöhne. Es fragt die Stimme der Ereignissenicht, ob sie ist, sie fragt nicht, btn Ich? Ihr Dasein hängt nicht vom Urteil des Menschen ab. Sie ruft: Ich sei Dein Gott. Dann wäre es euch, Menschen, wohler. In dem Leben, dem Geschick, offenbart sich der Wellenherr. Ich soll Deip Gott fein. Es erhebt sich der Richter der Erde und grollend ruft Er über den Wellball hin: Du sollst nicht töten Du sollst nicht stehlen. Die Menschheit sieht die Stimme, wie einst Israel in seinem Geschick in Aegypten und am Sinai sie sah, wann wird sie sie endlich hören? Der Dekalo^. (Aus einem Manuskript.) In der schlichten Art, wie uns die Schöpfutta erzählt wird «12 n’ffina, als selbstverständlich das Subjekt, das handelnd eingeführt wird, voraussetzend, so schlicht und drum ebenso wahrheitsgrob lesen wir Q'p^K nai'i d. i. mm Was bedeutet die Frage der Wortoffenbarung schließlich gegenüber derjenigen der Tatoffenbarung, die aus der Schöpfungstatsache der Welt und Israels rnr irmra nvya1? und omsa nx»S’b -dt spricht und die aus jeder Errettung Jisroels aus Not in der Weltgeschichte deutlich erkennbar ist?! Es spricht Gott. Wer Sprache gibt, soll nicht sprachbegabt sein? Gott spricht, nicht der vergängliche Mensch der Zeit aus dem begrenzten Blick der Zeit und der engen Verhältnisse. Und er spricht nicht Gebote, für die ein Kreis erforderlich ist und ein Forum, vor das die Nichtbeachtung zur Bestrafung gezogen wird, sondern er ruft Worte in die Welt, unabhängig von Mensch und Zeit, als Grundlage der Gesellschaftsordnung, deren Nichtbefolgung ein Rächer von selbst ersteht. DeM lax^ die Worte sind zur weitesten Verbreitung gesprochen, nicht zu einer Person und nicht zn einem einzelnen Volk (Hirsch.) Auf Grund der geschichtlichen Erfahrung war Jisroel von der Wahrheit durchdrungen, die der erste Belehrungssatz bietet. Und die Eingriffe in die Natur und ihre Veränderung sind das Zeugnis für die Macht des Schöpfers, cmxa JiX’X’ ist der Beweis für ma wirmia. Denn es ist Vxw Va die Aufhebung aller Naturgesetze erfolgt. Und wer sie aufheben kann, der hat sie eingesetzt. 'MX ist der ausgeprägteste Monotheismus. Ueber allen ooraufgegangenen und stets große« weiter schäkernden Ereignissen voraufgehenden widerstreitenden Stimmen steht onaa tiä "7- Nur ein Prinzip kann einheitlich die Wett regieren. Denn überall, wo die Herrschaft geteilt wird, von der Verkeilung der Herrschaft unter Tag und Nacht bis hinunter zum kleinsten menschlichen Betrieb kann einheitlicher Gedanke nur von einheitlicher Leitung vertreten und durchgeführt werden. Die Mehrzahl ü’j?1?«; bezieht sich auf die Vielheit der Ob'ekte, auf die Gottes Wirkung sich erstreckt, nicht etwa auf eine Vielheit von Subjekten. Denn 'n setzt eine Einheit des Schöpfers voraus, der der Kraft des Schöpfungsobjektes entsprechend, ron n Wort und Tat ihnen offenbart. Die Einheitlichkeit des Naturgesetzes im Gebiete der materiellen und geistigen Seins beweist die Einheit des Schöpfers. Und die Zerrissenheit der Welt unter der Herrschaft des Dualis MM

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