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Der Israelit · 1924-06-05 · Heft 23 (5.6.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 23 (5.6.1924)
Date
1924-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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©eite 4 Sir. 23 Der Israelit 5. Juni 1924 Gotteslehre, die keine Grenzpfähle kennt und deren Licht und Wärme beim traulichen, gemütvollen Gedankenaustausch auch den bescheidensten Winkel in eine Stätte der Schechinanähe verzaubert: »nun n Solche Zufallswaren durchaus nicht selten und gerne richtete der Pollak „seine Tour" so ein, daß er auf r>2^ oder v"' dorthin kam, wo er einen Lernchaver traf. Freilich, nicht alle konnten lernen und gar oft benutzten sie — menschlich begreiflich — ihr Thorawissen als „Spaten zum Graben". Zum mindesten wußte man da ein oder ein Pschätl, mit dem man brillieren wollte oder hausieren ging. Machte der Schnorrer gar zu kurze Pausen zwischen Erscheinen und Wiedererscheinen und wurde darüber zur Rede gestellt, so meinte er schmunzelnd, indem er den Hut etwas zurückschob und den Bart durch die Hand laufen ließ: „Ech werd' Ihnen sugn a gids Wort; 's steit xh •o. pKnnnpaivaKnym dr Orme soll nicht aufhern mittn in Lond. Wos mäint dr Posik? Dr Orme blaibt immer mittn in Land. Ar geit nicht zerik an d' Grainiz (Grenze), ar dreit sichch arim mittn in Lond; asoi kimmt 'r widr un widr." — Oder wechselte er den Paß, um unter neuer Firma sein Geschäft zu betreiben, so wies er auf rirv» hin, der sieben Namen hatte. So hatte er immer etwas auf Lager, um die Situation zu retten. (Schluß folgt.) Korrespondenzen * Dac&ricbfeß Zur Beachtung. Frankfurt a. M., 1. Juni. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß die Redaktion für den Inhalt der Inserate keinerlei religionsgesetzliche Verantwortung übernimmt. Das gilt für Angaben aller Art, insbesondere für die im Inseratenteil angebotenen Lebensmittel und darin empfohlenen Anstalten, Pensionen, Hotels und Schulen. In allen Fällen ist die Prüfung ausschließlich Sache der Leser. Außerordentliche Sitzung des rituellen Speisevereins und der jüdischen Gastwirte. Hamburg, 25. Mai. In Ausführung eines Beschlusses des Vorstandes des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser" waren etwa 25 jüdische Hoteliers und Restaurateure zu einer Besprechung nach Hamburg eingeladen worden. Die Tagesordnung sah unter anderem auch ein Referat des Herrn Direktor Dr. Carlebach über „Die hohe Verantwortung des jüdischen Wirtes" vor, Vorschläge des Vereins zu einer Zusammenarbeit, Anträge der Wirte und eventuelle Referate, Aussprache und Schaffung einer Wirtevertretung. Der Vorsitzende begrüßte die erschienenen Gäste und die Vertreter der Presse und erwähnt, daß die Verantwortungeu, die ein jüdischer Wirt trögt, recht groß sind, der jüdische Wirt vertritt nicht nur seine eigenen, sondern im großen Maße die Interessen der Allgemeinheit. Dann folgte das Referat des Herrn Direktor Dr. Carlebachs, das starken Beifall fand. Darauf erörterte Hamburg zunächst die K a f ch r u t h - Frage. Er ist der Meinung, daß man doch in irgendeiner Form eine Ausbildung des Schauchets vornehmen und dadurch allmählich einen Stamm heranbilden könnte. — Ferner hielt er es für sehr wünschenswert und angebracht, wenn in jedem Hotel oder Restaurant, das in dem Register des Vereins eingetragen sei, ein Plakat hänge, aus welchem hervorgeht, daß das betreffende Unternehmen unter Aufsicht sei. Ferner macht er Vorschläge dahingehend, wie die dem Verein angeschlossenen Wirte zu den Unkosten des Vereins beitragen könnten. Vielleicht sei es möglich, daß die Wirte bei jeder Mahlzeit, die die Gäste bei ihnen einehmen 5 oder 10 Pfennig aufschlagen, die dann für den Verein bestimmt seien. Er beantragt ferner eine Wirteoereinigung zu gründen, die den Wirten selbst als Instanz dienen soll. Aus dieser Vereinigung heraus sollten dann die Wirte und Restaurateurs eine Wirtekommission bilden, und diese Kommission soll dann Hand in Hand mit dem Verein arbeiten. Holländer-Frankfurt spricht sich über die Schaumerfrage aus. Er fei der Ansicht, daß der Schäumer sich nicht zuviel Rechte aneignen dürfe. Die Entscheidung sei Sache des aufsichtsführenden Rabbiners. Die wirklich leistungsfähigen Wirte würden sicherlich gerne irgend eine bestimmte Summe für den Verein, der doch für die Interessen der Wirte arbeite, abgeben. Blum-Oberhof stellt den Antrag, daß in den Vorstand des Vereins eine Vertretung der Wirte delegiert wird, die stimmberechtigt sein soll. Es wird angeregt, eine Reiseaufsicht zu schaffen. Der Verein solle diese Aufsicht bestellen. Die Schaumerim müßten durch den Verein eingestellt und durch den Verein zugewiesen werden. (Schluß folgt.) Warschau und Galizien kommen und immer neue Gäste bringen. Das Organisationskomitee arbeitet vortrefflich. Jeder ankommende Gast wird sofort in die ihm zugewiesene Wohnung gebracht. Um 4 Uhr morgens trifft der Wiener Zug ein mit dem Czotkower Rebbe und seinen drei Söhnen, sowie den Herren des Wiener Zentralbüros. Ein herrlicher Morgen blaut am Ostbimmel heran. Die alte Synagoge des Maharschal ist schon angefüllt von Frühbetenden. Auf dem allen Friedhof. Schon gegen 8 Uhr beginnt der Marsch von allen Seiten und auf allen Wegen nach dem Friedhof. Es herrscht ein wenig Kampfstimmung. Von der linken Seite wird auf Plakaten eine große Demonstrationsversammlung unter dem Titel „Die Wiederauferstehung des Streimel" angekündigt. Die Herren vom „Bunde" können der Polizei dankbar sein, daß sie ihnen die Kundgebung verboten und sie damit von unangenehmen Ueberraschungen verschonthat, bei der hochgehenden Stimmung der orthodoxen Jugend... Die alte brüchige Mauer des Friedhofs umspannt ganze Epochen jüdischer Vergangenheit. Am Eingang inwendig liegt im Torhäuschen das alte Pinkos mit dem Verzeichnis der Toten auf. Wir besuchen die heiligen Gräber eines nach dem andern. Die meisten Steine sind unlesbar. Hier das Grab des alten Z a d i k v o n L u b l i n. In der Nähe der Grabhügel des Rabbi Jakob Pollak, des scharfen Geistes, des Schöpfers der Chiluk oder Pilpul genannten vergleichenden Halachalehre. Man darf sich seinem Grabe, nach dessen Vermächtnis, nicht zu sehr nähern.... Auf der anderen Seite der Grabstein mit dem Namen Rabbi Scholaum Schachno. Wo ist das Grab des Maharam? Das weiß keiner. Das Grab ist verschollen. Auf speziellen Wunsch des großen Toten, wie man sagt. Dagegen lesen wir die lange Aufschrift auf dem Grabstein des Maharschal V? *]V» D’i’aK.1 i'3rr epivt mV Vtriv'V -psnc? aman 'aan Bald ist eine große Gemeinde um dieses Grab versammelt, die unter Anführung der Rabbis Tillimverse liest. Die Weihe des Ortes und der Stunde spiegelt sich in Ton und Gebärde und steigt zur Ekstase an. Die Grundsteinlegung. Das wogende Meer legt sich. Totenstille herrscht in der Menge. Der „Sanoker", oder wie man jetzt sagt, der „Pietrokower", steht auf der Tribüne und seine warme einschmeichelnde Stimme dringt in die Menge: '21 IlflB -1L7111 Xr3D3K 11333 WIK5 ,M3'3 D13V 1JV7131 1DJ3JE>» — «w t -?iii. niirin 11333 a'isian wsi min' Man fühlt, daß dieser nmaian mn, der Redegewaltige, keine Worte hat, er ist überwältigt von der Größe des Momentes... Dann sprechen die Rebbes und sie steigen hinab, um die Grundsteine zu legen. Unbeschreiblicher Jubel erhebt sich. Was sie sagen, geht im wogenden Stimmenmeer unter. Es folgen Begrüßungen auf Begrüßungen und zuletzt Verlesung endloser Schreiben und Telegramme. Der „Pietrokower" gewinnt seine.Sprache wieder und mit donnernder Stimme hält er eine Schlußrede, die die Krone des Ganzen bildet. Gegen Abend findet man sich in der alten Schul des Maharschal, der größten und schönsten Synagoge in Polen. Der heilige Raum hat wohl seit Maharschals Tagen keine andächtigere Gemeinde gesehen. Eine neue Krastwelle geht durch das polnische Judentum, alles mit sich hinreißend, was noch jüdisch fühlt, auch noch uninteressiert und abwartend oder abwägend und prüfend am Scheidewege steht . . . Nacht ists, und wieder Morgen. Freitag. Man rüstet sich zu einem Sabbat, dem „Lubliner Sabbat", der feine Bedeutung haben sott in der Geschichte des wiedererwachten Judentums, wie der „KeneMo-Sabbat" in Wien. 4>ste„. Die Grundsteinlegung in Lublin. Lublin, 21. Mai Schon heute Mittwoch, am Vorabend der Grundsteinlegung, steht Lublin im Zleichen der Festlichkeiten. Mit dem Mitagszuge trafen ein der Czotkower Rebbe in Begleitung vieler Freunde und einiger Mitgliederder Gerer Rebbe an. Der Belzer Rebbe, der aus Gesundheitsrücksichten nicht kommen konnte, schickte als Bevollmächtigten seinen Schwiegersohn mit einem umfangreichen Begrüßungsschreiben. Die Stadt prangt im Fahnenschmuck. Auf dem Grundstück der Jeschiwa ist eine Estrade aufgerichtet. Eine regelrechte Wallfahrt aus allen Gegenden Polens hat eingesetzt. Die Gäste kommen mit der Bahn, mit Auto, zu Wagen und zu Fuß. Ein Komitee aus der orthodoxen Jugend wacht über die Ordnung. Die Organisation klappt in allen Teilen. Die Ehrengäste sind in Privatwohnungen bestens untergebracht. Es wird folgende Tagesordnung bekanntgegeben: Donnerstag, morgens 9 Uhr, Besuch der heiligen Gräber auf dem alten Lubliner Friedhof. — 12 Uhr mittags Eröffnung der Feierlichkeiten auf dem Jeschiwoplatz, ■ * * * Lublin. 22. Mai, abends. Die Grundsteinlegung ging mit einer Begeisterung vor sich, wie sie die heutige Generation in Polen wohl noch nicht erlebt haben dürfte. 50 000 Juden waren aus dem Bauplatz anwesend. Balkone und Fenster prangten im Girlanden- und Fahnenschmuck. Auch städtische und Staatsbehörden waren vertreten. Alle Wege zum Friedhof waren morgens um 9 Uhr so vollgefüllt, daß die berittene Polizei Ordnung halten mußte. Im ganzen herrschte eine musterhafte Ordnung, und die Rebbes wie die Herren des Baukomitees konnten durch ein zehntausendköpfigees Spalier ungestört und frenetisch bejubelt an ihre Enhreplätze gelangen. Eine vom jüdischen Arbeiterbund für diesen Tag angeordnete Demonstration gegen die Orthodoxie wurde von der Polizei ohne Zutun der Orthodoxie verhindert. Punkt halb 3 Uhr ergreift Oberrabbiner Schapiro das Wort für eine kurze Begrüßung der Rebbes und Rabbiner und teilt mit, daß die anderen Teilnehmer noch bis zum nächsten Mittwoch Gelegenheit haben werden, Steine zu setzen. Der Oberrabbiner von Lublin bittet Rabbi Schapiro auch in seinem Namen die Gäste zu begrüßen. Letzterer spricht auch seinen Dank dem hchchherzigen Stifter des Grundstückes, Herrn Samuel Eichend a ü m,aus. Sodann erfolgen kurze Begrüßungen von seiten des Czotkower und des Gerer Rebben, ebenso im Namen des Belzer Rabbi, im Namen des Rabbineroerbandes in Polen wie auch des Rabbinischen Rates. Rabbiner Dr. Pinchas K 0 h n - Wien spricht im Namen des Zentralbüros des Aguda Iis - roel--Weltorganifation. Nach einer Begrüßung des Stadthauptmannes im Namen der Stadt treten nacheinander die Rabbis aus Czotkow, Ger, Sokolow, Nowominsk und noch eine ungeheuere Reihe von Rebbes und Rabbinern an den Bau, um unter Segensworten je einen Stein auf die Grundmauer zu legen. Gegen 6 Uhr nachmittags beginnt die Verlesung der eingelausenen Begrüßungen, die über 300 betragen. Die Feststimmung in der Stadt ist unbeschreiblich. Es ist echte Jomtowweihe. Der Gerer Rebbe ist noch am gleichen Abend nach Hause gefahren. Alle anderen Gäste verweilen den Sabbat in Lublin. Die kehillauswahlen. Warschau, 27. Mai. Polnische Zeitungen veröffentlichen ein Interview mit dem Deputierteen Kirschbraun über die Gemeindewahlen. Entgegen den Ausstreungen der gegnerischen Presse erklärt Kirschbraun, daß Meinungsverschiedenheiten unter den Orthodoxen bezüglich der Wahlen nicht bestehen. Die Gerüchte über eine Opposition Kirschbrauns innerhalb der orthodoxen Fraktion, entstanden infolge der Erkrankung des ersteren> die ihn zu einer größeren Erholungsreise zwangen und verhinderten, an den Beratungen teilzunehmen. Das Programm der Aguda bei den Wahlen ist klar und deutlich: Alle Fragen der Gemeinde müssen im Sinne der Thora und Tradition gelöst werden. Die Kehilla muß ihren geschichtlichen Charakter wiedererhalten. Während bei den Sejmwahlen ein Block mit den anderen Parteien angebracht war, so müssen die Orthodoxen bei den Ge» meindewahlen, die ja nur eine innere Angelegenheit

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