Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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»tr. 22 Seite ft M^Mai E _ Kritik nicht ständhitzlten; zu hoch stand ihm die EM der großen Talmuderklärer, o'Dvni' als daß er nicht das größte Mißtrauen lehrte gegen alles, was sie nicht selbst ausgesprochen hatten. So sprach sich in seinem Lernen der in Litauens Jeschiwaüs gepflegte Geist Röbbenü Elia Gaons und Rabbi Akiba Egers auS. Auch seine Horaa atmete diese Tendenz der Selbstuntero'rdnung unter die Größen der Poskim. Er besaß eine erstaunliche Belesenheit in der RespönseNliteratur und einen trefflichen Takt, den zuständigen Gewährsmann aufzuspüren. Nicht in genereller, systematischer und schematischer Beurteilung des Problems, sondern den Einzelfall tn seiner Besonderheit, in seiner Verschiedenheit von verwandten herauszuarbeiten, nicht deduktiv, sondern streng induktiv, vom Urstmmg aufsteigend und allem Modalitgtey nachgehend, so behandelte er die an ihn ergeHnden MächlschM Anfragen. Er wollte nicht die Erschwerung, die billige Gewissenhaftigkeit her Unwissenheit, er wollte den objektiven halachischen Maßstab. . Gerade hierin war der jugendliche Meister in seiner Ruhe und Abgeklärtheit, in seiner Zurückhaltung und Ehrfurcht, in der Ausschaltung alles Persönlichen am bewundernswertesten. " Pollgehaltigkeit des Wesens, diese wahre GrößeÄerband sich in Kaplan mit edler Einfalt, mit stiller Bescheidenheit. Aeußerlich merkte man ihm nicht an, daß hinter diesem anspruchslosen Menschen sich soviel intellektuelle und moraue üeverlegenheit verbarg. Als auf der obengenannten Khillauskonferenz zu Kowno ein nationaler Redner die Rabbrnen als „Klerikale" beschimpfte, erwiderte ihm der Ponjewescher Raw' „W ir Rabbinen wollen nichts sein als Leute aus dem Volk, nicht mehr und nicht minder; nur Leute mit Thora. Wir gehen mit dem Handwerker und Arbeiter ein und aus, verlangen in nichts etwas.anderes zu fein, nicht gesellschaftlich und nicht politisch, nur wenn es sich um einen Din, um das Verständnis der Thora handelt, da find wir die Zuständigen." So war auch A. E. Kaplan, so war er selbst mit seinen Schülern. So wurde er der Liebling aller, die mit ihm in Berührung kamen, die seines Geistes einen Hauch verspüren durften. Mit dem Gedanken an Kaplan fühlten wir eine gewisse Sicherheit für unsere eigne Zukunft. Man freute sich mit ihm, als er eine ebenbürtige Gattin fand und sich ein Haus zur Bodenständigkeit bei uns gründete, wir fühOen, daß fein Eheglück ein Band ist, das ihn uns sicherte. Der hebräische Teil des„Jeschurun" gab ihm das literarische Feld, seine halachischen und talmudischen Gedänken in breite Oeffentlichkeit zu tragen, ihm einen allmonatsichen Hörerkreis zu schaffen. Pein Haus ward für? seine Schüler ein Heiligtum, in dessen Dämmerweben sie die Träume des dritten SabbaihmühlS: Mt dem jungen Meister träümen durften. 7 Da kam, ohne Vorboten, der Todesengel in nächtlicher Stunde und entriß feine schöne Seele. Em jäher Schreck packte alle. Man stand wie versteinert. Sein Leichenbegängnis war ein Hiobsaufschrei. - Bleiche, verstörte Gesichter, Tränen über Tränen! Die ihm eine Klage halten wollten, stockten mit der Stimme, rangen nach Fassung. Ein Stöhnen, ein Wimmern war das Torenlieddie Kinah, die seinem Tode gesungen ward. Esra Munk, Josef Wdhlgemuth, ein SlolVochenkalender. 3l Müiibks?. Juni19« v j : W Sjot bis 5. Sttoa« 5684 . : Samsfa$ / Mai 3i 27 Mol. Mo. nachm. 4^/gMin. Rösch-Chtzudesch-Bettschen Lohntag:. Juni i 2| u: . ■ "-.'.7 , 7 ''7 '■ - . ■ *' ■ Hsorstag) - 2 29; ' 7 ' _ ’■ Dienstag - *>■: 3 1 fl'V Rosch-Thaudesch Mittwoch 4 2 Donnerstag $ 7 3 i Ja?.'** -? - - Freitag» T; |i".i :•$ .mr; 4 : . Mmstagrni?4 : S) c t Israelit_ bodkaer Rasch Jeschiwah, Michael Schlesinger? sem Schüler, ich selbst als sein Freund, und Samuel Grünberg versuchten das Echo des Schmer- Zks zu fein; aber die Alten und die Jungen waren gleich ohnmächtig der Schwere des Augenblicks gegenüber. Bis die Sonne sank und die langen Schatten des Abends zwangen, dem nun pnio p’ma im tröm den letzten Scheidegruß in die Himmelsjeschiwah nachzurufen.... sisrlesponäenrey * nacbricMen Z enträlwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin, 21. Mai. Bon der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wird uns mitgeteilt: Der § 61 des Finanzausgleichsgesetzes, nach welchem die Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege feit September v. I. regelmäßige Zuschüsse zu den Gehältern ihrer Angestellten erhalten haben, ist bekanntlich am 1. April abgebaut worden. Um den Anstalten die Uebergangszeit etwas zu erleichtern, ist ein Teil des Betrages welcher der Zenträlwohlfahrtspflege vom Reich für die jüdischen Einrichtungen überwiesen wurde, zu Krediten bereitgestellt worden. Der Kredit kann durch Vermittlung der Zentralwohlfahrtsstelle bei der Hilsskasse gemeinnütziger Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands, G. m. b.H, zu sehr günstigen Bedingungen in Anspruch genommen werden. Am 1. April ist die Verordnung über die Arbeitszeit in Krankenpflegeanstalten vom 13'. Februar 1924 in Kraft getreten, nach welcher für das Pflegepersonal eine Beschäftigung bis zu 60 Stunden in der Woche gestattet ist. Diese Bestimmung findet für Personen, deren Beschäftigung durch Beweggründe karitativer oder religiöser Art bestimmt ist, keine Anwendung und zwar, weil diese Personen nicht als Arbeitnehmer nach 8 10 des Betriebsrätegesetzes gelten. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat den Nachweis erbracht, daß die jüdischen Krankenschwestern aus denselben Motiven, wie die Mitglieder der katholischen Kongregationen und der evangelischen Diakonissenhäuser ihren Berus ausüben (d. h. nicht in erster Linie aus Erwerbsinteresse) und dadurch die Gleichstellung hinsichtlich der Anwendung der Verordnung über die Arbeitszeit, erreicht. Israelitische Landesversammlung. Stuttgart, 18. Mai. Durch die neu stattgefundenen Wahlen zur Israelitischen Laandesversammlung traten erfreulicherweise wieder 5 energische Vertreter der Orthodoxie in diese Körperschaft ein, von denen zu erwarten ist, daß sie unsere Sache gut und mit Erfolg verteidigen werden. Cs sind dies die Herren Siegfried Kahn- Cannstatt, Dr. med. Würzburger-Heilbronn, Moses Herz- Hall, Herm. Kahn -Baisingen und als StMdesvertreter der Rabbiner H. Rabb. Dr. Berlin g er-Hall. Außerdem stehen auch noch einige andere Abgeordnete der Orthodoxie sympathisch gegenüber, so daß wir hoffen dürfen, daß auch sie unsere Wünsche unterstützen, und so die Bewegungsfreiheit der Gesetzestreuen n"'« weitere Fortschritte mache. 7 Die Grundsteinlegung in Lublin. L u blin, 25. Mai. Die Grundsteinlegung zum Bau der großen Jeschiwoh ging unter großen Feierlichkeiten vor sich.. Anwesend waren u.a. der Gerer und der Ezortkower Pebbe, die Räbomer von Slonim, Radzjn, Sofolow und vieler änb>erer Städte in Polen. Peden hielten der Ezortkower ^PHbe'M^dann auch der cherer Rebbe. Die eigentliche Festrede hielt Sejmdeputierter Rabbi. Meir Schäpiro. lieber 10 000 Personen nahmen arr der Feier tM. Alle juAsMy Häuser warengeflaggt, Die beiden genannten Rebbes legten die ersten Steine der Grundmauer. Die Feierlichkeiten zogen sich bis Freitagnachmittag hin Und und auch der Sabbat stand noch ganz im Zeichen des grandiosen Festes. Feuersbrunst in Pinfk. W a r s ch a u,. 21. Mai. Die Stadt Pinsk, die während des Krieges und nach dem Kriege der Schauplatz mehrerer katastrophaler Brände gewesen ist, wurde am 16. Mai wiederum von einer großen Feuersbrunst heimgesucht, oer zwei Straßen vollkommen zum Opfer gefallen sind. Es sind dies die Gontfcharska- und die Sakalnastraße. Aus der benachbarten Stadt Brest-Litowsk eilte die Feuerwehr herbei, der es gelungen ist, das Feuer zu lokalisieren. Viele jüdische Familien sind obdachlos geworden. Linigungsverfuche in Wilna. Wilna, 26. Mai. Auf einer Plenarsitzung der jüdischen Gemeindeorganifatron von Wilna und Umgebung erneuerten die demokratischen Delegierten den Versuch, die Gemeindeorganifation auf eine weltliche Basis zu stellen, während Agudas Jisroel und Misrachi auf dem religiös nationalen Charakter der Gemeinde verharrten. Man einigte sich schließlich dahin, daß es der Organisation obliege, sowohl die religiösen und nationalen wie auch die sozialen und kulturellen Aufgaben der Gemende zu lösen. SttmSitUtt. Rumänische Judenverfolgungen. Wien, 21. Mai. Aus Siebenbürgen treffen haarsträubende Nachrichten über dort an Juden verübte Grausamkeiten, die sogar Todesopfer forderten, ein. In Balasfalva fand am letzten Sonntag, eine Nationalfeier statt, zu der sich zahlreiche rumänische Studenten aus Bukarest und Klausenburg, sowie zwei rumänische Minister einfanden. In demselben Zug, in welchem die Minister reisten, wurden die Mitreisenden Juden von den Studenten schwer gequält und mit dem Tode bedroht. An jeder Haltestelle und auch aus dem fahrende Zuge wurden jüdische Mitreisende unter brutalen Mißhandlungen aus dem Zuge gestoßen, mehrere aus den Coupefenstern geworfen. Viele derselben wurden später mit gebrochenen Gliedern oder mit Schädelbrüchen aufgefunden. Zwei von den Verwundeten erlagen ihren Verletzungen, während andere mit dem Tode ringen. Dil Mitreisenden Minister nahmen sich der bedrohten Juden nicht an. Auch auf der Rückreise von Balasfalva nach Klausenburg wurden die jüdischen Mitreisenden im Schnellzuge schwer mißhandelt und mehrere aus dem Zuge geworfen. Das Eisenbahnpersonal kam den Juden nicht zu Hilfe, sondern hilstt den -Zug immer dort an, wo es den Studenten beliebte. In der Station. Toivos verließen die Studenten den Klausenburger Zug und versuchten in zwei dort haltende internationale Züge einzubringen» um die jüdischen Passagiere herauszuholen. Sie wurden aber. von dem Zugpersonal und den Reisenden zurüstgeschlagen. Dieselben Studenten, die auf dem Wege nach Klausenburg gegen die jüdischen Passagiere .gewütet haben, veranstalteten, als sie in Klausenburg eintrasen, eine Hetzjagd auf die jüdischen Straßenpassanten, besonders sahen sie es auf die jüdischen Studenten' ab. Mehrere Passanten und Studenten erlisten schwere Verletzungen. Zwei jüdische Studenten wurden zu dem Teich geschleppt und dort ins Wässer geworfen. Eine Sabbat-Anfang nnd -Ansgang. rav Ort: m Uhr nifi Min. "^C 1924 tiunt 5684 TC Uhr Sg- Min. Frankfurt a. M. 7 35 31. 27. 9 20 Berlin . . . . 7 30 Mat Aar 9 02 München . . . 7 15 8 53 Köln . . . . . .7. 45 9 30 Stuttgart . . . 7 15 9 10 Breslau. . -- ' *-• Wrnberg . . . x 15 9 04 Hamburg . . . 8 — . .9, 46