Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 22 Der Israelit 29. Mai 1924 Nachricht besagt, daß die zwei Studenten ertranken. Diese Nachricht ist jedoch nicht bestätigt. Im übrigen dauern die Judenexzesse in Klausen» bürg seit einer Woche säst ununterbrochen an. Schon am 15. Mai wurden jüdische Studenten in den Stadtteich geworfen, sie konnten sich aber als gute Schwimmer retten. (I. T. A.) W i e n, 25. Mai. Aus Klausenburg eingetroffene Personen melden, daß seit mehreren Tagen eine ununterbrochene Pogromwelle durch ganz Siebenbürgen geht. Fast alle Städte Siebenbürgens find jetzt der Schauplatz von schweren antijüdischen Ausschreitungen. Man zahlt bis jetzt 12 Tote. Im Städtchen Tejus wurden die jüdischen Geschäfte ausgeplündert und einige jüdische Häuser angezündet. . Von Studenten geführte, aufgehetzte Horden drängen in die Wohnungen ein und demolierten dieselben. Jüdische Frauen wurden nackt auf den Markt getrieben. In Szatmar wurde der jüdische Student Heinrich Engler an einen Laternenpfahl aufgehängt, seine Mutter mit. Petroleum übergossen und lebendig verbrannt. tÜvtei. Die Zwangssonntagsruhe in Saloniki angenommen. S a l o n iki, 20. Mai. Auf der letzten Stadtratssitzung wurde ein Antrag eingebracht, ein Zwangsfonntagsruhegesetz für Saloniki zu beschließen. Der Antrag wurde gegen Protest der jüdischen Vertreter von der Mehrheit angenommen. Dieser Beschluß muß jedoch, bevor er Gesetzeskraft erlangt, von der Zentralregierung bestätigt werden. Für die Salonikier Judenschaft, für die von altersher der Sonntag ein Geschäftstag war, würde die Durchführung der Zwangssonntagsruhe ein schwerer Schlag sein; um so mehr, als die Initiative dazu von den christlichen Konkurrenten ausgeht. Der letkländische Staatspräsident zeichnet jüdische Pfadfinder aus. Riga, 24t. Mai. Am 19. Mai fand in Riga eine große Pfadfinder- Parade statt, auf welcher der lettländifche Staatspräsident Tschakste Auszeichnungsmedaillen für besonders hervorragende Verdienste verteilt hat. Der Staatspräsident übergab dem jüdischen Pfadfinder Bleier aus Dwinsk, der einen Menschen vor dem Tode gerettet hat, die Rettungsmedaille. Die Libauer jüdische Pfadfinder- Truppe erhielt vom Präsidenten für ihre Verdienste eine vom Staat gestiftete Fahne. Der Kampf gegen das Beth-Hamidrasch. Minsk, 27. April. Auf der letzten Konferenz der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei Weitzrutzlands wurde «. o. die folgende Resolution angenommen: 1. Die Träume der bürgerlichen politischen Organisationen (der Zionisten), daß die neue Wirtschaftspolitik ihnen weite Möglichkeiten für politische Tätigkeit eröffnen wird, haben sich nicht erfüllt. Alle unter verschiedenen Masken vorgenommenen Versuche, diesen bürgerlichen politischen Organisationen eine legale Form zu geben, sind fehlgegangen. 2. Indessen haben sich die jüdischen Handwerker in den Städten dem Sowjetregime enger angeschlossen. 3. Diese beiden Tatsachen haben die jüdische Bourgeoisie gezwungen, neue Methoden zur Ausdehnung ihres Einflusses zu suchen. Liner dieser Versuche geht daauf hinaus, das Beth-Hamidrasch in ein politisches Zentrum zu verwandeln. Das.Beth-Hamidrasch, das bisher nur «in Zentrum llerikaliftischen Aberglaubens war, wird jetzt rin politisches und soziales-Zentrum, um dos sich alle gruppieren, dir mit dem Sowjetregim« unzufrieden sind. 4. Das bedeutet, , daß die kommunistische -/Partei ihre Kainpfmethoden gegen das Beth Hamidrasch ändern muh. Bis jetzt hat sich der Kampf auf die Aufklärung, des Publikums über den kletikalistifchm SchwindÄbüschränkt. Jetzt müssen wir gegen das Beth HamidrafL als geAen «^wachsendes politifches Zentrum kämpfen. 5. - Der ^Kampf gegen La^BtH HämivrasH Hqweckt die Unterbin dung^seiNer LiNfluMs Dif die Wdifchrn Arbeiter. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Lublin. — L Wochenrundschau:?iüdische Wohlfahrtspflege. — Ob fie Juden find? — 3. Homietir: R. Wolff, Aurich: Wille und Wert. 4. Kleines Feuilleton: Felir Kanter, Zwittau (Mähren): Freiheit und Wahrheit — die Erlösung aus Aegypten und die Gesetzgebung am Sinai. — 6. Au fsä tze: Dr. I. Carlebach: Abraham Elia Kaplans». ^-6. Korrespondenzen und Nachrichten. — 7. Aus aller Welt. — S. — Feuilleton-Beilage: In Todesängsten. — Das große Verbrechen — 8. Personalien. — 10. Vermischtes. —11. Briefkasten. — IS. Familiennachrickten —13. Frankfurter Berichte. — Vereinskalender. — Debetseiten. 6. Der Kampf zur Befreiung des Handwerkers von dem klerikaliftifch-reaktionären Einfluß mutz sich nach der Richtung bewegen, daß wirtschaftliche Bedürfnisse des Arbeiters geklärt und soweit als möglich befriedigt werden. Besondere Aufmerksamkeit, so schließt die Resolution, muß der jüdischen Bevölkerung in den lleineren Städten, wo der Einfluß der bürgerlichen Organisationen und besonders der Zionisten noch äußerst stark ist, zugewendet werden. Der Kamps mutz ohne Schonung geführt werden. - » . » - v Moskau, 27. April. Die Mitglieder des Synagogenvorstandes in Polotzk (Weißrußland) mußten sich wegen Aufbewahrung von Kontrebande am 10. April vor Gericht verantworten. In dem Haus des Synagogendieners, das dem Synagogengebäude o'ngeschlossen ist, wurden Kontrebandegegenstände gestlnden. Die Vorstandsmitglieder bestritten, irgendetwas davon gewußt zu haben. Einer derselben wurde zu einem Jahr Gefängnis und acht andere zu Geldstrafen verurteilt. Das Gericht hat gleichzeitig bestimmt, daß die Synagoge in ein Arbeiterllubhaus umgewandelt werden soll. (I-T.A.) Lngla,rd>. Die. österreichische Optionsfrage. — Das rumänische Staatsbürgerschaftsgeseh. — Das krimprojekt. London, 20. Mai. Am 18. Mai fand in London eine Sitzung des Board of Deputies statt. Mr. Henriques berichtete über die in Angelegenheit der Naturalisation von Ausländern zu dem Innenministerium geschickte Deputation. Auf die Vorstellungen wegen der Verzögerung von Naturalisationsangelegenheiten hin wurde der Bescheid gegeben, daß alle diese Angelegenheiten einer nochmaligen genauen Prüfung unterzogen werden sollen. Colonel Waly Cohen berichtete, der Vorsitzende der zionistischen Exekutive in Palästina, Colonel Kisch, habe ihm versichert, nie kam es vor, daß Juden die Gräber von britischen Soldaten in Palästina geschändet hätten, wie dies von judenfeindlicher Seite ausgestreut wurde, sondern im Gegenteil, die Begräbnisstätten werden von den Juden gepflegt. Mr. Davigdör Goldsmid legte den Bericht des Joint Foreign Committee vor. Betreffs der „Optionsfroge" in Oesterreich wurde Herrn Lueien Wolf seitens des Bundeskanzlers Seipel und des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten versichert, daß die Klagen von Juden über Ungerechtigkeiten in der Optionsfrage auf 300 schwere Fälle reduziert seien, daß. die Regierung alles daran setzen würde, daß deutschsprechende und dem Deutschtum sympathisch gegenüberstehende Juden, die in Oesterreich geboren sind, oder die schon lange in Oesterreich wohnen, nicht von der österreichischen Staatsbürgerschaft ausgeschloffen werden. Bezüglich des neuen Staatsbürgergefetzes in Rumänien wird berichtet, daß, soweit dem Komitee bekannt ist, dieses Gesetz die Rechte der Juden nicht wesentlich bedroht. Es sollen aber weitere Informationen darüber eingezogen werden. Herr N. Lazarus dagegen meinte, daß das neue Staatsbürgerschaftsgesetz sehr ungerecht ist, und daß z. B. das Wohnrecht von 30 Prozent der Juden der Bukowina bedroht. Herr D'Ävigdor Goldsmid erwiderte: Es weilen noch .4500 Flüchtlinge in Rumänien, Auf Grund des neuen Emigrationsgesetzes der Bereinigten Staaten, würde es möglich.fein, das Versprechen gegenüber der rumänischen Regierung^' die Flüchtlinge bis Ende Juli zu «paknieren, eizazuhgtten. Es fei tzrshalh picht v»ün. jchenschert, aNdere stritiigr Angeßigenheiten zu^ berühren, da mpn wahrWWch Wed^ w^M, FzMer^ längerung bezüglich der Flüchtlinge ansuchen müffe. In bezug auf Rußland scheine es, daß die antireligiöse Politik sich dort allmählich abschwächt, indem die Regierung eine liberalere Haltung in der Frage der religiösen Erziehung einnimmt. Mr. DÄvigdor Goldsmid berichtete weiter, daß er über-die Frage der jüdischen Siedlung auf der Krim mit Dr. Bogen, Herrn Felix Marburg und anderen Vertretern des Joint Distribution Committees gesprochen habe. Der Plan befindet sich in seinem ersten Stadium. Der Vorschlag, daß. die Siedlungsaktion auf Grund einer politischen Anatomie vor sich gehen soll, ist nicht in dem Originalentwurf vorgesehen und er wird auch von den Behörden nicht günstig beurteilt.. Die oorgeschlagene Konzession sieht keine Rassen- oder Religionsunterschiede vor. Es ist möglich, daß ein Versuch, diese Bedingung zu um gehen, den ganzen Plan scheitern lasten kann. Annahme der ImrnigrationSbttl durch den amerikanischen Kongreß. Berlin, 24. Mai.; Der amerikanische Kongreß hat die neue Jmmtgrations-Bill, die die Immigration auf 2 Prozent, nach dem Zensus von 1890 beschränkt, angenommen. Das Gesetz sieht vor, daß Frauen und minderjährige Kinder amerikanischer Bürger in der Quotenzahl nicht eingerechnet werden und außerhalb der Quote einwandern können. Eltern, von Bürgern über^55 Jahre gehören zur ersten Kategorie. Außerdem ist eine neue Klausel eingeführt worden, laut welcher Emigranten, die nicht direkt aus ihrem Geburtslande reisen, sich in dem Transitland mindestens zwei Jahre (statt fürher ein Jahr) aufhalten müssen, bevor sie in Amerika einreisen können. ' Die Annahme der Bill durch den. Kongreß geschah auf Grund eines Kompromisses zwischen den betreffenden Kommissionen des Repräsentantenhauses und des Senats, lallt welchem die abweichenden Bestimmungen der von den Häusern getrennt angenommenen Vorlagen beschlossen wurden. Aus aller Welt. Deutschland. Die Zionistische Vereinigung in Deutschland hat gegen Artur Dinier, der vor den letzten Reichstagswahlen'eine Neuausgabe des bekannten Machwerkes „Die Weisen von Zion" unter dem neuen Titel „Zionistische Protokolle" herausgegeben hat, Klage eingeleitet. Polen. Der jüdische Klub in Polen fragt in einer Interpellation den Sejmpräsidenten an, warum bis jetzt der Vertrag über die Minoritätenrechte noch nicht in Kraft getreten fei. Eine zweite Interpellation beschwert sich dagegen, daß der Stadthäuptmann von Drohob i c z eine Vorzensur für die in den dortigen Synagogen gehaltenen Predigten anordnete. — In L e m b e r g errangen dje ZionistW bei . den jetzt erfolgten Wahlen in die Kultüsgemeinde einen vollen Sieg. Bon den 850 Stimmen der zweiten Kurse erhielten sie 650 und eroberten damit sämtliche Mandate der. zweiten Kurse. In Krakau brachte die Wahl der ersten Kurse einen Sieg des Blockes, der auch die Aguda Jisroel einfchloß. — In S ta n i s l a u war eine jüdische Abordnung veranlaßt worden, bei dem Empfange des Erzbischofs Dr. Twardowski mitoertreten zu fein. Der Erzbischof ignorierte und brüskierte die jüdische Delegation iij einer Weise, die Aufsehen und bei den Juden viel Äerger erregte. — Der größte jüdische Tabakfabrikant Polens, Polak iewicz, dessen Unternehmen auf Grund des Monopoltzesetzes von der Regierung übernommen wurde, befindet sich, jetzt auf der. Reise nach Palästina/Hum dort eine Tabaksabrik zu errichten. In seiner Begleitung befindet sich eine Gruppe gelernter Arbeiter und Sachverständiger. : Italien. In Rom wurde die internationale Emigrationskonferenz eröffnet. Die Jca ist mit drei Delegierten auf der Konferenz vertreten. Litauen. Eine größere Anzahl vermögender litauischer Juden hat beschlossen, die Geschäfte in Litauen zu liquidieren'und sich nach Palästina zu begeben. Rumänien. In der Lessarabischen .Stadt.Bo l.z. sind die Schächter infolge von Lohndifferenzen in Streik getreten. Die Polizei versuchte' vergebens die Schächter durch Arreststräfen zu zwingen, die. Ixbeit wieder aufzunehmen."- . ' V ' Amerika.? Der in Washington tagende Kongreß der Internationalen Frauenliga faßte eine Resolution gegen Henry Ford und-gegen die Ausschreitungen des Antisemitismus in Europa. ---. Felix W ar bürg, soeben von Palästina zurückgekehrt. spricht sich über die industrielle Entwicklung des Landes sehr günstig , aus und empfiehlt dem amerikanischen Kapital, sich^ in Palästina in größerem Mäße zu betätigen. ' ' , Persien. Das jüdische Viertel von Teheran wurde v^MyhchnmedMern angeMfen. pjit der Ansicht, ,'jj» schwer