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Der Israelit · 1924-05-22 · Heft 21 (22.5.1924) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 21 (22.5.1924)
Date
1924-05-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 8 22. Mai 1924 Der Israelit Blätter von den großen Sammlungen für den Bau der neuen Synagoge(der Churba)eine Verminderung der frommen Spenden für die Thoragelehrten des heiligen Landes befürchtete. Rabbi Sofer ging soweit, daß er Lehren das Recht zuerkannte, dem Sendboten in. Holland und Deutschland die für die Synagoge gesammelten Gelder abzunehmen und sie für die Unterstützung der Gelehrten zu verwenden. „Chatam Sofer" beruft sich dabei auf Maimonides, der darauf hinweist, daß nach dem Aufhören der Semicho die Monate und Jahre des jüdischen Kalenders für alle Zeiten geheiligt find, aber nur all so lang als Juden ihren Wohnsitz in Palast i n a h a b e n. Im Momente, wo eine jüdische Ansiedlung in Palästina aufhören sollte, hat die von Hillel II. ausgesprochene Heiligung unserer Neumonds- und Festtage ihre Gültigkeit verloren. Schon aus diesem Grunde müssen wir die jüdischen Ansiedlungen im heiligen Lande unterstützen. Soweit „Chatam Sofer". Selbstverständlich meint er mit den Ansiedlungen ausschließlich die treu zum Gesetze haltenden Juden, die mit ihrem Arewusgefühl die Heiligkeit des Landes und der Monate bedingen und verbürgen. Darin liegt eine geharnischte Mahnung an viele Kreise der Orthodoxie, die im besten Glauben mit Rücksicht auf die unerfreulichen Entwicklungen der letzten Jahre ihre Hand von Palästina zurückziehen. Das Verhalten der jugendlichen Sabbatschänder unter den zionistischen Beamten in Palästina, der unjüdische Geist in den dortigen Schulen mögen wohl die Abneigung in vielen religiösen Schichten gegen Palästina erklären, aber keineswegs entschuldigen. Die Gesetzestreuen dürfen niemals vergessen, daß sie mit ihrer ablehnenden Haltung gegen Palästina schlechthin auch dem altenJischuv großen Schaden zufügen. Richtiger wäre es unter allen Umständen, den Geist der Thora im heiligen Lande zu verbreiten, die Kraft der Thoratreuen zu stärken, wenn nicht anders die heiligen Institutionen verfallen sollen und das Land, was Gott verhüten mag, ganz denen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist, auf die nicht einmal mehr der Begriff des Arewus Anwendung findet. Die angeführten Gesichtspunkte aus den hervorragendsten Dezisoren mögen aber die Gleichgültigen im gesetzestreuen Lager zur Arbeit wecken, die sich ihnen im Rahmen der Palästinaarbeit der Agudas Jisroel in genügendem Maße bietet. Die polnischen Chassidimführer haben das Gebot der Stunde in beispielgebender Weise erfaßt, und die Früchte ihrer unternommenen Arbeit zeigen sich bereits auf allen Wegen. Ihrem Beispiele muß die gesamte gesetzestreue Judenheit folgen. Die Arbeit in Palästina muß nach zwei Richtungen ein: setzen: 1. die Sammlungen für „Rabbi Meir baal Haneß" müssen vergrößert, die Kolalim und die Institutionen des alten Jischuw mehr unterstützt und den religiösen Kolonisten und Arbeitern muß geholfen werden, daß sie gegenüber den Religionslosen standhalten können. 2. Gesetzestreue Kaufleute müssen sich in möglichst großer Anzahl in Palästina niederlassen und dorthin Industrien verpflanzen, die religiösen Arbeitern neue Erwerbsquellen eröffnen und dem ganzen Lande zum Segen gereichen. Auf diese Weise kann eine gesunde Entwicklung von oben nach unten, vom Kapitalisten zum Arbeiter einsetzen. Nicht Flucht, sondern intensivste Arbeit von unserer Seite erheischen die unerfreulichen Zustände im neuen Palästina, nicht allein im Interesse des heiligen Landes, sondern der gesamten jüdischen Zerstreuung und ihrer sie zusammenhaltenden Tage der Weihe und Heiligkeit. Democndef Slguda-Ollavfeen ♦ Lvkaktliek in allen Ortsgruppen. 7V. Geburtstag des Czortkower Restbe Großrabbiner Israel Friedmann, der weltbekannte Chasfidim-Rabbi aus Czortkow und Führer der Agudas Jisroel beging Mittwoch, den 10. Jjar seinen 70. Geburtstag. Diese Gelegenheit wurde von seinen Anhängern in der ganzen Welt und seinen Verehrern in Wien benützt, um dem großen Führer die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Der Czortkower Rebbe weilt seit Kriegsbeginn in Wien und hat eine bewunderungswürdige Fürsorgetätigkeit entfaltet. Er ist nicht nur der geistige Führer und Berater vieler Tausender Chassidim, sondern ein unermüdlicher Arbeiter für Erez Jisroel und für den Keren Hathora. Unter seinem Protektorate stehen in Wien mehrere Thoralehranstalten, die alle mustergültig ihre Aufgaben erfüllen. Um sein Interesse für den Keren Hathora zu manifestieren, scheut der große Rabbi keine Mühe und fährt s. G. w. nach Lublin, um an der Grundsteinlegung der großen Jeschiwoh in Lublin teilzunehmen. Mögen die Wünsche, die dem allverehrten Rabbi aus allen Teilen der Welt zufließen, zum Segen Klal Jisroels in Erfüllung gehen. Die palästinensische Delegierten-Bersammlung. Von Dr. I. ßen Dorath in Jerusalem. Der nachstehende Aussatz entstammt der Feder eines der Agudo fernst ehenden Mannes; er ist in einem amerikanischen Blatte erschienen. Auf der letzten Sitzung des Waad Leumi in Jerusalem wurde beschlossen, die dritte Session der Delegiertenversammlung kommenden Monat einzuberufen. Cs lohnt sich daher, auf Wesen und Charakter der Delegiertenversammlung näher einzugehen. An der Bedeutung und der Notwendigkeit dieser Institutionen an sich wird wohl keiner zweifeln. Jeder Jude, welcher Klasse und Partei er auch immer angehören mag, muß zugeben, daß in diesem politisch wichtigen Momente wir eine attjüdifche Institution besitzen müssen, als Organ des jüdischen Volkes und Vertretung seiner politischen Interessen nach außen. Bleibt nur die Frage, ob die sogenannte Delegiertenversammlung in Wirklichkeit dieses nötige Organ darstellt und in ihrer heutigen Form und Zusammenstellung als Vertretung der ganzen jüdischen Bevölkerung in Palästina gelten kann. Diese Frage ist mit einem kurzen, klaren Nein zu beantworten. Die Delegiertenversammlung in ihrer heutigen Gestalt vertritt nicht das ganze jüdische Palästina und hat sich auch nicht so bewährt, wie sie es tun müßte und auch könnte. Eine richtige Volksinstitution muß zusammengesetzt sein von allen Schichten und Parteien des Volkes. Sie darf nicht einseitig sein, wenn sie nicht ihren Volkscharakter verlieren und zu einem Parteiklub herabsinken will, mit dem im öffentlichen Leben weiter, nicht viel zu rechnen ist. Die Delegiertenversammlung vertrat in ihren zwei letzten Sessionen nur einem Teil der Bevölkerung, den linken Flügel, verkörpert durch Achdut Haaboda und Hapoel Hazair, während das orthodoxe Judentum, von der Aguda bis zum Misrachi, in der Körerfchaft überhaupt nicht vertreten war. Wiewohl seit der ersten Session drei volle Jahre verstrichen sind, die die Lehre erbracht haben, daß die Delegiertenversammlung ohne von allen Teilen des Volkes gewählt zu sein, sowohl gesetzlich wie infolge ihrer politischen Schwäche garnicht existenzberechtigt ist, verharrt die Linke auf ihrem Standpunkt, so daß die dritte demnächst zusammentretende Session um kein Haar anders und besser sein wird wie die zwei vorangegangenen. Und wie traurig, wenn man bedenkt, daß die erste und letzte Ursache des Mißstandes, der Eigenwille der extremen Linken ist, die kein Jota von ihren radikalen Lehachisprinzipien aufgibt und diesen alle jüdischen Interessen zu opfern gewillt ist, Prinzipien, die auch von ihrem Standpunkte aus nur theoretische Bedeutung haben und keinesfalls praktischen Wert. Es dreht sich um das Stimmrecht der Frauen. Das fromme Element konnte, sich begreiflicherweise nicht damit absinden, das Frauenstimmrecht in den Wahlmodus für die Delegiertenversammlung hineinzunehmen. Die einen sehen darin einen schweren Verstoß gegen das jüdische Gesetz, die anderen zumindest gegen die alte' jüdische Sitte. Und wenn die Gesetzestreuen mit blutendem Herzen leider schweigend den vielen Ausschreitungen gegen die Religion und den Sabbat zusehen müssen, so-kann man doch von ihnen nicht verlangen, daß sie noch die Hand reichen und in einer Institution Mitarbeiten, die durch diese Elemente repräsentiert wird und die, wenn sie mitmachen, die Attentate gegen die Religion auch noch im Namen der religiösen Juden verüben könnte. Es ergibt sich von selbst, daß während für die frommen Kreise die Frage des Frauenwahlrechtes eine religiöse Frage ist, bei der ein Nachgeben gleichbedeutend wäre mit einer Selbstaufgabe, einer völligen Selbstvernichtung, die Linke aber diese Frage zum Mittelpunkte einer Lehachispolitik gemacht hat oder als willkommenes Mittel benutzt, die unerwünschten Frommen von der Delegiertenversammlung fernzuhalten. Lieber verzichtet man auf Recht und Ansehen, auf alles, wenn nur die Rechte draußen bleibt. Es ist die Politik des „Es sterbe meine Seele mit den Philistern...!" > Die Tatsache, daß bei anderen Wählen^ die auf Grund des Frauenwahlrechtes vor sich gingen, wie beispielsweise den städtischen Wahlen in Tel Abib und Pethach Tikwa keineeinzige Frau gewählt worden ist, ist eine lebendige Bestätigung unserer Annahme, daß es sich auch bei der Delegiertenversammlung bei der Linken lediglich um ein Prinzip handelt und weniger um die Sache selbst, eine lächerliche Kaprice von Leuten, deren größte Sorge es ist, alle Mischen Spuren im neuen Leben Palästinas zu verwischen. Wer noch daran zweifelte, erhielt die Gewißheit in der letzten Versammlung des Waad Leumi, die sich u. a. auch mit der orthodoxen Deputation bei König Hussein befaßte. Schreiber dieses ist kein Mitglied! der Aguda und erachtet es daher auch deshalb nicht als seine Pflicht, ihre Handlungen zu verteidigen. Er ist sogar der Meinung, daß die Aguda darin wie überhaupt den äußeren Feinden gegenüber mehr Vo^icht üben müßte und er hatte gegen eine sachliche Kritik dieser Handlung auch nichts einzuwenden. Wie erstaunt mußten wir aber bei den Debatten des Waad Haleumi gewahr werden, dasi es den Herren von links gar nicht so sehr um die Kritik dieser Handlung zu tun war, sondern um etwas ganz anderes. Die Kritik konzentrierte sich auf einen Punkt der orthodoxen Fordeungen, der keine Kritik verdient und sie rückt den ganzen Religionshaß dieser sogenannten jüdischnationalen Patrioten ins richtige Licht. Die orthodoxe Delegation bei Hussein hatte nämlich erklärt: „Das jüdische Recht auf Erez Jisrael ist bei uns Tradition, von der wir nie den Sinn ablenken. Beten wir doch dreimal täglich um den Wiederaufbau von Zion und Jerusalem." Diese Aeußerung entfesselte alle Leidenschaften bei den Nationalen in Waad Haleumi. „Ein Skandal", schreien sie, „die, Zionshoffnung mit der Tradition und den Zionsaufbau mit der Religion zu verbinden." „Verde rb enbringer über Israel" nannte man die Agudisten, weil sie es gewagt haben, die Thora obenan zu stellen und von dem Nationalismus nicht sprachen. So sieht der Waad Leumi aus, der die Exekutive der sogenannten Delegiertenversammlung darstellt. Die Physiognomie wird in der Zukunft noch deutlicher hervortreten. Die Delegiertenversammlung hätte das höchste politische Volksorgan des palästinensischen Judentums sein können. Sie ist es aber nicht und wird es auch weiter nicht sein, so lange die Thora nicht respektiert und ihr nicht der Ehrenplatz an der Spitze des jüdischen Lebens in Palästina ein geräumt wird.

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