Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-05-22 · Heft 21 (22.5.1924) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 21 (22.5.1924)
Date
1924-05-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450306--71271-2528576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Der Israelit Seite 4 Nr. 21_ gefügt, die der Meister an sie gerichtet: „Meine Binder, die ersten starben lediglich ob ihres gegenseitigen Neides; seid Ihr darauf bedacht, Euch nicht nach ihren Taten zu verhalten." Da erhoben sie sich und erfüllten das ganze heilige Land mit Tauroh. Zwei Generationen der Schüler des R. Akiba stehen hier vor unserem geistigen Auge. Das Gedächtnis der ersten wird alljährlich zur Omerzeit in uns wach und kommt in dem Gepräge dieser Zeit, das in der Jnnehaltung altgeweihter trauermäßiger Vorschriften besteht, zum Ausdruck. Der so alte Brauch, die Omerzeit auf diese Weise zu begehen, wurzelt in der Tragn, welche dem Sterben der ersten Schülergeneration des R. Akiba innewohnt und ihrer schwerwiegenden Bedeutung gemäß ein unauslöschliches Denkmal im Herzen der Nation gebieterisch forderte, -ute Tragik liegt in dem Umstande, daß mit dieser Generation eine große Hoffnung ihres Leiters zu Grabe getragen wurde. Die Hoffnung war auf das weitgesteckte Ziel der Erhaltung der Thoralehre gerichtet, wie dies die in den angeführten Quellen mitgeteilten Namen der zweiten Generation verraten. Schon allein die Regel: «2',82'^rr irrtoi m tkö '7 nwa ano läßt uns deutlich erkennen, daß uns die Überlieferung der Tauroh durch die Vermittlung der zweiten Schülergeneration aus der rettenden Hand des R. Akiba überkommen ist. Auch Onkelos gehörte zu den getreuen Schülern R. Akibas, dessen Lehre er in seinem Targum ver- :■:> 'cia. Diese umfassende Aufgabe der Rettung der Tauroh, welche das zweite Geschlecht im Sinne seines Führers löste, winkte Jahrzehnte zuvor schon der ersten Generation als Preis ihres geistigen Strebens. Wahrscheinlich saß sie zu Füßen ihres Meisters bereits in den Tagen, als der Tempel noch in Israels Mitte emporragte Tritt da ihr Vergehen nicht in ein besonderes Licht? Liegt es nicht auf derselben Linie wie der grundlose Haß, welcher die Ursache der Zerstörung des zweiten Tempels bildete? Hatte sie an ihrem eignen Führer nicht das trefflichste Beispiel in allen Tugenden des menschlichen und jüdischen Lebens? Lag es ihr daher nicht in erhöhtem Maße ob, durch Selbstverleugnung und Eintracht sich als die geistige Elite zu bewähren und alles daran zu setzen, den nahe bevorstehenden Zusammenbruch von Staat und Tempel in letzter Stunde abzuwenden oder im Falle, daß ihre Verfehlung der Zerstörung des Tempels zeitlich folgte, aus dieser gewaltigen Katastrophe die Lehre zu schöpfen, daß in Iisroel nur die Ehre der Tauroh gilt und ihre Erhaltung das höchste Ziel ihrer Träger bildet? Ist es ferner Zufall, daß wir bei dieser so epidemisch dahingestorbenen Generation eine Schülerzahl antreffen, die selbst im Altertum fast beispiellos dasteht? Ist der Gedanke zu kühn, R. Akiba habe im weisen Vorausblick seine ganze Kraft daran gewendet, eine solch ungewöhnliche Anzahl von Jüngern mit Taurohkenntnis auszustatten, damit sie in der Stunde des nationalen Unglücks bereit und fähig feien, Iisroel als Lehrmeister und Führer ins Goluß zu begleiten? Hat nicht R. Akiba sein ganzes Sinnen und Trachten auf die Erhaltung der Einheitlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre gerichtet? Indes der große Moment traf in ihnen ein kleines Geschlecht. Staat und Tempel gingen zugrunde und auch die Welt der Tauroh blieb öde. Da war Iisroel aufs schwerste betroffen. An der düsteren Pforte des Golus stand es ohne hinreichenden Nachwuchs an geistigen Führern da. Dies ist, wie uns scheint, das herbe Geschick, das wir durch die Verfehlung der esten Schüler des R. Akiba über Iisroel hereinbrach und das an Begriff und Inhaltsschwere der Zerstörung des Tempels ähnelt. Der Lenker der Zeiten aber gab seine Tauroh nicht preis. Was die erste Generation versäumte, holte die zweite glänzend nach und ihr Werk, das „das ganze heilige Land mit Tauroh erfüllte" lebt durch alle Zeiten.sieghaft fort. _ «SST-at-- ‘>.__ ^_ Korrespondenzen « Nachrichten Deirtsehe» Hctcli. Dozent A. E. Kaplan Vst* Berli n, 20. Mai. In der Nacht von Sonntag zu Montag verschied plötzlich Herr Rabbiner A. E. Kaplan V't Dozent am Rabbinerseminar. Sein Heimgang bedeutet einen furchtbaren Schlag für nnrni mm in Deutschland. Eine große Hoffnung wird mit diesem 34 jährigen mma zu Grabe getragen. (Wir behalten uns eine eingehende Würdigung dieses hervorragenden on-o mm pain noch vor. Red.) 22. Mai 192t ” Tefillin und Mesusoth. * Frankfurt a. M., 15. Mai. Dem Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentum e. V. Frankfurt a. M." ist es nunmehr gelungen, die aus früheren Zeiten rühmlichst bekannte Organisation, zur Beschaffung rituell einwandfreier Tefillin und Mesusoth wiederherzustellen. Aus praktischen Gründen hat der Vorstand beschlossen, einstweilen den Vertrieb unmittelbar von der Geschäftsstelle aus zu leiten. Der Vorstand ist bis auf weiteres in der Lage, Tefillin zum Preise von 12.— Mark und Mesusoth zum Preise von —.90 Mark abzugeben. Für die rituelle Zuverlässigkeit steht der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Rabbiner Dr. S. Breuer, ein. Anmeldungen sind an die Geschäftsstelle der Vereinigung, Rechneigraben 5, zu richten. Wiederverkäuser bleiben einstweilen außer Betracht. Es steht zu erwarten, daß der Vorstand bald in der Lage fein wird, die Preise nicht unerheblich herabzusetzen. Die Vorgänge in Jendrezow. Frankfurt a. M., 19. Mai. Gleich nachdem der von der Darstellung des „Jud" wesentlich abweichende Bericht des Lodzer Tageblattes über die Mordtat in Jendrezow zu unserer Kenntnis gelangt war, haben wir uns an eine durch Wahrheitsliebe und vornehme Gesinnung ausgezeichnete Persönlichkeit^ in Polen gewandt, um authentische Aufklärung über 5 die wirklichen Vorgänge zu erlangen. Unterm 14. Mai berichtet uns dieser Vertrauensmann, daß die Darstellung des Lodzer Tageblattes im höchsten Grade anfechtbar, diejenige des „Jud" dagegen im entscheidenden Punkte absolut zutreffend sei. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die Mordtat als Konsequenz der in Jendrezow besonders stark hervorgetretenen zionistischen Hetze gegen die Orthodoxie angesehen werden müsse. Wir können demnach leider von dem, was wir über die betrübenden Folgen der vergifteten zionistischen Polemik geschrieben haben, unsererseits nichts zurücknehmen, und wenn es eines Beweises dafür bedürfte, wie recht wir mit dieser Charakterisierung der zionistischen Kampfmethoden haben, so würde ein Blick in die letzte Nummer der zionistischen „Rundschau" genügen. Dort wird Agudas Iisroel als eine zahlenmäßig kleine „Clique von Menschen" hingestellt, die in der jüdischen Gesamtheit „moralisch isoliert" werden müsse. Man spürt aus jedem Worte den blutrünstigen Haß, mit dem diese Prehtrabanten demjenigen Teil der Orthodoxie gegenüberstehen, der sich zur Förderung und Verherrlichung des Zionismus nicht hergibt. Wenn dieser Haß bei passender Gelegenheit in dem schmalen Gehirn eines polnisch-jüdischen Jungen einmal zu. Gewalttat und Mord treibt — wer dürfte sich darüber wundern. Es gibt übrigens auch andere Kreise, die gelegentlich über die Folgen einer maßlosen Polemik Nachdenken sollten. So stellen wir mit Bedauern fest, daß das Verschmelze im Sumpfe stecken. Nach einer Weile kam der Geizhals von der entgegengesetzten Seite mit seinem schönen eigenen Zweispänner gefahren und blieb im gleichen Sumpfe hängen. Der Rabbi reichte seinem vornehmen Gemeindemitgliede die Hand und sagte lachend: „Endlich ist doch ms mpaa n^mi mm* Ein Rabbi verließ seine unfriedliche Gemeinde für immer und sämtliche Mitglieder gaben ihm das Geleite. Draußen am Scheidewege hielt der Rabbi eine rührende Abschiedsrede und rühmte die Ruhe und den Frieden in der Gemeinde. „Ruhe und Frieden?" wunderten sich die Leute. „Ja," sagte der Rabbi, „jetzt, wenn Ihr alle hier seid! . . . Ein unwissender Dorsjude kam zu Roschhaschono in die Stadt und erkundigte sich bei einem Freunde, wie man auf den hebräischen Glückwunsch am Abend nach Schul erwiderte. „Gam attem!" belehrte ihn der Freund. Der Dorsmann prägte sich das Wort gut ein. Am Abend nach dem Gottesdienst fragte ihn der Nachbar im Bethause, wie es jetzt den Juden im Dorfe gehe. „Gut", sagte der Dorfmann, „nachdem der Judenfresser, der alte Pristav, gestorben ist." „Len Jowedu!" gab der Städter seiner Freude Ausdruck. „Gam Attem!" erwiderte der Dorfmann sehr herzlich. (Neue Ausgrabungen in Jerusalem.) Interessante Ausgrabungen werden jetzt im Tal von Kidron, in der Nähe von Jerusalem, vorgenommen. Es handelt sich um eine Gruppe von vier Denkmälern, die man die Gräber des Abfalom, Jehosaphath, Jakob und Zachamas nennt. Sie find vollkommen von neuem jüdischen Gräbern überdeckt. Deshalb war die Ausgrabung bisher nicht möglich. Jetzt aber hat die jüdische Ausgrabungsgesellschaft von Palästina alle Hindernisse überwunden und drei der Gräber, die des Abfalom, Zacharias und St. Jakob freigelegt. Der Zugang zu dem Grab des Jehosaphath ist durch moderne Gräber unmöglich. Das sogenannte Grab des Absolom geht nach diesen Grabungen mindestens auf die Zeit der Makkabäer zurück. Münzen aus der Zeit der römischen Prokuratoren von Judäa wurden gesunden, ebenso Münzen aus der Perserzeit und Gesäße aus der Epoche der syrischen Seleuziden. Auch ein silberner Ring wurde ausgegraben mit einer hebräisch-aramäischen Inschrift aus der Zeit des Nehemia. (Bei all dem darf man hoffen, daß die weiteren Grabungen unterbleiben, da mit diesen eine Beschädigung von altgeheiligten Gräbern verbunden zu sein scheint. Die Redaktion.) (Antisemitische Zoologie.) Das Vorlesungsverzeichnis der Universität Jena für das Sommerhalbjahr 1924 enthält die Ankündigung eines Vorlesungszyklus des bekannten Professors Plate über „Allgemeine Zoologie und Entwicklungslehre einschließlich der politischen Folgerungen." Der Zoologe, Professor Plate, hat sich dadurch berüchtigt gemacht, daß er seine zoologischen Vorlesungen mit heftigen antisemitischen Ausfällen würzte. Vor einigen Monaten mußte er sich sogar auf eine Klage der jüdischen Studenten hin wegen Beleidigung des jüdischen Volkes vor Gericht verantworten. Das Gericht sprach ihn frei, was damals großes Aufsehen erregte. Die Ankündigung einer Vorlesung über politische Zoologie durch Professor Plate wird allgemein dahin gedeutet, daß der Kursus dazu dienen soll, um unter dem Schein wissenschaftlicher Belehrung antisemitische Ziele zu verfolgen. Sabbat-Anfang und -Ansgang. ins raw Ort: Ans, Nhr Ing Min. D 1924 tum 5684 Äu Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 7 30 24. 20. 9 10 Berlin .... 7 30 Mai Aar 9 02 München . . . 7 15 8 45 Köln. 7 45 9 25 Stuttgart . . . 7 16 9 — Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 15 9 04 Hamburg . . . 8 — 9 ' 35 Wochenkalender. 24. — 31. Mai 1924 / 20. — 27. Jjor 8884 Samstag Mai 24| 1,72 20 Sonntag 25| 21 Montag 26 22 Dienstag 27j 23 Mittwoch 28 24 Donnerstag 29j 25 Freitag 3« 26 San,stag sipnpmn 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.