Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1924)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 Sette 3 formgemeinde ein Bethaus der Gemeinde im Westen, ebenso Schulräume in Aussicht gestellt. Das „Gememdeblatt der Jüdischen Gemeinde" wird fortan,auch alltzy Ankündigungen und Mitteilungen derReformgemeinde sein? Spalten öffnen?Mitglieder der Reförmgemeinde.sind zugleich Mitglieder Aer jüdischen Gemeinde. Also Herz, waswillst du noch mehr?.! Wa^ dieses' Abkommen noch von einer f o rnre l f etty Ein g e me i n d u n g unterscheidet, das vermag einfacher Laienverstand nicht zu ergründen. Vielleicht erachtet man es als ein Gebot kluger Politik, als eine Rücksichtnahme auf die Gefühle im rechten Flügel der Gemeinde, von einer „formellen Eingemeindung" nicht zu sprechen oder sogar zu konstatieren, daß eine solche noch nicht erfolgt ist. Die von den „Mitteilungen" der Reformgemeinde mit Recht bejubelten Tatsachen lassen aber der Resormgemeinde in dieser Beziehung sehr wenig zu wünschen übrig. Die Sonntagsreform, die in ihren Bekanntmachungen von „großen Erfolgen", von einer „Weiterentwicklung" und dergleichen mehr spricht, sogar die hochtönenden Phrasen ihrer ersten Begründer vor 80 Jahren heute als „hochaktuell" auffrischt und wiedergibt, sich also in allem ungefähr so benimmt, wie ein Kind, das fick) im dunklen Raume Mut ansingt, will,durch Ortsveränderung ihr Glück neu versuchen, den Schauplatz ihrer Tätigkeit weiter Nach, Westen verlegen und findet dabei ein solch weitgehendes Entgegenkommen von seiten der großen Gemeinde, daß sie hierin wenigstens von einem wirklichen Erfolge sprechen kann. Obformelle oder unformelle Eingemeindung, ist hier nur noch ein Spiel mit Worten.; An der Gesinnungsgemeinschaft zwischen dem linken Flügel der Hauptgemeinde und denen in der Johannisstraße haben wir nie gezweifelt. Daß aber diese Gemeinschaft so deutlich und so offen zutage treten .wird, konnten auch wir nicht erwarten. Es wird sich zeigen, ob die rechtsstehenden, Elemente im Gememdevorftand sich durch, diese vorsichtige Form, des Abkommens über den .in' Wahrheit vollzogenen Z u s ä m m e n s ch l u ß werden hinwegtäuschen lassen. . Die Juden in Hessen. Vom Herbert PhilippsthÄ in Charköttenburg. Die Israelitett in Hessen sind, wie 'im übrigen Deutschland, vorwiegend Stadtbewohner. Nach der letzten Volkszählung auf konfessioneller Grundlage im Jahre 1910 wohnten in den sechs größten 'Städten Hessens (Darmsladt, Mainz, Offenbach, Worms, Gießen, Bingen) 10 202 Israeliten (42,2 %), in den übrigen 933 Gemeinden (601 waren ohne Juden) zusammen 13861 Seelen:' ' 1 ■'['■ 1 4 Auch filr Dessen ist die foAschreitende Abnahme der jüdischen Bevölkerung typisch. Während in der Splitte des 19. Jahrhunderts noch 34 Juden auf, je 1000 Personen der. Gesamtbevölkerung kamen, waren es im Jahre 1910 nur noch 188. Der .Geburtenrückgang ist aus folgender Tabelle I leicht ersichtlich. Tabelle I. Im Jahre aus jü) Gebet. übrsch. ehe >. Ehen Totgeb. tich gebot a. Mischehen Mann christl. (K^Ab!Äö1ab. rn^ - Mann jüd. , Frau christl. Gbtüb.iTotgb. unehel. aeb. v. jüdischer Mutter Gbtüb.ITtg. 1910. 395 7 13 1 12* 12 1911 414 10 11 — 6 2 11 1 1912 381 10 15 — 17 — 7 — 1913 405 8 13 2 1 — 11 — 1914 359 6 11 1 6 1 11 2 1913 257 11 10 — 6 — — — 1916 159 6 8 — 11 — 6 — 1917 131 1 11 1 7 — 1 — 1918 135 4 14 — 8 — 5 1 1919 192 nicht festgest. 8 nicht festgst. 14 nicht festgst. 5 nicht festg. Er tritt während des Krieges bemerkenswert in die Erscheinung. Leider liegen die statistischen Ergebnisse über Geburts- und Sterbefälle erst bis zum Jahre 1919 vor, während in den den übrigen Ländern die Angaben bis zum Jahre 1922 fertiggestellt sind,- aus ihnen geht gleichmäßig hervor, daß infolge der hohen Ziffern der Eheschließungen von heimgekehrten Soldaten in den Jahren 1919/20 auch die Geburtszahlen in den folgenden zwei Jahren stark stiegen, um im Jahre 1922 wieder beträchtlich zu fallen. (Siehe Tabelle II.) Tabelle II. Es wurden geschlossen Im Jahre jüdische Ehen M.chrst. Fr. lüd. M. jüd. Fr. chr. 1910 167 10 3 1911 151 12 9 1912 191 13 6 1913 169 8 9 1914 95 8 6 1915 19 9 10 1916 27 ' 5 11 1917 .30 6 12 .1918 52 13 8 1919 281 15 12 1920 346 22 18 1921 220 11 13 1922 223 17 25 Es wurden geschieden Mischehen jüdische M. christl. M. jüd. Ehen?fV. jüd. flfr. christl. 1906-11 20!8 i8 { 9 1906—11 3 1906-11 4 Aus einem Vergleich der rein jüdischen Ehen mit den Mischehen ergibt sich, daß die letzteren 15,2 o/c betragen. (In Preußen 39,6 %!) Ferner ist zu ersehen, daß in den Jahren 1912—1921 von den rein jüdischen Ehen 2,2 yo, von den Mischehen 3,7 °/o geschieden wurden. In Tabelle III werden die Geburten (unter Berücksichtigung der Mischehen und der unehelichen Geburten) den Sterbefällen gegenübergestellt und hieraus wird das Ergebnis gezogen. Tabelle III. Im Jahre I Jüd. Geb. Jüd. Eterb. Militär Pers. + Geb. - Uebersch. — Sterbe - Uebersch. 1910 420 341 -j- 79 1911 434 296 — 4-138 1912 404 326 — -f 78 1913 423 316 — +107 1914 379 315 . 69 — 5 1915 265 281 97 —113 1916 175 287 64 —176 1917 141 186 60 —105 19 l8 161 183 98 —130 1919 208 332 3 -127 daß durch das „Stahlbad", wie der große Krieg einst genannt wurde, die Bevölkerungsbilanz stark passiv geworden ist. Die furchtbare Situation der jüdischen Bevölkerung in Hessen I tritt in ihrer ganzen Schwere noch nicht vollständig in Erscheinung, weil die Verluste durch Konfessionswechsel und Wanderungsbewegung, die keineswegs gering sind, statistisch nicht berücksichtigt wurden. Die Schüler des R. Akiba. 7 Von Willy Wolf in Köln. Jebamoth 62 b heißt es: ..man sagte, zwölftausend Paar Schüler hatte R. Akiba von naa bis vnv'vin und alle starben in einem Zeitabschnitte, weil sie sich gegenseitig keine Ehre erwiesen, und da blieb die Welt öde, bis R. Akiba zu unfern Lehrern im Süden kam und sie die Taüroh lehrte, es waren dies R. Meir, R. Jehuda, R. Jose, R. Schimeon, R. Eleasar den Schamua und sie waren es, die zu jener Zeit die Täuroh aufrecht erhielten. Die Boraitha sagt: Jene alle starben in der Zeit von Peßach bis Schewuoth....." Im Midrasch Rabba (1. B. M., Abschnitt 61) wird das Geschehnis in ähnlicher Weife geschildert. Nur wird dort das Vergehen der so jäh Dahingerafften darin gesehen, daß einer dem andernmit Neid begegnete.^ Ferner werden aus der Reihe der neu erstandenen Schüler des R- Akiba einige weitere Namen aufgezählt und schließlich ist die bemerkenswerte Ansprache betandere zu schädigen/ sich selbst zu stärken sucht, je mehr ganz besonders die Judengegner uns mit unwahren Behauptungen diskreditieren wollen und durch unwahre, weil unhaltbare Versprechungen Urteilslose zu ködern suchen, um so mehr wollen wir unsere Reinheit wahren, wahr sein und bleiben. Einmal muß ja doch die Wahrheit siegen, das Gebäude der Lüge an seiner eigenen Unhaltbarkeit in sich selbst Zusammenstürzen. Und noch ein zweites will der Midrasch mit ni-ins ' ausgedrückt wissen: Klarheit und Schönheit. 9!. Iudan zitiert aus Talm. Peßachim 3 die bekannte Stelle: Gott selbst macht in seiner Thora Unschreibungen durch Mehrung von Buchstaben und Worten, damit nur kein unschönes Wort aus seinem Munde komme. Bei der Klassifizierung der Tiere (bei Noah) in reine und nicht reine wird zur Vermeidung des Wortes die Umschreibung *vint> urs angewendet. Vergleichen wir doch mit diesen ästhetischen Regeln, dieser! ästhetischen Kleinarbeit das wüste Geschrei und Geschimpfe so mancher Parteimenschen unserer Zeit. Pietät und Anstand scheinen geschwunden, Menschlichkeit und Dankbarkeit ausgeschaltet, nicht einmal die Majestät des. Todes vermag ein Halt zu gebieten. Unfähigkeit moralische Versumpfung tönen entgegen aus so vielen bekannten „politischen" Liedern, Flugschriften, Artikeln, Büchern, angeekelt wendet sich der noch anständig Fühlende zur Seite. Und in dem Maße des Wachsens solcher Auswüchse, des Rückganges jeden Gefühles für das Gute und Schöne, wächst der Irrtum, der Zweifel, die Unklarheit, denn Schönheit ist Klarheit und Klarheit ist Schönheit. Wir wollen darum nicht in die Manier der Gegner verfallen, wollen an den irrrtrnj nnan festhatten nach der Weifen Wort, nach Gottes .Vorbild. „... Tiefst bedauerlich ist es, daß die gerügten Verstöße Legen Wahrheit und Schönheit so unheilvoll ganz besonders auf die Jugend wirken. Welch betrübender Ausblick in die Zukunft, wenn die Jugend, irregeführt und verhetzt, immer mehr verroht, auch später im Leben statt der Wahrheit die Lüge, die Roheit statt der Schönheit kultiviert., Wer es gut meint mit Mit- und Nachwelt, erhebe warnend, mahnend, lehrend die . Stimme. Die reinen, sündenfreien Kinder zu Davids Zeit wußten , die Thora zu erklären. Erhaltet der Jugend nur die Reinheit, dann kommt sie zur Klarheit;. Klarheit ist Schönheit wie Reinheit Wahrheit. A. Uleines Feuilleton. Zum sechszigsten Geburtstag Dr. Meier Hildesheimers in Berlin. M N212N nsn KTp’V'fDTKiai 'xn tkö yn ma 22NN mn •IT 1"« X"' 71 Dl' 81,1 fl'W iV JlX^Ö DT^ aawa d'31 '1'p I'.iw '1'xv .yrr ■pipjrö asiy isio n'X Ipin n'K diaana -bm -Milan r»x d'ffixi m i'i' •spana *]8Va qiaD pxa >ivm npis «itH . 'N18^S2 .1» '12^2 na V11P3 1'kllp^n - ri'niiaia öjm Vsn-].n»to 'di |j?T imn’’ disnaa diK^ snn x^> viipn miasr iiav^ nxva naam nun '.iiivai n*T man T»an niv' D'js I3v inp mian n'vin 'diii^ '.man *jaV niiN d’aan^ un n'a ^rra 'xa di »m ivin 'liaaiv' .13.1X3 ax iaa inVnp ’iai .'11313' öt3 'ajn -11N3V' Van 'inax^aa I'.iv iD'a' inx*? naiv na'di mpta ann 'TKÖ 1321^ •ns» ms»i vv»p’ia ns» "b nsain man* snan bsiaw in -i"sin 'i"8 viina i'^ia « « » Wir schließen uns diesen Segenswünschen aus vollem Herzen an. Möchte der Jubilar, der von seinem unsterblichen Vater V'ST das goldne Herz und das niiraa ny'ir geerbt, in jugendlicher Frische den Aufgaben der jüdischen Gesamtheit weiter seine Kräfte weihen und des Gedeihens seiner segenspendenden Werke froh werden Rabbinischer Humor. Rabbi Eisig Slominier hatte in seiner Gemeinde einen reichen Geizhals, der dem Rabbi gern aus dem Wege ging. Als Rabbi Eisig einmal in Frühjahcszett zur Besichtigung der Peffachmühlen hinausfuhr, blieb der Wagen bei den schlechten Wegen infolge der Eis»