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Der Israelit · 1924-05-15 · Heft 20 (15.5.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 20 (15.5.1924)
Date
1924-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I 15. Mai 1924. - Kurien teilt, zu belassen. Auf diese Weise I hoffen die 'Zionisten mit Hilfe ihrer Intelligenz Ostgalizien mittels der zweiten 5hirie Ibic Gemeinden zu erobern. Diesen Herrn ist es I ^ch zu danken, daß Zentrallitauen mit IWilna vöm Gesetz unberührt bleibt und'dort Iber alte Schlendrian noch weiter herrschen kann- I^er Dualismus der zionistischen Politik hat I manch einem die Augen über die wahren Ziele Iber Partei geöffnet. I Die orthodoxe Äudenheit Polens, die grund- Isätzlich mit dem Statut einverstanden ist, wenn Iße auch einzelne Punkte darin gern anders gelsehen hätte und vor allem die absolute »religiöse Autonomie der Gemeinde »besser gewahrt wissen wollte, tritt in den Wahl- Ilampf nicht ohne bange Sorge, aber mit besten I Hoffnungen aus Sieg und Erfolg. I Bangen Herzens, in Hinsicht der verzweifelten I Anstrengungen der linksstehenden Parteien von den Zionisten bis zu den radikalen Arbeitergruppen, die Gemeinde zu einer weltlichen Institution zu machen, die Chedarim in moderne Schulen zu verwandeln, die Rabbinatsämter in die Hände von Reformern und Halbreformern zu legen. Der Versuch zur Einsetzung des Ober- Rabbiners in Warschau und zur Errichtung des Studentenheimes auf dem Synagogenplatz zeigen deutlich, wohin der Weg geht. Wehe, wenn es diesen Kreisen mit vereinten Kräften gelingen sollte, sich in irgendwelchen Gemeinden eine Majorität zu erringen und auf diesem Wege Einfluß in der nach' dem Statut zu bildenden Oberbehörde zu bekommen. -Die Folgen wären garnicht abzusehen. Aber auf der andern Seite hat die Orthodoxie auch guten Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu sehen, nachdem sie nicht mehr wie annodazumal zersplittert und zerrissen wie eine Herde ohne Hirten, sondern geschlossen und organisiert in der „Agudas Iisroel" in den Kampf zieht, mit klaren Zielen, mit blankem Schilde, mit dem starken Willen, alle Fragen im Geiste der Thora und im Einvernehmen mit den anerkannten Thoraautoritäten zu lösen. Die Bevölkerung weih, dah das Judentum für die Orthodoxie keine Parteisache ist und dah die Führung der Gemeinden bei ihr in besten Händen ist. Freilich hängt alles davon ab, ob und wie es gelingt, sämtliche gesetzestreuen Elemente, Misnagdim und Chassidim, Jung und Alt zu einer Einheitsfront zusammenschließen, lieber Einzelnes und Trennendes muh dabei hinweggesehen werden. Die orthodoxe Iudenheit der Welt verfolgt mit Spannung den Gang waren und wichtige Verdachtsmomente ein junges. Mädchen belasteten, wurde Beilis nach Kiew gebracht und gegen ihn Mitte 1912 die Anklage wegen vollbrachten Meuchelmordes, begangen an einem wehrlosen Knaben, «hoben, wobei noch die Anklage bemerkte, daß es nicht ausgeschlossen, ja sogar sicher sei, dah der Mord aus „religiösem Fanatismus" und zu „rituellen Zwecken" geschah. Am 8. Oktober 1913 fand vor einem Geschworenengericht in Kiew die Verhandlung statt. Mit Stimmenmehrheit sprachen die Geschworenen Mendel Beilis frei. Nach der Entlassung Mendel Beilis aus der fast zweijährigen Untersuchungshaft, in welcher er die größten Qualen auszustehen hatte, «änderte er aus seinem Heimatlande Rußland aus und siedelte sich mit seiner zahlreichen Familie in Palästina an. Es ist bekannt, daß jüdische Farmer in Amerika für Beilis eine Farm ankaufen wollten, um ihn zur Auswanderung "ach Kanada1 zu bewegen, überall wurden Geldsammlungen für Beilis veranstaltet, um ihm fürderhin ein sorgenloses Leben zu sichern. Beilis, der ein ganz armer Ziegelarbeiter war, nahm bloß das für ihn gespendete Geld an und lebte in Ruhe in der Nähe Jaffas, wo er jetzt starb. (Haderech.) Die? neue Nummer des hebräischen Drgans der Welt-Aguda ynn zeichnet sich wiederum durch einen reichen, interessanten Inhalt aus. Dr. P. Kohn kennzeichnet die prinzipiellen Erwägungen, die zur Delegation an König Hussein führten, der Herausgeber R. Tauwijo H o r w i tz steuert einen Artikel über „Jischuw Aez Iisroel" bei, der demnächst in deutscher Ueberstdung in den „Blättern" erscheinen soll. A. S. Friedwan u -Warschau unterrichtet über die Bedeutung der bevorstehenden Gemeindewahlen in Polen; eine Artikell^ie von Menachem Eckstein: „Die seelischen Vorbedingungen des Chassidus" sei ihres tiefgründigen Jn- .. Der Isr a e I i t der Dinge, wobei der Geist, der uns alle zusammenhält, feine Probe zu bestehen hat. Auch die polnische Regierung hat ein wachsames Auge und wird an dem Ausgang der Wahlen zu erkennen suchen, wo das wahre Judentum lebt und ferner zu beachten und zu befragen ist bei etwaiger Regelung jüdischer Angelegenheiten. Weiß die polnische Orthodoxie, was bei diesen Wahlen auf dem Spiele steht und handelt sie im Bewußtsein ihrer großen Verantwortung, dann ist ihr der Sieg sicher! Von -L. Anfänger in Würzvnrg. Wohl in ganz Israel hat sich der Gebrauch eingebürgert, nach den Pessach- und nach den Sukkosfeiertagen, oder nach Ablauf der Monate Nissan und Tischri, ein freiwilliges Fasten an drei aufeinanderfolgenden Thoravorlesungs-- Wochentagen (Montag, Donnerstag, Montag) auf sich zu nehmen. Am raw vorher wird in der Synagoge nach der Thoravorlesung ein diesbez. i"»2Vvorgetragen für die Gemeinde- Mitglieder, die fasten wollen: das darauf gilt gewöhnlich als ausgesprochener Vorsatz zum Fasten. Wenn auch nach den Observanzen verschiedener Gegenden verschiedene kleine Differenzen vorhanden sind, im großen und ganzen ist das Bild doch wohl das gleiche. Der Kommentar 2v'N 282 zu § 492 Schülchan aruch Orach chajim bringt für diese Fasttage folgende Begründung: „Weil zu befürchten ist, daß die Festfreude und die Festmahlzeiten gar leicht eine — unbewußt bleibende — llebertretung bewirken, wie das ja auch bei Hiob zu lesen ist." (Hiob l, 5: Wenn die Festtage vorübergegangen waren, sandte Hiob hin und heiligte sie (seine Kinder) und machte sich morgens früh auf und brachte Emporopfer dar nach ihrer (der Kinder) Gesamtzahl, denn Hiob dachte, vielleicht haben meine Kinder gesündigt.) „Auch Uebertretungen des Ärbeitsverbotes sind am Festtäg und ganz besonders am Chol hamoed so leicht denkbar, denn auf Erden ist niemand unfehlbar." „In unseren Gegenden" — bemerkt der Kommentator noch — hat das Fasten den Charakter von 212s mjrfi angenommen und es werden gebetet. So einfach', fast trocken sich der n"2 auszudrücken scheint, ein tiefer Sinn liegt in seinen Worten, Lebenswahrheit und Lebensweisheit in der ganzen Gepflogenheit des 2'N2,die uns so recht aus einer Betrachtung der von unseren Alten hiefür gewählten flirrte entgegenleuchten. Haltes wegen besonders empfohlen. Das Heft bringt außerdem eine Menge Berichte, den Schiedsgerichtspruch der Rebbes in Erez Iisroel, Mitteilungen des Keren hathora usw. Bei dieser Gelegenheit sei auf die in vergrößertem Format erscheinende stattliche Zeitschrift der "polnischen Aguda-Jugend ui-ri hingewiesen, die unter der Redaktion von A. S. Friedmann Treffliches leistet. Die uns vorliegende Nr. 4/6 bringt politisches und feuilletonistisches Material in reicher Fülle und Abwechslung, auch gediegene literarische Aufsätze (Lebensgeschichte und Charakteristik von R. Jecheskel, Landau, Geschichte der Juden in Safed) und einen sehr beherzigenswerten Dortrag von I. L. Orlean über den Aufbau einer jüdischen Jugendliteratur. — Ein erfreuliches Zeichen der Rührigkeit der polnischen Agudas Iisroel ist die in Lodz jetzt erscheinende Frauenzeitschrift apy ir>n in Jddisch. Das Blatt sucht in lebendiger, zu Herzen gehender Darstellungsweise Frauen und Mädchen des Ostens für Thora und Mizwos zu begeistern: Ein polnisch geschriebener Teil ist für diejenigen Frauenkreise bestimmt, die schon kein Jüdisch mehr verstehen. Redakteur ist A. G. Friedensohn, Verleger die „Kultura" Lodz, Cegielniana 9. (Humor in der Wahlversammlung.) Aus Vollmerz bei Schlüchtern wird uns folgendes berichtet: Am Vorabend der Reichtstagswahlen fand in Vollmerz eine große deutschvölkische Wahlversammlung statt, zu der auch die Umgebung eingeladen war. Der Redner, eine völkische Lokalgröße, erläuterte mit großem Pathos: „Sehen Sie, meine Herren, wir sind zu allernächst Deutsche, dann erst in zweiter Reihe Katholiken oder Protestanten. Die Juden aber sind zuerst Juden, dann angeblich auch Deutsche." Da schreit ein anwesender jüdischer Viehhändler ... „ . Nr. 20 Seite 3 Hören wir zunächst, was S. R. Hirsch' im Horeb § 244 über freiwillige Fasttage sagt: „Wie hier an diesen Zeitdenkmälern (den 5 gebotenen Fasttagen) das Fasten verordnet ist, als ein Weg zur Bezwingung von Leidenschaft und tierischen Trieben — also zur Th'schuwoh; so bleibt es auch jedem einzelnen, der den Weg der Th'schuwoh betreten will, als ein heilsames Mittel. Wen Leiden mahnen, in sich zu kehren und seinen Wandel zu prüfen; wer im Kampfe mit seiner Sinnlichkeit der Stütze bedarf — ihm wird freiwilliges Fasten als Mittel gereicht. Und so wird auch von Gemeinden und größeren Vereinen, wenn allgemeines Leid zu allgemeiner Rückkehr mahnt, allgemeines Fasten angeordnet. Ueberall aber hat has Fasten an sich keinen Wert, ist an sich nichts Verdienstliches; ists nur dann, wenn Du es wirklich als ein Mittel zur Besserung benutzest und aus ihm reiner hervorgehst und stärker zum Siege übers Tier." Also wenn Leiden mahnen, Leiden drohen, wenn durch Wohlleben die Gefahr droht, daß im Kampfe mit der Sinnlichkeit das Sinnliche siege und dich untauglich mache für deine Aufgabe als Mensch und Jude, dann führe dich freiwilliges Fasten. Fasten und. Beten zur Umkehr. Das vv2'iZiiV' svV'i findet eine eigenartige Bestätigung, wenn wir einen kurzen historischen Rückblick über Israels -Geschick in Parallele stellen zum Wechsel und Uebergang vom Festtag zum Alltag. Ob Israel als selbständige Nation auf eignem Boden existiert, ob es zerstreut auf dem weiten Erdenrunde unter Völkern lebt, stets und überall hat es eine heilige Mission zu erfüllen, zu sein „ein Priesterreich, ein heilig Volk", ein Gottesherold hienieden. Und immer wieder hat es vergessen diese seine Sonderstellung. wollte es bald sein und sich betätigen tnan ^22. ein Volk unter Völkern. So folgte nach kurzem Bestand auf theotratischer Grundlage die verkehrte Großmachtpolitik politischer Bündnisse, gegen die vergeblich die meisten Propheten geeifert und die zum Untergang führte. Das war, trotz Betonung des jüdischen Staatsgedankens nichts anderes als eine Politik der Assimilation, die, weil eben Israel sich nicht assimilieren darf, gewaltsam gestört werden mußte; damit, so paradox es klingt, Israel erhalten bleibe, mußte Israel untergehen. Und im Exil! In Persien und Aegypten, in Spanien und in Deutschland— sobald die Gefahr drohte, daß jüdisches Wesen durch Assimilation seine Reinheit einbüße, trat prompt eine Reaktion ein, erschienen Judenhaß, Bedrückung, Verfolgung in verschiedensten Ausmaßen- und lehrten uns Selbstbesinnung, Umkehr. T'schuwoh. aus Sterbfritz dazwischen: „Stimmt nicht, Herr Doktor, Sie sind schon einen Tag nach Ihrer Geburt katholisch getauft worden, ich aber war sieben Tage nur Deutscher und bin erst am achten Tage jüdisch geworden." Cs fetzte ein Hallo ein, daß der Redner des Abends, wie uns erzählt wird, nicht mehr weiter konnte. In den sich immer wiederholenden Lachsalven gingen feine wetteren Ausführungen gänzlich verloren. Er war geschlagen. Fauüliennachrichteu. B a r m i z w 0: Hermann Rechnitz und Frau, geb. Ehrenreich, laden zur Barmizwo-Feier ihres Sohnes Ludwig, welche (Sidroh 2ia8) 4 Uhr Nachmittags in Pretzburg, Tallergaffe 9 stattfindet, ein. Sabbat-Anfang und -Ausgang. IDÜ D2W Ort: Ans, Uhr mg Min. De 1924 tum 5684 Au Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 7 25 17: 13. 9 — Berlin .... 7 30 Mai Jjar 8 49 München . . 7 15 8 34 Köln. 7 .45 9 10 Stuttgart . . . 7 15 8 51 Breslau.... — — — — Nürnberg . . 7 — 8 44 Hamburg . . . 8 — 9 20

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