Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Völle 4 Nr. 19 Der Israelit Wendungen gegen die Kantische Lehre, den Ausspruch zu tun: „Keiner meiner Gegner hat mich in der Hauptfrage meiner Lehre so trefflich verstanden, wie der jüdische Philosoph Maimon". Nachher allerdings hat sich das Lob Kants für Maimon in einen Tadel umgewandelt. Aber es war keineswegs ein objektiver, sachlicher Tadel, denn Kant war bereits zu alt geworden, um sich in eine fremde Gedankenwelt zu vertiefen und hineinzuleben. Bekennt er doch selber in einem Briefe an Neinhold, daß er „nie recht fassen konnte, was z. B. ein Maimon mit seiner Nachbesserung der kritischen Philosophie eigentlich wolle". Daß aber hier der Jude Maimon eine über den Durchschnitt weit hinausragende, völlig originelle und zukunftstrüchtige „Nachbesserung der kritischen Philosophie" Kants geleistet hatte, dafür genügt allein nur das Urteil keines Geringeren als Fichte anzuführen. „Gegen Maimons Talent — schreibt Fichte an Reinhold — ist meine Achtung grenzenlos; ich glaube fest und bin erbötig, es zu erweisen, daß durch ihn sogar die ganze Kantische Philosophie, so wie sie durchgängig verstanden worden ist, von Grund aus umgeftoßen ist. Das alles hat er getan, ohne daß es jemand merkt und indeß man von seiner Höhe auf ihn herabsieht. Ich denke, die künftigen Jahrhunderte werden unserer bitterlich spotten". Und Fichte hat sich nicht getäuscht. In unserer Zeit ist der jüdische Philosoph Maimon, der von seinen Zeitgenossen Verkannte und Verspottete, zum neuen Leben, zu einer neuen, Liefen Wirksamkeit erwacht, die noch keineswegs erschöpft ist. Und ist es da nicht bezeichnend, zumindestens höchst beachtenswert, daß der Erneuerer der Maimonschen „Nachbesserung" Kants in unserer Zeit ebenfalls ein philosophischer Geist jüdischen Geblütes war- Niemand anderer ist es gewesen, als Hermann Cohen- Wie durch ihn, durch seine jahrzehntelang fortgesetzte Interpretation von Kants Hauptwerken der Sinn und Inhalt, der Geist und die Tragweite der Kantischen Philosophie zum ersten Male in ihrer vollen Reinheit und Tiefe offenbart worden sind, wie er — um mit Paul Natorp zu sprechen — uns erst die Augen für Kant öffnete, so ist auch bei Cohen selbst und sodann in seiner Schule, eine Anknüpfung an Maimon und die Weiterführung des Maimonschen Werkes erfolgt. In Hermann Cohen aber verband sich die Kantische Philosophie mit dem Judentums — als zwei seiner Lebenselemente — nicht nur äußerlich und gleichsam zufällig; sondern er hat es sich ganz besonders angelegen sein lassen, eine innere geistige Verbindung zwischen beiden herzustellen, sodaß sie für sein Bewußtsein fortan eine unzertrennliche Einheit bildeten- (IPZ.) MH KorrtspoMleazeii « ßad)rlcDieit- Reichskonferenz ostjüdischer Organisa ionen. Berlin, 30. April. Am 28. und 29. ds. tagte in Berlin im Sitzungssaale der Berliner jüdischen Gemeinde die stark beschickte Konferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen. Es waren ca. 150 Delegierte aus allen Zentren des Reiches anwesend. Nach Eröffnung der Sitzung durch den provisorischen Vorsitzenden der Erekutioe, Herrn Haarpuder, Berlin, der die erschienenen Gäste und Vertreter der Gemeinden und Organisationen begrüßte, nahmen die letzteren das Wort zur Begrüßung. Ganz besonders warm waren die Worte von Rabb. Dr. Hildesheimer, Vertreter der Agudas Jisroel, der den Wunsch aussprach, daß die Tagung endlich die Brücke zwischen Ost und West schlagen möchte. Als befremdend wurde empfunden, daß die Zionistische Organisation es nicht für nötig hielt, offiziell einen Delegierten zu entsenden. Nach der Wahl eines Büros und Permanenz-Ausschusses, nahm Herr Motzkin, Vorsitzender der jüdischen Delegationen, Paris, das Wort zu einem großangelegten Vortrag, in dem er die Leistungen des Verbandes für Menschheitsrechte, und den Kampf gegen den Antrjemitrsmus schilderte. Er wies auf die Notwendigkeit hin, daß das jüdische Volk im Völkerbund vertreten sei. In der Nachmittagssitzung sprach Herr V. Fett über die Lage der Ostjuden in Deutschland und die Vertretung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden. An Hand von statistischem Material wies er nach, daß z. Zt. in Deutschland nicht mehr Ostjuden als vor dem Kriege wohnen, und durchaus als nützliche Glieder im Wirtschaftsleben zu werten sind. Scharf kritisierte der Redner das Verhalten mancher jüdischer Gemeinden, die noch immer den Ostjuden wohl das Recht zum Steuerzahlen lassen, aber mit Händen und Füßen sich dagegen sträuben, die Gleichberechtigung innerhalb der Gemeinde ihnen zu gewähren. Ein weiteres Referat hielt der Sekretär des Verbandes, Herr Lin, über die Notwendigkeit der Organisation, woran sich Diskussion anschloß. ___8. Mai 1924 Die Wünsche der Reichskonferenz wurden in nachstehenden Resolutionen niedergelegt. _ 1. Die Reichskonferenz der Ostjuden in Deutschland erkennt die dringende Notwendigkeit eines festen und dauernden Zusammenschlusses des gesamten Ostjudentums in Deutschland zur Wahrung seiner rechtlichen, sozialen und kulturellen Interessen an. Sie erblickt in dem „Verband ostjüdischer Organisationen Deutschlands" die berufene Repräsentanz des gesamten Ostjudentums. t 2. Die Reichskonferenz der Ostjuden in Deutschland weist darauf hin, daß sich das in Deutschland lebende Ostjudentum in keiner Weise in die politischen Verhältnisse Deutschlands einmischt, lediglich die Wahrung seiner rechtlichen Interessen erstrebt, und an der deutschen Wirtschaft produktiv mitwirkt. Die Konferenz erhebt schärfsten Protest gegen die gewissenlose Hetze gegen Ostjuden in verschiedenen Teilen des Reiches, deren Urheber vor keiner Entstellung und Fälschung der objektiven Tatsachen zurückschreckt. Die Konferenz erwartet, daß keinerlei Ausnahmebestimmungen im Reiche und in den Ländern gegen Ostjuden erlassen werden. 3. Die Reichskonferenz der Ostjuden in Deutschland erhebt feierlichen Protest gegen die in verschiedenen Ländern vorgekommenen Pogrome und Verfolgungen, die eine Kulturschande und ein Hohn auf die elementarsten Grundsätze der Menschlichkeit sind. 4. Die Reichskonferenz fordert die Exekutive auf, dafür Sorge zu tragen, daß der Verband ostjüdischer Organisationen Deutschlands in der Welthilfskonferenz vertreten ist. 5. Die Konferenz steht auf dem Standpunkt der Solidarität des gesamten Judentums und fordert deshalb die volle Gleichberechtigung der ausländischen mit den inländischen Juden innerhalb der jüdischen Gemeinden. Sie protestiert gegen die Schmälerung der Rechte der Ostjuden in manchen jüdischen Gemeinden, und fordert sofortige Abstellung. 6. Die Reichskonferenz erachtet es als eine heilige Pflicht aller Richtungen des Judentums, zusammen mit der jüdischen Arbeit in den Golusländern, entsprechend ihren Grundsätzen, an dem Ausbau Palästinas mitzuwirken. 7. Die Reichskonferenz erachtet es für notwendig, daß der Verband ostjüdischer Organisationen in engster Anlehnung an die berufenen Organisationen der deutschen Juden die Interessen der Ostjuden wahrnimmt, und dankt diesen Organisationen für ihre geleistete Arbeit. Sämtliche Resolutionen wurden einstimmig angenommen, und erklärten die Delegierten aller Vereine, Chewras, Talmud-Thoras ihren sofortigen Beitritt. Die Statuten fanden Annahme. glücklich, vor allem nicht, wo sie pastoral wird oder wo sie den Versuch wagt, Schosartöne wiederzugeben. Dr. H. Selka (Darmstadt.) Palästina auf der britischen Reichsausstellung in Wembley. Die palästinensische Regierung hat für die britische Reichsausstellung eine sehr umfassende Sammlung vorbereitet, die ein Bild von dem Leben des Beduinen und des primitiven arabischen Fellachen geben soll. Andererseits wird die palästinensische zionistische Exekutive die letzten Produkte jüdischer Arbeit zur Schau stellen. Es werden dort primitive Pflüge, Ochsenjoche, Eetreideschwingen, altertümliche Saatgeräte, Ziegenhaarsiebe, Sattelzeug für Kamele und sonstiges zu sehen sein. Das Getreide wird durch vielerlei Weizenarten, die bekannte Gaza-Gerste usw. vertreten sein. Baumfrüchte werden in allen Arten zu sehen sein. Besondere Aufmerksamkeit ist auch dem in Palästina produzierten Tabak zugewandt worden, da der Tabakanbau den jüngsten Entwicklungszweig der Landwirtschaft des Landes darstellt und eine bedeutende Industrie zu werden verspricht. Es werden auch interessante Ergebnisse von Versuchen in der Seidenraupenzucht gezeigt werden. Die palästinensische Wein- und Handelsgesellschaft stellt „Palwin"-Weine aus den mit Hilfe des Baron Edmond de Rothschild erbauten Keltern von Rischon-le-Zion aus. Die Cooperative Gesellschaft der Orangen-Pslanzer „Pardeß" wird als beste Orangenart gerühmte Jaffa-Orangen ausstellen. Erwähnenswert ist noch die Ausstellung der beiden modernsten Unternehmungen des Landes, der Grands Moulins de Palestine einer großen, modernen Mühle in Haifa mit einer Leistung von etwa 50 tons täglich, sowie der Palestine Oil Company „Schemen" Ltd. aus Haifa, die Oel- und Seifenprodukte ausstellen wird. Von palästinensischen Hölzern werden aus Olivenholz hergestellte Gegenstände gezeigt werden und besonders aus weißem Eukalyptusholz verfertigte Möbel. Im ganzen sind die Holzquellen Palästinas durch die Vernachlässigung des Baumbestandes während des türkischen Regimes ziemlich kärglich. Auch die industrielle Entwicklung wird an Hand von Diagrammen, Plänen und Photographien, einer Darstellung des Stauwerks des Jordan durch die Palestine Electric Corporation, die für die Bewässerung und Versorgung Palästinas mit elektrischem Strom sorgt, gezeigt werden. Eine Ausstellung der Regierung zeigt wieder das Eisenbahnnetz und die ausgezeichneten Straßen. Auch sind geologische und statistische Tafeln zu sehen. Weiter sollen Kunst und Handwerk des Landes von ihren Anfängen an gezeigt werden. Die malerischen jemenitischen Kunsthandwerker werden ihr Handwerk vor den Augen des Publikums betreiben. Die Pro-Palästina-Gesellschaft wird Muster der Jerusalemer Töpferkunst zeigen. Auch ein Modell des salomonischen Tempels und des Stiftzeltes werden zu sehen sein und durch Vorträge erläutert werden. Ein besonderes Handbuch und ein Touristenführer mit vielen Uebersichten wird zur Verteilung unter den Besuchern der Ausstellung hergestellt. Familiennachrichten. Barmizwo: Hans Hermann Loewenthal, Sohn des Herrn Isidor Loewenthal, Grünestratze 40. Synagoge Friedberger Anlage. 10. Mai. — Jsakr, Sohn des Herrn Simon Cohn, Börnestratze 12. D’iznp. Synagoge Friedberger Anlage. Wochenkalender. 10. — 17. Mai 1924 , 8. - 13. Jjor 8684 Samstag Mai 10 tpEnp 6 Sonntag 11 7 Montag d 8 Dienstag d 9] Mittwoch 14 10 Donnerstag 15 11 'V'VN Freitag 16 12 Samstag 17 13 Sabbat-Anfang und -Ausgang. □■>bhp na» Ort: Ans« Uhr mg Mitt. Dc 1924 tum 5684 Au Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 7 15 10. 6. 8 50 Berlin .... 7 30 Mai Jjar 8 35 München . . . 7 15 8 24 Köln. 7 40 9 — Stuttgart . . . — — — — Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 — 8 32 Hamburg ... 7 60 9 05