Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit vtr. 19 Seite 5 8. Mai 1924_ Als Organe des Verbandes sind bestimmt: 1. Reichs- Konferenz, 2. Zentral-Komitee, 3. Exekutive. Der Sitz befindet sich in Berlin. - Alldeutsche Wahlparole: Austreibung der Ostjuden, Einziehung ihres Vermögens. Berlin, 2. Mai. Unmittelbar vor den Wahlen in den Reichstag veröffentlicht das Berliner Organ der alldeutschen „Deutsche Zeitung" unter der Ueberschrift „Vergeht die Ostjuden nicht bei der Wahl!" einen Ausruf an die Wähler, in welchem gesagt wird: „Wir wollen es nicht vergessen, daß diese Reichstagswahl am 4. Mai wieder die Ostjudenfrage in ihrer ganzen Bedeutung für uns aufrollen muh. Jetzt können wir uns eine Regierung wählen, die endlich diese Schmarotzer zum Lande hinausjagt. Die genau die Einbürgerungen überprüft und dafür sorgt, daß die von den Juden aufgehäuften Schätze noch rechtzeitig vor Abzug beschlagnahmt werden . . . Diese Wahl wird völkisch und national aussallen und damit dem Ostjudenparadies auf deutschem Boden ein Ende bereiten." Zum Schluß wird das Märchen ausgetischt, daß -ein jüdischer Bankdirektor an der Heerstraße (nähere Angaben werden nicht gemacht), die Zimmer seiner neuen Villa teils mit Gold-, teils mit Silberplatten tapezieren läßt. (I. T. A.) Eine zionistische Schreckenstat bei den Kehiila- Wahlen. W a r s ch a u, 30. April. Dem „Jud" wird aus Jendrezow bei Kielce gemeldet, daß dort am letzten Pessachtage ein siebzehnjähriges Mitglied der „Zeire Emune Jisroel" von zionistischen Parteigängern überfallen und mit Eisenstangen derart mißhandelt wurde, daß er starb. Es herrscht unbeschreibliche Aufregung über die Schreckenstat, die man als unmittelbare Folge der vom Abg. Grünbaum ausgegebenen Wahlparole: „Ein T o d e s st o ß für die Orthodoxie" ansieht. Die I. T. A. läßt sich das Vorkommnis in folgender Form melden: In dem Städtchen Jendrzejow, Distrikt Kielce, hat ini Verlaus der Propaganda aus Anlaß der bevorstehenden jüdischen Gemeindewahlen ein Kampf zwischen Zionisten und Agudisten stattgefunden, wobei ein Mitglied der Aguda, Jihchok Werdiger, getötet wurde. Der .Massiver Rebbe". Warschau, 1. Mai. In Rzeszow verstarb der Chassidim-Rabbi Z w i E l e m e l e ch S ch a p i r a, bekannt in einem weiten Kreis unter dem Namen der „Bloschewer Rebbe". Der Verstorbene entstammte einer weltberühmten Rebbefamilie und galt als großer Thoragelehrter. Er erreichte ein Alter von 82 Jahren. Bei Kriegsausbruch flüchtete der Rabbi nach Budapest, wo er große Verehrung genoß und selbst von der ungarischen Regierung, die sich damals nicht gerade judenfreundlich auszeichnete, mit großer Achtung behandelt wurde. Die Beteiligung bei der Beerdigung war eine ungeheuere. Aus allen Teilen Polens und Galiziens strömten die Verehrer herbei, um ihrem Führer das letzte Geleite zu geben. Die Wahlagitation in der Provinz. Warschau, 3. Mai. Die Wahlen für die jüdischen Gemeinden beschäftigen nun auch die Provinz sehr lebhaft. In K a l i s ch ist es gelungen, alle Religiösen, Chassidim und Misnagdim, zu einem Block zu vereinigen, der einen vollen Sieg der Orthodoxie garantiert. Ein ähnlicher Block der Gcsetzestreuen kam auf Initiative der Aguda in K u t n a zustande. In D o m b r o w o , wo 12 Ratmänner und ebenso viele. Stellvertreter zu wählen sind, sitzen in der aus 11 Mitgliedern bestehenden Wahlkommission 6 Vertreter der Aguda. In Tarnopol, Ostgalizien, sitzen in der Wahlkommission ebenfalls 6 Agudisten. Die Aussichten für die Orthodoxie sind überall gut. Ein Wahlschrvindel. Jerusalem, 20. April. Eine Wahlmäche gröbster Art, darauf hinausgehend, Verwirrung in den Kreisen der Orthodoxie anzurichten, konnte noch rechtzeitig abgewehrt werden. Von einer unkontrollierbaren Stelle wurden Wahlen für ein „Komitee der aschkenasischen Gemeinde" ausgeschrieben und eine Wahlagitation angeleitet, von Männern, die es nicht einmal wagten, die Sache mit ihrem . Namen öffentlich zu decken. Eine rechtzeitig vom Rabbrnate Sonnenfeld ergangene Warnung bewirkte es, daß die ganze Aktion ins Wasser fiel. Die Beteiligung war lächerlich gering. Es nützte den Herrn nicht, daß sie die Schlepper mit der Wahlurne von Haus zu Haus gehen ließen und auch Sephardim, selbst minderjährigen Kindern ad hoc das Wahlrecht erteilten. Verschollene jüdische Soldaten der türkischen Armee. Jerusalem, 23. April. Oberrabbiner Meir und Rabbiner Z. P. Frank besuchten den Oberkommissar Sir Herbert Samuel und erörterten mit ihm die Frage der „Agunoth". In Palästina leben über hundert Agunoth, deren Männer während des Krieges in der türkischen' Armee gedient hatten und seither vermißt sind. Sir Herbert Samuel versprach den Rabbinern, sich an den britischen Gesandten in Konstantinopel zu wenden und ihn zu bitten, von der türkischen Regierung genaue Informationen über das Schicksal der vermißten Männer einzuholen. (I. T. A.) * Aus aller Welt. Amerika. Oberrabbiner Kuck ist vom Präsidenten der Vereinigten Staaten in feierlicher Audienz empfangen worden. Der Präsident sagte, die amerikanische Regierung werde die Errichtung einer jüdischen Heimatstätte in Palästina in jeder Weise fördern. Belgien. Am 29. April ist hier in Anwesenheit von 80 Delegierten der erstte Weltkongreß der jüdischen Studentenorganisationen eröffnet worden. Polen. Der oberste polnische Gerichtshof hat neuerdings durch eine Entscheidung festgestellt, daß die aus der Zarenzeit stammenden antijüdijchen» Beschränkungen als durch die Verfassung aufgehoben zu gelten haben. Gegen Entscheidungen der unteren Instanzen, die sich aus jene Verordnungen stützen ist Berufung einzulegen— „Tarbuth" veranstaltet zurzeit hier eine hebräische Buchausstellung, in der die in den letzten zehn Jahren erschienenen hebräischen Werke und Zeitungen gezeigt werden. Rumänien. Die Hauptsynagoge in Jassy ist am 22. April einem Brande zum Opfer gefallen; die Thorarollen wurden gerettet. — An der Universität Czernowitz fanden schwere Zusammenstöße jüdischer und deutscher Studenten statt. — In Hermannstadt ereigneten sich am ersten Pessachabend judaenfeindliche Ausschreitungen. — In dem fast ganz jüdischen Marmaros-Sziget fand eine jüdische landwirtschaftliche und Handwerksausstellung statt. Tunis. In den Peßachtagen hat in der Nähe von Tunis ein Pogrom stattgefunden, wober viele Juden verwundet und jüdische Häuser demoliert wurden. Personalien. Alzenau, 4. Mai. Im Kreise ihrer Kinder feiert in voller Rüstigkeit Frau Babette Marx geb. Frank ihren achtzigsten Geburtstag. Briefkasten. H. L. Homburg/Saar. IM Frs. eingegangen und dem 311)6111 Angeführt. Lehrer ©. H., Neunkirchen. Mb. 3.20 eingegangen. Frs. nicht erhalten. M. K. Stratzdurg. Frs. 15 eingegangen. I. V. in Reinheim. Nach Einlösung der Nachnahme ist das Abonnement bis 1. Oktober bezahlt > M. K. Belke Topolcany Kr. 60 gutgeschrieben. Sie schulden uns noch bis 31. Dez. 1924 Kr. 40. Famtltennachrichten. Barmiziv o (mxa *ia): Josef, Sohn des Herrn Simon Grabowski, Posen, Mostowa 39. (Sidro ivrr) (17. Mai) i->-»k y'% Frankfurter Berichte. m» Abend spricht Herr Dr. S. Ehrmann über 'pa uls» (später über rm ub.w), für die übrigen Abende sind als Referenten gewonnen die Herren Michael Cohn, Dr. I. Adler, Dr. W. Hofmann, Leopold Oppenheimer und Gerson Schnerb. - Aus der jüdischen Gedankenwelt. Vorigen Donnerstag begann Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer seinen Zyklus: „Aus der jüdischen Gedankenwelt". Der sehr starke Besuch ließ erkennen, wie sehr der Mekor Chajim mit Einrichtung dieser Abende einem Bedürfnis unserer Mitglieder nachkam, und wie gerade Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer der richtige Mann für dieses Thema ist. In gewohnter meisterhafter Weise zeigte er einleitend, was Weltanschauung im allgemeinen und jüdische Weltanschauung rm speziellen ist. — Nicht die Reihe der Veranstaltungen des Vereins um eine neue zu vermehren sei der Zweck dieser Abende, sondern nur der Durst und Hunger nach Erkenntnis echt jüdischer Lebensanschauung kann ihn weiter veranlassen, diese Abende beizubehalten. Der erste Abend hat, so glauben wir, reichlich dargetan, daß dieser Durst vorhanden und daß der Vereins"» “npa auch alle den Durstigen v"n trti ’Va im zu reichen imstande ist. So. hoffen und wünschen wir, daß auch dieser Zyklus zum Segen für alle, die sich daran beteiligen, wird, und Referent und Hörer auf ihre Kosten kommen werden. Liwjath Chen-Verein. Nach einer Pause infolge der Festsabbate und der Droscho des Herrn Rabbiner finden von diesem Sabbate an die Midraschvorträge des Liwjath- Chen-Vereins wieder regelmäßig allsabbatlkch nach Mincho im Hörsaale Friedberger Anlage statt. Synagogale Musik. Donnerstag, den 22. Mai (»visu r"i>), abends 8 Uhr, spricht im kleinen Saal des Saalbau Herr Mar Neumann über: „Der synagogale Gesang in seiner hi st o rische nEntwicklu ng". Hierbei wird der Referent die alte Institution der „Meschorarim" praktisch vorführen. Umrahmt und musikalisch illustriert wird der Vortrag durch Gesangseinlagen des Herrn Oberkantor Groß und eines aus ausgesuchten Kräften zusammengesetzten Chors. .Es kommen ausschließlich Gesänge von den annu v'»' zu Gehör und zwar solche, die hier nicht eingeführt sind. Eintrittskarten sind erhältlich bei B. Firnberg, Musikalienhandlung Schillerstraße, sowie in den Buchhandlungen von Hofmann, Sänger u. Friedberg, Bergmann und an der Abendkasse. Vereinskalender. (Wegen Raummangels verkürzt.) Serein Mekor Hhajirn. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. l'/iUhr (Hörfaal) „Mikro"; Herr Dr. W. Hofmann. — 1 Stunde vor Nacht „Midrasch"; Herr Rektor Falk. Sonntag und Mittwoch nach Schluß der Synagoge DE>n muD; Rerr Red. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9'UUfjr undDienstaglStunde vor „Mmcho" „Gemoro"; HerrR. A.G. Posen. Montag und Mittwoch abend 7Uhr „Gemoro", Herr Rabbiner Dr Josef Breuer. Donnerstag abend 83U Uhr im Dereinslokale „Aus der jüdischen Gedankenwelt": Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Dienstag und Freitag morgens nach Schluß der Synagoae „Mifchna"; Herr Rektor Falk, an anderen Tagen Mitgliederlernen. Allabendlich abends 83/4 Uhr Schaß-Lernen; Herr Herz Holpern. Jahrzeits-Stiftungen: Montag, Helene Mayer geb. Bloch-Stiftung. Agudas Aisroek-Iugendgruppe. Allabendlich V* Stunde vor Nacht Omerlernen. 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