Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 18 Der Israelit 1. Mai 1824 „War auch der „Becher Elias" ba?" fragte eine der Kleinen. „Natürlich. Hier hält sich Elia länger als sonstwo auf. Denn von hier hat er Moschiach mehr zu berichten als von tausend Häusern auf seinem Erdenrundgang." „Und hier laufen Einleitung und Ausklang des „Ho lachmo" zusammen. Je mehr Elia, Moschiachs Bote und Schrittmacher, von Licht und Hiebe auf Erden erzählen kann, je näher die ersehnte Erlösung . . Sch. Personalien. Zum 200. Todestag von Lemke Mofes Hhetnganvm Mannheim. 10. April. Auster der Reihe der kalendarischen jüdischen Feiertage hatte sich am Donnerstag, 3. April T©a nr> 5684 in der festlich beleuchteten Synagoge der Lemle Mofes-Klausstiftung eine ansehnliche Gemeinde versammelt. Es galt der Erinnerung an den 200. Todestag des Gründers der Klaus, Lemle Moses Rheinganum. Zu den fast vollzählig erschienenen. Angehörigen der Klaussynagoge hatten sich als Ehrengäste Mitglieder der Landessynode und des badischen Oberrätes, und eine größere Abordnung der Gemeindevertretung und des Synagogenrats eingefunden. In weihevoller Stimmung wurde der Festakt mit dem Minchagebet eingeleilet, nach dessen Schluß der Präsident der jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Julius Moses, zu erhebenden Ausführungen das Wort ergriff. Cr sagte u. a.: Lemle Moses Rheinganum, der die Klaus in einer Zeit gründete, in der die deutschen Juden unter Zurücksetzungen und polizeilichen Schikanen litten, gehörte zu den Männern, denen die Tradition am Herzen lag. In diesem Mannheim, das damals ein neues Jabneh werden sollte, feiert man heute nach mehr als 200 Jahren die großzügige Tat dieses Mannes mit der tiefen Demut und Frömmigkeit, weil aus der Klausschule Lehrer und Schüler heroorgegangen sind, deren jüdisches Wissen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus befruchtend gewirkt hat. Die Gemeindeverwaltung war ursprünglich zum Oberoyrmund der Stiftung bestimmt, und an erster Stelle ist der Vorsteher Elias Hayum zu nennen, der in Zeiten der Not die Klausstiftung vor dem Zusammenbruch gerettet hat. 1691 ging die Verwaltung der Klaus auf.den Synägogenrat über. Im Weltkrieg hatte die Klaus eine harte Probe zu bestehen. Den umsangreichen Bemühungen des Synagogenratsvorsitzenden. Herrn Mar Goldschmidt, dessen Vorschlägen die Gemeindevertretung immer ein williges Ohr lieh, war es zu verdanken, daß für die Erhaltung der Klausinstitütionen gesorgt und damit auch gleichzeitig die Einheit der Gemeinde gefestigt wurde. Redner gelohte zum Schluß, alles zu tun, um das kostbare Kleinod der Klaus, dessen hervorragende geistige Führung heute in den bewährten Händen des Herrn Rabbiner Dr. Unna liegt, zu hüten und erbat für es Gottes Schuh und Segen. Nach Rezitation des Psalmes 112 würdigte Herr Rabbiner Dr. Unna in der großangelegten Festpredigt die Verdienste Rheinganums. Wäre uns nichts über die Persönlichkeit Rheinganums überliefert worden, — sein Werk würde genügen, uns den Wert dieses Mannes begreiflich zu machen. Er hat ein Lehrhaus gegründet auf den Säulen von Tauroh, Avaudo und Gemilus chasodim, jenen drei Dingen, in deren Vereinigung sich das jüdische Kulturideal, der jüdische Mensch offenbart. Lemle Moses Rheinganum, der Mann der Tat, mitten im Leben stehend, benutzte seine. einflußreiche Stellung dazu, als Sachwalter der jüdischen Interessen aufzutreten. Das von ihm gegründete Gotteshaus sollte auch Lehrhqus sein, die Frömmigkeit muß im Wissen verankert sein. Cr hatte das dem jüdischen Volke Notwendige erkannt! Sein Geist, der in seiner Tat zum Ausdruck kommt, möge uns voranleuchten. Alsdann sang der gutgeschulte Klauschor unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Herrn Bodenheim und unter der vorzüglichen Mitwirkung des Herrn Oberkantors Epstein den Schluß des Psalms 16 in vollendeter Schönheit. Das Maarivgebet beschloß die eindrucksvolle Feier. Dr. W. Elafar Prives Warschau, 7. April. Sonntag nacht verstarb in Warschau im. Alter von 73 Jahren der langjährige Deputierte und Vizepräsident der Warschauer Gemeindeverwqltung, Elasar Prives. Er war auch Mitbegründer unzähliger philantropischer Institutionen und gesellschaftlicher Organisationen. Dabei führte er ein Haus, das sich auszeichnete durch schlichte jüdische Frömmigkeit und in dem die Thoralehre heimisch war. Ein Sohn des bekannten Rabbi Jesajas Prives, hatte er die Traditionen des väterlichen Hauses fortgesetzt und ausgebaut in efner Weise, die seinen Namen durch alle Lande trug. Es gab im letzten halben Jahrhundert kaum eine Hilfsaktion in Rußland, an der der Verstorbene nicht kräftig mitgearbeitet hätte. Bei allen Delegationen nach Petersburg war er vertreten und in allen Komitees für die Pogromopfer ufw. war seine Mitwirkung segensvoll zu spüren. Jahrzehntelang saß er in der Gemeindeverwaltung als Führer derer, die erst mit schwachen Mitteln den Kampf gegen die Assimilation führten. Sehr am Herzen lagen ihm die Interessen der Talmud Thoras, aber auch aller anderen religiösen Institutionen. Groß waren die Verdienste des Verstorbenen für die Organisation des Warschauer Nabbinats. Gegen die Versuche der Gemeindeverwaltung. Prives mit aller Kraft, und die Sache hatte ihn dermaßen verärgert, daß er zuletzt die Gememdestube jJ&et hävpt mied- und sich nur dann, wenn es galt, wichtige religiöse Interessen zu vertreten, blicken ließ. Prives Oar auch Vertrauensmann ausländischer Hilfsorganisationen. Die Bestattung ging am Montag mittag unter Teilnahme von ungezählten Tausenden vor sich. Im Namen der Gemeinde und des Rabbinates sprach an der Bahre der Senior der Rabbiner Rabbi Perlmutter und für die Gemeindeverwaltung Rabhi Eh. I. Gutschächter. Sämtliche jüdische Abgeordnete und Senatoren sowie auch Vertreter städtischer Behörden waren anwesend. Groß war auch die Zahl der Vertreter hiesiger und auswärtiger philanthropischer Institutionen. Die Beerdigung dauerte bis in die späte Abendstunde rraxan Leipzig, 10. April. Herr Oberlehrer Dr. Elias verläßt demnächst unsere Stadt, um der ehrenvollen Berufung als Direktor der Realschule in Fürth Folge zu leisten. Als Zeichen der Dankbarkeit für ihren scheidenden Dozenten hatte die A. J.-Mädchengruppe am Montag Abend zu einer Feier in der Aula der israelitischen Schule eingeladen, die in geistiger und leiblicher Beziehung der Genüsse gar mannigfaltige bot. Nachdem zunächst Herr Dr. Elias feine 12 Jahre hindurch dem Verein gewidmete Lehrtätigkeit durch einen wissenschaftlichen Vortrag beschlossen, sprach Frau Steinmarder namens der Hörerinnen deren herzlichen Dank für die ihnen trotz manchmal widriger Verhältnisse gewahrte Treue aus. Herr Oberlehrer Dr. Hallemann überreichte mit geistreichen Thoraworten einen wunderschönen 2p?» i'v Ein ehemaliger Schüler übermittelte das Treuegelöbnis der Jugend, die — vollzählig erschienen — das ihrige zur Festesstimmung beitrug. Erst in vorgerückter Stunde trennte man sich mit den besten Zukunftswünschen für den Scheidenden, dem '"vn auch in seinem neuen Wirkungskreise bbsn nabV nrtfam nana verleihen möge. Bürgel bei Oftenbach, 14. April. Die Gemeinde Bürgel a. M. wird im Lause dieses Sommers noch auf ihr 100 jähriges Bestehen zurückblicken. Die Gemeinde wird diesen Tag festlich begehen. Im Kreise Oftenbach befinden sich noch einige israelitische Gemeinden, die überhaupt schon lange bestehen. Die kleine Gemeinde in Heusenstamm wurde gleich nach dem 30 jährigen Krieg gegründet, wie das Memorbuch ausweist. Eine alte Gemeinde ist auch Weiskirchen und ferner Dietzenbach. Auch in dem Rodgaugebiete befinden sich noch einige kleine Gemeinden, die sich zum Teil zum orthodoxen Standpunkte bekennen. Mayen (Rheinld.), j. April. Am 1. April waren es 25 Jahre, daß Herr Lehrer L e o i in den Schuldienst trat. Nach seiner Tätigkeit in einigen westfälischen Gemeinden wurde er im Jahre 1910 in unsere Gemeinde berufen, wo ev einen vielseitigen Wirkungskreis fand. Am verflossenen Schabbos würdigte in der festlich geschmückten Synagoge nach-dem Einheben der Vorsteher die Verdienste des Jubilars um Schule und Gemeinde, worauf Herr Lehrer Levi in einer kurzen Ansprache erwiderte. Nach Schluß des Gottesdienstes gratulierten Vorstand und Repräsentanz in der Wohnung des Jubilars, wobei ihm ein hübsches Geschenk überreicht wurde. Möge es dem verehrten Lehrer, der sich in seiner Gemeinde, bei seinen Berufskossegen und in den weitester Kreisen der Bürgerschaft der größten Wertschätzung erfteut, vergönnt sein, noch lange Jahre segensreich in unserer Gemeinde zu wirken. Wiest, 1. April. Der Bethaus-Verein „Montefiore" hat für seine Synagoge, in der stets die hervorragendsten Schüler der Preßburger Jefchiwah amtierten, Rabbiner Türt P e r i tz nach einem Probevortrage einstimmig zum Rabbiner gewählt. Rabbiner Peritz hat seine rabbinischen Studien in Preßburg abgeschlossen. Vermischtes. Berlin, 4. März. Der Verein der Zniner hielt am 3. März 1924 im Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde, Rosenstr. 2—4 eine Mitgliederversammlung ab; Herr Arthur Danziger hielt einen Vortrag Über: „Das Purimfest, der Antisemitismus und die jüdische Sittenlehre". Durch die fesselnden Ausführungen gelang es dem Redner, die Versammlung während des dreiviertelstündigen Vortrages in seinen Bann zu zwingen. Der Vortragende sprach von den Symptomen des Purimfestes, von dem Antisemitismus einst und jetzt und von der Ethik des Judentums. Er gelangte zu dem Schluß, daß „die Anfeindungen von Seiten der Antisemiten unberechtigt sind. „Ein im Sinne und im Geiste des Judentums lebender Jude ist und muß immer ein guter Mensch sein". Herr Danziger, der in der bekannten orthodoxen Wolfs Ez'chajim-Synagoge lernt und lehrt, konnte sich am Schlüsse des Vortrags für den rauschenden Beifall der zahlreichen Zuhörer bedanken. „ , r_—__ „___etn* emen modernen Oberrabbiner anzustellen, stemmte sich senden zu wollen. Groß-Vieberau, 18. April. Vom Unabhängigen Verein israelitischer Lehrer im Großherzogtum Hessen wird uns geschrieben: Nach Beschluß des Vorstands beträgt der Jahresbeitrag für . den unabhängigen Verein israelitischer Lehrer im Volksstaat Hessen fünf Mark. Die Mitglieder werden ersucht, diesen Betrag bis spätestens 1. Mai ds. Js. an Herrn Sylzbacher in Groß-Bieberau (Postscheckkonto 11480 Frankfurt) Cassel, 31. März. Es wurde hier eine jüdisch« Wochenschrift für Cassel und Hessen, resp. -es Landesrabbinatsbezirks Cassel gegründet. Die Zeitung soll ein Niederschlag des geistigen Lebens der Tasseler Gemeind« bilden, deren spezielle Fragen Gegenstand einer ständigen lebhaften Aussprache sein werden. Am 10. März 1924 hielt Herr Leo Munk, Köln, hier einen §ut besuchten Vortrag über „Auf. gaben der gesetzestreuen Jugend", dem sich eine lebhafte Debatte anschloß. Gr führte in fesselnder Weise aus, daß die Grundmauern, auf denen das Judentum basiert: „Tauroh, Awaudoh und Gemilus chefed" feien, gab uns einen kurzen Bericht über die Halberstädter Tagung, und belehrte uns über die Wichtigkeit des Käufer nefefch ufw. Köln, 27. April. Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) gibt bekannt, daß gelegentlich der am 11. Mai beginnenden Kölner Messe auf dem Messeplatz ein rietuelles R e st a u r a n t eingerichtet wird. Dasselbe steht unter der Aufsicht des Rabbinats der Synagogengemeinde Adaß Jeschürun, Köln. Leer (Ostfrsld.), 16. April. Hier haben sich einige Baal-ha-Battin zusammengefunden und einen Schiur gebildet, welcher wöchentlich unter Leitung unseres Herrn Lehrer Popper abgehalten wird. Es wird vorläufig Mifchnajos und Kizur-Schulchon oruch gelernt. Gr ist ansfchlietzkich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefetzlichen Charakter» auf ihre Zuver. läsfigkeit zu prüfen. Oie allerletzten Modeschöpfungen Kostüme Mantel Kleider Hüte Kopien nach den letzterschienenen Original-Mo dessen in besonders vorteilhaften Preislagen. Sonder - An0eb.pt! REGEN-MANTEL Barberry und gummierte Stoffe Mark 69.— 49.— : 39^" GRUDEN Gas- und Kohlenherde Komb. tierde Transport. Kachelöfen Horsf kotier, Knodt & C? Am Eschenheimer Tor 3 :: Tel. Hansa 683J BAD HOMBURG Louisenstraße 16 Elisabethenstr. 49 (am Markt) Telefon 297 (am Kurgarten)