Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-05-01 · Heft 18 (1.5.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 18 (1.5.1924)
Date
1924-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450303--71229-2528531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

ittr. 18 Seitt b „ot, äobei M Ho,W«i f-ldft Mt Jüb-n off«. kt» Moalmord« befchoWt«,. Alb-i «f»«m der ZM» ein verletzter Finger feftgeftellt würde, nahm man dies zu Protokoll als einen Indizienbeweis für den vollbrachten Ritualmord. Verschiedenerlei Zeugen meldeten sich, di« dies und jenes wahrgenommen haben wollten. Inzwischen wurde das vermißte Mädchen entdeckt, das in einem Haus in der benachbarten Gasse die Fenster putzte. Gegen die Urheber der Hetze und die „Zeugen" wurde vor Gericht Klage erhoben. Aus einigen anderen polnischen Städtchen werden ähnliche Vorkommnisse gemeldet. (I. T. A.) Stampf der Bukowiner Juden um ihr Staatsbürgerrecht. Czernowitz, 24. März. Wiederholte jüdische Massenversammlungen im hiesigen Rathaus nahmen in energischer Weise Stellung gegen das neue Judenentbürgerungsgesetz in Rumänien. Dr. Weiselberger führte aus, während in anderen Ländern an die Lösung sozialer und wirtschaftlicher Fragen herangetreten wird, müssen die jüdischen Bürger Rumäniens noch um ihre primitivsten Rechte kämpfen. Dr. Ebner wies als Jurist nach, daß das neue Gesetz sich in eklatantem Widerspruch mit dem Friedensvertrage, aber auch mit den Verordnungen und Dekreten der Regierung und des Königs befinde. Nunmehr stehe die Entbürgerung und Landesverweisung vieler tausender Inden bevor. (I. T. A.) Die galizischen Ukrainer und das Krim-Projekt. — Drohungen des „Dilo". Lemberg, 28. März. Das führende Organ der Ukrainer in Galizien, „Dilo", protestiert in schärfster Form gegen die projektierte jüdische Kolonisation in der Krim. Die Verwirklichung dieses Planes, schreibt die Zeitung, ist nur mit Unterstützung der Mächte und hem Einfluß des Weltjudentums möglich. „Wenn die Juden den Plan verwirklichen und die Krim wirklich ein jüdischer Staat wird, werden die Söhne des auserwählten Volkes zwei Vaterländer (!) haben— das eine an den Ufern des Schwarzen Meeres, das andere an den Ufern des Mittelmeeres. Dem wird sich das ukrainische Volk mit allen in seiner Macht befindlichen Mitteln entgegensetzen, denn ein jüdisches autonomes Gebiet oder ein jüdischer Staat in der Krim und Südrußland ermöglicht es den Juden, den einzigen Zugang der Ukraine zum Meer zu blockieren. Wenn die Juden unseren Protest ignorieren und den Plan annehmen, umso schlimmer für die Juden in der Ukraine!" Henry Ford dementiert, der Verfasser des Buches „Der internationale Jude" zu sein. Bern, 13. April. Auf die direkte Anfrage des Herrn Josef Messing er ln Bern bei Mr. Henry Ford in Dearborn, ob Henry Ford selbst auch wirklich der Verfasser des so stark verbreiteten Buches „Der internationale Jude" sei, läßt Henry Ford durch die Redaktion seines Blattes, in welchem die in Frage stehenden Artikel zuerst erschienen sind, in einem Briese an Herrn Messinger mitteilen, daß er keinesfalls der Verfasser des genannten Buches sei und daß die Redaktion seines Blattes „The Dearborn Independent" die Artikel gesammelt und herausgegeben hat, die dann später in Buchform in Amerika und dann in Leipzig (Hammerverlag) erschienen sind. Erleichterungen für Rabbiner in Rutzland. Riga, 23. April. Einer der Führer der lettländischen Orthodoren erhielt ein. Schreiben eines Rabbiners im Gouvernement Poltawa, in welchem die Meldungen der ausländischen Presse über neuerliche religiöse Verfolgungen in Rußland bestritten werden. Der Rabbiner schreibt, wenn auch die Chedarim offiziell nicht anerkannt werden, ist' es doch den Melamdim unbenommen, kleine Kreise von Schülern zu unterrichten. Rabbiner und andere Ritualbeamte sind von Steuerleistungen befreit. Letzthin ist den Rabbinern wieder gestattet worden, Antworten auf Kaschruthfragen zu erteilen und auf Grund der Thora- ._Der Israelit_ gesetze Urteile (Din-Thora) herauszugeben. Staatliche Läden und Fabriken, in denen die Mehrzahl der Arbeiter Juden sind, bleiben an den Sabbattagen geschlossen. (I. T. A.) _ Die ukrainische Sowjetregierung stimmt dem jüdischen Kolonisationsplan zu. Kiew, 28. April. Die ukrainische Sowjetrepublik hat dem Plan der jüdischen Massenkolonisatton in der Ukraine und der Krim ihre offizielle Genehmigung erteilt. Die Genehmigung wurde in die Form eines Beschlusses gekleidet, der von der ukrainischen Sowjetregierung zu einer Sitzung gefaßt wurde und der folgendermaßen lautet: Als eine Folge der Bedrückungsmatznahmen des früheren zaristischen Regimes, das die Juden daran hinderte, sich auf dem Lande yiederzulassen und die Landwirtschaft zu pflegen, befindet sich die jüdische Bevölkerung in einer außerordentlichen sozialen und ökonomischen Stellung. Da es jetzt ungefähr 8.00.000 Desjatin besten Bodens gibt, der noch nicht bebaut worden ist; da der Beginn einer Kolonisation großen Stils in dieser unbebauten Gegend eine dringende Notwendigkeit für das ökonomische Wohlergehen des Landes ist, so wird beschlossen, daß die Sowjetrepublik der Ukraine in Verbindung mit der föderativen Regierung in Moskau Schritte unternimmt, die es der ökonomisch zugrundegerichteten jüdischen Bevölkerung in den Städten ermöglichen, sich in dem unbebauten Land im Süden der Ukraine und im Norden der Krim niederzulassen: ferner ser beschlossen, daß die Frage der Fonds, die für diesen Kolonisationsplan nötig sind, mit der Moskauer Regierung und den jüdischen auswärtigen Organisationen, die sn den Sowjetrepubliken tätig sind, geregelt wird. Die Johnson-Bill vom Repräsentantenhaus angenommen. Washington, 27. April. Am 12. April fand im Repräsentantenhaus die Abstimmung über die sogen. Johnson-Bill statt, die bekanntlich eine jährliche Einwanderungsquote von zwei Prozent für jedes Land auf Grund des Statuts dieses Landes vom Jahre 1690 vorsieht. Die Bill wurde im Repräsentantenhaus mit einer Mehrheit angenommen. Dieses Abstimmungsergebnis kam nicht unerwartet, da die Stimmung für die Bill im Repräsentantenhaus bekannt war. Durch die Annahme der Johnson-Bill im Repräsentantenhaus ist dieselbe noch nicht Gesetz geworden, da erst die Abstimmung im Senat entscheidend ist. Wie bekannt, ist jedoch die Gegnerschaft gegen die Bill im'Senat weit größer als im Repräsentantenhaus, so daß deren Annahme im Senat keineswegs als sicher gelten kann. (I. T. A.) -ftolftftin«*. James de Rothschild, das Haupt der Paleftine Jewish Colonisation Association. * Jerusalem, 28. März. Das palästinensische Regierungsblatt brachte am 20. März eine Verfügung der palästinensischen Regierung, laut welcher der Palestine Jewish Colonisation Association (PJEA) die Ermächttgung erteilt wird, in Palästina landwirtschaftliche und industrielle Siedlungen zu errichten, Straßen, Trambahnen und Häfen zu bauen und die Einwanderung derjenigen Personen nach Palästina zu fördern, die auf den Besitzungen der Pica und in den anderen Unternehmungen beschäftigt werden sollen. Die Palestine Jewish Kolonisation Association wurde «m vergangenen Herbst von dem Vater James de Rothschilds, dem zur Zeit in Aegypten befindlichen Baron Edmond de Rothschild, gegründet. Die von ihm in Palästina gegründeten Kolonien, die bisher von der Jca verwaltet wurden, werden fürderhin von der Pica in Verwaltung genommen werden. Die Einttagung der Pica durch die palästinensische Regierung geschah am 19. Februar ds. Js. Damals äußerte sich Baron Edmond de Rothschild bekanntlich dahin, er habe die Pica gegründet, um jüdische Kapitalisten für das Werk in Palästina zu gewinnen. Die Pica werde sich nur an einzelne Persönlichkeiten wenden, und die Summen, die diese in Palästina investieren werden, sollen auf deren Namen bestehen bleiben. Baron Edmond de Rothschild sagte weiter, er nehme die Verwaltungskosten der Pica allein auf sich. Der Zionistischen Organisation, sagt« er, sich« er sehr sympathisch gegeüüber, allein sie sei ihm nicht religiös genug gerichtet. Er sei schon ein qlter Mann, aber er wisse, daß sein Sohn James sein Werk, vielleicht in noch größerem Ausmaße als er selbst, fortsetzen werde. Aus aller Welt. Deutschland. Die in München erscheinende „Deutsche Hochschulzeitung" wendet sich in einem Hetzartikel uyter der Ueberschrist „Philosophie und Judentum an den Hoihschulen Deutschlands" gegen angebliche Verjudung der Lehrstühle an den deutschen Universitäten. Sie führt eine große Namenliste auf, die sie nach dem bekannten antisemitischen Rezept, der Judenriecherei, behandelt. Selbst die katholische Wissenschaft würde nach ihrer Behauptung an den deutschen Hochschulen von Juden oder getauften Juden gepflegt. — Ein Hetzartikel der „Deutschen Zeitung" in Berlin befaßt sich mit den „Juden in Versailles" und behauptet, Mar Marburg habe in Versailles als finanzieller Sachverständiger . von deutscher Seite mitgewirkt, während sein in Newyork wohnender Bruder, Herr Felir Marburg, unter den Sachverständigen der Alliierten war. An dem schlechten Ergebnis sei das Judentum schuld usw. Herr Mar Marburg, Hamburg, veröffentlicht nun eine Richtigstellung im genannten Blatt, wonach sich außer ihn« in der fraglichen Delegation gar kein Jude befand. Ts ser ferner vollkommen unwahr, daß ein Bruder von ihm auf irgend einer Sette als Sachverständiger mitgewirkt hätte. Natürlich läßt es die „Deutsche Zeitung" dabei nicht bewenden und meldet in einen« Nachwort ein paar jüdische Namen, die in der Finanzwelt eine Rolle spielen. Polen. In Wilna ist die jüdische Bevölrentng in größte Erregung versetzt durch die von verruchter Hand verübten Demolierungen am Grabmal des „Ger Zedek". Ts ist nicht du einzige Att von Vandalismus dieser Art. So wurde schon früher einmal der sagenumwobene Baum über diesem Grabe nächtlicherweise vv«« roher Hand gefällt. Der „Ger Zedek" ist identisch mit dem Grasen Potozki, der am Schwuausfeste 1749 seiner« Uebertritt zuin Judentum auf dem Scheiterhaufen büßen mußte. England. In Wembley wurde die Britische Rerchsausstellung eröffnet, die" eine eigene Palästinaabteilung enthält. Ein Steinrelissf in rötlichen« Jerusalemer Stein, ebenso andere Steine von der Art, wie sie zum Tempelbau verwendet wurden, errege«« Aussehen. — In Dublin wurde ein Jude namens Salomon Kalmanson des Nachts von jugendlichen Burschen überfallen und erschossen. Cs ist fett einem Jahre das dritte jüdische Opfer solcher nächtlicher Ueb erfülle, und man nimmt an, daß sie von antisemitischer Hand vorbereitet sind. Schweiz. Das auf dem letzten Delegiertentag in Baden beschlossene Statut für den Schmelzerisch- «sraelrtischen Eemeindebund lautet: Wahrung und Förderung der allgemeinen Interessen der Juden in der Schweiz, insbesondere der Verkehr mit den Behörden und der Schweiz und auch mit den jüdischen Organisationen des In- und Auslandes. Auch die Abwehr des Antisemitismus soll fortan in den Aüfgabenkreis des Bundes fallen. Palästina. Als Antwort auf den Beschluß des großen Ä. E. in London, die Rechte des „Waad Leumi" innerhalb der Erekutive zu beschränken, hat der „Waad Leumi" seine Vertreter aus der zionistischen Erekutive wie aus allen Kommissionen zurückberufen. Familiermachrichten. Barmizwo: Raphael. Sohn des Herrn Joseph Wormser. Zürich. — Erich Moaendorff, Düsseldorf, Aderssttaße 59 (Sidroh Kedoschrm). Gestorben: Frau Lehrer Betty Dokow, 68 Jahre alt, Eydkuhnen. Briefkasten. S. W. in Dresden. Wir halten es für besser, wenn die breite OeffentlichKeit von den unerquicklichen Vorgängen nichts erfährt. S. Söffe, Meppel. Bettag für Abonnement verbucht. Frau F. Haas Wwe., Schiffweiler. Bettag für Abonnement eingegangen. I. Weinberger in S. Bettag für Abonnement eingegangen. Der gewünschte Bogen ist vergriffen. Sie können aber Hirsch, Frühling und Freiheit, in einem vollständigen Exemplar gebunden erhalten. Sprechsaal. Geehrte Redattion! Ihre Ausführungen zu den bevorstehenden Wahlen in der Wochenrundschau in Nr. 16/17 Ihrer Zeüung werden von vielen Ihrer Leser gewiß Beifall finden, aber bei einenr sehr großen Kreis auch sehr ernsten Bedenken begegnen. — Religiös verbindlich sind uns dabe« die Sätze niai-v Vfr nnitea 5>i>sn» ntn und vsm nrr lsm welche uns verpflichten für das Wohl des Staates und der Stadt zu wirken, in welcher wir leben, und wer jüdisch denkend eingestellt ist, kann deshalb weder den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.