Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Nr. 8 Der Israelit Blätter 17. April 1924 völkerimg hervorgerufen. Aber es bestand noch eine geringe Möglichkeit, daß der Gesetzentwurf in der zweiten Lesung wenigstens gemildert zur Annahme gelangen werde. Die Vertretung des strenggläubigen Judentums tat, was in ihrer Macht lag. Das jüdische Ministerium, besonders aber der jüdischnationale Minister, Dr. Nosenbaum, hielt die ganze Angelegenheit für ziemlich unwichtig, ja er ignorierte sie fast. Die Frage, warum Ministe Rosenbaum sich zu dieser so wichtigen Angelegenheit so verhält, kann jedoch erst zu Schluß dieses Artikels beantwortet werden. Als die zweite Lesung des Sonnlagsruhegesetzes herannahte, weilte Minister Rosenbaum im Ausland. In „dringenden" Angelegenheiten. Ein grausam-grotesker Zufall wollte es, daß eine einzige Stimme gefehlt hat, um ein namenloses Unglück für die Iudenheit zu verhüten. Minister Rosenbaum „weilte" zur Zeit in „dringenden" Angelegenheiten im Ausland. Wie bekannt ist, wurde die Erledigung des Gesetzentwurfes mit Hilfe der Stimme eines christlichen Abgeordneten aufgeschoben. Das zweite Mal handelte es sich um die Befreiung der Zöglinge der theologischen Anstalten vom Militärdienst. Da der Gesetzentwurf nur die Schüler katholischer Anstalten bezeichnete. drohte die Gefahr, daß die Jeschibozöglinge, die sogar während der Zarenheirrschaft das Privileg eines Aufschubs genossen haben, nunmehr während ihrer Studienzeit den Militärdienst absolvieren müssen. Es begann wieder, wie bei dem Sonnlagsruhegesetz, der Kampf um die Wahrung der bisher bestehenden Rechte der Juden. Die verschiedenartigen Interventionen hatten Erfolg. Die Abgeordneten der Rechten versprachen ihre Hilfe, ebenso versprach Minister Galwanowski seine Unterstützung. Als jedoch diese Angelegenheit dem jüdischen Ministerium, als in sein Ressort gehörend zugeteilt wurde, erklärte der jüdische Minister Dr. Rosenbaum, der Lehrplan der Jeschiwoth sei ohne Programm und System, der Unterricht unmodern und überflüssig, sodaß die Jeschiwothzöglinge den Aufschub nicht verdienen. Der Gesetzentwurf wurde angenommen, die Zöglinge der Jeschiwoth werden ihr Studium unterbrechen müssen und zum Militärdienst einrücken. Es fällt schwer, diese herostatische Tat Minister Rosenbaums zu kommentieren. Wir wollen nur bei dieser Gelegenheit der jüdischen Oeffentlichkeit zwei Urteile über den Wert und die Bedeutung der Jeschiwoth unterbreiten. Als vor einigen Wochen eine Delegation unter Führung Rabbiners Kalmonowitsch aus Rakow beim Präsidenten der Alliance Prof. Silvain Levy und dem Grandrabbin von Frankreich um Hilfe für die vertriebenen Jeschiwothzöglinge aus Sowjetrußland vorsprachen, sagte Prof. Silvain Levy: „Wenn Sie, Herr Rabbiner um Hilfe für Jeschiwoth bitten, so bedarf es keiner Erläuterung der Bedeutung der Jeschiwoth. Wir wissen alle, daß wir unsere Existenz den Jeschiwoth verdanken. Wir werden alles tun, was in unserer Macht liegt." Die gesamte amerikanische Presse und an ihrer Spitze das „Morning Journal" verdammt in schärfsten Worten des Protestes das Vorgehen Dr. Rosenbaums, der sich durch die Abgabe eines derartigen „Gutachtens" würdig der Reihe der größten Schädlinge aus dem Schoße des Volkes selbst anschließt. Die Frage ist nun, welche Motive Minister Rosenbaum bestimmen konnten, gegen das eigene Volk zu wüten. Da beginnt der Skandal, der schon durch die Abgabe seines Gutachtens groß genug gewesen ist, ins Riesenhafte zu steigen. Denn Doktor Rosenbaum sagte, man müsse die Orthodoxie „be-ezem" treffen, wenn man mit ihr fertig werden will. Und „be-ezem", das heißt, im Wesentlichsten kann man sie nur treffen, wenn man, wie seinerzeit, die Jugend trifft. Pharao ließ nun die Knaben in den Nil werfen. Zar Nikolaus l. ließ aber, weil es ja schon das moderne Europa des 19. Jahrhunderts war, 10 jährige Iudenknaben einfangen und sie 25 Jahre lang als Soldaten drillen. Dies taten sie, weil sie das Judentum „be-ezem" treffen wollten. Weil sie sonst mit diesem verstockten, sich von ihren übrigen Völkerschaften separierenden Judenstamme nicht fertig werden konnten. Minister Rosenbaum, der Nationalist und Zionist macht dasselbe. Er sagt, man könne auch nicht anders mit der Orthodoxie fertig werden, als wenn man sie „be-ezem" treffe. Und dies heißt: ihre Jeschibojugend in die Kasernen! („Jüd. Presse", Wien.) Zur Beachtung. Im Aufrufe der Frankfurter Aguda betr. nvmn pp der dieser Tage verschickt wurde, muß es heißen: Postscheckkonto 42 842 Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt a. M. Ans der Bewegung. Halberstadt, 7. April. Seine erste Tournee in Deutschland schloß der Sanoker Raw an dem Orte, wo vor mehr denn 200 Jahren sein Ahn, Rabbi Hirsch Charis, gewirkt hat. . Der erste Weg unseres gefeierten Gastes galt denn auch der stillen Stätte, wo neben dem Grabe des „Königlichen Residenten" Berend Lehmann derjenige ruht, dessen Kaschjo („Reb Herschele Halberstädters . Klotzkaschje") auf Tosaphot Chulin 11 b, Stichwort weltberühmt geworden, noch heute in Polen und Litauen jedem Jüngel im Cheder gelehrt wird und den Namen Halberstadt im talmudgebildeten Osten geläufig gemacht hat. Oberrabbiner Schapiras Aufenthalt verlieh dem durch Nissanbeginn und Parschas Hachaudefch schon gehobenen Sabbat ein viertes Weihemoment. Gleich nach dem Morgendienst strebten schon Verehrer aus dem Osten und dem Westen zu dem seit der Kenessio gedaulo wohlbekannten Manne, und die Besucherkette wurde erst unterbrochen, als man nachmittags zum Vortrag ging. Dieser dauerte nahezu drei Stunden, während welcher der Redner sein großes Publikum in unausgesetzter Spannung an seine Lippen fesselte. Jehudi hanizchi („Der ewige Jude") war das Thema, und die dem jüdischen Volke allein Ewigkeit verleihende Macht der Thauro war der Leitfaden, an dem sich die Perlen seiner „Wörter" aufreihten. Als „Kassenerfolg" für den Keren Hatauroh wurden am Tage darauf zunächst 17 400 Mark vereinnahmt, und die heute fortgesetzte Werbung wird unter dem nachhaltigen Eindruck der machtvollen Rede hoffentlich weiter gelingen. Der ersten soll m. G. H. bald nach Schewuaus des Sanoker Raw zweite Tournee folgen, die dann in erster Reihe Westdeutschland zugedacht ist. Frankfurt a. M. Heber die Vorgänge in Erez Israel sprach in einer Versammlung der Frankfurter Orts- Jugendgruppe am 10. d. Mts. in der Aula der Realschule Herr Dr. S. E h r m a n n. Da ursprünglich ein Vortrag über „Rabbi Saadja Gaon" angesetzt war. der aber infolge plötzlicher Verhinderung des Referenten abgesagt wurde, ging auch Herr Dr. Ehrmann von Rabbenu Saadja und seiner von den Kämpfen mit den Karaiten beherrschten, Zeit aus, indem er Vergleiche zwischen den damaligen Kämpfen und dem heutigen Kulturkampf in Palästina anstellte. In einstündigem Vortrag beleuchtete Referent die Zustände in Palästina und das vitale Interesse der Gesetzestreuen an der Entwicklung der Dinge im heiligen Lande in erschöpfender Weise. Wir haben seit Wien kein Recht mehr auf Bescheidenheit. Die Ehre der Großen, die in Wien sich zur Aguda bekannten und die Führung mit übernahmen, erfordert es, daß wir die Sache ernst nehmen und uns in keiner Weise bevormunden lassen. Die Orthodoxie hat wiederholt die Hand zum Frieden geboten und wurde von den Zionisten entweder brüsk abgewiesen oder ignoriert. Redner erörtert die arabische Frage und bespricht im einzelnen die Umstände, die den Besuch der orthodoxen Delegation bei König Hussein zur, unabweislichen Notwendigkeit gemacht haben. Kluger- und gerechterweise hätten die Zionisten selbst die Delegation aus den Kreisen zusammensetzen müssen, die das meiste Vertrauen bei den Arabern genießen, und das sind die alteingesessenen Frommen aus dem alten Jischuw. Daß bei dieser Audienz ein Wort gegen die Zionisten gefallen wäre, ist ein Märchen, das bte. zionistische Presse, vorab die Berliner „Rundschau" von dem anrüchigen arabischen Blatte „Felestin" unbesehen übernommen hat. Gegen diese unerhörte Hetzpropaganda kann nicht scharf genug Verwahrung eingelegt werden. Referent bespricht dann auch die Friedensbemühungen der polnischen Rabbiner in Jerusalem und zeigt, wie vornehm und taktvoll die Meinungsäußerung der drei Rabbinen abgefaßt ist. Die Friedensbasis ist damit geschaffen, und schlägt die Gegenseite nicht ein, so weiß alle Welt, wer die Schuld und Verantwortung dafür trägt, wenn der Unfrieden in der heiligen Stadt mit all seinen unheilvollen Folgen stabil wird. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. S. Adler, Redakteur Schachnowitz, Stern Fulda und Josef Bämberger. Dr. Adler wünscht, daß die Agudablätter ausführlicher über Palästina berichten. Schachnowitz hätte bei König Hussein die Zionisten denunziert, und Referates und plädiert für einstimmige Annahme der vorgelegten Resolutionen. Stern-Fulda bemängelt, daß von der Aguda für die Landgemeinden zu wenig getan wird,- Bämberger wünscht, der Resolution ausführlichere Form zu geben. Auf einen Antrag, in der Resolution nicht „von der zionistischen Presse", sondern von „einem Teil der gegnerischen Presse" zu sprechen, gibt Schachnowitz die Auskunft, daß in diesem Falle mit der „Zionistischen Presse" nicht zuviel gesagt sei, da Misrachi diese Hetze in vollem Maße mitmacht und sich das Jerusalemer Misrachiorgan „Hathor" an Beschimpfungen der Aguda die andere zionistische Presse noch weit übertrifft. Es wird zum Schluß eine Resolution im folgenden Wortlaute angenommen: „Die am 6. Nissan 5684 von der Frankfurter Orts- und Jugendgruppe veranstaltete öffentliche Versammlung erklärt ihr völliges Einverständnis mit der Agudadelegation bei König Hussein und protestiert mit aller Energie gegen den Verleumdungsfeldzug der zionistischen Presse, die, gestützt auf falsche Angaben eines arabischen Blattes, behauptet, die Delegation hätte bei König Hussein die Zionisten denunziert, und die demgemäß die Intervention als „Verrat" bezeichnet. Die Versammlung erblickt in dem Vermittlungsversuch der polnischen Rabbiner in Jerusalem eine historische Tat von weittragender Bedeutung und hofft zuversichtlich, daß beide Parteien sich auf Grund dieses Vermittlungsvorschläge einigen werden." Es wurden an Ort und Stelle größere Zeichnungen für Bodenankauf in Palästina gemacht. Keren Hatora. Frankfurt a. M. Jacob Strauß und Söhne dkr. 400.—, Philipp Feist Dollar 100.— (Angabe in Nr. 3 war Druckfehler), Derselbe 200.— Mark. Halber st ad t. Frau Siegmund Strauß 10.—, Dr. med. Auerbach 10.—, Frau Dr. Abr. Hirsch, Ernst und Lea Schwarzschild 1500.—. > Hersfeld. Jos. Bacharach zur Jahrzeit 10.—. Mainz. Ortsgruppe 56.—. Mannheim. Walter Nußbaum 5.—. München. Dch. Rabb. Dr. Ehrentreu: D. Königsberger 24.—, Ploni 6.—. Nürnberg. Dch. A. K.: Sammlung 65.—. Rotterdam. Hauschild 31.60. Wiesbaden. Betti Sulzberger dkr. 10.—, Dr. Martin Sulzberger 2.—. Zutphen. A. V. fl. 11.—. Organisationsfonds Ansbach. D'.striltsrabbinats-Ortsgruppen 200.—. Berlin. Benno Laskewitz 1000.— Willy Guggenheim 100.—. Brückenau. Rosi Schuster Tel.-Abl. zur Hochzeit Adle 10.—, dieselbe: Teilerlös von Purimseier 10.—. C ö l n. Ortsgruppe 100.—. Dietzenbach. Herm. Wolf 5.—. Diese n. Israel Wilder 1.50. Düsseldorf. Dr. Mayer 1.—. E s ch w e g e. Julius Löwenthal 1000.—. Frankfurt a. M. Mar Friedmann 2.—, Franz Ettlinger und Frau zur Hochzeit Neuberger- Bämberger 1.—, Leo Oppenheimer und Frau desgl. 1.—, Ludwig Frank und Frau desgl. 1.—, Naftalie Erlanger ffs. 10.—, Ortsgruppe 100.— M. Freiburg. Simon Epstein 5.—. Halber st ad t. Dr .med. Auerbach 10.—, Frau Bachmann zum 12. Adar II 5.—, zum 4. Nissan 10.—. Hersfeld. Jos. Bacharach zur goldenen Hochzeit Oppenheim-Niederaula 10.—. Karlsruhe. Synagogenfpende 3.—. Mannheim. Walter Nußbaum 10.—. Nürnberg. M. Stern und Co. 450.—, Baumann und Co. 100.—. Oldenburg. Lehrer Meyberg 2.— Rhina, dch. Rabb. Dr. Cahn-Fulda 12.04. Straßburg. Maurice Müller 10..—. Wiesbaden. Seo Ackermann 10.—. Markenerlös. Halber st ad t. Klara Bachmann 54.80. Heilbronn. Jacob A. Reis 7.—. Karlsruhe. Jakob Altmann 5.—. , Mannheim. Sigm. Würzburger 4.—. Sammelbüchsen. Fisch ach 16.—' S ch w a b a ch 8.10. Verantwortlicher Schriftleiter: G. Goldschmidt in Halberstadt.