Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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17. April 1924 vir. 16/17 Seite ft hierzu seine Zustimmung erteilt. Die erst« Beratung -er neuen Körperschaft wird in London vom 8. bis 10. April stattfinden. (I. T. A.) Eine stumme Demonstration. Riga, 20. Mürz. Wie russische Blätter berichten, war die Beteiligung bei der Bestattung des Oberrabbiner Rabinowitz in Minsk so gewaltig, daß der Verkehr in der ganzen Stadt stockte und viele Betriebe an dem Tage schließen mußten, da die Arbeiter, selbst die nichtreligiösen, sich an der Beerdigung beteiligten, um auf diese Weise gegen die Rohheiten der jüdischen Kommissare, die sie jn ihren Attacken gegen die Religion und nicht zuletzt gegen den verstorbenen Rabbiner an den Tag legten, zu demonsttieren. Die in Minsk in jüdischer Sprache erscheinende bolschewistische Zeitung „Der Wecker" hat sogar die Unverschämtheit, sich über den „traurigen Zug" lustig zu machen, kann aber durch seine Witzchen die Wirkung der stummen Kundgebung auf Juden und Nichtjuden nicht abschwächen. Dis Schießerei zwischen Jaffa und Tel-Awiw. — Eine Anfrage im Parlament. London» 7. April. Mr. I. S. W. Milno fragte in der letzten Sitzung des Unterhauses den Staatssekretär an, ob er dem Hause irgendeine Information über die Störungen, die zur Zeit des Osterfestes zwischen den Juden und Arabern vorkamen, geben könnte. Mr. Thomas erwiderte: Der Oberkommissar hat mir mmitgeteilt, daß am 20. März, einem jüdischen Karnevalstag (Purim) in dem Manschiiviertel von Jaffa zwei Juden durch Schüsse verwundet worden sind. Während der polizeilichen Untersuchung wurden dann auch drei Araber durch Schüsse verwundet. Ein Jude und ein Araber erlagen den erlittenen Verletzungen. Ls handelt sich dort nicht um irgendwelche ausgedehnte Unruhen, sondern um eine kleine lokale Erregung; die Situation ist durchaus normal. Die öffentliche Meinung verurteilt einstimmig dieses Verbrechen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. HtttttAltUtt. Anstifter des Caongrader Bomdenattentats freigelassen. Bukarest, 20. März. Die Brüder Johann und Georg Piroska, die Anstifter des Bombenattentats gegen eine Veranstaltung des jüdischen Frauenvereins in Caongrad, dem mehrere Personen zum Opfer gefallen sind, wurden am 24. März aus dem Szegediner Gefängnis entlassen. Die Budapest« königliche Tafel hat die Berufung des Szegedin« Staatsanwalts gegen die Freilassung der beiden Piroska verworfen. (I. T. A.) Otthovore Juden greifen die mit de« paläftinerrfischen Ausgradungsardeite« Beschäftigten an. Jerusalem, 7. April. Am 16. März nachmittags sammelten sich mehrere Hundert orthodoxe Juden an der Stelle, wo die Ausgrabungen unter Leitung Professor Nahum Slouschs vorgenommen werden, an, und hinderten die mit den Ausgrabungen beschäftigten Arbeiter, die Arbeit fortzusetzen. Cie forderten die Einstellung der Arbeiten und erklärten, daß die Ausgrabungen eine Ehrfurchtsverletzung gegenüber den auf dem Berge Zion beerdigten Toten sind. Polizei schritt ein und zerstreute die Menge. (I. T. A.) Bisen für Palästina. Jerusalem, 6. April. Wie die Palästinensische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästinensische zionistische Exekutive von der Palästinaregierung 2400 Visen für Einwanderer bewilligt erhalten, die an Verwandte jetzt in Palästina wohnender Juden ausgefolgt werden sollen. Die Visen haben Gültigkeit für die Zeitdauer von April bis Oktober. Die palästinensische zionistische Exekutive hat die Visenscheine unter die Paläftinaämt« der zionisttschen Organisation tn den Ländern der Diaspora verteilt. (I. T. A.) _Der Israelit_ Anrevika Salbjahrskonferenr der amerikanischen Rabbiner. Newyork, 20.' März. Am 8. Adar tagte hier die Halbjahrskonferenz der Agudas Harabanim für Amerika und Kanada. Als Gast war auch der hier weilende Leit« der Slobotkoer Jeschiwa, Rabbi M. M. E p st e i n , zugegen, der einen Bericht über seine Jeschiwo erstattete. Tr schlägt vor, daß amerikanische Familien die Unterhaltung von je einem Bachur mit 15 Dollar monatlich übernehmen, als Ablösung für die Tageskost, die man früher den Jüngern der Jeschiwa gewährte. Diele Mitglieder unterstützen den Antrag aufs wärmste und einige wünschen auch, daß die amerikanische Regierung auf diplomatischem Wege die aufgehobene Militärfteiheit der Jeschkwojünger wieder herstelle. Außer Rabbi Epstein ist auch Rabbr Barischanski, der Märtyrer von Homel, anwesend, der mit groß« Begeisterung begrüßt wird. Rabbr Barischanskr hatte bekanntlich mit Löwenmut den Kampf gegen die Religionsfeinde in Rußland ausgenommen und ist als Opfer der Religionsverfolgungen nach langer Gefängnishaft nach Amerika ausgewandert. Cs wird ein Bericht erstattet über die „Jeschiwo des Rabbi Jizchok Elchonon" in Newyork, die 530 Schüler zählt. Es wird beschlossen, das orthodoxe Wochenblatt ,;Das Jüdische Licht" zu unterstützen, und zum Schlüsse werden mehrere Komitees und Kommissionen gebildet. Aus aller Welt. Deutschland. Die „Vereinigten vaterländischeu Verbände" hielten am 5. April unter Teilnahme des Prinzen Oskar von Preußen eine Vertreterversammlung ab, in deren Richtlinien u. a. gefordert wird: „Beseitigung jedes undeutschen, insbesondere jüdischen Geistes in allen Zweigen des öffentlichen Lebens. — Der Wahlaufruf des völkischen Blocks in Bayern fordert die Ausschließung der Juden von allen staatsbürgerlichen Rechten. — Jn Thüringen ist eine Regierungskrise ausgebrochen, weil die zur Mehrheitsbildung erforderliche, sieben Mitglieder umfassende deutschvölkische Partei des Landtags die Entlassung des jüdischen Staatsbankpräsidenten Löbe sowie sämtlich« Mischer Beamten fordert. Der Finanzminister ist bereits zurückgetteten. — Die jüdischen Gemeindewahlen in Leipzig ergaben di« Wahl von 17 Liberalen, 9 Zionisten und Misrachisten, 3 Orthodoxen und 4 Poale Zion. — In einer Breslauer Poale Zion-Dersammkung zu Gunsten der Arbeiter Palästinas drückte der Reichstagspräsident Löbe in warmen Worten seine Anerkennung für die jüdisch-palästinensische Arbeiterschaft aus. — Rabbiner Dr. Silberberg aus Posen hat das Rabbinat des Berliner Synagogenvereins Ahavas Zion übnnommen. Rumänien. In Ezernowitz und in Bukarest fanden umfangreiche antisemitische Ausschreitungen statt, die von studentischer Seite ausgingen und zu Ueberfällen auf jüdische Etablissements führten. Jn Bukarest haben die Dinge einen so gefährlichen Tharakter angenommen, daß die Regierung den Ausnahmezustand verhängt hat. Palästina. Die Regierung hat ein Komitee zur Beratung der Frage einer eigenen palästinensischen Währung eingesetzt. — Baron Edmond von Rothschild erklärte am 13. März ein« zionistischen Deputation in Kairo, er hoffe, daß künftig unter den Chaluzim die religiösen Gefühle mehr vorherrschen würden, da nur die Religion die über die ganze Welt zerstreuten Juden einige und Zusammenhalte. — Biaki k v«legte seine Berlagsgesellschaften nach Palästina und verbindet sie mit eigener Druckerei, Schriftgießerei und besonderer arabischer Abteilung. — Ueber der nördlichsten Kolonie in Palästina, Metull a ist am 8. April die britische Flagge gehißt worden. Ungar«. Ein Antrag von liberaler Seite auf Ab- Schaffung des Numerus clausus für jüdische Studierende ist vom Parlament abgekehnt worden; der Unterrichtsminister sprach sich gegen den Anttag aus, weil Ungarn von Intellektuellen überschwemmt sei. Litauen. Der Sejm hat die Zuschüsse zu den Gehältern der litauischen Rabbiner, die im vorigen Jahre 2400 Dollar betrugen, abgelehnt. — Das Gesetz über die Zwangssonntagsruhe ist soeben vom Sejm erfreulicherweise abgelehnt worden. England. Die jüdischen Gewerkschaften wurden beim Ministerium des Innern wegen der Handhabung der Naturalisationen der Ausweisungen und der Einwanderungsbeschränkungen vorstellig. Jn den beiden ersten Punkten wurde Entgegenkommen zugesagt, im letzten Punkte wegen der Arbeitslosigkeit abgelehnt. — Jn der letzten Sitzung der Anglo-Jewish-Asso Nation behauptete Dr. G a st e r » die Nachrichten über Religionsverfolgungen in Rußland seien übertrieben. Ebenso wandte er sich gegen die vielfach unberechtigte Kritik an der rumänis chen Regierung. Jn der Versammlung fand Dr. Gast« wenig Zustimmung. Personalien. Fra« Betty Lewinski ged. Oppenheim Vsst> Berlin, 31. März. Von einem unsagbar schweren, herben Geschick wurde dre in Berlin allbeliebte Familie I. Lewinski betroffen. Am ix'd war Frau Betty Lewinski eines . Stammhalters genesen, und in d«p"vai»-Nacht ward ihr Gatte an ihr Sterbelager gerufen; eine kurze, schwere Lungenentzündung hatte sie in der Blüte der Jahre hingerasst. Sie war Mutter dreier Töchterchen zartesten Alters. Selten hat in einem so kurzen, sorgenden Leben eine jüdische Mutter sooiele Keime des Echtjüdischen ins Herz ihrer Kinder, gepflanzt. Am Grabe des berühmten Breslauer Dajans Lewinski s. A., dessen würdige Schwiegertochter sie war, hatte sie sich den Sohn erbeten, den ihr nun der Allgütige zur Verklärung ihr« qualvollen Scheidestunde beschert hat. Zum zweiten Male stehen die Verwandten und Nachkommen des in ganz Hessen einst beliebten Lehrers Oppenheim-Treysa «"* an einem solchen Grabe. Von ihm hatte in ihr etwas Großes weitergelebt; denn mit dem schwergeprüften Gatten und den das Unglück nur in schwacher Ahnung begreifenden Kindern trauert um sie ein großer Kreis von Berliner Jereim, denen allen das von der Frühvollendeten geführte, zu jeder Zett und Stunde nach Abrahams Sitte gastliche, heimische, fteundliche Haus wie ein nahverwandtes erschienen war. Wie groß ttotz ihres häuslich zurückgezogenen Wesens die Achtung war, die sie sich in weiten Kreisen «worben hatte, dafür zeugte die außergewöhnlich große Beteiligung an ihrem letzten Geleite, zu dem selbst andersgläubige Bekannte ihres Hauses erschienen, Auf dem der Adaß sprachen Rabb. Dr. Munk und Rabb. Dr. Königsberg« Worte des Trostes, deren Grundstimmung Rahels und der Ahronssöhne Tod war: snpR »anpa» die schwere Zeit raubt uns die Edelsten und Besten. Im Trauerhause bezeugten Herr Dr. M. Hildesheimer, dann Rabb. Dr. Singermann als Angehöriger und Rabb. Dr. Cohen als Freund der Familie, daß hi« ein Leben aus seiner höchsten Vollendung plötzlich erloschen war und daß Gottes unerforschlicher Ratschluß hier ein Dasein beendigt» dessen Wunsch Seinem Willen zu dienen war. >n"2 am Berlin, 20. März. Die Nachricht von dem Tode des emeritierten Lehrers, Herrn Samuel Louis Rosenthal in Beuthen (O.-Schl.), hat die Kollegen in der ehemals deutschen Provinz Posen mtt großer Trauer erfüllt. Der Dahingeschiedene wirkte eine lange Reihe von Jahren segensreich in der jüdischen Gemeinde Wreschen, -jetzt zu Polen gehörig, als Religionslehrer. NachdeNi er alt geworden, legte er sein Amt nieder und siedelte zuletzt nach Beuthen über, woselbst er bis zu seinem Ableben bei seinem Sohne, dem Lehrer Heinrich Rosenthal verblieb. Der Verstorbene besaß viel talmudisches Wissen und war ein anerkannt tüchtiger Lehrer. Seine Schüler erzog er zu wahrer Frömmigkeit und brachte ihnen mit gutem Lehrgeschicke viele Kenntnisse im Hebräischen bei. Mit den Gemeindemitgliedern lebte er in stetem Frieden und seinen Kollegen war er ein Muster von friedlichem Beisammenleben. Schreiber dieser Zeilen bettauert aufs Tiefste den Verlust eines lieben Kollegen und wahrhaft treuen Freundes. n-mrm Leipzig, 8. April. Der auch weiteren Kreisen durch die vor kurzem herausgegebene Neubearbeitung des Kizzur Schulchon Oruch bekannte Rabbiner Feldmann, welcher in unserer Gemeinde seit 13 Jahren segensreich wir«, bleibt unserer Gemeinde «hallen. Er hatte einen ehrenvollen Ruf nach Amerika erhalten und in Newyork em .Rabbinat angenommen. Jn letzter Stunde ist es den Bemühungen seiner zahlreichen Freunde gelungen, denselben von seinem Entschlüsse abzubringen. Es ist zu begrüßen« daß dieser ausgezeichnete Thoragelehrte in Deutschland beibt. München, 30. März. Am Vorabend von »mpo na» feierte der Verein Ohel Jakob in München in seiner festlich geschmückten Synagoge den 70. Geburtstag seines Raws, Herrn Dr. Ehrentreu. Neben den vollzählig erschienenen Mitgliedern des Vereins hatte sich eine große Zahl von Gästen,. Vertreter der Kultusgemeinde und der befreundeten Vereine, sowie die hiesige» und auswärtigen Familienmitglieder des Jubilars cingefunden. Nach dem einleitenden Ehorgesang ergriff der erste Vorsitzende, Kom.-Rat Sigmund Fränkel, das Wort, um in gewohnt meisterhafter Weise der Liebe und Verehrung der Gemeinde gegenüber dem geistigen Führer und dem Stolz, einen von -nn^n von so Überragend« Bedeutung an ihrer Spitze zu haben, Ausdruck zu geben. Nach ihm überbrachte Herr Dr. Ernst Ehrentreu in formvollendeter Rede die Glückwünsche der Preßburger Jeschiwoh, die seinerzeit schon in ihrem Schüler den vielversprechenden Meister erkannt hatte. Zuletzt dankte der Gefeierte selbst in Anknüpfung an die mto des vergangenen m® in schlichten, zu Herzen gehenden Worten für die Ehrung. Chorgesang schloß die Feier, die als Bekundung des innigsten Zusammenhangs zwischen Raw und Gemeinde allen Teilnehmern einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen hat. Der darauffolgende Sonntag Vormittag versammelte die Festgäste zu ein« akademischen Feier, welche die Kultusgemeinde zu Ehren ihres orthodoxen Rabbiners veranstaltete. Die Anreden der. Vorsitzenden der gemeindlichen Körperschaften, der Herren Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und Rechtsanwalt Dr. Oestreich und des Herrn Rabb. Dr. Baerwald bezeugten, wie Herr Rabb. Dr. Ehrentteu weit üb« den Kreis seiner Gesinnungsgenossen hinaus durch seine persönlichen Eigenschaften