Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 16/17 Der Israelit 17. April 1824 Dieser Kommentar — die ganzen bisherigen Ausführungen wollen nichts anders, als ihn geben. Bruderliebe — nur Schöpfungsrecht gewährleistet sie. Nur Schöpfungsrecht gestaltet das Nebeneinander von Mensch und Mensch jum Nebeneinander von Geschöpf und Geschöpf, zu Schöpfungsnebeneinander. Nur Schöpfungsrecht weist dem Nebeneinander von Mensch und Mensch den richtigen Schöpfungsstandort: die Schöpfungsrecht-Familie, deren Band die Menschheit für ewig umschlingen sollte.- Das Nebeneinander der Menschen, gleich dem Nebeneinander der Naturwesen, ist Schöpfungsnebeneinander. Wie in naturgesetzlicher Wechselwirkung die Lage des einen Naturwesens durch die Lage aller anderen Naturwesen, die Lage aller anderen Naturwesen durch die Lage des einen Naturwesens bestimmt wird, so verbindet im Schöpfungsnebeneinander, nicht anders wie im Schöpfungsnacheinander, sittliche Wechselwirkung sämtliche Brudergeschöpfe, dergestalt, daß die Verfehlung des einen allen zur Last fällt, daß die Verfehlung aller auch der eine zu sühnen hat. Schöpfungszusammenhang hier wie dort. Familienrechtliche Gemeinbürgschaft erfaßt Guttat wie Böstat. Cs gibt keine isolierte Tat des freien Menschen, wie es keinen isolierten Vorgang in der Natur gibt. Auch der Bruder im Verhältnis zum Bruder mutz das Schöpfer- Werde freier Umkehr sprechen; auch er bedarf des Schöpfer-Werde des liebenden Gottes, des Sabbat der Liebe, der Versöhnung, des Schutzes, der Sühne. — — Die Einbeziehung des Bruderrechls in das System des schöpfungsrechtlichen Zusammenhangs ist die feinste Blüte der jüdischen Idee, die gerade hier in ihrer Originalität schlechterdings jedes Vergleiches spottet. Vom Wesen des Judentums hat nicht die leiseste Ahnung, wer sich nicht restlos hinter den Choschen hamischpat stellt. Die Stellung zum Ehoschen hamischpat ist geradezu der Probierstein für die Richtigkeit jeder Theorie über Judentum. Eine Theorie, die das System des Judentums umschreiben will, ohne den Ehoschen hamischpat zum tragenden Hauptpfeiler zu gestalten, eine solche Theorie gleicht dem Geist, der sie konzipiert hat —: dem Judentum nimmer. —-- Der hier oorgetragene Versuch eines systematischen Abrisses des Judentums scheint in hohem Mähe geeignet, um gewisser Schwierigkeiten Herr zu werden, die gerade der Ehoschen hamischpat — wenn auch nicht er allein — dem denkenden Betrachter immer von neuem bietet. Korrespondenzen »schlichte« Notruf! Frankfurt a. M., 7. April. Der Verein Jsr. Krankenheim Gumpertzsches Siechenhaus ist gezwungen, sich an die jüdische Allgemeinheit zu wenden mit dem dringenden Ruf: Tretet als Mitglieder bei, werbet in euren Kreisen, damit es ermöglicht werden kann, hilflosen, zum Teil völlig gelähmten Kranken — die heute nirgends eine andere Unterkunft finden — die Zufluchtsstätte zu erhalten. Durch die bedauerlichen Währungsverhältnisfe ist das Stiftungsvermögen entschwunden und damit die Notwendigkeit an die Verwaltung herangetreten, Tag für Tag die erforderlichen Mittel für die wirtschaftliche, medizinische bzw. chirurgische Versorgung einer größeren Zahl mittelloser Kranker aus wohltätige^ Wege auszubringen. Es kommt hinzu, daß die für die Unter, bringung der Leidenden vorbildlich zweckentsprechenden Räume, einschließlich der ehemals mustergültigen medizinischen Einrichtungen, vor dem Verfall stehen» wenn nicht schleunigst helfend eingegriffen wird. Wir zweifeln nicht, daß jeder einzelne sich bewußt ist, daß es gilt, eine der höchsten jüdischen. Pflichten zu erfüllen, und geben uns deshalb der Hoffnung hin, daß es gelingt, unser den Aermsten der Armen gewidmetes Hilfswerk durchzuführen, damit unglückliche, kranke Menschen vor schwerster Not bewahrt bleiben. Zahlungen auf Postscheckkonto Nr. 17 640 Frankfurt am Main erbeten. — Mindestbeitrag 10.— Mark. Die erneute Joint-Spende für Deutschland. Berlin, 6. April. Das American Jobit Distribution Committee hat soeben den Reichsausschuß jüdischer Gemeinden Deutsch, lands davon in Kenntnis gesetzt, gesetzt, daß es erneut eine Summe von 420 000, Goldmark zur Verfügung gestellt hat, die zur Linderung noch bestehender Notstände innerhalb der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland für die Zeit vom 1. April bis 1. Oktober dienen soll. Bei der Zuwendung soll im besonderen Maße die Kinderfürsorge. weiter aber auch während der Sommermonate die Erholungsfürsorge berücksichtigt werden. Würzburg, 1. April. An der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt ging unter Vorsitz des Oberregierungsrates Blaß die Reife. Prüfung 1. und 2. Abschnittes mit bestem Erfolg ju Ende. Die 3 Prüflinge 1. Abschnittes konnten mit Dispens von der mündlichen Prüfung der 6. Klaffe überwiesen werden. Alle 7 Prüflinge des 2. Abschnitte? bestanden mit gutem Erfolg und wurden für befähigt zum Uebertritt in den Schuldienst erklärt. Es find di« die Herren Bernstein-Fürth, Enoch-Offenbach, Glaser- München, Lermann-Stuttgart, Meyer-Friedberg,Neuberger. Me l.ichstadt und Stolberg-München. Die meisten dieser Absolventen beabsichtigen in den an das Seminar angegliederten Jeschiwahkursen sich noch weiter zu bilden. Die Gemeindewa-len. Leipzig, 11. April. Am 6. ds. Mts. durften erstmalig auch in Leipzig die ostjüdischen Gemeindemitglieder sich an den Wahlen zur Gemeindevertretung beteiligen. Nach langjährigen Mühen ist es ihnen gelungen, das altive Wahlrecht uneingeschränkt zu bekommen. Von 33 Gememdeverordneten müssen jedoch 25 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und nur aus letzteren kann der Vorstand gewählt werden. Obgleich für die Deutschen nur eine gemeinsame Liste ausgestellt und diese demnach eo ipso gewählt wurde, war eine recht rege Wahlbeteiligung zu verzeichnen. Bon den 8 ostjüdischen Vertretern entfielen: auf die zionistisch-Iiberal-orthodore „Arbeitsgemeinschaft" 4 Sitze, auf die unabhängige Orthodorie 3 Sitze, auf die Poale Zion 1 Sitz. Den Bundisten gelang es nicht, ein Mandat zu erringen. Wer Leipziger Verhältnisse kennt, weiß, daß die Orthodorie n'n einen großen Erfolg errungen hgt, da auch ein Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft" ihr angehört. Dieselbe konnte es sich leider nicht versagen, die Kandidaten der unabhängigen Orthodorie in einem Flugblatt herunterzusetzen. Durch derartige Entgleisungen wird ein gedeihliches Zusammenarbeiten wohl $xum gefördert. Möge es dem vereinten Streben der ostjüdischen und der deutschen Gemeindeverordneten gelingen, nicht nur das noch bestehende Wahlunrecht völlig zu beseitigen, sondern dem überlieferten Judentume auch in der Gemeinde die ihm gebührende Stellung zu verschaffen. Litauen« * Die Nachfolge der Joint-ArVeit ln Europa. K o w n o, 23. März. Der jüdische Nationalrat hat soeben eine Mitteilung des Joint erhalten, daß die Joint-Tätigkeit in Europa von einer neuen Körperschaft übernommen wird, die sich aus sechs Vertretern des Joint, sechs der Jca und acht des europäischen Judentums zusammenfetzt. Dr. Rosenbaum wurde eingeladen, als Vertreter Litauens in das Komitee einzutreten. Der jüdische Nalionalrat Hai Deine Pferde Chajim sind gelehrte Tiere. Das eine denkt iroa'MjV ]pr! das zweite sagt sich das dritte lernte»' xvp junb das vierte weiß, was sich gehört und geht keinen Schritt feinem Herrn zuvor. Ein Reformrabbiner traf auf einem Badeplatz mit einem Thassittmrabbi zusammen und versuchte es, diesen zu hänseln. Der Chassioimrabbi, der bald di« Ignoranz feines „Kollegen" heraus hatte, fragte: „Wissen Sie. Herr Rabbiner, wie die Anfangsbuchstaben von o’oai lauten?" „Nein!" „Sie lauten", erklärte der Chassidimrabbi, sm'na rossn äv?a ü’Kipa „Und was machen Sie mit dem 3ub?" „Ber Rabbonim Ihresgleichen fehlt stets der „Jud". Der Berditfcher, Rabbi Jizchok Levi, traf auf der Straße einen Mann, der dahmräste. „Wohin so eilig?" fragte der Rabbi? „Ich laufe meinem Erwerbe nach," sagte der Jude. „Wie aber," fragte der Rabbi, „wenn der Erwerb nicht vor, sondern hinter dir liegt und du ihm aus dem Wege Iäu|ft?" Eine Tischgesellschaft freier lustiger Brüder spottete über einen frommen Juden, der nicht mitmachen wollte. »Laben wir nicht alle einen Vater?" fragte einer.» „Vater schon, aber nicht eine Mutter," gab der Angeredete zurück. „Wieso das?" „Was bei euch „Mutter" (erlaubt) ist, ist uns strengstens verboten." > In einer jüdischen Gemeinde war es üblich, daß die Leute in der Synagoge das Sefer mittelst der Hand! küßten. Diel Gemeindemitglieder pflegten es aber zu vergessen, ihre bei der offenen Thorarolle genannten Spenden zu bezahlen. Der Rabbiner sagte von der Kanzel herab: „Man küßt mit dem Munde und spendet mit der Hand, nicht aber umgekehrt Aus östlichen Purimblättern. 1. Paßerl eich teruugen. Wie aus Warschau berichtet wird, können dort folgende Personen Erleichterungen bei Erlangung von Auslandspässen erhalten: .1. Personen, die sich ins Jenseits begeben. Dazu erforderliche Papiere sind: Visum des „Malach hamowes", Bestätigung des Rayonarztes und eine Quittung der Beerdigungskommission. 2. Bürger jüdischen Glaubens, die in einer Gruppe von nicht weniger als drei Millionen das Land zu verlassen gedenken. Betreffende müssen den Nachweis erbringen, daß sie 100 Prozent ihres Vermögens als Vermögenssteuer enttichtet haben, abgesehen von Einkommen- und Umsatzsteuer. 3. Vollkommen befreit von Paßgebühren sind jüdische Sejmdeputierte, die von ihren Parlamentskollegen nach Palästina, zu Trotzki oder zum Teufel geschickt werden. 2. Der orthodore Verrat. Die ganze Schwere des Verrates, den Rabbi Sonnenfeld bei seinem Besuche des Königs Hussein gegen die Zionisten begangen hat, wird darin gesehen, daß er es unterlassen hat, nur ein Wort gegen die Zionisten zu sagen. Damit hat er unverschämterweise den Zionisten den letzten Angrisfspuntt entzogen. Sabbat-Anfang und -Ausgang. Ort: Anfang UhriMin. £>C 1924 | ltUm 6684 All! Uhr S* mm. Frankfurt a. M. 6 45 19. 15. 8 10 Berlin .... 6 55 April Nitzan 7 40 München . . . ' 6 45 7 50 Köln .... . 7 - 8 20 Stuttgart . . . 7 - 7 54 Breslau.... 1 7 — 7 80 Nürnberg . . . 6 45 7 58 Hamburg . . . 7 15 8 20 Wochenkalender. 1V.-2S. April 1V34 , 16.-33. Nissan 5884 Samstag April 14 : nvs islrv'i 1. Pefsach-Tag Sonntag 20 lä 2. Pesfach-Täg Montag 21 1? V Dienstag 22 ld Mittwoch 23 1« / Chaul-Lamaued Donnerstag 24 20 J an»» Freitag 25 2lj 7. Pessach-Tag Samstqg 26 V'N'VN 8. PessachT«,