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Der Israelit · 1924-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1924)
Date
1924-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17. April 1924 __ Wiederum hat man, wie gewohnt, sich von dell bekannten zionistischen und bundisti scheu Matadoren am Gängelband fuhren lassen und die Orthodoxie so gut wie vollständig ausder Verwaltung des künftigen Aufbauwerks ausqesperr 1. Daß diese Verwaltung somit keinen Ansprrrch auf Vertrauen erheben kann, ist klar. Es werden wiederumwie früher, aus den Geldern, die zu wesentlichen Teilen aus den Taschen der amerikanischen Orthodoxie fließen, die Anstalten der gegnerischen Parteien unterstützt und die auf traditioneller Grundlage ruhenden Institutionen benachteiligt werden. Verantwortlich für diese himmelschreienden Zustände ist die Orthodoxie Amerikas selber,, die sich bis heute noch immer keine starte Organisation gegeben und in wesentlichen Teilen den Anschluß an „Agudas Iisroel" noch nicht gefunden hat. Es wird nicht eher besser werden, bis man in .Amerika dem Ruf der Führer folgen und die Reihen zu gemeinsamer Arbeit an dem von der „Kenessio Gedaulo" aufgerichteten Werke schließen wird. Die Zukunft des jüdischen Aufbauwerks in Europa. N e w - D o r k, 10. April. Hier werden Beratungen über groß angelegte Pläne gepflogen, die die Fortsetzung des bis jetzt von dem Joint Distribution Committee unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas geführten Aufbauwerkes zum Gegenstand haben. Es sind in dieser Beziehung bereits Pläne ausgearbeitet und Beschlüsse gefaßt worden. Seitens des VÜdsitzenden des Aufbau-Komitees des „Joint/, Colonel Herbert Lehman, wurde der I. T. H die folgende zusammenfassende Darstellung gegeben: * Nachdem es den Mitgliedern des Joint Distribution Committee klar geworden war, daß dessen direkte Aufbauarbeit nicht ins Unendliche weitergeführt werden könne, wurde ein Plan ansgearbeitet, der die Fortsetzung der Arbeit durch andere Instanzen für eine beträchtliche Zeit hinaus und, soweit möglich, nach den bis jetzt verfolgten Richtlinien sichern würde. Der Vorsitzende und die Mitglieder des Aufbau-Komitees haben der Ausarbeitung eines. solchen Planes mehr als ein Jahr sorgfältigster Erwägung gewidmet. Der Vorsitzende und andere Mitglieder des Komitees haben mit führenden Juden Beratungen gepflogen. Man hofft, daß das dieser Der I s r a e l i t _ Angelegenheit gewidmete ernste Studium Anfang April abgeschlossen sein wird. Man beabsichtigt, in den Vereinigten Staaten oder in einem Linde in Westeuropa eine Zentraleinrichtung zu gründen, der die Befugnisse des Aufbau- Komitees ausgenommen die das Aufbauwerk in Palästina betreffenden, übergeben werden sollen. Da für den Aufbau Palästinas andere Vorkehrungen getroffen sind, wird Palästina nicht in den Plan mit einbezogen. Diese Gründung soll von einem aus zwanzig Mitgliedern bestehenden Vorstand verwaltet werden. Sechs von ihnen sollen durch das Joint Distribution Committee, sechs durch die Jewish Colonisation Association gewählt werden, während die übrigen acht Mitglieder durch das Joint Distribution Committee, meistens aus Osteuropa eingeladen werden sollen. Durch diese vorgeschlägene Ordnung und. die Statuten ist eine Bürgschaft dafür geschaffen, daß das Direktorium der neuen Organisation unter allen Bedingungen und zu allen Zeiten die wahrhafte Vertretung des jüdischen Lebens sein wird. Das Joint Distribution Committee verfügt über eine Summe von etwa 750.000 Dollar zu freier Verfügung, die evtl, der neuen Gründung übergeben werden würden. Dazu kommen noch etwa 300.000 Dollar, die schon vorher für gewisse Zwecke endgültig festgelegt sind und die dem neuen Unternehmen ebenfalls übergeben werden. Dieses Geld darf aber von der neuen Leitung nur für die schon vorher bestimmten Zwecke verwendet werden. Die dem Joint zustehenden übrigen. Aufbaubefugnisse, wie Anleihen. Gewinne, Investierungen. Einrichtungen usw. werden ebenfalls der neuen Verwaltung unterstellt werden. Das aus der Veräußerung dieser Aktivposten einfließende Geld soll der weiteren Aufbauarbeit dienen. Durch ein besonderes Abkommen mit dem Joint Distribution Committee ist die neue Verwaltung verpflichtet, soweit als möglich die bis jetzt von dem Joint Distribution Committee unternommenen und ausgeführten Arbeiten fortzusetzen. Das ganze Direktorium wird von Zeit zu Zeit an einem zu bestimmenden Platz in Europa zusammentreten. Die Verwaltung wird in den Händen der beiden Direktoren, die jetzigen Exekutiv-Direktors des Joint Distribution Committee. Dr. Bernhard Kahn, und des ietzigen Ica-Direktors, Herrn L. Oungre, liegen. Diese beiden Direktoren werden einem Erekutiv- Komitee von fünf Mitgliedern Rechenschaft abzulegen haben. Das Hauptbüro der Organisation wird vorläufig in Wien unter der Leitung des Dr. Bernard Kahn untergebracht sein. Nr. 16/17 Seite 3 Ich habe das größte Vertrauen — schloß Colonel Herbert Lehman — daß die neue Gründung ein Meilenstein in dem großen Werk des wirtschaftlichen Aufbaus des außeramerikanifchen Judentums sein wird, auf den das Joint Distribution Committee und die amerikanische Iudenheit stolz sein können. (I. C. A.). Recht und Liebe. von Dr. Asaac ZSreuer iu Arankfurt a. W.*) (Schluß.) Das Recht des menschlichen Nebeneinander ist Bruderrecht. Denn als eine einzige Familie ward die Menschheit geschaffen. Gallenliebe, Elternliebe, Kindesliebe, Bruderliebe: mit welch unermeßlicher Mannigfaltigkeit von Liebe hat der Schöpfer das Geschöpf begabt. Liebe ist der Zweck, der Inhalt des Daseins. Liebe allein fragt nicht mehr nach Wozu. Liebe allein ist Selbstzweck. Von seiner unendlichen Liebe hat der Schöpfer dem freien Geschöpf unendlich viel gespendet, auf daß sein freies Geschöpf in trunkenem Entzücken Gottes Liebe wissend liebe und. Gottes Liebe wissend liebend, Gott selber liebe. Gottes Schöpfungsrecht hebt die vierfache Liebe hinan zu Gottes Liebe. Recht und Liebe sind keine 'Gegensätze, so wenig wie Naturgesetz und Naturliebe. Recht formt die Liebe. Durch Gottes Recht zu Gottes Liebe. Den Weg Gottes muß man hüten, um „Liebe und Recht" zu üben. — — — Das ist das Testament Abrahams, unseres Vaters. Adams Testament lautete nicht anders. Nur als Familie des Gottesrechts ist die Einheit der Menschheit denkbar. Da Adams Familie die Einheit der Gottesrecht-Familie verwarf und, ruhmsüchtig den Umkreis des Weibes durchbrechend, die gewillkürte Einheit des souveränen Empörer-Un-Rechts stiften wollte, splitterte siein souveränen Staaten auseinander. Aus Adams einheitlicher Rechtsfamilie entstanden die „Familien der Völker", und diese Familien wurden — verstaatlicht. So knüpft Abraham wieder unmittelbar an Adam an. Abrahams Testament errichtet von neuem Gottes Rechtsfamilie. Judesein heißt Geschöpfsein.- Ein weiser Enkel Abrahams, um die kürzeste Formel des Iudeseins angegangen, gab folgende Ausiunft: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich". Die Formel besagt in der Tat alles. Daß sie eines Kommentars bedarf, teilt sie mit jeder Formel und ist von dem Weisen selber betont worden. *) Aus des Verfassers „Elijah u". Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. stellungsart unterscheidet sich wohl kaum von der bei anderen Völkern üblichen. Indessen kannte man auch Brennöfen, obschon bisher kein solcher aufgefunden worden ist. Im 5. Kapitel des 2. Buch Mose wird von der Ziegelfabrikation in Aegypten durch die Hebräer erzählt und davon gesprochen, daß dazu Stroh verwendet wurde. Die Art und Weise der Verwendung dieses Strohes erschien lange nicht aufgeklärt. Man hielt es für ein mechanisches Bindemittel. Auch Malbim in seinem Kommentar zur Stelle bezeichnet es als solches und im Osten wird es auch beim Ziegelbrennen in der ausgesprochenen Absicht, die Ziegel haltbarer zu machen, verwendet. Bei Versuchen, die der berühmte amerikanische Elektrotechniker Acheson über die Elastizität und Zugfestigkeit des zu Schmelztiegeln verwendeten Lehms anstellte, zeigte es sich, daß durch den Zusatz organischer Stoffe und zwar besonders von Stroh und Lehm, der dann getrocknet wurde, die Bruchfestigkeit des daraus gewonnenen Ziegel von 5,75 Kilogramm pro Quadratmeter auf 19,75. Kilogramm stieg, so daß also eine Erhöhung der Festigkeit um 244 Prozent statt hatte. Acheson zweifelte nicht, daß die Aegypter mit, dieser Wirkung des Strohs auf die Ziegelmasse bekannt" waren, die, wie er seststellte durch die Gegenwart eines im Stroh enthaltenen Körpers hervorgebracht wird, der' auf den Lehm' in ähnlicher Weise einwirkt rote Gerbsäure. Daß zur Herstellung von Ziegeln in Wgypten tatsächlich Stroh Verwendung fand, beweisen die (ungebrannten) Ziegel von El-Kab und "ie Pyramrdenzregel von Daschur, in denen neben Stroh iluch Pflanzenblätter und Teile von Gramineen (Triticum vulgare L., Hordeum vulgare L. und Hordeum hera- »tichon L.) gesunden wurden. Cs ist nach dem Gesagten vielleicht gestattet, die Worte der Bibel (2. B. Mos. 6» 8.) misrin nrri etwas anders als die übliche Uebersetzung mit „bestimmter Zahl" oder „gewisse Anzahl" zu deuten. Man könnte vielleicht sagen, es heißt: Obgleich sie kein Stroh erhalten , und sie sich es selbst zusammen stoppeln müssen, müssen sie die Ziegel gerade so fest machen wie früher. Tochen (Thow Kaw Nun) ist nämlich nach der gewöhnlichen Auffassung ein sekundärer Stamm von Kaun (Kaw Waw Nun) v. Barth WW. 52 f. auch aram-ass. „takanu" in Ordnung fest vgl. zu Tikon (mit Kuw). Eine Bestätigung für diese Auffassung dürfte auch sein, daß es weiter unten (Vers 14) heißt: Madua lau chilisem chokchem: „Warum habt ihr nicht vollendet euer Festgesetztes", also für die „bestimmte Zahl" ein anderer Ausdruck gebraucht wird. Eine weitere Eigenart der keramischen Technik des alten Aegyptens sind die merkwürdigen Tongefäße, die man dort schon sehr frühe zum Aufbewahren des Wassers benutzte und die am Nil auch heute noch gebraucht werden, die sogenannten „Gullahs". Sie wurden bei sehr niedriger Temperatur gebrannt und waren infolgedessen sehr porös. Füllte man nun an heißen Tagen Nilwasser hinein, so drang dieses durch die Poren hindurch und verdunstete an der äußeren Oberfläche des Kruges. Hierdurch wurde an heißen Tagen ein besonders kühles Wasser erzielt. Diese Gullahs dienten aber auch zugleich zur Fabrikation anderer dichterer Töpfe, waren also eine Art Töpferscheibe und wahrscheinlich identisch mit dem 2. B. Mos. Kap.;i I. V. 16 vorkommenden Worte wurden also auch als Kreißstuhl benutzt wie Rasch! z. St. erklärt und zum Beweis einen Vers aus Jerem. 18. anführt. Diese. Kühltöpfe waren eben noch Halbfabrikate, die primitiv /aus zwei aneinander geklebten Ziegelsteinen bestanden. (Ownojim im Dual von Ewen. Vgl. auch Hoffmann in Wohlgemuts Jeschurun, sowie Spiegelberg und andere Aegyptologen.) O. L. Des Pefsachfestes wegen erscheint die nächste Nummer am Donnerstag, den 1. Mai. Hayadah. Der kleine Junge läuft auf mich zu. „Das ist doch ein richtiges Buch für Kinder!" ruft er und strahlt und bringt mir das Büchlein mit dem röten Umschlag und dem eingepreßten, inhaltsvollen Worte „Hagada". — Der Vers fällt mir ein: „...und ich gedenke der Liebe deiner Kindheit..." Von der Kindheit unseres Volkes erzählt uns dieses Büchlein, spricht mit unserer Kindheit, wird von Kindheit nur erfaßt und empfangen. Denn unser Leben, von Alltag geschaukelt, von stürmischsten Wellen hin und her geworfen, auf und nieder gerissen, ist glücklich erst, wenn es von Kindheit — wie von Frühlingssonne — übergoldet und durchwärmt wird... Der kleine Junge schlägt das Büchlein leise auf, und aus traumschöner Weltverlorenheit steigen ganz eigene Gefühle empor, aus einfachen Seiten erhebt sich weihevolle Andacht, unsere Seele klingt mit in Ewigkeitsahnungen ... Wer seiner Kindheit die Treue gehalten hat, wird sich in ihnen sonnen können. Und wer seine Kindheit verloren hat, findet/Wege, die zurückführen, wenn er das Büchlein und Ländere dieser Art in einsamer Stunde aufschlägt ... — Der kleine Junge neben mir ist still geworden. ' Er blättert immer weiter . . . I. Raphael. Geseke. Rabbinischer Humor. Der Kaminker Rabbi fuhr mit Ehajim, dem jüdischen Fuhrmann, der vier Pferde vorgespannt hatte und dennoch nicht vom Flecke kam. Der Rabbi sagte:

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