Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 16/17 Der Israelit 17. April 1824 fo daß man in kürzester Form eine klare Ueberficht über die einzelnen Auffassungen der strittigen Stellen vor Augen hat. Die dem Chofez Chajim eigene leichtflietzende Sprache und lebendige Darstellung erleichtern das Studium ganz wesentlich. In der Kundgebung bittet der Rabbi, das Wert nach Möglichkeit zu verbreiten, nicht in dem Sinne, dab es gekauft werde und ihm materiellen Gewinn einbringe, sondern dab es überall und mit ihm der Text des trara nun usw. gelernt wird, des hohen geistigen Gewinnes wegen. Er selbst verzichtet auf jeden Nutzen und ist bereit, da wo sich fünf Personen zum gemeinsamen Lernen einfinden, fünf Exemplare weit unter dem Herstellungspreis (ungefähr die Hälfte des Ladenpreises) zu überlassen. Als Bedingung stellt der Rabbi: eine Bestätigung des Ortsrabbiners, datz die Bücher ausschlietzlich zum Lernen gebraucht werden. Den Versand besorgt im Aufträge des Verfassers Rabbiner I. M. Kagan, Radin. bei Lida, Polen: in Warschau: Herr Rappaport. Mylna 5/22. Es sollen diese Angaben keiner Reklame dienen. Es soll nur gezeigt werden, wie glühend die Liebe zum jüdischen Volke, seinem Lande, seiner Vergangenheit und seinen Heiligtümern im Herzen der wahren Volljuden lodert. Das ist die grobe Bereitschaft, wie sie vob Rabbi Iochanan ben Sakkai bis zum Chofez Chajim uns ohne Unterbrechung, jung und durchzittert von heißer Sehnsucht, auf der Warte erhalten hat. Lassen wir eine Spur von diesem Geiste des Ostens, der in Wahrheit der Geist des Judentums ist. einen Hauch von dieser groben heiligen Bereitschaft in das reine Herz unserer Kinderdringen, wenn wir am hellbeleuchteten Sedertisch ihren tausendjährigen „vier y-r,.«r»" w* Erklärung vorau«s«b"*." : ,j*un nw*? «2N «nvn Wochenrundschau. Reichstagswahlen und jüdische Orthodoxie. Die bevorstehenden Reichslagswahlen bewegen die Parteien aufs stärkste. Der Aufmarsch hat längst begonnen. Uns Juden wird durch die politische Lage die Stellungnahme nicht gerade leicht gemacht, den gesetzestreuen Juden schon ganz und gar nicht. Unsere ganze Geistesstruktur und religiöse Einstellung weist uns nach rechts. Aber dort ist leider der Wohnsitz derer, die uns andauernd mit Hah belegen und das politische und wirtschaftliche Elend, nicht zuletzt von ihnen selbst verschuldet, als Hochkonjunktur gegen die Juden ausnutzen. Diese Linie des Hasses geht von der extremen Rechten bis tief hinunter in die bürgerliche Mitte und ist in etwas verschwommenen Abzeichnungen noch in der extremen Linken zu merken. Allein wäre auch letzteres nicht der Fall, so würde uns kluge Besonnenheit und religiöse Ueberzeugung davor bewahren, uns von der begreiflichen Verärgerung ins Lager der Linksradikalen drängen zu lassen. Schauen wir uns aber nun nach der Seite um, die von allen Parteien unsere besondere Unterstützung und unsere Wahlhilfe verdient, so ist dies, es mutz das hier mit aller Offenheit und Entschiedenheit gesagt werden, das katholische Zentrum. In Deutschland, wo wir kein Nationalitäten- Parlament, sondern ein nach Parteien gebildetes haben, gibt es kein anderes Mittel, religiöse Minoritätsrechte zu wahren, als den Anschlub an d i e Partei, die, sich selbst als grobe religiöse Minorität im Lande fühlend, über ihre religiösen Interessen eifersüchtig wacht und damit grundsätzlich die religiösen Interessen Anderer vertreten muh und auch allezeit getreulich vertrat. Das deutsche Zentrum hat im Belange der Toleranz Traditionen, die sich an die Namen Windthorst, Lieber u. a. knüpfen, Traditionen, denen es heute bei der Hochwelle des Antisemitismus mehr denn je gerecht zu werden sucht. Die blindwütige Hetze in München und Bayern geht unter der Parole: Gegen Kathqliken und Juden! vor sich. Die exponierten Vertreter beider widerstreitender Weltanschauungen heißen: Ludendorff und Faulhaber, und es ist nicht zu ermessen, wieviel Unheil durch das mannhafte Auftreten des auf Frieden und Versöhnung hinarbeitenvc.t sttx^owfiirfteit gegen die waffenklirrenden, auf Volksverhetzung t)ttuut>eiWn\>*n Generäle verhütet worden ist. Der kommende Reichstag wird vor Aufgaben gestellt, die je nach ihrer Lösung auch tief in das jüdische Leben und das jüdische Schicksal einschneiden. Wir nennen nur das R e i ch s s ch u l - ge setz. Das Zentrum tritt mit der ganzen ihm eigenen Energie für die Konfessionsschule, die religiöse Grundschule ein. Diese Konfessionsschule ist aber, was wir oft genug nachgewiesen haben, auch eine Lebensfrage für das deutsche Judentum, das feine Zukunft nur mit der religiösen Schule retten kann. Es könnten noch andere Fragen aus der Versenkung wieder auftauchen wie beispielsweise die Schächtfrage, und wir haben die Haltung des Zentrums in dieser Angelegenheit noch in bester, dankbarer Erinnerung, In den Jahren des Chaos, die über Deutschland NM dem Kriege gekommen sind, waren es vornehmlich Zentrumsmänner, die in schwerer Stunde das Staatsruder in die Hand nahmen und, im positiv Religiösen wurzelnd, das Staatsschiff nicht schlecht durch die hochgehenden Wogen gelenkt haben. Selten noch hat ein Reichskanzler solche Worte der Entrüstung und Zurückweisung gegen die antisemitischen Brunnenvergifter und solche Worte der Gerechtigkeit für die Juden gefunden wie Wirth. Und Marx spricht, und was noch wichtiger ist, handelt in ähnlichem Sinne. . Wie die Dinge heute in Deutschland liegen, ist uns als gesetzestreuen Juden ein besserer Weg als ein politisches Zusammengehen mit der Zentrumspartei, die das Religiöseauf ihr Schild geschrieben, das Religiöse schlechthin und darum Hüterin auch unseres religiösen Rechtes ist, nicht gegeben. Das ist aber auch ein Weg. mit dem wir nach unserer Ueberzeugung der Mahnung des Propheten i'pn aito m wyt» „lasset das Wohl des Staats ganzen Euren Leitstern im Golus sein," in diesem Augenblicke am besten gerecht werden. Denn es ist doch nun wirklich einmal so, datz kaum eine andere Partei in den letzten Jahren mit solcher Konsequenz eine matzvylle, auf Völkerversöhnung und nationale Selbsterhaltung gerichtete Politik vertreten hat wie häs Zentrum. Und dab hierin das Heil Deutschlands liegt, sollte kein Einsichtiger bezweifeln. Zoüit-Arbeit. Wir berichten an anderer Stelle u er bk erfreuliche Tatsache, dab die oft a-ngsTünoigtL. Einstellung der vom amerikanischen **oim \mtiou Comittee fast ein JcchrMnt lang betriebenen großzügigen Hilfst/-tiaksrt für Europa nun doch vermieden bleibt. Zusamm i mit der J,C.A. wird der Joint zunächst av: das Vorhandene anknüpfen, und es ist wohl zu hoffen, datz es im Notfälle auch an einem Nachschuh von Hilfsgeldern nicht fehlen wird. Man darf insbesondere die osteuropäische Iudenheit zu dieser Entwicklung der Dinge beglückwünschen. Traurig bleibt nur das eine: Auch jetzt wieder hat die Leitung des Joint es nicht vermögt, sich von einseitigen, parteiischen Einflüssen zu emanzipieren und den religiösen Volksmassen des Ostens Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ostjüdisches historisches Archiv. Man schreibt uns: Vor 5 Jahren gründeten die jüdischen gesellschaftlichen Kreise in Kiew ein Kollegium, welches die Aufgabe hatte, Materialien über die Pogrome, die zu jener Zeit in der Ukraine mit aller Gewalt wüteten und bereits einen Massencharakter angenommen hatten, zu sammeln. Dieses in der Zeit des Elends hervorgerufene Archiv nahm allmählich an Umfang und historischer Bedeutung zu — und ist nun ein riesiger Quellenschatz geworden, welcher Tausende von Protokollen, von Angaben der Verfolgten, von offiziellen Berichten, Gemeindeaufzeichnungen („Pinkossim"), Verzeichnissen der Ermordeten, Hunderte von Urkunden, Photographien, ja sogar Kinoaufnahmen und dergleichen enthält. Das Archiv stellte sich die Aufgabe, das aufgefammelte Material in einer Reihe von Büchern zu veröffentlichen — ein Fundamentalwerk auf diesem Gebiet zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurde die Sammlung nach dem Auslande — nach Berlin — gebracht, wo sich um das herauszugebende Werk verschiedene Geschichtsforscher. Schriftsteller, sowie gesellschaftlich tätige Personen gruppierten. Die verschiedenen Hilfsorganisationen, die eigentlich eine solche Arbeit zu fördern hätten, waren so sehr durch ihre direkte Hilfstätigkeit in Anspruch genommen, daß sie einem Werke von solch großer historischer Bedeutung gar kein Interesse entgegenbrachten und nur sehr wenig dieses Unternehmen unterstützten. Es ist daher bisher gelungen nur den ersten Band dieser aus mehreren Bänden bestehende Ausgabe in zwei Sprachen herauszugeben. Zurzeit befindet sich das Archiv in einer sehr kritischen Lage, und es besteht daher keine Möglichkeit, die weiteren, in Manuskript bereits fertiggestellten, Bände zu veröffentlichen. Das Material über die Pogrome von Petliura, Denikin usw., auch ein namentliches Verzeichnis der Ermordeten, das Material über den jüdischen Selbstschutz — das alles wird unausgenützt bleiben müssen. Einer großen Gefahr wird das Archiv selbst — diese seltene Sammlung von Dokumenten über die Leiden uno das Elend der Juden — ausgesetzt. Wir wenden uns deshalb — durch Vermittlung der Presse — an die jüdischen Gemeinden, Genossenschaften und Organisationen aller Länder, denen die Vollendung eines solchen historischen Werkes naheliegt. Ein so wichtiges kulturelles Unternehmen darf nicht untergehen. Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, das begonnene Werk zu vollführen. Die dazu nötigen Mittel sind nicht groß. Die Ausgabe erscheint in jüdischer und russischer Sprache. Ein solches historisches Werk könnte auch in hebräischer, sowie in einer der europäischen Sprachen herausgegeben werden, — wären bloß die erforderlichen Geldmittel da. Ganz besonders wenden wir uns an die Ukrainischen Emigranten, an diejenigen, denen es gelungen ist, sich vor der Pogromgesahr zu retten, und die jetzt in ruhigen Verhältnissen leben. Sorget, daß das Archiv bestehen bleibt, daß das begonnene Werk vollendet und unseren gefallenen Brüdern in der Ukraine eist historischer Denkmal errichtet wird. Geldzuwendungen können an folgende Adressen zugesandt werden: Berlin, Dr. M. Kreinin, Knesebeckstraße 9. 1. Mage oder Redaktion „Jüdische Rundschau", Sächsische Straße 8. Ziegelherstellung durch Hebräer iw alten Aegypten. Die keramische Technik der Aegypter ähnelt in ihren Hauptzügen sehr derjenigen der Babylonier, Assyrer, Perser usw. lltzenn Herodot (II. 136) von der Ziegelpyramide des Königs Asyonis erzählt, daß sie die Inschrift trage: „Halte mich nicht gering im Vergleich mit den steinernen Pyramiden, denn ich bin soweit über ihnen, als Zeus über den andern Göttern. Denn sie steckten eine Stange tief in einen Sumpf hinein uyd was da hängen blieb von Schlamm an der Stange, das samnielten sie und strichen Ziegel daraus. Und auf diese Art haben sie sich gebaut", so ist diese Schilderung der Tongewinnung recht bemerkenswert, sie ist jedoch wohl kaum die einzig gebräuchliche gewesen. Im übrigen geben uns die erhaltenen bildlichen Darstellungen hinreichend Aufschluß über die Art und Weift, wie Man ist Aegypten Ziegel herstellte. So besitzt das Deutsche Museum in München ein solches Bild, das aus dem Jahre 2000 vor unserer Zeitrechnung stammen durste. Hieraus sieht man zunächst zwei Leute, die aus einem Teiche Wasser schöpfen zum Anfeuchten dös Rohmaterials (Nilschlamm). Andere bearbeiten das Material und bringen ös in die Ziegelformen (Holzkasten). Daneben steht der Aufseher. Die Ziegel trocknen dann Leute an der Sonne, wieder andere holen sie herbei und errichten eine Mauer. Diese Her-