Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 15 Der Israelit 10. April 1924 die sich unter Vorsitz Dr. Wigodskis fast einstimmig gegen die „religiöse Kehila" aussprach. Von der sofortigen Einreichung eines Memorandums an die herrschende Macht wurde abgesehen. In Warschau ist just zur rechten Zeit die fast verschollene Volkspartei wieder auferstanden. Herr Noah P r i l u tz k i hatte einen Prozeß mit seinen Teilhabern im „Moment", der nun nach langen Verhandlungen zu seinen Gunsten ausgegangen ist. Prilutzli, der Führer der Volkspartei, hat nun seine Presse und beherrscht den „Moment", so, daß er den Einslutz der Volkspartei auf den Gang der Wahlen mit der ganzen ihm gegebenen Demagogie ausüben kann. Die Volkspartei hat auch demgemäß bereits ihre Beschlüsse gefaßt und ihre Stellung zu den Wahlen präzisiert. Man spricht von einem national-demokratischen Block, doch weiß man darüber noch nichts bestimmtes. Da schon dieser Tage der von der Regierung bestellte Wahlkommi'sfar in die Gemeindestube einzieht, so wird sich die Gemeindeverwaltung mit den Vorarbeiten sehr beeilen müssen. Ob sich der „Bund" an den Wahlen beteiligen wird, ist noch fraglich. In orthodoxen Kreisen geschieht alles, um ein geschlossenes Vorgehen zu ermöglichen. Warschau, 7. April. Nunmehr machen sich die Vorbereitungen zu den Wahlen auch in der Provinz, sowohl in Galizien wie in Kongreßpolen, sehr bemerkbar. Ls ist aber fraglich, ob sich die Wahlen am festgesetzten Termin, dem 1. Juni, durchführen lassen. — In Warschau hat der Aufmarsch der Parteien begonnen und in der Gemeindestube waltet der Wahlkommissar seines Amtes. Das Zentralkomitee der Agudas Jisroel in Polen erläßt eine Wahlerklärung, in der die Forderungen aufgrste.lt werden: 1. Die Vertreter der religiösen Juden müssen im Leben und Denken streng auf dem Boden des Gesetzes stehen. 2.Die Zahl der orthodoxen Mandate muß vermehrt werden, um eine Majorisierung derselben von linker Seite zu verhindern. Große Aktion der Zewsekcya gegen Pessach. Moskau, 7. April. Die Jewsekcya (Sektion jüdischer Kommunisten) veranstaltet in ganz Rußland eine große Aktion gegen die Abhaltung von Pessach, das Essen von Mazzoth usw. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Was der Mensch vermag. — 8. Wochenrundschau: Bayerische Wahlen. — Die Aüsgleichsbemühungen in Jerusalem. — „Verrat". — 3. Homiletik: Bon Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen: Bemerkungen zum Wochenabschnitt und Vrun mp. — 4. Kleines Feuilleton: Bon Willy Wolf in Köln: Die Sedernacht zu Bne Brak. — Die Juden in China unter der Ming-Dynastie. — (Was Achadhaam Herrn Mosstnsohn sagte. — 5. Aufsätze: Bon Dr. Jsaac Breuer in Frankfurt a. M.: Recht und Liebe. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten. — 7. Aus aller Welt. — 8. Feuilleton- Beilage: Der große Herr. — Kinderecke: Wer Andern eine Grube gräbt . . . — Sprechsaal.— Literarische Notizen. — Frankfurter Berichte. — Vereinskalender. — Gebetzeiten. — Familiennachrichten. — Briefkasten. — Beilage: S. R. Hirsch, Frühling und Freiheit. Bogen 7. Eine besondere Frauenabteilung agitiert stark unter den jüdischen Frauen gegen die üblichen Vorbereitungen zu diesem Feiertag. (A. I. P. B.) Holland. Besuch der holländischen Königin in der Amsterdamer Synagoge. Amsterdam, 4. April. Mit großer Ehrerbietung seitens der jüdischen Bevölkerung Amsterdams wurde die holländische Königin Wilhclmine, begleitet von ihrem Gatten, dem Prinzgemahl, und der Kronprinzessin Juliana aus dem Wege zu der großen Synagoge im Judenviertel empfangen. Die Synagoge war besonders geschmückt: auf den für die königlichen Besucher reservierten Sitzplätzen waren die königlichen Wappen mit hebräischen Psalmausfchriften angebracht. Der Oberrabbiner Onderwyzer sowie der Präsident der Gemeinde, E. B. Asscher hielten Ansprachen, worin sie die Tradition der Gerechtigkeit, Toleranz und Freiheit des niederländischen Königshauses rühmten. Anläßlich dieses Besuches wurden in der Synagoge zwei Gedenktafeln enthüllt. (J.T.A.) GnKland Don der Orthodorie zur Reform. L o n d o n, 29. März. Einunddreißig gegen einunddreitzigl Das sind die Abstimmungszisfern, mit denen eine der denkwürdigsten Sitzungen des englischen „Kriegserinncrungsfonds", der bekanntlich die materielle Versorgung der jüdischen Erziehungsinstitutionen übernommen hat, am letzten Montag schloß. Es handelte sich um die Frage, ob dem englischen Rabbinerseminar, I e w s College, eine freie Akademie mit unbegrenzter Lehrfreiheit für Bibelkritik und religiöse Reform angegliedert werden soll oder nicht. Die Liberalen jagen: da die Reformsynagogen mit ihren freisinnigen Predj. gern und ihren gesetzwidrigen Institutionen friedlich und gleichberechtigt im Schoße der Uniled Synagogue unter der oberhirllichen Leitung des Chief-Rabbi anerkannt werden, so sei nicht einzusehen, warum die gleichen Lehrmeinungen nicht auch im Gebäude des Rabbiner, seminars von einer besonderen Lehrkanzel verkündet werden dürsten. Der Chief-Rabbi aber unter Assistenz seines Bes Din beharrt bei seinem Proteste gegen diese Vernichtung des bisher grundsätzlich orthodoxen Charakters von Jews College, mindestens aber dagegen, daß unter demselben Dache den künftigen Rabbinen die Treue zum Judentum und der Abfall vom Judentum wie die Speisenfolge einer reichhaltigen Hotelküche serviert werden solle. Dr. Herz hat diesmal scharfe Töne gefunden und dadurch ebenso scharfe Erwiderungen seiner liberalen Gegner, insbesondere des Vorsitzenden von Jews College, Mr. Cmanuel, hervorgerufen. Letzterer hat bereits seine Demission eingereicht. Trotzdem ist der Ausgang des Kampfer mehr als zweifelhaft. Cs zeigt sich wieder einmal, daß auf geistig-religiösem Gebiete die Entwicklung der Dinge von einer inneren Logik getragen wird und dah jede Schwäche und jede Inkonsequenz sich früher oder später rächt. Ans aller Welt. Deutschland. Der Reichsbund beantragte beim Landtag die Ausweisung aller seit 1. 8. 14 zugezogenen Ostjuden. — Eine Versammlung von Anstaltsleitern in Berlin verlangte die Errichtung eines Heimes für psychopathische jüdische Kinder; eine Zentralstelle für Unterbringung solcher Kinder soll geschaffen werden. — General Ludendorff ist als Spitzenkandidat der Deutschvölkischen und Nationalsozialisten ausgestellt. Polen. In Posen fanden neue antisemitische Ueberfälle statt. — Das Militärobergericht hat eine neu« Revisionsverhandlung in dem Prozeß wegen des unschuldig Hingerichteten Rabbiners Schapiro in Plozk angeordnet. Amerika. Das Marshall-Comite zur Beratung d« Jewish Agency-Frage besteht aus neun Mitgliedern, darunter Cyrus Adler. — Oberrabbiner Kuk aus Jerusalem und Oberrabbiner Schapiro aus Kowno find in Newyork eingetroffen. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und da» Feuilleton! S. Schachnowitz;Inserate t. B.: S. Schachnowiß, sämtlich in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Berlag -Israelit*, G. m. d. H» Frankfurt a. R. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M. )0@C^)0^0^)0@0^0( noaVjnira MM >» M Makronen Bisquiis Torten etc. unter Aufsicht des Rabbinats Vmup ms; en <jros en detail J. Tannenwald BERLIN C. 54 _ Gipsstr. 11 :: Norden 612 o o 2nätrug< ffiome aus erster osttüd. Familie sucht im Haushalt. Angeb. unt. 18107 an die Erp. d. Bl. Tüchtige, perfekte I für ein kleines, rituelles Hotel zur Sommer-Saison gesucht. Offerten an Hotel Hirsch, Bad Ems. Inh. Alb. Mainzer. Köchin für Wiener Küche ab 1. Mai gegen hohen Lohn gesucht. 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