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Der Israelit · 1924-04-10 · Heft 15 (10.4.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 15 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. April 1924 treuen liebevoll hegen und pflegen, sondern im Hinblick auf den brennenden Wunsch der ganzen Diaspora. Wir geben uns am allerwenigsten einer Täuschung darüber hin, daß zwischen den staatsphilosophischen Anschauungen Rabb. Kucks, die das reale Leben weit überfliegen, und der ganz in der Erfahrung wurzelnden Stellung Rabb. Sonnenfelds zu den jungjüdischen Gemeindepolitikern ein sachlicher Ausgleich unmöglich ist. Aber unbeschadet dieses Gegensatzes zeigt der Vorschlag der polnischen Rabbinen einen Weg. der zu erträglichem Zusammenleben und Zusammenwirken der O’xv führen kann, wenn man auf beiden Seiten den guten Willen hat, diesen Weg des pis onoswi ayrix f'2 snaw zu betreten. „Verrat". Es ist eine alte Geschichte, von der uns schon die Mahnung des Propheten Jeschajohu erzählt: upp nrn ojrn ivx' -wx bdi wp jnaxn xb „Nennet nicht Verrat, was dieses Volk Verrat nennt!" Zu allen Zeiten haben sich siegreiche Parteien mit dem „Vaterland" identifiziert und als Hochverrat gebrandmarkt, was der berechtigte, von höchstem sittlichem Ernste getragene Ausdruck eines tiefer orientierten Patriotismus war. Der aus Dünkel und Parteiblindheit zusammengewobene Machtrausch unsrer zionistischen Stammesbrüder, der sich in den Redaktionsstuben („Iüd. Rundschau" vom 1. April) in geradezu grotesken, ans Pathologische grenzenden Wutausbrüchen auswirkt, verfolgt die gleiche Taktik gegenüber der zielbewußten Politik der „ A g u d a s I i s r o e l", weil diese einem Monopol der Zionisten auf Erez Iisroel in schärfster Form entgegentritt. Man wird in dem Memorandum, das die palästinensische Aguda unter Führung Rabbi Chajim Sonnenfelds dem König Hussein überreicht hat, auch nicht ein einziges Wort finden, das nicht von glühender Liebe zu Erez Iisroel und von dem offenen Bekenntnis zu Erez Iisroel als zentralem jüdischem Sehnsuchtszziel getragen wäre. Das Lügengefasel, das aus arabischen Quellen über angebliche Denunziationen der Aguda und über angebliche Erklärungen gegen die Balfour-Deklaration zusammengebraut wi.d, ist der „Jüdischen Rundschau" dennoch gut genug, um der Orthodoxie die wildesten Beschimpfungen an den Kopf zu werfen, wobei eine Ironie des Schicksals es will, daß die „Rundschau" selber in der gleichen Nummer, in der ihr die arabische Presse als Kronzeuge gegen die Orthodoxie dient, eben den „Felestin", die Hauptquelle der kamen und zu ihnen sprachen: Unsre Lehrer, die Zeit für das Lesen des Morgen-Schma ist gekommen!" Die Reihenfolge, in welcher die hier beim Seder versammelten Meister der Mischna aufgezähkt sind, drängt uns den Gedanken auf, daß sie einem liefen, inneren Grunde entspringt. Wie wäre es fönst erklärlich, datz R. Eleasar den Asarja, der damals im Jünglingsalter von sechzehn Jahren stand, R. Tarphon vorangeht und datz R. Tarphon, dessen Name (Saichedrin ioi a) im gleichen Kreise der Genossen an erster Stelle erwähnt ist, dieses Mal erst am Schlüsse erscheint. In der Tat findet sich (Berachoth 9 a) eine aus zwei nuv>na stammende Zusammenstellung der Ansichten der erstgenannten vier Mischnalehrer, aus welcher sich die Gruppierung ergibt, datz R. Elieser mit R. Eleasar, ben Asarja und R. Joschua mit R. Akiba übereinstimmt. Es handelt sich dort um die Frage, wie lange gemäß , der Vorschrift der Tauroh der Benutz des Pesachopfers zulässig sei und da nennen R. Elieser und N. Eleasar ben Äsarja als äußersten Zeitpunkt die Mitternacht, R. Joschua und R. Akiba das Aufstekgen der Morgenröte. Irren wir nicht, so sind dieser Meinungsverschiedenheit entsprechend die Namen an unsrer Stelle der Hagada geordnet und R. Tarphon wird sinngemäß erst nach ihrer - Aufzählung genannt, da seine Stellungnahme Zu dieser Frage nicht vermerkt ist. Wer weiß, ob der Gegenstand nicht gerade in jener Nacht zur Sprache kam und der Austausch der Ansichten von selbst R. Elieser mit R. Eleasar ben Asarja und R. Joschua mit R. Akiba in diesem Punkte zusammenführte! Wer weitz. ob die Ueberlieserung .die Sedernacht der fünf Weisey in,Bne.Brak nicht gerade deshalb den Folgegeschlechtern. in-dieser Gruppierung der Namen gegenwärtig hielt, um damit stillschweigend' dem- Gedanken D e r Istaelft _ zionistischen Lügennachrichten, in anderem Zusammenhang als ein „übles Sensationsblatt" charakterisiert! Was „Agudas Iisroel" verlangt und nicht aufhören wird zu verlangen, ist die Befreiung Erez Iisroels vom zionistisch e n Joche. Die zionistische Organisation, die ihrerseits die sinaitische Verfassung des jüdischen Volkes als einen Fetzen Papier betrachtet und damit ihre eigene Legitimation vernichtet hat, ist wider alles göttliche und menschliche Recht durch eine Kette von Zufällen in eine bevorzugte' politische Stellung in Erez Iisroel geraten, und ein Teil der orthodoxen Iudenheit nimmt diese schmachvolle Tatsache leider ruhigen Herzens als Tatsache hin. „Agudas Iisroel" aber würde Hochverrat an Erez Iisroel, Hochverrat an Gott und seinem Gesetze üben, wenn auch sie ihr Kompromiß mit solchen Tatsachen der Zeitgeschichte schlösse und nicht vor allen Völkern der Erde laut und vernehmlich ihren Protest gegen die Auslieferung des Gotteslandes an eine Organisation verkündete, die das Land entheiligt und auf dem Boden der Schechina ein neues Golus der Schechina vorbereitet. Möge der Zionismus immerhin über „Verrat" zetern — Jesajas' zürnendes Wort spricht ihm das Urteil. Recht und Liebe« von Dr. Asaac Areuer in Frankfurt a. W. Aus den uns vorliegenden Aushängebogen des nächste Woche erscheinenden bedeutsamen neuen Werkes des Autors, ..Elijah u", bringen wir die nachfolgenden charakteristischetl Bruchstücke des fünften Kapitels zum Abdruck. „Papa, erzähl' uns doch wieder eine Geschichte!" „So wie neulich? Das mit der Katze?" „Ja, das mit der Katze. Die ist schön." „Also hört zu: Es war einmal ein Mann, der hat geheißen Neuben —" „Ja, so wie der Sohn von Iaakauw." „Ganz richtig. Also Reuben. Herr Reuben wohnte in einem schönen Haus mit einem schönen Garten. Der Garten und das Haus haben ihm gehört —" „War der Herr Reuben jüdisch?" „Ja, der war jüdisch. — Im Haus vom Herrn Reuben waren aber viele Mäuse. Die haben immer alles weggegessen. Da hat sich der Herr Reuben eine Katze gekauft; eine wunderschöne Katze mit weißen Haaren und schwarzen Punkten darauf. Die Katze sollte die Ausdruck zu verleihen, datz unbeschadet jenes Meinungsstreites alle darin einig waren, die Pflicht der Erzählung vom Auszuge aus Aegypten bis zur Morgenröte auszudehnen! Soviel ist jedenfalls gewiß! Wenn je R. Eleasar ben Asarja Gelegenheit hatte, als Rabbi seine Ansicht mit R. Elieser zu besprechen, so hat sie wohl weder viel früher, noch viel später stattgefunden. Spricht doch gegen ein merklich früheres Datum das jugendliche Alter N. Eleasar ben Asarjas, während die Annahme eines in die Zukunft hinausgerückten Zeitpunktes durch den Bann ausgeschaltet ist, mit welchem R. Elieser bald daraus belegt wurde. Recht klar hat Halevy die "dabei in Betracht kommenden Vorgänge zeitlich geordnet. Seinen wohlerwogenen Darlegungen zufolge ereignete sich der Sederabend zu Bne Brak zwölf Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels, etwa im Jahre 3842 (— 82 der üblichen Zeitrechnung). Im Winter dieses Jahres befanden sich unsre fünf Weisen mit einer großen Anzahl ihrer Schüler in Bne Brak. Während ihres dortigen Aufenthaltes erkrankte R. Elieser, was seine Genossen veranlatzte, ihm laut dem bereits angedeuteten Berichte (Sanhedrin 101 a) einen Besuch gbzustatten. Am Pesachfeste war R. Elieser wieder genesen, sodah er gemeinsam mit seinen Gefährten die ganze Sedernacht bei der Erzählung vom Auszuge aus Aegypten durchwachen konnte. Rach dem Feste. kehrten dann alle nach Jawne zurück, wo ihrer mannigfaltige Ausgaben unterder Leitung des Fürsten^ Rabbon Gamliel, harrten. Es währte nicht lange, .bis R. Elieser in einer halachischen Frage einen den übrigen Tanaim entgegengesetzten Standpunkt einnahm und laut der Ueberlieserung der Eemoro (Baba Mezia 59 a) mit dem Banne behaftet wurde, der bis zu seinem Lebens- _ Nr. 15 Seite 3 Mäuse verjagen. Die Mäuse haben nämlich vor den Katzen große Angst. Und wie die Katze im Haus war, sind die Mäuse nicht mehr gekommen. Da hat sich der Herr Reuben sehr gefreut und hat die Katze behalten. Wie aber die Mäuse weg waren, hat die Katze großen Hunger bekommen. Und einmal, als der Herr Reuben gerade fort war, hat die Katze gesehn, daß der Herr Reuben die Haustüre offen gelassen hat. Da ist die Katze schnell zur Haustüre hinausgeschlüpft und ist in den Garten gelaufen. Am Ende vom Garten war aber ein anderes Haus, in dem wohnte der Herr Schimaun —" -.Auch wie ein Sohn von Iaakauw —" „2a —" „War der Herr Schimaun auch jüdisch?" „Ia. — Aber jetzt hört weiter zu. — Also in dem Haus am Ende vom Garten wohnte der Herr Schimaun. Der hat gerade in seinem Zimmer gesessen und gelernt. In der Küche aber hat er einen großen Topf voll Milch gehabt, die wollte er nachher trinken. Und weil es in der Küche gerade sehr heiß war, hat das Fenster von der Küche offen gestanden. Von dem Fenster hat man in den Garten des Herrn Reuben sehen können. Da ist die Katze vom Herrn Reuben im Garten auf das Fenster gesprungen —" „Das können die Katzen, Papa, nicht wahr? Die können gut springen —" „ Ia, sogar sehr gut. Und wie sie auf dem Fenster gestanden hat, da hat sie die Milch in der Küche des Herrn Schimaun gesehn — und — da ist sie in die Küche gesprungen und hat die ganze Milch des Herrn Schimaun —" „Ausgelrunken. — Das war bös von der Katze, nicht wahr, Papa?" „Natürlich! Aber weißt du — die Katzen wissen das nicht so gut — die verstehen das nicht so —" „Die Katzen können ja auch nicht sprechen —" „Ia, eben. Aber jetzt kommts. Gerade wie die Katze die Milch schon ganz ausgetrunken hat, geht die Türe von der Küche auf, und herein kommt der Herr Schimaun. Ha!, ruft er, was seh' ich da! Und stürzt schnell auf den Topf zu. Die Katze aber, kaum daß sie Herrn Schimaun sieht, springt schnell vom Topf weg, zum Fenster hinaus, und Herr Schimaun kann gerade nur noch sehn, wie sie in die Haustür von Herrn Reuben schlüpft. So, sagt der Herr Schimaun, also die Katze von Herrn Reuben war es. die meine schöne Milch ausgetrunken hat. Wart nur! Dich kriegt ich, mein Freundchen —" ende auf ihm ruhen blieb und daher fortan der Mitwelt den Verkehr mit ihm erschwerte. So war die Sedernacht zu Bne Brak wohl die letzte, welche R. Elieser im Verein mit seinen Freunden verbrachte. In der Erinnerung der Geschlechter lebt sie alljährlich beim Lesen der Hagada von neuem auf. An die Spitze der Hagada gestellt, gelangt die schlichte und doch so eindrucksvolle Schilderung der Begebenheit zu einer Stunde zum Vortrag, in welcher die Aufmerksamkeit des Kindes noch rege genug ist, sie nachhaltig in sich auszunehmen. Durch die einfache Darstellungsweise der Hagada werden ihm die hehren Namen jener Weisen aus leichte Art vertraut. Es sind die Namen ver Tanaim, die es durchs ganze Leben begleiten werden. Waren es doch die Führer einer geistig bedeutungsvollen Zeit, die so oft bei den wichtigsten Dingen in der Mischna wiederkehren. Nur einer, ebenbürtig an Geist und Tat, auch ein Führer des gleichen Zeitalters, war an jenem Abende nicht in Bne Brak in der Runde der Genossen vertreten. Es war Rabbon Eamliel, der Fürst, der in Jawne auf hoher geistiger Warte stand. Als sollte auch aus seinem ereignisreichen Leben eine sedernacht dem Gedächtnisse erhalten bleiben, erzählt uns die rmsvm am Ende von omos: „Es geschah bei Rabbon Gamliel und den daß sie (beim Seder) angelehnt saßen im Hause des pair p Dwa in Lud und sich mit den Vorschriften des Pesiach die ganze - Nacht bis zum Hahnenruf beschäftigten, dann trug man die Tische hinweg und sie versammelten sich und gingen ins Lehrhaus zum Gebete." Die beiden Sedernächte von Bne Brak und Lud liegen Jahre voneinander getrennt. In jenem Sommer, welcher der Begebenheit in Bne Brak -folgte, hatte R. Gamliel über R. Elieser den Bann ausgesprochen; mehr denn ein Jahr später war er - selbst infolge der Vor-.

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