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Der Israelit · 1924-04-03 · Heft 14 (3.4.1924) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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3. April 1924 Nr. 5 Seite 15 dem Gebote der Ewigkeit zusammenfiel, schloß dies a priori aus. - Ob es aber immer dabei bleiben wird, ob jene Gegensätze sich auch weiter in ihre gegenwärtigen Herrschaftsgebiete friedlich teilen oder ob sie nicht einmal wieder gegeneinander werden ausfällig werden, oder ob sich gar über ihnen ein dauernd Gemeinsames aufbauen wird, das sie beide eint und tilgt — ist natürlich eine Frage für sich. Jedenfalls scheint 'mir die letzte Lösung ohne eine entsprechende Gestaltung des Rabbinates der Zukunft nicht möglich. Und ich meine: Die Agudas Iisroel kann Wegbahnerin zu jener höheren Einheit und zu manch anderem Erstrebenswerten werden, wenn es ihr gefallen und gelingen wird, ihre Institution des „Großen rabbinischen Rates" so auszuweiten und zu vervollkommnen, daß dem jüdischen Volke eine geistliche Behörde gegeben wird, die Weisheit der Lehre und Weisheit der Welt vereinigt und in der die verschiedenen Tönungen der Gesetzerfüllung und der religiösen Sehnsucht vertreten sind. Doch um von den Zukunftswünschen wieder zur Wirklichkeit zurückzukommen, und zwar zu einer Wirklichkeit, die Zukunft in sich birgt: Die Kenessio Gedaulo war nicht arm an bedeutenden Menschen und war reich an froh bejahender Jugend. Es ist, glaube ich, nicht nötig, daß ich eine Namensliste der bedeutenden Menschen, die zur Kenessio Gedaulo erschienen waren, vorlege. Jeder, dem sich die Bedeutung von Menschen nicht nur dann offenbart, wenn er sie in der leiblichen und seelischen Gewandung des europäischen Intellektuellen zu Gesichte bekommt, konnte die bedeutenden Menschen in der Gruppe des Ostens herausfinden. .Und jeder, dem eine Geistigkeit nicht unfaßbar ist, die eine andere .Geschichte hat als seine eigene, konnte sie innerhalb der Gruppe aus Deutschland feststellen. Ganz ebenso mußte aber auch jeder, dem die Vorstellung eines jungen Menschen, der sich für das alte Judentum samt seinen, überlieferten Formen statt für irgend eine Weltanschauungs- Neuheit erwärmt, nicht a priori unerträglich ist, die Jugend auf der Kenessio Gedaulo als sehr beachtenswert erkennen. Sie zeigte sich glühend in ihrer Ueberzeugung und in ihrem Eifer, voll heiliger Kampfeslust, stolz darauf, hüben zu stehen und nicht, Gott behüte, drüben, treu und diszipliniert. Dabei hatten schon viele von den jungen Leuten der Versuchung ins Auge geblickt, ja atemlos ihrer Lockrede gelauscht, um sich schließlich doch zu besinnen. Und war dies alles schon weit mehr, als nach den schweren Jahrzehnten des Zurück-gesetztseins und des Sich-zurücksetzen-lassens zu erwarten war —, man erlebte doch noch größere Ueberraschungen. So. daß manche da waren, die sich mit gar großen Ansprüchen an sich und ihr Volk herumtrugen: Eine Oase soll es werden, in der eine Quelle von Heiligkeit strömt, hinausströmt, immer mehr Wüste in Oase verwandelt — bis keine Wüste mehr da ist . . . Möglich, daß solches Hineinahnen von Ewigkeit in die Zukunft weit über den Rahmen der Agudas-Jisroel-Aufgaben hinausgehl. In jedem Falle aber hat sie das Recht, auf die Ahnenden selbst stolz zu sein und mit ihnen zu rechnen. Thorastudmm und praktische Arbeit. Eine Aguda-Frage. Vom Auslande wird uns geschrieben: „Hat eine Jugendgruppe der Agudas Jfsroel das Recht, eine Tätigkeit im Rahmen des Arbeitsgebietes der Agudas Iisroel auszuüben, oder aber sind die jugendlichen Agudisten einzig und allein gehalten, Limud hatauroh zu pflegen?" Diese Frage wurde dieser Tage in einer der hervorragendsten Jugendgruppen, die vor einigen Jahren Großartiges geleistet hat, aufgeworfen und von der Vorstandschaft dahin entschiedendaß es der Jugend lediglich obliege, Der Israelit _ Blätter _ ihr Thorawissen zu vergrößern, daß es vielmehr Sache der Orts gruppen sei, die für die Erreichung der Ziele der Agudas Iisroel notwendigen Klallarbeiten zu erledigen. Darüber, daß es in erster Linie Aufgabe der agudistischen Jugend ist, zu lernen und daß es in erster Reihe die Aufgabe der Leitung der Aguda-Jugendgruppe ist, der Jugend die Möglichkeit zu geben, Limud hatauroh zu pflegen, soweit eine solche nicht gegeben ist, dürfte eine Diskussion nicht erforderlich sein. Wenn aber die Frage auftauchen konnte, ob die Jugend neben ihrer Lerntätigkeit für das von der Kenessio Gedaulo gekrönte Werk der gesetzestreuen Iudenheit Mitarbeiten darf, diese Frage in einer zahlenmäßig und in Bezug auf Leistungsfähigkeit großen Gruppe verneint, und diese Ansicht bereits in die Tat (d. h. Untätigkeit) umgesetzt wurde, so halten wir es für unbedingt notwendig, diese Frage der Oeffentlichkeit vorzulegen und von ihr eine Entscheidung zu verlangen. Stellen wir uns vor, eine Jugendgruppe lehnt es ab, irgendwelche Tätigkeit auf sozialem Gebiet zu leisten, sie weigert sich für Erez Iisroel tätig zu sein, und auch eine von den Größten unserer Zeit geschaffene Institution wie den Keren Hatauroh wird als eine sie nicht tungierende Einrichtung angesehen! Stellen wir uns vor, daß, wenn wieder eine Kenessio Gedaulo oder eine andere Agudoh-Konferenz stattfinden wird, die Jugend erklärt: „Wir könn«U an den Vorbereitungen für die Tagung keinen Anteil nehmen, wir können für den Empfang der Gedaule hadaur nichts unternehmen, denn wir müssen lernen." Was soll aus Agudas Iisroel werden, wenn die Jugend nicht mehr arbeitet? Sollen die Alten, die an sich schon durch den Kampf um den Lebensunterhalt und die Sorgen für die Familie in Anspruch genommen sind und außerdem die Richtlinien für die Klallarbeit zu geben haben, sich mit jeder Kleinarbeit befassen, soll es etwa Aufgabe der Alten sein, Mitgliedsbeiträge einzutreiben, Spenden für Agudafonds, für Erez Iisroel zu sammeln? Ist die Jugend nicht vielmehr verpflichtet, um wie viel mehr denn berechtigt, die Ortsgruppen zu unterstützen und ohne Vernachlässigung des Limud hatauroh eifrigst an der Wiederaufrichtung der Autorität der Tauroh hakdauschoh innerhalb der gesamten Iudenheit tätigen Anteil zu nehmen? Wir wollen es unterlassen, eine endgültige Stellung zu dieser bedeutsamen Frage der Agudas Iisroel zu geben; wir hoffen vielmehr, daß die Frage von maßgebenden Persönlichkeiten öffentlich beantwortet werden wird. T. K. Für uns in Deutschland ist die Frage nicht neu; sie wurde auf Jugendtagungen in Nürnberg und Fürth und zuletzt bei der Frankfurter Delegiertenversammlung am 22. August 1921 eingehend behandelt. Aus den damals vertretenen und einhellig anerkannten Gesichtspunkten greifen wir die folgenden heraus. Enthält sich ein junger Mann des Zeitungslesens, der Lektüre von Büchern allgemein bildenden oder zerstreuenden Inhalts, des Besuches von Vorträgen, wie überhaupt aller sonstigen außerberuflichen Tätigkeit, sondern verwendet seine gesamten Mußestunden ausnahmslos zum Thora-Lernen, dann (und nur dann) mag es eine dem Rabbinischen Rat vorzulegende Schaalo sein, ob ein Teil dieser Zeit zugunsten der Aguda-Arbeit dem Lernen entzogen werden soll. Lernen war und bleibt das Rückgrat unseres ganzen Lebens. Um nur zu lernen, brauchte man freilich keine „Agudas Iisroel" zu gründen. Aber wir sind nicht Kan*» wenn wir uns auf individuelle Erziehung beschränken und die Gestaltung der geistigen und sittlichen Atmosphäre, in der unsere Jugend groß wird, denen überlassen, die dem Thorageist fremd sind. Ortsgruppen können nicht Bestand haben, nicht neu aufgefüllt werden, wenn sich nicht die Jugend beizeiten dazu ertüchtigt, die dahin gehenden Alten zu ersetzen. Der Zibbur müßte G. s. h. früher oder später zugründe gehen, wenn die Arbeit aufhört und die zorche zibbur keine Annehmer mehr finden. Wer im Dienste unserer Aufgaben steht, ist ein aussek bemizwo; und es ist ein Unrecht, Zweifel darüber zu erregen, ob es eine mizwo ist, sich für die Klall-Pflichten zu schulen. Die Pflicht des Lernens hört nie auf, auch nicht für den greisen Talmid Chochom. Doch auch die Pflicht der Mizwo-Ausübung besteht immer, auch für den lernbeflissenen Jüngling. Hinter der einfachen Dekretierung, der Jugend liege einzig und allein die Vergrößerung ihres Thorawissens ob, steckt vielleicht ein in höchsten Idealismus gekleideter jezer Hora. Es ist ganz gewiß viel genußreicher, zu lernen, als in Versammlungen zu gehen; es ist ganz gewiß ein herrlicheres Glück, seine Abende und Nachte der Thora zu schenken und die Erde zu vergessen, als sich in niederziehenden Parteikämpfen zu verzehren. So soll die Jugend wissen und begreifen, daß sie den größten Teil ihrer freien Zeit dem Lernen, einen gewissen Teil aber der .Gesamtheit zuzuwenden hat. (Red.) Soziales Hilsswerk der Agudas Iisroel. Bekanntlich hat die Kenessio Gedaulo den Beschluß gefaßt, die bereits an vielen Orten bestehenden sozialen Kommissionen und Einrichtungen der Agudas Jisroel-Ortsgruppen und -Landesorganifationen zu vereinheitlichen und sie unter einem gemeinsamen Namen und mit einheitlicher Spitze beim Geschäftsführenden Ausschuß in Wien zusammenzufassen. In Ausführung dieses Beschlusses traten am 2. März in den Räumen des Berliner HilfswerkesderAgudas Iisroel Vertreter der verschiedenen sozialen Kommissionen, die in Deutschland bestehen, zur Aufstellung von Richtlinien für die Zusammenfassung der Arbeit in Deutschland zusammen. Cs waren 20 Delegierte aus den gröberen deutschen Ortsgruppen versammelt: den Vorsitz führte Dr. Meier Hildesheimer. * Nach eingehender Aussprache, in der sowohl die innere Gliederung des Hilfswerkes als auch die Beziehungen zu verwandten Organisationen erörtert wurden, wurde folgende Entschließung angenommen, die einem Anträge des Leiters des Berliner Hilfswerkes. Dr. Falk Schlesinger, entspricht: „Die am 2. März in Berlin versammelten Vertreter der Sozialen Kommissionen der Agudas Iisroel in Deutschland beschließen die Errichtung einer Zentrale des A. I.- Hilfswerkes Deutschlands. Berlin übernimmt es, die Zentralisierung auf dem bisher von ihm bearbeiteten Gebiete (Lebensmittel, Krankenfürsorge, Bekleidung) durchzuführen. Die auswärtigen Vertreter übernehmen es, die Zentralisierung einzelner anderer Zweige zunächst an ihrem Ort zu bearbeiten, bis Berlin einen hauptamtlichen Sekretär gewonnen hat." Die von der Zentrale des Sozialen Hilfswerkes der Agudas Iisroel in Wien zu der Versammlung delegierten Herren Prof. Dr. Eisler und Heinrich Pappenheim gaben wertvolle Anregungen zu weiteren extensiven und intensiven Ausbau der sozialen Hilfstätigkeit. Besonders wurde die Errichtung von Lehrwerkstätten erörtert und beschlossen, die Bearbeitung dieser Frage einer Sonderkommission zu überweisen, die in Frankfurt a. M. ihren Sitz haben soll. Als Gast wohnte den Verhandlungen unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Jakob Segall, Generalsekretär der Zentralwohlfahrtsstelle Berlin, bei. BBiPffirirrT'

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