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Der Israelit · 1924-04-03 · Heft 14 (3.4.1924) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 16 Nr. 5 Delegiertentaft der Beßarabischen Landesorganisation der Agudas Jisroel. Kischinew, 1/ Adar I. Am 16. und 17. Schrvat tagte hier die erste Delegierlentonferenz der Landesorganisation der „Agudas Iisroel" für Betzarabien nach der Kenessio Gedaulo. Außer dem Vorsitzenden OberraLbiner Z i r e l - sohn sowie den Herren Rabbinern Hinsprung, Schapiro, Scheinberg. Rosenfeld, Pinschevski, Kuberstein als Mitgliedern des Präsidiums nahmen die Mitglieder des Arbeitsausschusses sowie zahlreiche Delegierte aus Kischinew und der Provinz an der Versammlung teil, die öffentlichen Charakter trug und ein großes Publikum angelockl hatte. Oberrabbiner Senator Z i r e l s o h n entwickelte in längerer^ feuriger Rede die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Agudas Jisroel-Bewegung, worauf die Konferenz eine Reihe von Begrüßungsansprachen entgegennahm. Nach Vorlage des Protokolls der Kenessio Gedaulo sowie eines Entwurfes der Satzung der beßarabischen Landesorganisation schritt man zur Wahl neuer Verwaltungsorgane. Der Generalsekretär der Aguda, Herr Josef Apfelbaum, referierte über Erziehungswesen und zwar an der Hand der von der Kenessio Gedaulo angenommenen Richtlinien, die auch in Beßarabien verwirklicht werden müßten. An das Referat schloß sich eine großangeleg^e Diskussion, die zur Annahme folgender Beschlüsse führte: a) Für den Keren Hathauro der Agudas Iisroel ist eine große Sammelaktion einzuleiten. Abgesehen von der Unterstützung der vorhandenen Jeschiwaus soll die Neugründung von Ieschiwaus und Talmud- Thora-Schulen an denjenigen Orten, an denen es daran fehlt, gefordert werden. b) Die Einrichtung von Abendkursen und sabbatlichen Schiurim ist in allen jüdischen Gemeinden auch den kleinsten durchzuführen. c) Der Mädchenerziehung ist die größte Aufmerksamkeit zuzüwenden. d) Es wird ein besonderer Waad Hach i n n u ch gewählt, der zugleich die Keren Hathorazentrale für Betzarabien bildet, und der zunächst alles statistische Material hinsichtlich der jüdisch-religiösen Erziehungsanstalten in Betzarabien und ihrer geistigen und materiellen Bedürfnissen sammeln soll. 6) Am Sabbat Parschath, Schkolim werden alle Synagogenspenden in den Synagogen, Klausen und Bothe Midrasch des Landes dem Keren Hathora zugeführt; die Keren Hathoraliteratur (Flugschriften. Kalender) soll in allen Gemeinden verbreitet werden. Ferner wird beschlossen in einem ausführlichen Telegramm an den rumänischen B i ldungsminister die Forderungen der Orthodorie hinsichtlich der Unantastbarkeit der Chedarim und Talmud-Thora-Schulen, betreffend Einführung eines religiösen Sonwagsunterrichtes in den staatlich subventionierten Schulen^ wegen Einführung der hebräischen Unterrichtssprache und endlich wegen des jüdischen Religionsunterrichtes an den staatlichen Schulen zu formulieren. An den Central Relief in Amerika wird ein Dankschreiben für seine den religiösen Institutionen zugewandte Unterstützung gerichtet. Zum Vertreter der beßarabischen Landesorganisation in der allweltlichen Keren Hathorazentrale wurde Herr Josef Apfelbaum gewählt. Die letzte Sitzung der Landeskonferenz war Erez Jisroel gewidmet. Oberrabbiner Zirelsohn legte ein Projekt vor, das dem Keren Erez- Jisroel der Gesamtaguda reichlichere Mittel als bisher aus Betzarabien zuführen soll. An die Spitze der Aktion werden die Rabbiner B o r n - bäum, Mel am me d und Zikinovskr gestellt. Außerdem wählte man ein größeres Erez Jisroel-Komttee und als Vertreter in die allweltliche Palästinazentrale Herrn A b e l - mann aus Benderli. Auf dem Gebiete der Propaganda ist der Beschluß auf Gründung einesagudistischen Wochenblattes unter dem Namen „Der jüdische Funke" bemerkenswert. Eine zweite Landeskonferenz soll kurz nach Pessach stattfinden. Ans der Bewegung. Berlin. Am Montag, den 17. März, fand im großen Saal der Musikerfestsäle eine öffentliche Versammlung der Ortsgruppe Berlin der Agudas Jrsroel statt, in der der bekannte Sejm-Abgeordnete, Oberrabbiner Schapiro aus Sanok (jetzt Pietrekow) einen mehrstündigen Vortrag über das Thema: „Das jüdisch-geistige Leben einst und jetzt" gehalten hat. Der Name des geistvollen und glänzenden Redners hatte sich als beispiellose Zugkraft erwiesen. Lange bevor die Versammlung eröffnet wurde, waren Saal und Galerie derart überfüllt, daß später Kommende nur noch Stehplätze in den Gängen fanden. Mehr als drei Stunden wußte der Vortragende sein auf mindestens 1200 bis 1500 Zuhörer zu veranschlagendes Auditorium mit unverminderter Aufmerksamkeit zu fesseln. So wenig ermüdet wie das erstaunlich starke Organ des Redners wäre- «die Zuhörer selbst. Der Inhalt des Bortrages galt im wesentlichen einem dringlichen Aufruf zur Förderung des Thora-Studiums sowohl durch eigene Arbeit wie auch durch Unterstützung der hierfür bestehenden oder neu zu begründenden Anstalten. Darum legte der Redner die Ziele und die Organisation des von der Kenessio Gedaulo in Wien geschaffenen Keren Hatauro- Fonds ausführlich dar. Im ersten Teil seines Vortrages beschäftigte er sich ausführlich mit der Bedeutung und der Wesensart der Kenessio Gedaulo, um hervorzuheben, daß zwei Probleme diese Versammlung besonders beschäftigen mußten: Die Palästinafr age und der genannte Keren Hatauro- Fonds. Die Beteiligung der Orthodorie und im besonderen der Aguda-Kreise an den Palästinaufgaben nahm in den letzten Monaten einen ungeahnten Aufschwung durch die Reise des Gerer Rebbe, der in Begleitung von etwa 40 führenden Industriellen und Kaufleuten mehrere Wochen hindurch Palästina besucht und sich auch erfolgreich um die Herstellung des inneren Friedens der dortigen thoratreuen Kreise bemüht hat. Für die Hebung des Wohlstandes des heiligen Landes dürfte diese Reise von besonderer Bedeutung werden, nicht nur darum, weil sich sofort mehrere Fabrikanten zu Niederlassungen entschlossen haben, sondern weil auch die ökonomischen Verhältnisse so genau studiert worden sind, daß jetzt mit ziemlicher Sicherheit die Aussichten für jeden Einwanderer je nach Maßgabe der ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel angegeben werden können. Am längsten und ausführlichsten verweilte aber der Vortragende bei der Notwendigkeit der Förderung des Thorawissens. Anschaulich schilderte er die geistige Not, die in allen Ländern herrscht, im besonderen aber für Polen mit seinen 3*/, Millionen Juden katastrophal werden muh, wenn nicht die dortige Orthodoxie, ebenso aber alle thoratreuen Kreise der ganzen Welt bald eingreifen. Die Juden Polens haben schon energische Schritte unternommen und hoffen bald zu einer Zentral-Jeschiwa zu kommen. Sie rufen aber auch alle anderen Kreise zur Mitarbeit auf und deshalb zur Unterstützung des neugeschaffenen Fonds .dessen Statuten besagen, daß in der Regel die Hälfte der gesammelten Gelder in jedem Lande verbleibt, die andere Hälfte aber an eine in Wien zu begründende Zentrale geleitet wird, die die eingegangenen Summen in zweckmäßiger Weise verteilt. — Zum Schluß wandte sich der Redner an die Frauen und Mädchen als die Erzieher der Jugend. Brausender, nicht endenwollender Jubel dankte dem Redner, der zu einer sofortigen Sammlung zugunsten des Fonds auffordert. Leipzig. Eine solche Fülle von Besuchern hatte die Synagoge Keilstraße wohl kaum je aufzuweisen, wie am 's p~v zu nro». Bis hinauf an das vripn jnx scharte sich dichtgedrängt der t&w, um der nsni des Sanoker Raw zu lauschen, der auf seiner Propagandareise für den mwn np auch Leipzig mit seinem Besuche beehrte. Noch größer war die Zahl derjenigen, die sich am Sonntag Abend in der Aula der höheren israelitischen Schule versammelten,' um das Referat des hochverehrten Gastes zu hören. Seine von hoher Begeisterung getragenen Ausführungen zeugten von einer solchen finn ran und einer solchen Liebe zum jüdischen Volke, daß auch die zahlreich erschienenen Gegner der inn»» /vm« dem fast dreistündigen Vortrag lebhaften Beifall zollten. Besonders erfreute der Bericht über die unter Führung des Gererrr"v'l>V -ai nach Palästina entsandte Studienkommission, der zufolge die Einwanderung von dorthin unbedingt zu erstreben ist. Für nunn zip sammelte Herr Oberrabbiner Schapiro hier einen sehr erheblichen Betrag. Das von ihm gebildete Lokalkomitee arbeitet mit gutem Erfolg weiter. 3. April 1924 Wien. (A.J.P.B.) Die Zentrale des Keren Hatauro bereitet für die Zeit zwischen Pessach und Schewuoth eine große Aktion in allen Ländern vor. Zu Pessach erscheint die erste Nummer der „Blätter des Keren Hatauro". Wien. (A. I. P. B.) In der jüngsten Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses, an der sämtliche Mitglieder aus Wien, Rabbiner Aron Katz aus Nitra, Jakob Joel Braun, Bratislava, sowie Jacob Rosenheim und Leo Wreschner, Frankfurt a. M. teilgenommen haben, wurden die verschiedenen Probleme der Tätigkeit des Rabbinischen Rates, des' Keren Hathöra, sowie der Palästinazentrale gründlich beraten. Es wurde ferner beschlossen, sofort nach Pessach eine Sitzung des Zentralrates womöglich nach Warschau einzuberusen, der einer Plenarsitzung des Rabbinischen Rates vorhergehen wird. Auf die Tagesordnung wurde die Beratung des Modus einer engen Zusammenarbeit des Radbinischen Rates mit dem Geschäftsführenden Ausschuß sowie Konstituierung und Satzung des Keren Hathora gesetzt. Wien. (A. I. P. B.) Die Keren Hathora-Zentrale hat aus den Erträgnissen der ersten Aktion einen namhaften Betrag an die unter der Verwaltung des Oberrabbiner Ehajim Ofer Grodzensky, Wilna, stehenden 17 polnisch-litauischen Jeschiwohs überwiesen, wodurch einige Jcschiwohs vor der drohenden Schließung bewahrt wurden. Ferner wurden die runter Verwaltung Nissum Nachums stehenden sephardrsche Talmud Thoras unterstützt und die Jefchiwoh in Deutsch-Kreuz, sowie die Talmud Thora in Wien und Ufhelli . subventioniert. Wien. (A. I. P. B.) Das neue Zentralbüro, der Agudas Jisroel befindet sich seit vergangener Woche in Wie» II., Leopoldsgasse 2S, 1. Stock. Es wurden folgende Abteilungen geschaffen: 1. Präsidium, 2. Propaganda, 3. Keren Hathora, 4. Erez Jisroel. 5. Presse. Wien. (A.J.P.B.) Wie die „Jüdische Presse" aus Munkacz meldet, ist dort in den letzten Tagen in der Frage des Anschlusses der jüdischen Gemeinde an die Eesamtorganisation der orthodoren Gemeinden der Landes eine bedeutsame Wendung eingetreten. Nach jahrelangen Kämpfen in der Gemeinde hat die Repräsentanz der Gemeinde in ihrer jüngsten Sitzung den entscheidenden Beschluß gefaßt, sich gleich allen Gemeinden des Landes der orthodoxen Landeskanzlei in Bratislava, bezw. ihrer llzhoroder Erpositur anzuschließen und den Anschluß der Landeskanzlei bekanntzugeben. Bratislava. (A. I. P. B.) Die Landeskanzlei der orthodoren Gemeinden in Bratislava hat der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoren Juden- . tums" in Deutschland einen Betrag von cK. 50.000 zur Verwendung für notleidende Institutionen der Orthodorie zur Verfügung gestellt. Bratislava. (A. I. P. B.) Aus llzhorod wird berichtet, daß auch die jüdische Gemeinde in Serednve ihren Anschluß an die Bratislava-Landeskanzler endgültig beschlossen hat. Mit diesem Beschluß gehören nunmehr sämtliche Gemeinden Karpathorußlcmd zur allgemeinen orthodoren Gemeindeorganifation und die Bratislava-Landeskanzlei wird damit die rechtsgültige offizielle Vertretung aller auf Basis des orthodoren Landesstatui konstituierten jüdischen Gemeinden der tschechoflovakischen Republik. Kischinew. (A. I. P. B.) Entgegen der Meldung der Jta, wonach zwischen den Forderungen Oberrabb. Zirelsohns und den Forderungen des Tarbuth große Unstimmigkeiten herrschen, erklärt Oberrabb. Zirelsohn: Das der Regierung überreichte Memorandum in der Angelegenheit der jüdischen Schulen, wurde von einem Komitee ausgearbeitet, dem der Präsident des rumänischen Tarbuths angehörte. Eine Gruppe unverantwortlicher Elemente aus dem Tarbuth fiel ihrem Präsidenten in den Rücken und desavouierte denselben. Diese Tatsache griff die antisemitische Zeitung Adoersul auf und konstruierte aus dieser Uneinigkeit einen Vorwurf - des Tarbuths gegen Oberrabb. Zirelsohn. Selbstverständlich hat das unverantwortliche Treiben dieser Mitglieder des Tarbuths der Sache der jüdischen Schulen großen Schaden verursacht. Doch ist es gelungen, die Regierung auf das Treiben dieser Elemente aufmerksam zu machen und die Wirkung abzuschwächen. Oradea-Mare. (A. I. P. B.) Hier wurde eine neue Jugendgruppe geschaffen, die in den ersten Tagen ihres Bestehens über 100 Mitglieder zählt und auf allen Gebieten der Agudatätigkeit große Erfolge zu verzeichnen hat. Newyork. (A.J.P.B.) Seit der Rückkehr der amerikanischen Delegierten von der Kenessio Gedaulo herrscht große Begeisterung und emsige Arbeit in den Reihen der Agudas Jisroel in Amerika. Mitte Marcheschwan wurde eine große Massenversammlung veranstaltet von der Newyorker Jugendgruppe der Agudas Iisroel, abgehalten, auf welcher der Bericht der Delegierten über die Kenessio Gedaulo entgegengenommen wurde. Der Bericht hat die Arbeitssreudigkeit. erhöht und eine zahlreiche Anmeldung neuer Mitglieder zur Folge gehabt. Es wurden drei neue Jugendgruppen gebildet, sodaß allein in Newyork. sich fünf Orts- und Jugendgruppen der Agudas Iisroel befinden. Die Jugend arbeitet besonders intensiv für die Verbreitung der Ideale der Agudas Iisroelunter der amerikanische« Judenschast. - Verantwortlicher Schriftleiter: G. Goldschmidt inHalberstadt

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