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Der Israelit · 1924-04-03 · Heft 14 (3.4.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 14 Der Israelit 3. April 1924 Bildungsfeindlichkeit vorzuwerfen. Es hat mithin den Anschein, als seien für den Verfasser Bibelkritik und Bildung identische Begriffe. Es darf auch nicht ohne Widerspruch hingenommen werden, wenn er jüdische Werte an dem Urteile nichtjüdischer Wissenschaft mißt. Es liegt mir völlig fern, zu der von ihm angegriffenen exegetischen Literatur Stellung nehmen zu wollen. Jedoch, daß er sie mit den Worten: „sie hätte uns in den Augen der gesamten wissenschaftlichen Welt lächerlich gemacht", kennzeichnen will, muh uns leider vor Augen führen, welche Ueberschätzung HerrDr. I. dieser Wissenschaft auf Kosten des Judentums zuteil werden läßt. Jedem, der sich nur einigermaßen mit Wissenschaftlichen Forschungsmethoden befaßt hat, dürfte es klar geworden sein, wieviel Kritik den wissenschaftlichen Hypothesen im allgemeinen und solchen auf jüdischem Gebiete im besonderen entgegenzubringen ist. Dr. I. wird sich vielleicht fragen, warum diese Entgegnung nicht in den Zeitungen, die seinen Aufsatz enthielten, erscheint. Ist es schon zu bedauern, daß derartige die Sache absolut nicht treffende, ja zum Teil irreführende Darlegungen in der Oeffentlichkeit überhaupt erscheinen, so ist noch weniger zu entschuldigen, daß Herr , Jonas diese orthodoxen Fragen vor einem Leserkreise erörtert, der zum Teil sich kein Bild von den Strömungen innerhalb der Orthodoxie aus eigener Anschauung zu machen imstande ist und zum Teil nur daraus wartet, Angriffspunkte, die er gesetzestreuen Organisationen gegenüber ausnutzen könnte, zu erhalten. Um diesem Leserkreis nicht auch noch das Bild eines erheblicheren Meinungsstreites zu bieten, habe ich es vorgezogen, in diesem Blatte der Oeffentlichkeit meine Entgegnung auf die Ausführungen des Herrn Dr. I. zukommen zu lassen. lsonerp-nSenre« * Nscbrlcbten Eine wichtige Entscheidung für die am Sabbat geschlossenen Geschäfte. Frankfurt a. M., 30. März. In einem hiesigen Betrieb, wo bisher an fünf Wochentagen 42 Stunden gearbeitet wurde, der Samstag arbeitsfrei blieb, sollte auf Antrag der Betriebsleitung die Arbeitszeit auf 48 7a Stunden bei Beibehaltung des freien Samstags erhöht werden. Der Betriebsrat vertrat die Auffassung, daß die neuerliche Arbeitszeit auf die sechs Wochentage verlegt werden müsse und rief den Schlichtungs-Ausschuß an. Der Schiedsspruch wies den Antrag des Betriebsrats als unzulässig zurück. Zn der Begründung wurde ausgesührt, daß zur Verlängerung der Wochenarbeitszeit die Arbeitgeberin auf Grund des für verbindlich erklärten Schiedsspruchs über die Arbeitszeit befugt gewesen sei. Zu der angeordneten Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage sei die Arbeitgeberin befugt auf Grund des § 1 der Verordnung über die Arbeitszeit vom 31. Dezember 1923, die besage, daß der an einzelnen Werktagen eintretende Ausfall von Arbeitsstunden durch Mehrarbeit an den übrigen Werktagen ausgeglichen werden kann. Für die Regelung dieses Ausgleiches schreibe das Gesetz lediglich eine Anhörung der Betriebsvertretung vor, die auch erfolgt sei. Nach dem Gesetz habe aber die Betriebs» Vertretung kein Recht auf Mitwirkung bei dem Ausgleich. Hieraus ergebe sich, daß der Betriebsvertretung auch kein Widerspruchsrecht gegen einen angeordneten Ausgleich zustehe. Der Schlichtungsausfchuß könne -demnach von der Betriebsvertretung wohl als vermittelnde Instanz, nicht aber zu der verlangten Fällung eines Schiedsspruchs dahin, daß die 49 stündige Arbeitszeit auch auf sechs Wochentage verteilt werde, angerufen werden. Eine Kundgebung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin, 28. März. Unter dem Titel „Die Gefahr der antisemitischen Bewegung" veranstaltete der Verein zur Abwehr des Antisemitismus im Sitzungssaal des Herrenhauses eine Kundgebung. Der Sekretär des Vereins, Dr. Stanjek, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er feststellte, daß die alldeutsch-antisemiischen Kreise die Schuld dafür trügen, daß dem deutschen Volke die Schuldlüge angehängt worden wäre. Nur der Nachweis, daß das deutsche Volk noch das alte Kulturvolk von früher sei, könne das Gebäude des Versailler Vertrages erschüttern. Danach sprachen der württembergische Gesandte Hildenbrand, der Geh. Legationsrat a. D. Frisch (Berlin) und der evangelische Theologe Professor Baumgarten (Kiel). Letzterer führte aus, daß ebenso, wie die katholische Kirche immer wieder, letztmals nach den Angriffen Ludendorffs im Münchener Prozeß, den Trennungsstrich zwischen sich und dem Antisemitismus gezogen habe, auch der wahre Protestantismus sich mit Empörung von der antisemitischen Verhetzung abwende. Preußischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstadt-. Berlin, 24. März. Am 7. Adar I. (12. Februar) fanden unter stattlicher Beteiligung der Vertreter der »angeschlossenen Gemeinden die Hauptversammlungen des „Bundes g e s e tz e s - treuerjüdifcher Gemeinden Deutschlands" sowie des „Preußischen Landesverbandes gesehestreuer Synagogengemeinden" im Saal des Kasinos statt. (Vertreten waren 160 Gemeinden des Reichsbundes. Davon 83 Gemeinden des Preußischen Landesverbandes.) Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Auerbach, erstattete nach herzlicher Begrüßung der erschienenen Delegierten und des Vertreters des Vorstandes deer Synagogengemeinde Halberstadt den Bericht. Dem gesetzestreuen Reichsbunde gehören 329 Gemeinden an, dem Preuß. Landesverbände 140 Gemeinden. Zur Erfüllung der in den Satzungen festgelegten Aufgaben wurden 2 Fonds gegründet. Aus dem ersten Fonds wurden die Kosten für die Einrichtung bzw. Erhaltung von Kultus- und Ritualinstitutionen sowie für die Einrichtung bzw. Erhaltung von Religionsunterricht in leistungsschwachen Gemeinden bestritten. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ist es gelungen, bereits im ersten Zahr 63 Gemeinden aus eigenen Mitteln zu unterstützen. Da Gemeinden nur, wenn sie angeschlossen sind, unterstützt werden können, ergab sich di?- Notwendigkeit, einen zweiten Fonds zu bilden zur unmittelbaren Unterstützung von Gemeindebeamten und Beamtenwitwe n auch in nicht angeschlossenen Gemeinden, wenn bekannt wurde, daß sie infolge der ungenügenden Besoldung mit ihren Familien bittere Not litten. Die segensreiche Tätigkeit hat viel Anerkennung gefunden. Neben dieser materiellen Arbeit ging das Bestreben einher, besonders in den kleinen Gemeinden gesetzestreue Gesinnung zu fördern. Die Schwierigkeiten sind allerdings sehr groß. Sie können auf schriftlichem Wege allein nicht immer behoben werden. Der Vorsitzende verweist besonders auf die gegenwärtig im Vordergrund stehende Frage der Erhaltung der jüdischen Volksschulen und deren Bedrohung durch die B e st i m - mungen über den Abbau. Zn der sich an den Bericht anschließenden Erörterung wurden mancherlei Anregungen zur Ausgestaltung der bisherigen Tätigkeit gegeben. Besonders wendete sich das Interesse den Zwerggemeinden zu, die gar keine Beamten haben, in denen darum das religiöse Leben, vor allem der jüdische Unterricht, völlig niederliegt. Louis Kahn- Frankfurt regt an, junge Akademiker für diese Zwecke zur Ableistung einer Art freiwilligen Dienstjahres zu gewinnen und ihnen bestimmt abgegrenzte Gebiete zuzuweisen. Die Möglichkeit, bessernde Hand anzulegen, wird von den Vertretern nach verschiedenen Richtungen unterstützt. Es beteiligen sich an der Ausgleiche Recht vor Iden soll weren gebaut auf feste Fundamenten. Laßt eich nischt, wie a ßach mol friher, obnarren durch chanufedige Versprechungen! Zü Hot nischt auch in 1905 der Zar zugesogt die gleiche Recht vor Zden, un zü Hot er nischt darauf gegeben dem hechsten Manifest? Wie Hot man eich obgezohlt dem dösigen Chamo, was man Hot auf sich genummen vor der ganzer Welt? Gedenkt das Araustreiben, wos man treibt togteglich die idische Massen von feiere eingesessene Mekumaus! Gedenkt Kischinew, Homel, Bialystok und viel hunderter andere blutige Pogromes! Gedenkt dem Beilis-Prozeß un die Arbeit vun die barbarische Regierug zu verbreiten dem schrecklichen Ligen van Blutgbrauch bei die Zden! Asaui hot der Zar gehalten sein monarchisch Wort, was er hot gegeben, feiendig in die Klemm! Er ist itzt wieder in die Klemm! — Ot, dos is die Siboh vun seine Versprechungen. Eier heiliger Chauw ist itzt, zusammen zu nehmen alle Kreften, mitzuarbeiten bei die Befreiung. Alle Volkskreften: eier junger Daur, eiere Kehillaus, eiere Chewraus müssen sich fchtellen wie em Mann, mitzuhelfen zu die heilige Sach. Mir erwarten, as ihr wet beweisen durch Fakten eier Derschtand un eier Uebergegebenheit. Wendet sich mit dem größten Bitochaun zu die Kommandanten vun unser Militär in die Oerter, wos seinen nohent zu eich. Alle Sorten Lieferungen wellen bald un gut bezohlt. Bahnt den Weg, zu bezwingen in ganzen dem Ssaune un zu brengen dem Nizochaun vun Freiheit un Gerechtigkeit! Die obere Leitung vun die verbindete deitsche un esterreichischung arische Armies." Die noch erhaltenen Eremplare sind mit einem deutschen A r m e e st e m p e l versehen. Goldene Worte des Jedaja Hopenini. Energie und Ruhe, jede am richtigen Platze, führen zum Ziele. Wo Ruhe herrscht, wenn Behendigkeit geboten ist oder umgekehrt, entsteht Unheil. Des Menschen Verstand wird dadurch am besten erprobt, wenn er Notwendigkeiten von. momentanen Eesühlsaufwallungen unterscheiden kann. Halte dich nicht eher für klug und stark, als bis du deine Leidenschaft bezähmt und bezwungen hast. Leidenschaft blendet. Ein Mittel sie zu verdrängen, gewinnen wir nur im Erkennen der Jämmerlichkeit des Momentes im Vergleiche zu der Ewigkeit. Wer seine eigene Leidenschaft nicht beherrscht, wird niemals über andere herrschen. Die Welt würde ein Paradies sein, wenn sie nicht folgende dtei Dinge zuweilen in eine Hölle verwandelten: Unbefolgter Rat der Alten, Ununterdrückte Leidenschaft und Hochmut, der sich bis zum Zchkult auswächst. Familiennachrichten. Barmizwo. Joseph, Sohn des Herrn Mendel Vogel, Baumweg 13. — Max, Sohn des Herrn Moritz Ledermann, Röderbergweg 65. Synagoge Friedberger Anlage. Sabbat-Anfang und -Ausgang. ynrn ro^ Ort: Änsi Uhr mg D c 1924 rtum 5684 Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 6 30 5. 1. 7 50 Berlin .... 6 40 April Nißan 7 28 München . . . 6 30 7 28 Köln. 6 40 7 55 Stuttgart . . . 6 45 7 40 Breslau.... 6 45 7 16- Nürnberg ... 6 20 7 32 Hamburg . . . 6 50 7 53 Wochenkalender. 5.-12. April 1924 / 1.-8. Nissan 6684 Samstag April 1 Rosch-Thaudesch VINN nvffl Sonntag « 2 Montag 3 Dienstag 4 Mittwoch R 5 Donnerstag 10| 6 Freitag 11 7 Samstag 12| 8 Schabbos-tzagodaur

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