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Der Israelit · 1924-04-03 · Heft 14 (3.4.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Seite 3 3. April 1934 Wege der Weltgeschichte sind seltsam und ihre letzten Ziele pur IM, hem Lenker der Weltgeschicke, heMnt. : Die Lehren der Wahlen in Karpathorußland. In Karpathorutzland siyd die Wahlen für den Landtag nun abgeschlossen und ihre bisher bekannten Resultate zeigen deutlich die Richtung an, die die Dinge genommen haben. Es geht nach links, in der allgemeinen Politik wie in der jüdischen Gesellschaft auch in diesem Gebiete» das sich von jeher durch seine Altgläubigkeit auszeichnete. Es kann schon jetzt als sicher gelten, daß die Kommunisten die meisten Stimmen auf sich vereinigten und als Majorität den Landtag und die Pyti ik des Landes beherrschen werden. Der Wahlkampf hei den Juden wurde ausgefochten zwischen den in der „Jüdischen Volkspartei" vereinigten Zionisten und der einheitlichen Jüdisch-demokratischen Partei, in der die Orthodoxen dir Führung haben. Das Resultat hat der zionistischen Propaganda den Erfolg nicht gebracht, denn die beiden zionistischen Kandidaten, her Zionistenführer Dr. Singer und der Prager Oberrabbiner Dr. Brody sind unterlegen, ebensowohl wie die Orthodoxie, und die Iud/rnheit bleibt ohne Vertreter. Nichtsdestoweniger haben die abgegebenen Stimmen gezeigt, daß die destruktiven Elemente in der Judenheit Karpathorutzlands in weit größerem Matze vertreten sind, als man ahnen konnte. Mehr denn diesen Stimmenerfolg wollte die „Jüdische Volkspariei" auch nicht erreichen. „Entschiedener Kampf auch ohne Mandat!" war die Parole der Prager Zionisten. Immerhin zeigt der ziffernmäßige Ausgang der Wahlen, datz es keine Zeit ist für die Orthodoxen, sich ihrer paar Tausend Stimmen zu freuen und auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen, sondern datz es Zeit, sogar allerhöchste Zeit ist. z u arbeiten: an sich selbst und für andere, Ueberall in der Welt, wo gesetzestreue Juden ihre gemeinsamen Sorgen und Leiden haben, hat man den Wert der Organisation erkannt, nur in Karpat^orutzland fehlt es noch an den leisesten Ansätzen zu einer. solchen. In vielen großen, chassidischen Gemeinden Karpathorutzlands verharrt noch die Orthodoxie in Untätigkeit und unterordnet sich freiwillig der dünnen Schicht der religionsfeindlichen „Intelligenz", ohne zu bedenken, welchen Schaden sie damit der gesamten orthodoxen Sache zufügt und welche Gefahr dieser Mangel an Selbstständigkeit für dir Jugend bedeutet, die, am funden hat. Der Präsident sagte, datz er trotz der zu erwartenden Opposition weiter Kreise gegen die Ernennung eines Juden für einen so verantwortungsvollen hohen Posten auf dieser Ernennung bestehe, weil das Land einen Mann von einer solchen Lauterkeit der Gesinnung gerade am Obersten Gerichtshof brauche. Mr. Tumulty wurde auch. beauftragt, das Ernennungsdekret, das in anderen Fällen gewöhnlich von einem Assistenten des Mr. Tumulty dem Senat überbracht wurde, in dem Falle Brandeis persönlich dem Senat zu überbringen, um auf diese Weise das besondere Interesse des Präsidenten für diese Ernennung tundzutun. Weiler spricht Mr. Tumulty von einem Vorfall, den Präsident Wilson ihm s:lbst einmal lachend berichtet hat. Es war auf einem Diner beim Sekretär Moidor, zu welchem auch der Richter Brandeis eingeladen war. Die Ernennungsfrage war damals gerade aktuell. Es war dem Präsidenten bekannt, datz verschiedene Richter des Obersten Gerichtshofes besonders stark gegen Brandeis opponierten. Der Führer dieser Gruppe, der ebenfalls anwesend war, suchte gefl sientlich Brandeis auszuwetchen. Da nahm Präsident Wilson Brandeis beim Arm, führte ihn zu dem Richter hin und sagte: „Gestatten Sie, datz ich Ihnen Ihren zukünftigen Kollegen auf der Richterbank vorstelle." Dem Präs deuten hat die Verlegenheit des Richters grotzes Vergnügen bereitet. Zum Schluß erklärt Mr. Tumulty noch: Datz der Anspruch der Juden aus eine Heimstätte in Palästina von den Mächten anerkannt und später in dem britischen Mandat festgelegt worden ist, das sei zu einem großen Teil dem Einslutz des Präsidenten zuzuschreiben. _Der Israelit _ Ernst der Alten irre geworden, dem Radikalismus in die Arme fällt. Die letzten Wahlen haben die nahen Gefahren genügsam gezeigt, und man darf hoffen, datz in Karpathorutzland die richtigen Lehren daraus gezogen werden. Bildnngsideale des „Bundes jüdischer Akademiker". Von Dr. Raphael Möller in Hamburg. Es gibt zwei Methoden, mit deren Hilfe man die Berechtigung neuer Ideen und neuer Ideale Nachweisen kann, einmal, indem man das Gute und Schöne der neuen Idee darstellt und andererseits, indem man die Schattensei'en der anderen nachzuweisen -bestrebt ist. Sicherlich unrichtig ist es wohl, wenn man nur den zweiten Weg wählt, wie es z. B. die Theologen zu tun pflegen, wenn sie zum Beweise der Berechtigung des Christentums ein Zerrbild des Judentums geben. Merkwürdigerweise ist auch in einem Aufsatze von A.berto Jonas, betitelt „Achduth", welcher im Februarhest der Zeitschrift „Der Jude" und in der Jüdischen Rundschau Nr. 19 dieses Jahres erschienen ist, dieser zweite Weg gewählt worden, um die Notwendigkeit der Gründung der Achduthorganisation darzulegen. Zu diesem Zwecke unternimmt es Dr. I., in einem Artikel klarzustetlen, datz eine Reihe ihm nicht genehmer orthodoxer Ve. bände überlebt seien. Um zunächst die Art seines Vorgehens zu charakterisieren, möchte ich seine Darlegungen zur Frage des Separatismus kurz streifen. Er versucht diese Idee zu widerlegen (wie es auch Wiener im Februarheft der Zei.schrift „Der Jude" getan hat), indem er völlig unzulängliche logische, politische und vor allem auch historische Gedankengänge bringt, zu einer Frage, die doch lediglich nach halachischen Gesichtspunkten entschieden werden sollte. Er macht sich auch den letzthin in die Debatte geworfenen nmnv-Gedanken zu eigen, ohne zu bedenken, datz dieser einem klaren nivrr-Standpunkt S. R. Hirsch's und anderer gegenüber nicht in Betracht kommen kann. Jedoch ohne mich weiterhin zu den Ausführungen über Separatismus, freie Vereinigung und Agudoh äußern oder Stellung nehmen zu wollen, liegt es mir vor allem daran, pro äomo zu sprechen. Dr. I. greift auch den B. I. A. an, indem er behaupt, im B. I. A. hätte sich eine bildungsfeindliche Strömung breit gemacht und auf dem letzen Bundestage hätte Die Erforschung des Absalom-Grabcs. Zu Anfang dieses Jahres hat unter Führung von Prof. Dr. Nahum Slouch die jüdisch-palästinensische Forschungs-Gesellschaft mit den Ausgrabungen rund um das Absalom-Grab begonnen. Die während des Januar erzielten Ergebnisse waren folgende: Die Vorderseite des Monuments und der Unterbau sind von wundervollen Proportionen. Die rechte und die linke Flanke bilden jedoch Trümmerhaufen, die jetzt weggeräumt werden. Die an der rechten Seite des Monuments gefundenen Münzen gehören der Zeit der römischen Prokonsuln, zum Teil einer noch früheren Zeit an. Es scheint, datz man hier vor einem sehr bedeutenden Bauwerk steht, für das das Absalom-Grab nur das äußere Denkmal darstellt. In dem Hezir-Grabgewölbe, reechts von dem Absalomgrab, wurden die Trümmerma'sen weggeräumt, und die in die Mauer gehauenen Säulen in dem zum Grab des Zacharias führenden Gang sind sichtbar geworden. Die zwischen dem Eingang und dem Grab des Zacharias gefundenen jüdischen Gräber unterbrechen. vorläufig die Arbeit an dieser Seite. Durch die Genizah-Höhle, die zwischen dem Hezir-Grabgewölbe und dem Grab des Absalom lieat, wurde der Platz „Grab des Jehoshupatt" betreten. Man fand dort fünf Kammern. Die mittlere Kammer ist sehr geräumig und an ihren Wänden befinden sich noch Fresko-Malereien in drei verschiedenen Farben. Wie es scheint, sind noch ändere, bis jetzt noch nicht geöffnete Kammern vorhanden. Man kann mit sehr wichtigen Entdeckungen rechnen. Die Freilegung dieses Platzes kann erst beginnen, wenn der die A.bertragung des Austrittsgedankens auf das geistige Gebiet sich durchgesetzt. Wenn Her- Haupt diese letztere Redewendung einen feimt haben kann, dann könnte es doch nur der sein, datz Dr. I. verlangen würde, auf geistigem Gebiete sollte den Anschauungen des liberalen Judentums düselbe Gleichberechtigung eingeräumt werden wie auf gemeindeorganisatorischein durch die Gemeindeorthodoxen geschehen ist. Man mutz zum mindesten zugeben, daß diese Anschauung sehr originell ist und auch von Gemeindeorthodoxen wohl sicher nicht geteilt werden wird. Leider hat es der Verfasser unterlassen, diese seine neuartigen Anschauungen des näheren auszuführen. Insbesondere hätte er darlegen sollen, wie er sich das Erziehungsprogramm einer orthodoxen Studentenverbindung auszugestalten dachte, das dann wohl zum Ziele haben müßte, als gleichberechtigte Prinzipien auf geistigem Gebiete einerseits v'aDN'sa nnin. andererseits Bibelkri.ik darzustellen. Ist Dr. I. sich über diese Tragweite seiner in seinem Aufsatz gezeigten Gedankenrichtung klar geworden? Dr. Jonas hat recht, wenn er behauptet, der B. I. A. lehne eine Beschäftigung mit der Bibelkritik in oben gezeichnetem Sinne ab. Eine solche kann für den B.J.A. niemals Selbstzweck, sondern nur als Mittel zum Zweck 2'vm na sn in Betracht kommen. Doch auch dann wäre zunächst die natürliche Voraussetzung ein gerüttelt Matz von genauer Kenntnis des zu kritisierenden Gegenstandes nämlich der Bibel selbst und ihrer Kommentare, vor allem auch der Mischnah und des Talmuds. Die erste und gewichtigste Aufgabe des B. I. A-, der sich die Heranbildung der orthodoxen Studenten zu wahren, echten, jüdischen Männern zur Aufgabe gemacht hat, bleibt es, diese Kenntnis seinen Mitgliedern zu vermitteln. Wenn man darauf verzichtet, kraft der festen Ueberzeugung von a»aoti ja mm sich so lange und so oft des Studiums der schrankenlosen Bibelkri.ik zu enthalten, als die oben bezeichnete Voraussetzung und Vorbedingung nicht erfüllt sind, so liegt darin nicht ein Zeichen der Schwäche, wie Dr. I. meint, sondern im Gegenteil, sogar von Gesinnungsstärke. Wenn Dr. I. diesen Standpunkt noch als bildungsfeindlich ansehen sollte, so wird dieses Urteil uns nicht schwer treffen, da wir uns auf den trnan*) stützen können, von dem Dr. I. doch sicher nicht behaupten wird, daß er bildungsfeindlich gewesen sei. Es ist fernerhin durchaus erstaunlich, daß Herrn Dr. I. diese Stellungnahme zur Bibelkritik genügt, um dem B. I. A. *) Vergl. L'np^n 2 pna an^npm a»iay rvoVn a^aan hinter dem Grab Absaloms sich befindende Eingang freigelegt ist. Alle bei den Ausgrabungen gemachten Funde werden in einer besonderen Abteilung des Museums der jüdischpalästinensischen Forschungs-Gesellschaft aufbewahrt. Mehrere Gelehrte aus Jerusalem, Juden wie Nichtjuden, besuchten die Ausgrabungsstellen und gaben ihrer Bewunderung für die Arbeit Ausdruck. Auch der Oberkommissar Sir Herbert Samuel hat die Ausgrabungsarbeiten in Augenschein genommen. Einst und jetzt. Im Münchener Hochverratsprozesse nahm bekanntlich General Ludendorff Gelegenhet, über Katholiken und Juden herzuziehen. Wie Ludendorff früher über die Katholiken dachte, wissen wir nicht. Seine Ansichten über die Juden äußerte er aber klar und deutlich in einem Armeebefehl, der in den ersten Kriegsjahren in jüdischer und hebräischer Sprache an allen Mauern der eroberten und okkupierten Oststädte prangte und folgenden interessanten Wortlaut hatte: Zu die Iden in Poilen. „Die heldische Armies vun die grautze mittelerropäische Regierungen Deitschland un Esterreich-llngarn, seinen arein in Poilen. Der mechtiger Marsch vun unsere Armles hat gezwungen die despotische russische Regierung zu entlaufen. Unsere Föhnen brengen eich Recht un Freiheit: gleiche Bürgerrechte, Freiheit vorn Glauben, Freiheit zu arbeiten ungestert in alle Zweigen vun ekonomischen un kulturellen Leben in eier Geist! Zu lang Hot ihr sich geplagt unter dem eisernen moskowitifchen Joch! Wi Freind lummen mir zu ei'ch, die barbarische fremde Regierung ist aus! Die

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