Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1924)
- Date
- 1924-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 14 Der. 3 s t o ei 11 3. April 1924 Dkg anisiert haben, daß alle diese orrhodor und, gottessürchtig sind, daß s»e alle dasselbe Ziel im Auge haben lthb zwar das im Vorstehenden klargelegte Ziel. Deshalb wäre es außerordentlich erfreulich, wenn alle, von allen Seiten gemeinsam, zu einer c ■■ mci«{flmc« W'h! schreiten möchten, um eine c iZeitliche o x i ■ j b 02 c Gemeinde nach den eben : c qelegtcu G/türdsätzen in Jerusalem aufzuoauen. Da: würde -ine wahrhafte Einheit be - ffii'un, des Friedens und iz i, Segens für das heilige Land und die ganze Welt. Jedoch wenn die zu dem Bes Din der Thaffidim und Peruschim gehörigen Orthodoxen zu dieser Einheit noch nichr zu gelangen vermögen, weil die Funken des Hasses in den Herzen beider Parteien noch nicht erloschen sind und vielleicht auch aus anderen ihnen selbst bekannten Gründen ein Austri.t aus der allgemeinen Gemeinde, die durch das Rabbinat zusammengeschlossen wird, nicht möglich ist, oder vielleicht auch wohl nach der Ansicht mancher von ihnen die Gefahr noch nicht so groß sei, so sind sie doch mindestens verpflichtet, s i ch als g e s e tz e s t>r e u e G e m e i n d e zu organisieren und als solche in solchen Gemeindeangelegenheiten, in denen Gegensätze nicht vorhanden sind, mit der selbständigen orthodoxen Gemeinde zusammenzuarbeiten. Hierzu gehört vor allem die Aufrechterhaltung des alten überlieferten Erziehungssystems ohne Aenderungen, Konzessionen und Kompromisse, denn in dieser Hinsicht sind ja alle Orthodoxen in Jerusalem einig, ebenso in der Ausrechterhaltung der Anordnungen, die die vergangenen Geschlechter der großen Rabbonim des hei.igen Landes getroffen haben. Die beiden Parteien dürfen sich durch keinerlei Rücksichten davon zurückhalten lassen, die hier angeordneten Wahlen vorzunehmen. Auch sind die beiden Gemeinden verp.lichtet, ihre bevollmäch.igten Vertreter in gleicher Anzahl in kurzen Zeitäbständen zusammenkommenzulassen, damit sie mit ungeteiltem Herzen und eines Sinnes zum Besten Jerusalems und zur Stärkung der Orthodoxie mindestens einmal innerhalb 14 Tagen zusammenbera en und gleichberechtigt beschließen, dann werden sich mit Gottes Hilfe die Herzen langsam einander nähern, werden zum Ausgleich, zu einem Sinne und einer Anschauung gelangen; die Mauer, die sie heute trennt, wird fallen und sie werden zum Ruhme Israels zu e t n e t gesetzestreuen Gemeinde werden. — Keine dieser deioen Gemeinden, ihre Vertreter und ihre Rabbonim darf die andere verfolgen, sie schädigen, ihre Rechte beeinträchtigen, geschweige denn einander beleidigen. Gott breite die Hütte seines Friedens über uns, über ganz Israel, über Jerusalem. Donnerstag, der Woche zu - am 22. Adar I 5684 in Jerusalem, der heiligen Stadt, gez. Jizchok Selig aus Kozk, Rabbiner der Gemeinde Sokolow gez. Henoch Zwi Hakohen Lewin, Rabbiner der Gemeinde Bendin. Die ganze vorstehende Entscheidung, welche durch die in der Sache urteilenden Rabbonim getroffen wurde, ist in gründlicher Ueberlegung mit mir ergangen; ich stimme allem Gesagten zu und segne alle diejenigen, die gehorchen und erfüllen werden nach der Weise derer, . i« mit einem Segen schließen: Abraham Mordechai Alter aus Ger. We-ches auch die augenbliäiche Mittung dieser Worte inmitten der vom Kampf und Gegensatz erfüll en Atmosphäre Jerusalems sein mag — sie stellen ein historisches Dokument von erschütternder Erhabenheit dar. Die Ehrlichkeit, die aus diesen nvxi 'in spricht, ist fast zu gut für diese Welt der Wirrnis; sie setzt Menschen voraus, die einen Strich durch ihre Vergangenheit machen und mit warmem Herzen, allen Argwohn vergessend, im Bruder den Bruder erblicken. Wird es solche Menschen geben im Jerusalem von heute? Wochenrundschau. Ein neues Golusland. Seitdem von Herzl das Wort in die jüdische Welt geworfen wurde: „Dem Volke ohne Land das Land ohne Volk!" hat es nicht an Bemühungen gefehlt, auch außerhalb Palästinas nach einem Territo ium für die heimat- und eristenzlosen jüdischen Massen auszuschauen. Es dü.f.e sogar feststehen, daß Herzl selbst beim Niederschreiben des Judenstaates nicht in erster Reihe und unbedingt an Palästina gedacht hat. Die harten Widerstände, auf die die ersten zionistischen Pläne stießen, ließen den Führer, auch nachdem der Palästinazionismus längst konsolidiert und durch eine Reihe von nationalen Institutionen befestigt war, vom Baseler Programm in seiner engherzigen Auslegung abweichen, und er fand dabei die Gefolgschaft der west.ichen Zionisten. Das A g a n d a Projekt führte bekanntlich zum Exodus Zangwills und zur Gründung der Jto, deren Pläne freilich alle ins Wasser fielen, was aber eher an äußeren G.ünden lag als etwa an der Abneigung der jüdischen Massen, sich anderswo außerhalb Palästinas eine große Ansiedlung zu schaffen. Ein neues Projekt zur Schaffung eines großen jüdischen Heimes geht nun von einer Seite aus, die wohl die Macht und die Möglichkeit hätte, einen eingesch'agenen Weg bis zum Ziele förtzusetzm, von der Sowjetregierung in Rußland. Die Sache hat einen Grad erreicht, daß sie von der jüdischen Welt ernst genommen werden muß. Es handelt sich darum, im nördlichen Teil der Halbinsel Krim am Schwarzen Meere, mit Einbeziehung der Stadt Odessa und deren Umgebung ein großes jüdisches Territorium zu schaffen mit eigener Verwaltung. Wie wir uns auch dazu stellen mögen, übersehen dürfen wir diese Versuche keineswegs. Es handelt sich nicht um Versuche eines Vereins, einer jüdischen Organisation, sondern eines Staates, der, wenü nicht alle Zeichen trügen, auf festen Füßen steht und mehr und mehr die Anerkennung Europas findet. An dem nötigen Msnschenelement für das neue Judenland am Schwarzen Meer wird es nicht fehlen^ Mach Millionen zählen im Osten die Heimat-, Existenz- und Obdachlosen, dir, Verzweiflung im Herzrn, die Schrecken von Pogrom und Hünger in Erinnerung, auf der Wanderung westwärts und nach Amerika überall geschlossene Grenzen finden. M. tischen, die nichts zu verlieren haben, waren immer die mu igsten, und sie werden auch dem Rufe nach den Ufern des Schwaben Meeres folgen, wenn sie ihnen einen Ruhepunkt> Brot und Menschenrecht versprechen. Die Sorgen und Befürchtungen der jüdischen Juden bewegen sich auf anderem Geleise. Wie wi.d sich, diese großgedachte jüdische Gemeinschaft in geistiger und jüdisch-reliZiöser Beziehung gestal'en und entfalten? Die Idee geht von Sowjetrüßland aus, wo bekanntermaßen Geist ünd Religion nicht gerade hoch im Merle stehen. Und die jüdischen Kommissare, die selbstve stündlich ihre Hand mit im Spiele haben, vermögen schon ganz und gar kein Vertrauen nach dieser Richtung einzuflößem Und dennoch kann diese Sorge übertrieben sein.. Die Kraft des jüdischen Geistes hatte sich in solchen Fällen in der Geschichte immer noch dürchgesetzt, allen Wide, ständen von außen und innen zum Trotze. Werden den Ansiedlern die Rechte und die Freiheiten eingeräumt, von denen man heute in Moskau spricht, so könnte es uns um das Schicksal der jüdischen Sache in der neuen Ansiedlung nicht bange sein. Wollen die Bolschewisten die Judenfrage in Rußland, der mit der bisherigen Takttt der Retigionsverfolgungen nicht beizukommen war, auf diese radikale Weise ernst ich lösen, so werden sie klug genug sein, von -der geistigen Innengestaltung des neu geschaffenen Heimes ihre Finger zu lassen. Unter diesen Voraussetzungen wird man sich in der jüdischen Welt zu dem neuen, grandiosen Unternehmen sympatisch verhalten. Die Halbinsel Krim ist übrigens historischer Boden. Dort breitete sich bis zum zehnten Jahrhundert das Ehasarenreich aus, bewohnt und verwaltet von einem Volke, das sich nach langen Irrungen zum Volljudentum gefunden hatte. Die Russen waren es, die diesem Judenstaate am Schwarzen Meere, just zur Zeit, da das abendländische Judentum von, ihm gewahr wurde und' anfing, hochgehende Hoffnungen an ihn zu knüpfen, das Lebenslicht auslöschlen. Und nun soll an gleicher Stelle von den Russen ein neues jüdisches Heim errichtet werden. Die Bemerkungen zmn Wochenabschnitt. Bon Rabbiner Dr. Winkler ln Kopenhagen. I. Die beiden smxa v'mri nino behandeln das menschliche Dasein von oer Wiege (Anfang p'im: „Wenn ein Weib ein Männliches gebärt") bis zur Bahre (Ende snisa: „Sie mögen nicht sterben durch ihre Verunreinigung") und die mannigfachen Plagen und Leiden, von denen dies ausgefüllt ist. Die Tauro weist aber auch auf den Entwicklungsgang des Uebels hin: Es beginnt gemeinhin mit D’ro mit Plagen am Hause, am häuslichen Zusammenleben, an dem Verhältnis der Familienglieder zu einander, — die Jugend geht ihre eigenen Wege. Darauf folgen 'sm. Plagen mit der Kleidung, durch Anbetung der Mode und alles, was damit zusammen hängt, und schließlich stellen sich die tna 'pzz, Me Plagen am eigenen Leibe ein. — Den Irregeleiteten ruft daher die Tauro am Schlüsse eindringlich zu: vtlirrvvp »Sie mögen sich doch nicht durch ihre Verunreinigung zu Grunde richten U. biw trpar Die Beschneidung soll am achten Tage vorgenommen werden. Der Knabe kommt als ru p zur Welt, für den nur 7 Gebote gelten; nun soll er in das achte Gebot eingeführt werden, durch welches er von den anderen..Söhnen Noahs" sich zu scheiden ansängt, — darum soll dies auch am achten Tage geschehen. III. /wi ruwr.rwa nwa •o otn. Wenn bei einem Menschen auf der Haut seines Leibes eine Geschwulst usw. entsteht". Midrasch Tanchumo: „Das ist es, was es heißt (Psalm 5.6).Bei Dir (0 Gott) weilt nicht das Uebel."" Der Heilige, gelobt sei Er. läßt Seinen Namen nicht bei üblen Dingen erwähnen; doch auch wo esJsraels Namen anbetrifft, erteilt Er ihm Ehre und läßt ihn nicht im Zusammenhang mit dem Uebel nennen. Ist von Opfergaben die Rede, so heißt es: vaa a'lp' '2 ö*TK .„Wenn ein Mensch „einer von euch (nicht von den anderen Völkern) dem Ewigen ein Opfer darbringen will""; handelt es sich dagegen, wie hier, um ein Leiden, so heißt es schlechtweg ..„ein Mensch"", und nicht..„einer von euch So bestätigt sich das Wort: „„Bei Dir weilt nicht das Böse"". Kleines Feuilleton. Der Sekretär Wilsons über des Präsidenten Stellung zu jüdischen Fragen. Mr. Joseph P. Tumulty, W lsons Sekretär während dessen Gouverneurzeit in New-Je.sey und auch später während dessen Präsidentschast in den Vereinigten Staaten, hat in einer Zuschrift an die I. T. A. die Stellung des verstorbenen Staatsmannes zu den jüdischen Fragen wie folgt skizziert: Präs.dent Wilson — schreibt Mr. Joseph P. Tumulty — zweifelte nicht an dem .antijüdischen Tharakter der Einwanderungsbeschränkung. Mr. Tumulty kommt dann zum ersten Mal aus eine Angelegnheit zu sprechen, die bisher in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden ist, nämlich, daß Wilson den Richter Louis D. Brandeis zu einem der amerikanischen Bevollmächtigten für die Versailler Friedensoerhandlungen ernannt hatte, daß jedoch diese Ernennung nicht aufrecht erhalten werden konnte, weil der erste Richter des obersten Gerichtshofes dem Richter Brandeis keinen Urlaub gewähren wollte. Die Begründung lautete, daß die Arbeitsüberlastung beim Gericht einen solchen Urlaub nicht gestattete^ Mr. Tumulty bestätigte auch, daß Brandeis einer der wichtigsten Ratgeber Wilsons sowohl während, als auch nach dem Kriege war. Besonders vor wichtigen- Entscheidungen wurde Brandeis Rat stets eingeholt. Mr. Tumulty gibt dann den Wortlaut einer Unterredung mit Miison wieder, die kurz vor der Ernennung Brandeis zum Richter beim . Obersten Gerichtshof stattge-