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Der Israelit · 1924-03-27 · Heft 13 (27.3.1924) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 13 Der Israelit 27. März 1924 Dankerfüllten Herzens rüsten wir uns, den Tag leierlich zu begehen, an dem einst wenige wackere Männer sich zusammenge,unden, um durch die Gründung unseres Vereins eine fühlbare Lücke auszufüllen. Um zu zeigen, wie aus kleinen Anfängen, stetig weiterschreitend, unser Verein zu dem geworden, was er n"ya jeute ist,. hat der Vorstand beschlossen, eine Jubiläumsschrift, von kundiger Hand zusammengeste.lt, herauszugeben, die rechtzeitig als Festgabe in die Hand unserer verehrten Mitglieder gelangen wird, den Hingeschiedenen zum Gedächtnis, den Mitlebenden zur Erinnerung und den kommenden Geschlechtern zum Ansporn. Leider ist in den Kelch der Freude, die uns erfüllt, durch den von uns allen schmerzlich beweinten Heimgang des uns so jäh entrissenen Führers und Präses Nathan Hamburger ein bitterer Wermutstropfen gefallen. War er es doch, der feit mehr als 25 Jahren durch eine seltene, verständnisvolle Hingabe *ti die Ausgaben des Vereines, diesem ganz das Gepräge seiner meisterhaften Führung gegeben hat. Ist es da nicht mehr als Pflicht und Schuldigkeit, wenn wir unserem lieben teueren Heimgegangenen Freunde und Führer innerhalb unseres Vereins ein dauerndes Zeichen der Liebe widmen wollen? Zum Lernen gehören in erster Reihe cnp nao. Das wußte unser Nathan Hamburger, und deshalb glauben wir sein Andenken am besten ehren zu können durch Errichtung einer Nathan Homburger-Bücherstistung, die seinen Namen auf ewige Zeiten mit unserm Verein verbinden soll, die aber auch allen unseren Mitgliedern, Gönnern und Freunden Gelegenheit geben will, durch reichliche Spenden bei jeder Gelegenheit (denn nur durch reichliche Spenden kann ein ehrenvoller Fond gegründet werden) dem teuren Heimgegangenen den Dank und die Liebe zu bezeigen noch über das Grab hinaus, zugleich aber auch die Anhänglichkeit an unseren Verein. Gelvspenden werden gebeten aus Postscheckkonto 3926 Verein Mekor Ehajim. Sijumfeier. Ein Sijum auf naiv 'oa hielt Sonntag abend im gastlichen Hause des Herrn Dr. Isaak Posen, der mit einem Kreise innerhalb der Agudas Jisroel-Jugendgruppe diesen Traktat ausgelernt hat, Dozenten, Teilnehmer und Gäste bis spät nach Mitternacht in animiertester Stimmung beisammen. Bei trefflicher Bewirtung, }ür die Mutter und Frau des Herrn Dr. Posen bestens sorgten, und guten würzenden Reden gestaltete sich der Abend zu einer rmn bv nnns? schönster Art. A. J.-Jugendgruppe. Wir beabsichtigen in den nächsten Tagen einen Turnkursus für unsere Mitglieder einzurichten. Interessenten, die aus den Turnkursus reflektieren, wollen sich bei' Herrn Mar Klausner, Schützenstr. 7, schriftlich melden. Die Leitung wird Herr Dr. Rotschild übernehmen. Sonntag den 30. März findet eine Besichtigung des jüdischen Museums unter Leitung der Herren Dr. Rotj d) i1 b und Mar Klausner statt. Interessenten wollen sich Sonntag morgens Punkt 10 Uhr in den Räumen der Agudas Jisroel, Hanauerlandstr. 17, ernfinden. Gäste, Herren und Damen, sind willkommen. Vom jüdischen Humor. Das Purimereignis warf bei uns in Frankfurt seine Schatten in ausgiebigem Matze voraus. Sonntag und Montag abend gab es Konzerte und Wohltätigkeitsfeste der Jüdischen Frauenvereinigung und des „Esras Noschim" und Dienstag abend füllte ein Vortrag des Redakteurs S. Schachnowitz über das Thema: „Vom jüdischen Humor" die Aula der Realschule Am Tiergarten (der Vortrag war von der A. J.-Orts- und Jugendgruppe in Gemeinschaft mit dem Mekor Ehajim veranstaltet) bis auf den letzten Platz. Redner faßte sein Thema im ersten Teile wissenschaftlich, indem er den Spuren des jüdischen Humors in Bibel und Talmud nachging, leitete dann auf den rabbinischen Witz im Mittelalter und aus den M a g g i d im Osten über, der zugleich Fabeldichter und Moraie.hiker ist. Der König aller Maggioim sei der D u b n e r M a g g i d im 13. Jahrhundert gewesen, dessen Geistestiefe man nicht nach seinen für unsere Verhältnisse zuweilen flach anmutenden „Mescholim" werten darf. Einige Beispiele zeigten, wie bei diesem vielleicht größten Fabeldichter der Weltliteratur die Anekdote immer einen höheren Zweck verfolgt und ausschließlich im Dienste der Lehre steht, der exegetischen Bibelerklärung wie der moralisch sittlichen Belehrung. Der rabbinische Witz blühte überhaupt im 13. Jahrhundert, zur Zeit des Rabbi Jonathan Eibenschütz, Rabbi Pinchas Hurwitz u. a., von denen der Referent mehrere erhaltene Einfälle und Geistesblitze wiedergab. Mit der Emanzipation gehen jüdischer Witz und jüdischer Geist auch in die Weltliteratur über, was uns aber nicht sonderlich geirützt hat. An Ludwig Börne, Heinrich Heine und dem Humoristen Saphir will die Welt die spezifisch jüdische Einstellung des Sarkasmus, der Satire und des Wortwitzes in der deutschen Literatur erkennen. Auf der anderen Seite drangen Elemente des Weltwitzes verflachend und entstellend in den jüdischen Humor ein. Referent warnte bei dieser Gelegenheit vor der sich witzig nennenden Schundliteratur, wie sie heute auf den Markt unter verschiedenem Titel geworfen wird, die eine Lust für die Antisemiten, aber Gift für die jüdische Jugend ist, sie lernt daraus nur Selbstoerspottung und Selbstverachtung. Was den Witz zum jüdischen Witz macht, das zeigte Redner drastisch an einer Blumenlese von jüdischen Anekdoten, deren jede eine minutenlange Lachpause entstehen ließ. Der jüdische Witz ist, wenn auch scharf und beißend, doch mehr belehrend denn verletzend. Er hat ernsten Hintergrund und ethisches Ziel und ist in der Form so, daß ihn ein Nichtjude überhaupt nie verstehen kann. Das zahlreiche Publikum nahm die Ausführungen in ihrem ernsten wie humoristischen Teil sehr dankbar aus. Purim in der Thoralehranstalt. Das Purimspiel der Jünger der Thoralehranstalt wurde dieses Jahr in einen größeren Raum und zwar den Hörsaal Friedberger Anlage verlegt. Aber auch dieser konnte all die geladenen Gäste und Jeschiwohsreunde nicht fassen. Ein größeres Spiel und kleinere humoristische Einlagen hielten die Teilnehmer in bester heiterster Stimmung bis zur Mitternacht beisammen. Auch eine Purimzeitung ging von Hand zu Hand, die heitere Streiflichter auf das Leben der Jeschiwo warf. Herr Leo Rosenblüth am Klavier und als Leiter des Ganzen sowie Herr Leo Ansbacher als Hauptdarsteller ernteten viel Beifall, nicht minder die dem Berichterstatter bei Namen nicht bekannten — kein Wunder, bei diesen herrlichen Masken und Trachten und tiefen Vermummungen — anderen M tränkenden. Ein buntes, farbenfrohes Bild bot die Bühne, wie es von dem Hof von Suja ja nicht anders zu erwarten ist. Es war für uns alle ein hübscher, sinniger Abschluß des Purimabends. Zwei Stunden in Palästina. Am Sonntag vormittag leisteten wir uns von 11—1 Uhr einen Ausflug nach Palästina. Im Film natürlich. Aber wir wollen gerechterweise das natürlich unterstreichen. Denn es waren Naturausschnitte aus dem heiligen Lande und aus der Arbeit im heiligen Lande, die man da in voller Lebendigkeit zu sehen bekam. Es gibt noch manches weniger Erfreuliche in Palästina, das der Nationalfond zu zeigen, keinen Grund noch Interesse hat. Aber wir wollen ihm keinen Vorwurf daraus machen. Was man sagt und zeigt, muß wahr fein, woraus sich aber noch keine Verpflichtung ergibt, alles was wahr ist, zu sagen und zu zeigen. Einzelne Bilder werden dem Beschauer unvergeßlich bleiben und es wäre den jüdischen Schulen sehr zu empfehlen, bei nächster Gelegenheit eine Stunde vom Erdkundeunterricht zu opfern, um die Jugend hier im lebenden Bilde Palästina zu zeigen, llnverwischlich in der Erinnerung bleibt u. a. das Jordanidyll mit den Zypressen- und Palmenhainen (freilich ist der Jordan bekanntermaßen keine Leitung des Nationalfonds), das wogende Mittelmeer mit den Strandbildern, in denen Arbeit und Vergnügen sich die Hand reichen, der- Karmel bei Haifa und vieles mehr. Man muß nicht erst Zionist sein, um all das zu bewundern, die herrlichen Leistungen anzuerkennen und an den Weiterbau gewisse jüdische Hoffnungen zu knüpfen. Jndeß: Man muß nicht erst Antizionist sein, um sich über gewisse tendenziöse Einseitigkeiten dieses Palästina-Films zu ärgern. Vieles, ja alles vom neuen Jischuw wird mit einem rührend liebevollen Eingehen ins Einzelne gezeigt, das fast ermüdet, das alte Jischuw, besonders das alte Jerusalem, flimmert an unseren Augen mit einer Hast, einer Unruhe vorüber, daß man die Bilder kaum zu fassen vermag. Als ob uns eine Szene an der Klagemauer nicht tausendmal mehr interessierte als der Hof des Jaffaer Gymnasiums, der doch nicht viel anders aussieht als alle Schulhöfe der Welt, und der uns in einer ganzen Serie von Bildern in allen Teilen und Variationen gezeigt wird. Da sehen wir aus diesem Hose auch Achad Haam in ein Gespräch mit dem Direktor Dr. Mossensohn vertieft. Was sie sich wohl zu sagen haben? Hoffentliche sagte der kluge, rationelle und philosophisch aufs Ganze gehende Achad Haam: „Mein lieber Direktor, Ihre Berner Schulweisheit, die Bibelkritik a la Marti und Wellhausen, ist selbst in Europa bereits so sehr aus der Mode gekommen, daß sie hier im Lande der Bibel, wo täglich Ausgrabungen die Angaben der Schrift wortwört.ich bestätigen, sich mehr als grotesk ausnimmt. D i e sollten Sie doch endlich aus diesem schönen Hause, deren Fassade eine so klare hebräische Anschrift trägt, bannen. In der Einbildung, daß dies die Worte sind, die dem Munde des Philosophen entströmen, der mit seiner kleinen Gestalt und seinem etwas verhutzelten Gesichte zu dem breitschulterigen Mossensohn mit dem mächtigen Herzlbarte fast etwas scheu hinaufschaut, sehe ich die beiden gern. Im Mittelpunkt der Vorstellung steht ein Amerikaner namens Bloomberg (vielleicht richtiger Bluffberg) Ich kenne diesen Kinophilantcopen nicht. Als Leitmotiv dieser prächtigen Palästinabilder wirkt er abstoßend genug, und ich hätte gerne auf ihn verzichtet. Er trifft auf dem' Felde in Judäa ganz urplötzlich sogar mit einer verschollenen Kusine zusammen, einer Chaluza, die tüchtig mit dem Spaten aussährt. Ob er ihr die Hand geboten und sie sich „gekriegt" haben, weiß ich nicht. Ein Bild zeigt sie uns in einer Stellung, die mindestens darauf schließen läßt. Ein bischen Kino muß dabei fein, denkt der Nationalfond . . . Aber wir wollen diesen Bloomberg und sein Abenteuer wie die unvermeidlichen Nebengeräusche des Grammophon oder des Radio hinnehmen und uns das Gesamtbild dadurch nicht trüben lassen. Und das Gesamtbild war schön und zuweilen erhebend. Wir waren zwei Stunden in Palästina, und es hat nicht mehr gekostet als eine Trambahnfahrt und ein bescheidenes Eintrittsgeld ... Käufer Nefefch. Zu den Halberstädter Beschlüssen gehört es u. a., daß jeder Agudist einen »aa “iaa von 50 Goldpfennigen für jedes Familienmitglied zwecks Beschäftigung der Landarbeiter in Palästina im Schmittojahre entrichte. Von welch hoher religiöser, ethischer und wirtschaftlicher Bedeutung dieser Beschluß ist, bedarf keiner weiteren Erörterung. Von seiner genauen Durchführung hängt die Rettung unzähliger gesetzestreuer Landarbeiter in Erez Jisroel, auch die Erhaltung eines heiligen Gebotes ab. In Kürze werden die Boten der A. J.-Ortsgruppemit der Einziehung dieses „Käufer Nefefch" beginnen, und sind alle Agudamitglieder gebeten, die Spende zu entrichten. Geschichtsvortrag. Anschließend an den jüngsten Vortrag über de» Baal Haflooh findet diesen Sonntag abend 6.30 Uhr in den Räumen des Vereins Langestr. 18 ein Ee° schichtsvortrag statt über: „Die Aufklärung und das Einströmen der Reform in Frankfurt". Gäste willkommen. Weibliche Fürsorge. Die 20. Generalversammlung der „Weiblichen Fürsorge" E. V. findet Donnerstag, 3. April 1924, Langestratze 30, 2. Stock, statt. Vereinskalender. (Wegen Raummangels verkürzt.) Aerei« Mekor ßyajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. 4 Ähr „Mikro"; Herr Gabriel Plaut. Sonntag abend 6'/zUhr im Vereinslokale Langestratze 18, Geschichtsvortrag des Herrn Red. S. Schachnowitz über „Die Ausklärungsbewegung und das Einströmen der Reform in Frankfurt". Montag und Mittwoch abend 7Uhr „Gemoro", Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer. Iahrzeits-Stiftungen: Dienstag, 1. April. Rabbiner Ifak Strauß- Stiftung. Mittwoch, 2. April. Direktor Dr. Mendel Hirsch- Stiftung. Agudas Aisroet-Kugeudgruppe. Freitagabend 8—9 laufende Sidroh mit Rafchi, Herr M. Nowak. — allmorgendlich XJS Uhr Gemoro „Sanhedrin"; Herr Dr. S. Ehrmann. O"V°Werein. Alltäglich von Sonntag bis Donnerstag abends '/«7 Uhr: nDlD *dd; Herr Rabbiner S. Weber. Lirvjath Hyen-Werei». Samstag nachm, nach „Minchoh" im Hörfaale Friedberger Anlage „Midrasch; Herr Redakteur S. Schachnowitz. Aeshamidrasch, Hstendstraße 18. S am s t a g xk Stunde vor Nacht halachischer Vortrag; Herr B. Rachelsohn. Sonntag vorm, von 8—lhlO Uhr, Dienstag. Mittwoch und Donnerstag abends von l|»9—10 Uhr: „Gemoro" tfDp aaa; Herr Rechtsanwalt Dr. Breuer. Alltäglich zwischen NMO und a'nyo: DIN 'N und am Sabbat 12 Uhr mittag Ehumisch mit Raschi. Herr Rosenzweig. Hatmud-Hyora-'Aerein. Vereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag, 11—12 Uhr: „Schulchan-Aruch"; Herr S. Unna. — 31l* Uhr: „Raschi zum Wochenabschnitt"; Herr Rabb.-Ass. Lipinsky. — Samstag, 29. März, 1 Stunde vor Nacht: „Dinim schel Pessach : Herr S. Unna. (Die Teilnahme von Damen ist erwünscht). Alle übrigen Schiurim wie gewöhnlich. HeöetzeLterr. viw rot? H reitag abenb 6.20. Samstag morgen 8.—. Samstag nachmittag 4.30. Samstag abend 7.35. Mocheng ottesdienst: Morgens 6.30. Nachmittags 6.—- Tefilin-Legen am Morgen 4.55. Löst Blumen ab zuGun st en unterernährt er Kinder. Iüd. Frauenvereinigung. E. D. Hansa 2825. Postscheckkonto 42258. Familiennachrichten. Barmizwo. Abraham, Sohn der Frau Jda Kohn Wwe., Grünestratze 13. Synagoge Friedberger Anlage. — Fritz, Sohn des Herrn Salomon Gutmann, Sandweg 13. Synagoge Friedberger Anlage.

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