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Der Israelit · 1924-03-27 · Heft 13 (27.3.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seils 4 Nr. 13 Der Israelit bei Noach auch von einem 10. Monat und 27. Tag des Monats spricht, sowie von Ahnen, die mit 30 Jahren Vater werden. Dagegen überliefert uns bereits der Midrasch, vor dem Via» sei ununterbrochener Frühling gewesen. psip ttfnsrV psm und wenn wir bedenken, wieviel Gesundheit und Leben dem Wechsel der Jahreszeiten zum Opfer fällt, so schwindet wohl das Unerklärliche an dem Alter eines Mefuschelach u. a. Uebrigens fetzt ja Hafchem selbst (Kap. 6, 3) oniwn rma i'»' iw »w» nach einer Erklärung die nachsintflutliche Altersgrenze auf 120 herab. Zum Schluß sei noch die weniger bekannte Ansicht JehudaHalevis (im ftufari) erwähnt, wonach die Geschlechterreihe von Adam bis Noach nur den „Kern der Menschheit" darstellt, im Gegensatz zu den „Klifaus-Schalen". Es mag daher nur Auserwählten ein so hohes Alter zuteil geworden sein, um die Ueberlieferung sich einander einzuhändigen. Wie verhält es sich nun mit dem nachsintflutlichen Alter? Hier sei bemerkt, daß moderne Gelehrte die Ansicht vertreten, ein Alter von 80—100 Jahren sei an sich garnichts Außergewöhnliches. Der Mensch untersteht im Allgemeinen den gleichen Gesetzen aller Geschöpfe. Nun bedeutet aber in der Regel die voll erlangte Reife eines Lebewesens oder einer Pflanze etwa ein Viertel von deren Lebensbaucr. Ein Tier, das z. B. mit 5' Jahren voll entwickelt ist, pflegt ein Alter von etwa 20 Jahren zu erreichen. Nachdem der Mensch nun mit 20—25 Jahren seine körperliche und geistige Reife erlangt, sei seine natürliche Lebensdauer 80—100 Jahre, und nur die übermäßigen Anstrengungen und Aufregungen sind es, die vor dieser Zeit seine Kräfte oft nufreiben. Haben wir nun Mittel in der Hand, unsere Lebenszeit zu verlängern und unsere Jugendfrische möglichst lang zu erhalten? Die hygienische Wirkung der göttlichen Speisegesetze, die Vorschriften bezüglich Enthaltsamkeit im ehelichen Leben, die rabbinischen Satzungen über das Händewaschen, die Bedeutung des Schabbos und der Festtage als Ruhepunkte im Lebenskämpfe seien nur nebenbei erwähnt, da es bekanntlich dem jüdischen Geiste widersprechen würde, hierin nur sanitäre Vorschriften zu erblicken. Sie können nur nebenbei diesem Zwecke auch dienlich sein. Dagegen enthält der Talmud (Megilla 27/28) ein Kapitel, das uns lehrt, auf welche Weise die Großen der jüdischen Weisen ihr hohes Alter erreicht zu haben behaupteten. So wird R. Nechunja gefragt, naa D'»» N21XN, wieso er so lange lebte; natürlich meinte der Fragesteller damit nicht, welche Weine er getrunken, welche Badeplätze er besucht habe, die talmudische Makrobiotik bewegte sich auf ganz anderem Gebiete. „Ich habe mich nie zu ehren gesucht mit der Herabsetzung meines Mitmenschen und habe nie die B e l e i d igung eines anderen mit auf mein Lager genommen", war die Antwort. Daß A e r g e r und Verdruß, Zwist und Widerwärtigkeiten einen schädlichen Einfluß aus die Lebenskraft des Menschen ausüben, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Aehnlich beantwortet auch R. Sero die gleiche Frage: „Ich habe mich nie im Hause aufgeregt." Durch Bewahrung des inneren Gleichgewichts, durch die Seelenharmonie, in der sie jeden Zwiespalt in ihrer Umgebung vermieden, erhielten sie also ihre Kraft lange Jahre. Von einem nichtjüdischen Gelehrten wird erzählt, er habe sein hohes Alter gleichfalls damit erklärt, daß er nach 9 Uhr abends sich nicht mehr aufregte. Es ist freilich nicht immer möglich, alles Unangenehme gänzlich von uns fernzuhalten, aber eine bestimmte Zeit täglich sollten wir uns mit aller Energie erhalten, Wenigstens eine Abendstunde, die uns völlige Erholung von den Aufregungen des Alltagslebens gewähre. Sinnreich sagt der Jude in seinem Nachtgebete »ai^na* Vmi „es mögen mich nicht erschrecken böse Träume und böse Gedanken . . . daß ich nicht entschlafe in den Tod". Soll der Schlaf uns die Kräftigung gewähren, die wir nach des Tages Mühen benötigen, so darf er nicht durch unruhige Träume gestört sein, und diese bleiben am besten vermieden, wenn wir kürz vor dem Schlafengehen nichts Unangenehmes an uns herantreten lassen: und es ist daher durchaus natürlich, wenn Leute nicht ruhig schlafen können, bevor sie ihr nva.i bv vm DX'Np gesprochen, denn die n^sri gibt uns den inneren Frieden und Gleichmut, der nötig ist, um im Schlafe Restaurierung unserer Kräfte zu finden. Ist somit die Behauptung der genannten Gelehrten leicht zu erklären, so gaben andere auf die gleiche Frage Antworten, die wohl etwas mehr Schwierigkeiten bereiten dürften. So meint R. Sevöda: „es sei ihm niemals jemand im Lehrhaus zuvorgekommen", ähnlich sagt R. Sera: „er habe nie an diesem Orte geschlafen". Die Menschen suchen im Schlaf — mit Recht — Kräftigung ihres Körpers. Falsch wäre jedoch, hieraus zu schließen, daß man desto länger lebe, je länger man schlafe. Das lehren uns wohl die Herren und Damen, , ■__27. März 1924 die sich den Lurus langen Schlafes leisten können, somit am längsten leben müßten, was wohl schwer zu beweisen sein dürfte. Vielmehr ist es ein durch die Erfahrung bestätigter Satz, daß unser Leben desto länger und frischer pulsiert, je mehr der Geist angeregt und geweckt wird. Unsere Weisend bemerken zu dem Satz "»i'ia na imV aps?* „Als Jakob zu Ende war, seinen Söhnen den Segen und den letzten Auftrag zu erteilen", und er starb hierauf n^va ^iri» na trra p*. „Der Mensch stirbt erst, wenn er untätig wird." Solange Jakob die hohe Mission zu erfüllen hatte, seinen Kindern den väterlichen Segen zu geben, besaß er auch die Herrschaft über seinen Körper und bezwang den Tod. Und oft beobachten wir es, daß für geistige Arbeiter die Zurückziehung zur Ruhe bald ihr Verscheiden zur Folge hat, sowie das Schiff nicht auf hoher See der Fäulnis ausgesetzt ist, sondern wenn es am Strande ruht, wie nicht fließendes, sondern stillstehendes Wasser in Verwesung übergeht. So regte auch R. Seveda seine Lebenskräfte dadurch täglich von neuem an, daß er der Erste im Lehrhaus sein wollte, R. Sera, indem er nichts vom Inhalte des Vortrages seiner Aufmerksamkeit entgehen ließ. Der Schlaf an Unrechter Stelle wird noch größere Schlaffheit zur Folge haben, während der Aufmerksame durch Bereicherung und Anregung seines geistigen Besitzes nicht nur psychisch, sondern auch dadurch körperlich aufgefrischt wird. Auch andere Grundsätze der Lebensweise werden von einzelnen Tanaim als lebensverlängernd angeführt. So sagt gleichfalls R. Seveda .vnana iaiin nanaa ’n^a« 8^, er habe von keinem Tier gegessen, dessen Prie st ergaben nicht abgeliefert waren. Der moderne Mensch sucht im Fleischgenuß Kräftigung seines Körpers, und auch nicht mit Unrecht. Auch der Jude vertritt nicht Vegetarismus undp^aa «bx nrratp ftrr, kann sich kein Festmahl ohne Fleisch denken. Aber nicht nur der Genuß vermag den Leib aufzufrischen, sondern ebenso die Fähigkeit und Energie, auf einen Genuß verzichten zu können. Stellen wir uns zwei Menschen vor: den einen verweichlicht, nicht imstande zu arbeiten, ohne sein reichliches Essen zu jeder Mahlzeit, den zweiten dagegen trainiert, abgehärtet, auch nach einem frugalen Mahl arbeitsfähig. Wer wird widerstandsfähiger sein? Sicherlich doch der letztere. So meint auch vielleicht R. Seveda: Dadurch, daß er sich unabhängig machte vom Fleischgenuß, die Kraft in sich erzog, darauf verzichten zu können, wenn nicht alles in Ord- Frau geben, wieviel du willst, und das klebrige soll dein sein!" „Und dein Bruder kannte dich, wie ich dich kenne/ wie wir alle dich kennen?" „Ja, so kannte er mich, Rabbi". Der Rabbi verfällt in tiefes Sinnen. Rach einer Weile beginnt er wieder: „Und nun sage mir, Leib Nagid, wieviel willst du selbst von dem Vermögen deines Bruders?" „Wieviel ich will? . . . Nicht weniger und nicht mehr als 27 000 Gulden . . ." „Also du willst 27 000 Gulden; so habe ich's verstanden. Du willst 27 000 Gulden! Ist dem so, Leib Nagid?" „Dem ist so!" „Und dein Bruder Michel sagte — — — wie jagte er doch?" „Er sagte: „Du sollst meiner Frau geben, wieviel du willst . . ." „Halt!" ruft der Rabbi streng und erhebt sich, „habe ich dich, du Habsüchtiger! Du Betrüger an Witwen und Waisen!" „Ich ... ich . . will Leib Nagid auffahren. „Still! Du wirst deines Bruders Witwe 27 000 Gulden geben, und 3000 sollen dein sein — — — Nämlich: Dein Bruder sagte, du sollest seiner Witwe geben, wieviel du willst, nicht wahr?" „So sagteer — — ich schwöre es". „Du aber w i l l st 27 000 Gulden . . . Und wieviel du willst, soviel soll ihr gehören das war die Meinung des Sterbenden, deines Bruderss, der dich kannte, wie ich dich kenne . . ." * * * Ein homiletischer Bibelkommentar macht sich diese im Osten vielbekannte Anekdote zunutze, um damit eine Stelle im Buche Esther zu erklären: „Und der König sprach zu Haman, das Geld sei dir gegeben". „Der König" (pn) weist nach Midrasch immer auf den Weltenkönig hin. Und dieser sprach zu Haman: „Das Geld, der halbe Schekel nämlich, den Israels Söhne entrichteten, war „für dich", gegen dich bestimmt, überwiegt deinen schweren Silberkikar. i'i'VU aito p rwni Dem Volke geschieht das, was du gern für dich haben möchtest . . . Mordechai hoch zu Rotz und Haman als Pferdelenker waren die erste Erfüllung dieser Derheihung. (Zwei alte Synagogen in Südfrankreich als nationalhistorische Denkmäler übernommen.) Die französische Regierung beauftragte die Kommission für historische Denkmäler, bie zwei alten jüdischen Synagogen in Carpetras und in Cavaillon als historische Denkmäler in Obhut zu nehmen. Die beiden Synagogen wurden im 13. Jahrhundert errichtet und sind von eigentümlicher Schönheit. Ihre Ornamentik zeugt von einer besonderen jüdischen Holzschnitzkunst. Diese beiden Synagogen sind Zeugen eines blühenden jüdischen Lebens in Frankreich im Mittelalter, wo nicht allein monumentale Synagogen erbaut wurden, sondern auch weltberühmte Bibliotheken und Jeschiwoth bestanden haben. Die Städte Montpellier und Avignon waren berühmt wegen ihrer Jeschiwoth und die noch erhaltenen Lehrhäuser bilden wertvolle Objekte für den Kulturhistoriker. Sabbat-Anfang und -Ausgang. row Ort: Anfang Do ltum Äusg Nhr Min. 1924 5684 Nhr Min. Frankfurt a. M. 6 20 29. 23. 7 35 Berlin .... 6 25 März Adar II 7 14 München . . . 6 15 7 17 Köln. 6 25 7 40 Stuttgart . . . 6 30 7 30 Breslau.... 6 30 7 — Nümberg . . . 6 10 7 21 Hamburg . . . 6 35 7 35 Wochenkalender. 29. Mürz bis 5. April 1924 / 23. Adar II. bis 1. Nissan 5684 Samstag März 29 rras? 23 118 rns nens Rosch-Chaudesch-Benschen Sonntag 30 24 2 Neumond: Freitag, den 4. Dstrril, nachm. 2 Nhr 40'/-, M> Montag 31 25 Dienstag April 1 26 Mittwoch 2 27 Donnerstag 3 28 Jaum-Kippur-Koion Freitag 4 29 Samstag 5 s-nrn 1 p’l Rosch-Chaudesch VINN nsns:

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