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Der Israelit · 1924-03-27 · Heft 13 (27.3.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 13 $e; Israelit 27. März 1924 Es ist eine Pflicht der Pietät, daß man die Namen der ö’änn nicht bloß historisch festhält, sondern ihr Ändenkest itt 5er Gemeinde durch das *vop dauernd erhält, damit man stets in Liebe derer gedenke, die für die Allgemeinheit gelitten haben. Es müßte über Mittel und Wege gesonnen werden, wie diese Anregung an größere Kreise Weitergeleitet werden könnte. Es ist ein territorial riesiges Gebiet, das.Hierfür in Betracht kommt und auch der Geschehnisse sind so viele, daß gewaltiger Stoff für die Aufzeichnungen in den manain '-wo vorliegt. Umsomehr und umso eher müßte an die Arbeit gegangen werden. Wochenrundschau. Die Legende von der Ostjuden-Jnvasion und das rote Sachsen. Der Legendenbildung über die Ausländerinvasion (lies: Invasion der Ostjuden) machte der Innenminister in seiner Beantwortung einer Interpellation G r a e f - Thüringen ein Ende. Der Minister bezeichnet es als eine erhebliche Uebertreibung, daß dieser sogenannte Menschenschmuggel einen „erschütternden" Umfang angenommen habe. „Nach sicheren Unterlagen wird es sich im ganzen um höchstens 1000 Personen handeln. Und es ist sicher anzrlnehmen, daß von diesen tausend Ostjuden bei der Aenderung der Verhältnisse etwa zwei Drittel das Land wieder verlassen haben; in Groß-Berlin z. B. hat sich ihre Zahl auf etwa ein Drittel verringert; im Ruhrgebiet befinden sich höchstens nur noch lausend dieser Einwanderer." Daß die Deutschvölkischen sich mit diesem Bescheide zufriedengeben würden, war nicht zu erwarten. Die „Deutsche Tageszeitung" stellt eine weitere mündliche Aueinandersetzung über diesen Punkt mit Severing im Preußischen Landtag in Aussicht. Nichts ist den Herren so unangenehm und unerwünscht, wie die Wahrheit, die mit Zahlen und Daten ihr Hetzwerk stört. Indes die preußischen Rechtsradikalen mit dem Landtag drohen, hat der Sächsische Landtag gesprochen. Er beschloß mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten, die Regierung zu ersuchen, „Maßnahmen gegen die Einwanderung von unerwünschten Ausländern in deutsche Städte zu treffen." Ein weiterer Antrag wurde mit allen bürgerlichen gegen die sozialdemokratischen und kommunistischen Stimmen angenommen, dahingehend, den in den letzten neun 2ahren zugewanderten fremd st ämmrgenA us ländern, falls sie keine Ersatzwohnung durch Neubauten bis 1924 zur Verfügung haben, obwohl sie hierzu nicht in der Lage sind, die benutzten Wohnungen zu entziehen, soweit es mit dem allgemeinen Fremdenrecht vereinbar ist, inzwischen aber eine Sperre von Wohnungsnachweisen an solche Ausländer zu erlassen. Im „roten" Sachsen, in dem wir Juden schon so manche Probe roter Intoleranz erhielten, erleben wir also zurzeit Folgendes: Bürgerliche und Sozialdemokraten bilden eine Einheitsfront zur Sperrung der Grenze vor zufluchtsuchenden oder durchfahrenden Ostjuden. Erstere verlangen auch kategorisch die Obdachlosmachung der seit neun Jahren im Lande wohnenden Ostjuden. Vis zu diesem Punkte gehen scheinbar die Sozialdemokraten nicht mit. Aber man hört auch nichts von einem Proteste derselben gegen diese brutale, unmenschliche Forderung. Wie zum Hohne wagt man es noch, in diesem Zusammenhänge von einen: „allgemeinen Fremdenrechte" zu sprechen, mit dem diese Maßnahme in Einklang zu bringen sei. Daß man Menschen, die nichts verschuldet, nicht mit ihren Greisen und Lindern aus ihren rechtmäßig erworbenen Wohnstätten ins Elend der Obdachlosigkeit jagt, ist doch ein Grundsatz, den ohne geschriebenes Gesetz auch die Wilden kennen. Man muß abwarten, wie sich die sächsische Regierung zu diesen frommen Wünschen stellen wird. Die politische Lage in Erez Jisroel. Man schreibt uns aus Wien: „Seit der denkwürdigen Balfourdeklaration in Bezug auf Palästina wird das Schicksal unseres heiligen Landes von drei Faktoren bestimmt; von der englischen Regierung, von der arabischen Majorität im Lande und von der historischen Verknüpftheit des jüdischen Volkes mit dem Lande seiner Verheißung. Seit 6 Jahren hat die Balfourdeklaration Wandlungen erfahren, die immer davon abhängig waren, welcher der oben erwähnten drei Faktoren an Stärke und Einfluß zu- oder abnahm. Als Sachwalterin der historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf das heilige Land trat die zionistische Organisation in Erscheinung, die auch von der englischen Regierung und von der großen nichtjüdischen Oeffentlichkeit als solche anerkannt wurde. Das hat die zionistische Organisation stolz und hochmütig gemacht. Man Bemerkungen zum Wochenabschnitt. Von Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. I. KM13N1 212. Aron nannte seinen Erstgeborenen .. N o b o w" nach seinem Schwiegervater.. A m i n o d o w " und den zweiten Sohn ..Awihu" s— ni.l '3« . er ist mein Vater") zu Ehren seines Vaters. Dafür nun, daß er den Namen des Schwiegervaters dem des Vaters vorangestellt hat, soll Aron bestraft worden sein, affa 't rii« vo iv'v vrn v"i.i npsr bmn. '311j?3 1»«^? M 1311V« «1.1 p.1« V« ,1V» 1V«'1 133« »VN *73 '22 *7271 V1,7«. ..Moses sprach zu Aron: Das ist was Gott gesprochen: An den Mir Nahen will Ich geheiligt und vor dem ganzen Volke verherrlicht werden. Und Aron schwieg." — Von Geburt dem lebendigen Gott näher gestellt, darf daher der Priester Toten, so weit sie ihm nicht blutsverwandt sind, sich nicht nähern. Von Geburt und Rang dem Ewig leben den noch näher stehend, darf der Hohepriester auch mit Toten aus der Familie nicht in Berühruug kommen. Schweigt er nun gar auch in der Stunde der Trauer und überwindet er den Schmerz über den Verlust derer, die ihm lieb waren, — dann gibt er damit um so deutlicher zu erkennen, daß er sich Dem am nächsten fühle, dessen Nähe Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit bedeutet. — Aus solcher Betrachtung heraus lasten sich auch die Worte Moses auffaffen: ..Das also ist es. was Gott gesprochen: An den Mir Nahen will Ich geheiligt und vor dem ganzen Volke verherrlicht werden, — Aron schweigt ja!" Der da ausgewählt wurde, den Amtsdienst vor Gott zu verrichten, verharrt im Stillschweigen beim Anblick seiner toten Kinder; dadurch wird Gott vor dem ganzen Volke geheiligt und verherrlicht, denn daran wird es jedem offenbar, daß an der Quelle des Lichts und des Lebens die Schatten des Todes weichen und jede Klage verstummen müsse! Kleines Feuilleton. Die Juden in China. Ein Mitarbeiter des „Neuen Wiener Journal" unterhielt sich mit einem in Wien weilenden chinesischen Gelehrten von Ruf, Dozenten an der Universität in Shanghai, über das jüdische Problem. Der Gelehrte sagte: hatte von ihr erwartet, daß sie im BeWußtsein der weltpolitischen und historischen.Bedeutung dieser Anerkennung, die anderen jüdischen Gruppen nicht mit terroristischer Gewalt beherrschen, sondern durch weitsichtige Konzessionen,, und kluge Anerkennung der berechtigten Änshrüche zur friedlichen Zusammenarbeit heranziehen werde. Das ist nicht geschehen. Der Üebermut und die politische Unreife der Führer war auch nach außen hin von den verderblichsten Folgen. In falscher Einschätzung der durch die englische Regierung vollzogenen Anerkennung der zionistischen Organisation als Sachwalterin der jüdischen Ansprüche hat sie Jahre hindurch den Arabern gegenüber eine Politik verfolgt, deren unselige Wirkung kaum aus der Welr zu schaffen ist. Ägudas Jisroel als selbständige Organisation der thoratreuen Iudenheit hat mit Unmut. aber Zurückhaltung das politische Falschspiel der zionistischen Organisation beobachtet. In richtiger Erkenntnis der historischen, heiligen Ansprüche des jüdischen Volkes wollte sie ihre Anscharmngen den Mächten, vor allem aber den beiden einflußreichsten Mächten, den Engländern und Arabern, bekanntgeben. Agudas Jisroel hat aber, und das wollen wir allen Verdächtigungen und Verleumdungen gegenüber immer wieder hervorheben, nichts unternommen, ohne vorher Anstrengungen, zuweilen demütigende Versuche zu machen, mit der zionistischen Organisation nach außen hin eine jüdische Einheitsfront herzustellen. Die zionistische Organisation war aber zu einer gemeinsamen Vertretung jüdischer Ansprüche nach außen nicht zu haben. Ihrer politischen Weisheit letzter Schluß war das Sprüchlein: „Mi schetorach b'erew Schabbos usw.", mit dem Herr Sokolow die bei ihm vorsprechende Delegation der Agudas Jisroel abwies. Aber selbst nach diesem Refus, als Agudas Jisroel gezwungen war, die Ansprüche der thoratreuen Iudenheit endlich selbständig zu vertreten, hat sie nie und nimmer den Boden der Balfourdeklaration und des Palästinamandates verlassen. Als die palästinensische Landesorganisation der Agudas Jisroel nach dem Beispiel aller anderen jüdischen Organisationen vor zwei Jahren in Jerusalem vor Lord Northcliff erschien, hat siediese Linie ebenfalls eingehalten und durch den Lord bloß den Schutz der englischen Regierung auch für die religiösen Rechte der thoratreuen Iudenheit in Palästina, worüber die Balfourdeklaration nicht spricht, erbeten. Dieser Schritt der palästinensischen unabhängigen Orthodoxie hat nun erreicht, daß die große Oeffentlichkeit von der Unzufriedenheit der thoratreuen Juden in Pa- „Es ist geradezu erstaunlich, wie viel hier, in dem schönen Vienna, auf die Juden geschimpft wird, besonders auf die Ostjuden. Wenn all das, was ich in Wien Schlechtes während der acht Tage meines Aufenthaltes über die Juden vernommen habe, wahr sein sollte, müßte es mehrere jüdische Rassen geben, denn über unsere chinesischen Juden könnte ich nur das Beste sagen." lieber die Juden in China teilte der Gelehrte folgende interessante Einzelheiten mit: „Die Juden gehören zu den ältesten Gastvölkern des Reiches der Mitte. Ich glaube sogar behaupten zu dürfen, daß es das älteste Gaftvolk unter den fünfzig Völkern ist, die sich im Laufe der Jahrtausende in China angesiedelt hatten. Vor mehr als zweitausend Jahren, zu Zeiten des weisen Königs Tang, sind die ersten Juden nach China eingewandert. Auf seine Initiative übersiedelten etwa zehntausend jüdische Familien aus Persien nach China. Die Juden hatten sich in Chunau angesiedelt und bauten dort eine herrliche Synagoge, deren Mauern noch heule bestehen. Im Laufe der Jahrtausende haben sich die persischen Juden physiologisch zur Gänze assimiliert; ihre Haut wurde gelb, so gut wie unsrige, sie nahmen die chinesische Nationaltracht an und trugen noch vor hundert Jahren lange Zöpfe, wie dies in China damals Mode war. Sie sind Chinesen geworden; sie blieben dennoch ihrem ererbten Glauben treu, in dessen Ausübung sie übrigens nirgends und niemals der geringsten Schwierigkeit begegneten. Diese physiologische Assimilation ist trotz des langen Zeitraumes überraschend, da die Juden, ihrem Glaubensprinzip gemäß, nur unter sich heirateten. Vielleicht diesem Umstande (?) ist es zuzuschreiben, daß die Zahl dieser Juden rapid zurückging. Bereits vor zweihundert Jahren lebten nur mehr einige hundert Familien in Chunau und heute gibt es nur sieben jüdische

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