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Der Israelit · 1924-03-27 · Heft 13 (27.3.1924) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 13 \ 65. Jahrgang Frankfurt a. AI., den 27. März 1924 21. Adar II 5684 Der Israelit Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum |(]ö| m III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 111 i Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteljahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: 60000 Kronen; Amerika f Dollar; England 4 sh.; Frankreich 16 Fr.; Belgien 18 Fr.; Hollands fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs; Schweiz 6 Fr.; Tfchecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn 16000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 30 Goldpfenntge, für Stellensuchende 20 Goldpf., für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.20 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Ehiffregebühr in Höhe einer fdoppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tarifm. reiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit .m. b. H., Frankfurt a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 6842 sowie durch sämtl. Annoneen-Exped. des Ln-und Auslands Alleinige Jnferatenannahme für Frankfurter Geschäfts««,eigen: Jul. Schmidt, Langestratze 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Zürich Nr. Vlll 7234 — Postscheckamt ~ ~ ' ~ - — Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79603 — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424 — Postsch« r in Prag — Laues Marmarosch, Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in A eckamt gram. Abonnement 2. Mevtekjabr 1924. Wir bitten um gefl. Einzahlung des Abonnements für das zweite Vierteljahr mit Mk. 3— für die gewöhnliche, Mk. 6.- für die Luxus-Ausgabe auf unser Postscheckkonto Nr. 19802 Frankfurt a. M. Am 10. April beginnen wir mit der Einziehung der bis dahin nicht auf Postscheckkonto eingegangenen Beträge durch Nachnahme. Frankfurt a. M., 26. März. Verlag des Israelit G. m. b. H. 1 UW" Der heutigen Gesamtauflage liegt 1 | Bogen6(@.81-96)oon S.R.Hirsch, | 1 Frühling und Freiheit für unsere 8 1 Abonnenten bei. i % 5 +aBaaaaBBaBaaaBaaaaa3BBBaaaaaBBBBBBaBaBasaaaaaBB* Memorbücher. Von Rabb. Dr. Ph. Frankl in Halberstadt. Nahezu 51/2 Jahre sind seit dem formellen Abschluß des Friedens vergangen. Es wäre eine müßige Wiederholung des in allen Variationen bereits Gesagten, wollten wir trübe Betrachtungen darüber anstellen, daß uns seit dieser Zeit alles, nur nicht der richtige Friede beschert ist. Eine solche Betrachtung der Dinge wäre aber auch ungerecht, weil ein fünf Jahre hindurch währendes Menschenmorden mit all seinen Begleiterscheinungen nicht mit einigen Federstrichen der leitenden Staatsmänner abgetan sein kann: auch dann nicht, wenn diese Staatsmänner und die hinter ihnen stehenden Völker den besten Willen hätten, einen ehrlich gemeinten Federstrich unter das Vergangene zu ziehen. Die Welt kann nach der gewaltigsten Erschütterung die sie soeben burchgemacht, ganz naturgemäß erst nach und nach zur Ruhe kommen. Und doch ist es so schwer, zu warten, bis diese Ruhe eingetreten ist. Besonders schwer für diejenigen, die mehr wie alle anderen unter den Nachwehen des Krieges zu leiden haben. Dazu gehören in erster Reihe die Juden. Mehr, ungleich mehr als allen anderen, auch den besiegten Völkern, hat ihnen der Krieg mitgespielt. Es ist hier nicht der Platz, auf die Gründe einzugehen, die die Lage der Iudenheit in. beinahe allen Ländern Europas so sorgenvoll gestalten. Nationale Ueberspanntheit auf der einen Seite, besonders der besiegten Völker, die ihnen den Blick für die richtige Betrachtung des Geschehenen trübt,- nationaler Dünkel auf Seite derjenigen Völker, die unverdientermaßen zu einer Macht gelangt sind, die sie sich niemals hätten träumen lassen. All dies sucht sich zu behaupten und zu betätigen und sieht eine nationale Tat darin, die Juden zu treten. Dieser Prozeß der inneren Unruhe der Völker ist noch immer nicht zu Ende und es wird noch geraume Zeit dauern, bis auch auf diesem Gebiete der Friede eingekehrt sein wird. Es ist unter solchen Umstanden wohl zu begreifen, wenn die Iudenheit bislang noch nicht die geistige Ruhe gefunden hat, um ihrerseits den Krieg zu liquidieren, d. h. um alle Anforderungen zu erfüllen, die der Krieg und mehr noch die Zeit nach' dem Kriege auf allen Gebieten an sie stellen. Hier soll nur auf ein besonderes Moment, auf eine Forderung hingewiesen werden, deren Erfüllung gleichfalls noch aussteht. Ein Blick auf die jüdische Geschichtsschreibung, besonders der Neuzeit, lehrt uns, daß eine der Hauptquellen, aus denen die Historiker ihre Daten geschöpft haben, die sogenannten „Memorbücher" gewesen sind. Die meisten Gemeinden hatten ein solches Memorbuch angelegt, in denen in erster Reihe die Namen der Männer und Frauen verzeichnet worden sind, die in ihrer Gemeinschaft etwas geleistet haben. Es fanden in ihnen aber auch Erwähnung alle besonderen Ereignisse, die die Gesamtheit betroffen haben. Und da es in der Hauptsache ernste Ereignisse sind, die sie zu vermelden wissen, so sind diese „Memorbücher" zu eigentlichen „Martyrologien", wie sie gleichfalls genannt werden, geworden. Diese „Martyrologien" bildeten nebst den Protokollbüchern der Gemeinden*) und nebst *) Hier sei besonders hingewiesen aus das Protokollbuch des p n>:i und der rw'np man zu Krakau, aus welchem der Verfasser des überaus wertvollen Werkes ’sy» rPVa den reichen Schah gehoben hat, der ihn in die Lage versetzt hat, die Geschichte der Rabbinate Lemberg und Krakau in solch anschaulicher Weise darzustellen. den historischen Daten, die die zahlreiche Responsenliteratur enthält, die Hauptquelle für die Darstellung der Geschichte der Juden besonders der letzten 3—4 Jahrhunderte. So kam es, daß eine Anzahl solcher „Memorbücher" durch Drucklegung der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden sind. Eine Zusammenstellung der im Druck erschienenen Memorbücher von Dr. Charles Duschinsky findet sich in der Vierteljahrsschrift nöDtt1? NS12N VII, 30 8 ff. Sie enthalten viele wertvolle Daten, die über so manche Phase der Geschichte der Juden, besonders in Deutschland, Aufschluß geben. Diese Zeilen haben aber nicht bloß den Zweck, rückschauend die Bedeutung der „Memorbücher" hervorzuheben. Sie sollen vielmehr eine Anregung geben, die aus dieser Bedeutung resultiert. Es braucht hier nicht wiederholt zu werden, wie viele jüdische Gemeinden durch den Krieg zu Grunde gegangen sind, wie viele ganz vernichtet wurden, andere wieder große Verluste an Menschenleben zu verzeichnen haben. Wie viele fwn» ■»rni nrow 'nawie viele ’m sind der völligen Vernichtung anheimgefallen. In vielen Ländern, wie Ungarn, Ukraine. Rußland und Polen hat auch die -Nachkriegszeit schwere Opfer an Gut und Blut gefordert und zahllos sind die Orte, an denen Pogrome und Plünderungen stattgefunden haben. Noch hat sich' für all diese Ereignisse der Historiker nicht gesunden. Aus dem begreiflichen Grunde, weil unter dem noch immer frischen Eindrücke all dieser Ereignisse die Feder sich sträubt, all das Fürchterliche in seinen Zusammenhängen aufzuzeichnen, wozu Menschen oder Tiere in Menschengestalt sich vergessen konnten. Aber es soll doch auf eines aufmerksam gemacht werden. - Im Interesse einer späteren treuen und wahrheitsgemäßen Darstellung dieser an Tränen so reichen Zeit wäre es doch von großer Wichtigkeit, daß alle Gemeinden, die es angeht, daran denken, die hauptsächlichsten Vorkommnisse, die in ihnen sich abgespielt haben, in ihren Gemeindebüchern zu verzeichnen und dadurch der Vergessenheit zu entreißen. In den Büchern der »narr sollen hinwieder verzeichnet werden die Namen derer, die eines grausamen Todes deshalb sterben mußten, weil sie dem Volke angehört haben, das man so gerne für alles Unglück, das die Welt betrifft, verantwortlich macht. All die Namen derer, die als »twrrp für die Gesamtheit gestorben sind, sollen nicht der Vergessenheit anheimfallen. 1

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