Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1924)
- Date
- 1924-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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65. Jahrgang Frankfurt a. M., den 20. März 1024 14. Adar II 56h4 Nr. 12 (IL Der Israeli?!) Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 19a»4: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierreltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: 58000 Kronen; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich IS Fr.; Belgien IS Fr.; Hollands fl.; Italien 2» Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark -um Tageskurs; Schwei- 5 Fr.; Lschecho-Slowaket L8 Kronen; Ungarn 18000 Kronen: Dänemark 8 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 8.80 Kronen. Einzelnummer dreißig Voldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 30 Goldvsennige. tür EteUeniuchrnoe 80 Doldpf.» für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.80 SPtf., vorletzte Textseite L.— Mk.; Tdrffregebühr in Höhe eines Selten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Be, lausenden Jnseratauftragen tarifm. serhöhung sederzeit Vorbehalten. Inseratenannabme durch den Berlag de» Israelit G, m. b. H.. Frankfurt a. M>. Gr. Eschenheimer Straße 88. Tel. Hansa 5848 sowie durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands Alleinige Inkeratenannadmr für Frankfurter Geschäsisanzeigen: Qul. Schmidt, Langestraße 8. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit zliu-niürnsed, ti,»»k L Co. in Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Zahlungen direlt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Rr. l980L. - Zürich Rr. VTII 7884 — Postscheckamt Amsterdam Rr. 84869 — Böhmische Untonbank i seckamt!lgram. Suchet? für 3srac(if~SU>ormci feit: Statt: Abonnenten: G. M. Hirsch» Pentateuch 5 Bde geb. . 80.— Hirsch, Gebete. (nur noch wenige Exemplare) Lekmann. Samuel Ha-nagtd Schachnorvitz, Merelaika „ Luftmensche« . . 9.- 7.— „ Jenseits „ Im Judenstaat i drosch. 2.- 1.50 der Ehasaren *ie geb. 2.50 2.— „ Salomo, der Falascha Judäus, Baalschem von Michelsladt Lieferung gegen oorheiige Einsendung des Betrages zu- .züglich Versand-Porto oder gegen Nachnahme. Frankfurt«. M. Bel lag des Israelit G m. b. H. Ans dem Verborgenen. A's Mordechai, ein Allemwiffender um die drobende Gefahr, Verzweiflung im Herzen, auf uo otrafre hinausging, streß er auf drei jüdische Jungen, die aus dem Lehrhause kamen. Er hielt sie an und fragte, was sie heute aus der hei igen Schuft gelernt hatten. Da zitierte der erste Knabe aus Jesajas: xmn '2 awn rntwo'i »xns ins» xn'n te „Fü chte nicht die Gefahr, wenn sie plötz'ich hereinbUcht und vor dem Unheil, das von den Frevlern kommt!" Der zweite rief mit König Salomo in Mischte: enp>' im rm isini ns» «w „Ra'et und schmiedet P.äne, sie werden vereitelt, sprechet das Wort, es wird nicht bestehen, dieweil mit uns Gott ist!" Der dritte las ebenfalls aus Mischke: 'IX ’JVffy '28 ^HOX 'IX N2'V “litt Km ’3X NIpr-1»1 brnvK '2X1 XVX „Bis zum Alter bin ich es und im Greisenalter trage ich es, ich tats, ich trags und ich werde erretten!" Aus welchem Satz in der Megillah dieses interessante Intermezzo herausgelesen wird, ist nicht klar. In der ewigen Purimgeschichie des jüdischen Volkes geben diese drei aus reinem Kindermunde gesprochenen Sätze drei Phasen von Gefahr und Errettung an, die auch heute aus dem Weltch»os deutlich genug he:vorstechen. Was uns zunächst so bittere Verzweiflung ins Herz trägt, ist die Ur Plötzlichkeit, mit der der hamanitische Judenhaß über Gebiete Westeuropas und unseres deutschen Vaterlandes hereingebrochen ist. die bislang von der antisemi ischen Seuche vollkommen verschont waren. Ungetrübten Herzens lerne aber die Jugend aus der Erfahrung des ewigen Bibetwor.es: „Fü chte nicht die Gefahren, wenn sie plötzlich hereinbrechen und das Unheil, das von den Frevlern kommt . . ." Es ist nicht die erste und nicht die letzte Wetle, die die Ufer zu überschreiten droht. Der alte Gott ist es aber, der nicht nur den tobenden Meereswogen Schranken gesetzt und ihnen zugerufen hat: „Bis hierher und nicht weiter!" Dann beruhigt sich das Meer und es glätten sich die Wellen. Und alles ist. wie zuvor. Füchte nicht die Gefahr in ihrer betäubenden Urplötztichkeit. oxns ins» Kirn te, „Sie raten und schmieden Pläne" . . . Die Pläne gehen aufs Ganze. Man will mit einer Handbewegung, mit einer rhe onschen Phrase, wobei die Hand mit dem Revolver spielt, die Grundlagen von Staat und Reich erschüttern. Nebenbei vergißt man aber nicht, die Bahnhöfe zu sperren, damit „dir Juden mit ihren Devisen nicht entsch üpfen". Man hat guten Grund zu glauben, daß dir Juden die tuet ete Entwicklung der Dinge nicht abwarten werden . . . Aber der E-fahrungssatz des könig ichen Spruchdich.ers lautet: '121 n s i n i nssnxw „Euer Rar schlag wird vereitelt, euer Mort wird nicht bestehen, dieweil mit uns Gott ist," und mit unserer Errettung eine Welt vor Schaden und Unheil bewahrt wird. Daraus ergibt sich der Trost für alle Zeiten bis ins Alter und den G reisenstand des Volkes, dem immer neue Verjüngung folgt. Solange Jugend da ist, die aus der Vä er Lehre schöpfend den Balsam des ewigen Wortes in alte, verzweifelte Herzen träufelt, find Not uiid Gefahr von der göttlichen Verheißung überstrahlt: „Jch trags und ich werde erretten!" Zwei Aussprüche des Talmuds, mißverstanden, verlacht und mißdeutet von Unverstand und pietätloser Krr.iksucht, hü.len in ihre Rätselhaftigkeit ungemein tiefe Wahrheit. Haman stände schon in den ersten Blättern der Schrift, und zwar in der Geschichte des Sündenfalls mit den Worten:?»n s»n. Auch Esther fei in der Thora erwähnt, und zwar in M. V., wo zu lesen ist: 'iDi 'iS i'nvK nrion '22x1 Der Rede Sinn ist hier nicht so dunkel, wie es K.ügler meinen. Hamanitischer Haß ist nicht zu begründen, nicht in seinem Wesen und seiner Entstehungsgeschichte zu erfassen und darum nicht aus der Welt zu schaffen. Nicht die Un'.erscheidungsmauer von Rasse und Religion hat uns den Haß eingebracht. Wo sie gefallen ist. diese Mauer, wo man alle Rassenmerkmale restlos zu verwischen suchte, ist der Haß nicht geschwunden. Hundert Jahre Emanzipa ion haben uns genugsam darüber belehrt. Wo kommt aber der Haß her? Er ist so alt wie die Menschheit alt ist. und hat seine Wurzeln in der Urgeschichte der Menschheit. Da wo in der Bibel erzählt wird, daß die Urschlange ohne jeglichen Eigennutz, aus reiner Freude am Verderben nur, das Menschengeschlecht ins Unglück stürzt, da lebt auch zum ersten Mal Haman auf, der den Haß des Hasses wegen nährt. Und er entsteht in jedem Geschlecht von neuem, um, getreu den Tradi ionen seines Urahns Amalek, seine vergifelen Pfeile gegen „den Schwachen und Müden auf dem Wege" zu richten, gegen Israel. Frage nicht nach Grund und Entstehung des Haffes. f»n j»n ist Haman! . . . Aber auch Esther der Zeiten steht in der Thora! l'rivx mvn'22x1. Ist einst, in den Zer en der Wunder und Propheten, Gott offensichtlich in Erscheinung getreten, hatte er mit mach iger Hand allsichtbar in die Geschicke der Menschen und die Gesetze der Natur zugunsten seines Voltes eingegriffen, so wirkt er jetzt wie in der Esthergeschich e ll'IS rrnnvn2 mit geheimer Hand als nxnI 12'Xi nxm „Ec steht hinler der Mauer, schaut durch die Fenster, späht durch die Luken" und streckt seine Hand aus dem Verborgenen aus, um das Werk der Bosheit zu zerstören und den Bedrohten Hilfe zu reichen. Es war bereits ein Mordechai da, und eine Esther faß am Königshofe, und eine jüdische Rettungstat war in die Annalen der persischen Königsgeschichte eingetragen, als das Unheil in der Gestalt des Emporkömmlings am Horizont erschien. Vrxnten o’mi nnx . . . Wie beruhigend, wie beglückend, zu wissen, daß auf dem von tausend Gefahren um* brandeten Weg, den das Judentum der Welt und nicht zuletzt die deutsche Judenheit heute wandelt, der Helfer so nahe ist. seine rettende