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Der Israelit · 1924-03-13 · Heft 11 (13.3.1924) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 11 (13.3.1924)
Date
1924-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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13. März 1924 .. Nr. 11 6 eite 9 VonTrinkern und Schlemmern. Rabbi Israel Salanter sah in einem Landgasthofe, wo er abgestiegen war, wie ein Schachet, der zum Schächten bestellt war, in Erwartung des Metzgers sich vier Gläschen nacheinander zu Gemüte führte. Als der Schachet den Rabbi gewahrte, schämte er sich. Um ihn abzulenken und sich selbst in gutes Licht zu stellen, bat er den Rabbi, er möge ihm etwas Tauroh sagen. Rabbi Israel sagte: „Cs blieb mir allezeit unverständlich der Satz im „Chadgadjo", der den Todesengel den Schachet dahinraffen läßt. Was hatte der Schachet verbrochen? Jetzt verstehe ich. Es ist Sederabend und er hatte „vier Becher" getrunken, da durste er an diesem Abende nicht Schachet sein ..." Ein armer Wanderer saß ungebeten bei einem Hochzeitsmahl und wurde wenig beachtet. Als man zuletzt einen silbernen Lössel vermißte, richteten sich aber aller Augen verdachtschöpfend auf ihn. Der Fremde zitierte aus den Psalmen m« »Vsa »n»»n aba nvv »nnsw und übersetzte: „Ich war vergessen wie ein Toter und entrückt allen Herzen; ich war aber — aus einmal — da, als ein Gerät verloren ging . . ." Warum wählte Lot gerade Sedom als Wohnsitz? Sedom war nach dem Berichte der Thora 'npva nbs- Und Lot war bekanntlich dem apv» nicht abgeneigt. Stoßseufzer eines Trinkers: Was hätte es wohl geschadet, wenn Pharao nur vier Plagen, dafür aber wir „ z e h n Becher" bekommen hätten?! Ein Trunkenbold, der drei Becher auf einmal leerte, rechtfertigte es mit dem Satze in M. II. 25, 33. inrra mpn o-V'22 nvbv (Im Talmudifchen n:p auch für Kehle gebraucht.) Guten Wein kann man ruhig trinken, nur schlechter steigt in den Kops. Heißt es doch (Talmud Megillah 12) wma pnp vi'im Baruch hatte, um seine Neigungen zU bekämpfen, ein Gelübde getan, sich des Weines vollkommen zu enthalten. Das tat ihm aber nicht gut, und sein Zustand wurde kritisch. Im Krankenhause verordnet der Arzt, daß Baruch etwas Wein genieße. Dieser aber weigerte sich beharrlich, sein heilig Gelübde zu brechen. „Dann", sagte der Arzt, „werden wir mit Rücksicht auf die Lebensgefahr Gewalt anwenden, zwei Gehilfen halten den Patienten an den Händen fest, und einer führt il)m den Wein zu." „Nein, nein Herr Doktor," bat Baruch, „wenn schon, dann bitte ich, daß mich nur einer festhält und zwei den Wein mir zusühren . . ." „Ich trinke," behauptete Leiser, „um meine Sorgen zu ertränken, leider haben sie schwimmen gelernt . . ." Zuerst trank Leiser, wie es sich gehört, nur vor und nach dem Fische — dann aber, wie er älter wurde, trank er sogar vor und nach dem Schnaps . . . Es gibt drei Arten des Trinkens: Geht ein Jude in die jüdische Schenke und trinkt, dann bringt es „Brocho" (Segensspruch des Trinkers), und „Hazlocho" (Gewinn des Schankers). Trinkt ein N i ch t j u d e, so gibt es „Hazlocho" ohne „Brocho". Brocho ohne Hazlocho ist aber, wenn der jüdische Schänker seinem eigenen Faß zuspricht ... Die Tendenz des im Achtzehngebet eingeschalteten •D^oin b'v *) Von Pros. A. Sulzbach. Nach allgemeiner Ansicht soll diese bekannte Formel die Erinnerung an die Makkabäerkämpfe und an das Wunder des Tempellichtes für alle Zukunft verewigen. Es kann dies zugegeben werden, aber die Haupttendenz der Formel ist dies nicht; nebenbei dürfte diese Einschaltung der Erinnerung an die Vergangenheit dienen. Wenn Raschi zu den Schlußworten der von der Gemoro angezogenen Megillath Taanith bemerkt: '’oan so würde diese Formel nur ein hohes Alter beweisen. Damit hat aber Raschi nicht gesagt, daß die genaue Formel nur aus das Wunder der Menorah abz,ele. Massecheth Soferim erwähnt in Kap. 20, 8. eine einzuschaltende kürzere Formel als unser rry die mehr dem Äa nvua gleicht, das wir beim Anzünden der Lichter sagen und sich charakteristischer Weise darin von dem a’oja bv unterscheidet, daß sie die Worte 70ns »*p bv v'vinpa enthält, was in unsren rry nicht der Fall ist. *) Allein, ich glaube, daß bei genauerer Betrachtung der angeführten Talmudstelle es sich ergibt, daß unser n"s *) Wir bringen diese uns nach dem letzten Chanuckafeste zugegangene Studie auf Wunsch des gesch. Herrn Verfassers jetzt zum Abdruck. 1) Die Stelle in nnsno 'on lautet: mma v'nairn '2«vm ^i*n pa pm* p in’nnn 'v'2 n'vs *wrr nwwm jtikVd mumm “prV fvrüi /•mKVsii a’oa ijwök 'pimi 'a un» avs' p .vnai •'■di awa 'a an« 71*12 -nx^ Der Israelit nicht mit Rücksicht auf das 02 des Menorah-Lichtes abgefaßt ist, auf das, was allgemein als aaun 02 begrisfen wird. Ein grammatisches Bedenken und die in rrwn '» erwähnte Zeit der Einsetzung des aaim-Festes sprechen gegen die bisherige Ausfassungsweise unserer Formel. Grammatisches Bedenken: 7>«np fvnxna ana ip'ina kann sich nicht auf die Menorah beziehen, die man wegen der Verunreinigung des Tempels nicht im Innern anzünden konnte, sondern im Freien anzünden mußte, denn alsdann müßte die Einzahl *ixaa und nicht die Mehrzahl gebraucht werden, die Mehrzahl deutet auf eine Illumination hin, die der Freude über die Wiedergewinnung des Tempels Ausdruck geben sollte. Zweitens spricht aber auch die Zeit der Einsetzung des Festes und somit die Einführung des zur Einschaltung in das *iV§'N2i»V-Gebet dagegen, daß dieses auf das Menorah-Wunder Bezug nehme. Die vom Talmud angezogene a'2vn nV>aa besagt ausdrücklich, daß das Chanukafest im nächsten Jahre erst festgesetzt wurde loanrr so kann doch die Pflicht der Lichter zum Gedächtnis an die Wunder und Machttaten, nicht an das Menorah-Wunder erinnern, denn im zweiten Jahr hat sich ein solches nicht ereignet, es hätte andernfalls im ersten Jahr müssen angeordnet werden. Mag auch die Achtzahl der Lichter an das ca erinnern, so ist dies nur als nebensächlich aufzufassen; die Lichter, die man in den „Höfen" des Tempels anzündet, sollten der Freude Ausdruck geben, daß man ein ganzes Jahr lang trotz der Kriegszeit, die noch immer nicht beendet war, ungestört im Tempelraume den Opferdienst hatte verrichten können. Was dürfte also die eigentliche Tendenz sein, die für die Abfassung des vwaa und dessen Einschaltung in die ,nt«? aaiat? maßgebend war? Eine Midraschstelle zeigt uns den Weg zur Lösung unserer Frage. „Als Ahron, der Fürst des Stammes Levi," so lesen wir Midrasch Ialkut ■jnVsaa Ans., „sich von der Darbringung einer Opfergabe zur Einweihung der Stiftshütte ausgeschlossen sah, sprach er: Wehe vielleicht ist es meine Sünde (nämlich die Anfertigung; des goldenen Kalbes) die mich als den Vertreter des Stammes Levi zur Opfergabe nicht zuläßt und so der ganze Stamm Levi sich zurückgesetzt fühlen muß." Da spricht Gott: „Fürchte dich nicht, deiner wartet eine größere und herrlichere Auszeichnung; der Opferdienst, den du und deine Priester vollziehen, ruht in der Zeit, da der Tempel zerstört ist, die Lichter aber werden zu jeder Zeit angezündet." Welche Lichter sind hier gemeint, die als nie aufhörend Ahron und seinen Priestern emen höheren Ersatz bieten sollen, als es die Opferaaben ihnen gewährt hätten? Sollen etwa die Chanukalichter gemeint sein, wie einige Erklärer annehmen? Das scheint doch nicht annehmbar, denn, was hat das für die Zukunft gebotene Anzünden der Chanukalichter mit der Auszeichnung der Priester zu tun, diese Pflicht liegt doch nicht ihnen allein ob, sie ist doch eine für jeden bindende, und wenn auch an die Weihe des Tempels, bezw. des Altars am 25. Kislev erinnert wird, so kann es doch nicht als besondere Auszeichnung für die Priester gelten, die durch diese Lichter viel mehr empfangen sollten als sie durch die Zurücksetzung eingebüßt haben. Daß die Chanukalichter alle Zeiten überdauern werden, finden wir nirgends verheißen, nur von dem rabbinifch angeordneten Purimfeste heißt es: " *iav' «Vi, warum sollte die Erinnerung an die ehemalige Tempelweihe nicht ebenso einst in den Hintergrund treten wie die an die Befreiung aus Mizrajim und nicht für sie dasselbe gelten dürfe, was von der Erlösung aus Aegypten gesagt wird, daß man einstens nicht mehr Gott preisen werde als den Befreier Israels aus Mizraiim, sondern als den, der Israel aus allen Weltteilen gesammelt und wieder kn seine alte Heimat geführt hat." (Iirm. 16, 14, 15.) Die Vertröstung der Priesterschast muß etwas anderes sein und zwar ist sie nichts als die, daß in ferner Zukunft die Priester zu ihrer Amtstätigkeit im neuerstandenen Tempel wieder berufen sein werden, und darin liegt zugleich die Versicherung: Israel wird durch den gottgesandten Moschiach wieder auf eigenen Boden zu einer selbständigen Nation und der Tempel wird wieder erbaut werden. Die Priesterschast war bei den Gesehestreuen in Mißkredit geraten. Die Geschichte lehrte es, daß mit der Hasmonäerherrschaft, die entgegen dem Sinne der Thora Hohepriesteramt und weltlichen König in einer Hand vereinigte, der Anfang der Zerstörung des jüdischen Staates war/») Unglück brachte dis Hasmonäerherrschaft. Der Sadduzäismus ergriff die Priesterschast, die Hohenpriester standen im Verdacht sadduzäischer Gesinnung, sodaß man sich gezwungen sah, den am Versöhnungstage fungierenden Hohenpriester zu vereidigen, daß er innerhalb des Tempels, wo er allein war und nicht kontrolliert werden konnte, den zu vollziehenden Opferdienst nach traditioneller pharisäischer Vorschrift und nicht nach lädduzäischer Lehre vollziehe (Ioma 29 a. f.). Dann kamen die schweren Konflikte innerhalb der Priesterfamilien selbst, der Streit um die Würden, der den Pomvejus als Schiedsrichter herbeimhrte und damit das Schicksal des jüdischen Staates in die Hand Roms legte. Denn, wo Rom einmal die Hand im Sviele hatte, das hielt es sie auch fest. Die Hohepriesterwürde war käuflich geworden. Schlemmer, Gewalts- 2) Wie scharf die späteren jüdischen Autoritäten die 'Hasmonäerherrschaft verurteilen, beweist Ramban im Kommentar, der sie für das Golus verantwortlich macht und die Leiden des Golus als ihre Schuld ansieht. Menschen, Unwissende ernannte man zu Hohenpriestern oder reihte sie den Adligen in der Priesterschaft ein. 3 \ Und wo sie nicht selbst Gewalt äusüben, da stand ihnem eme seile Dienerschaft zu Gebote, die dem Volke die Macht ihrer Brotgeber mit Stock- und Keulenschlägen bewiesen. Der Talmud nennt diese traurigen Gesellen, die Königskrone und Priesterdiadem schändeten, die das Volk durch öffentliche Verhöhnung des Opferdienstes reizten, um dann die ausländische Leibgarde auf die eigenen Mitbrüder loszulassen, mit Namen und läßt den Tempel selbst: „Wehe!" über sie schreien. (Pesachim 57b). Diese historischen Erfahrungen muhte bei vielen die Priester zu Pfaffen machen; sollten die verkommenen Nhroniden wirklich noch vor Gott als würdig gelten nach Erfüllung der Zeiten, nach der Ankunft des Moschiach im wiedergewonnenen Heimatlande, im Tempel den Dienst zu versehen? Da galt es denn, die Verbreitung solcher abfälliger Gedanken zu verhindern und die in Verruf gekommenen Ahroniden zu rehabilitieren, und das Chanukafest bot dem Verfasser des in das Achtzehngebot eingeschalteten croan bv Gelegenheit, btcs zu verwirklichen. Man sollte nicht vergessen, was die Priester doch immerhin für die Erhaltung der Thora und die Entflammung des Volkes für die Wahrung der Treue an Gott getan, wie sie mit Preisgabe ihres Lebens für das Judentum gekämpft haben. Sie bleiben die von Gott erwählten Priester und werden in dem Tempel der Zukunft den Menorahdienst versehen. „Deine Lichter werden ewig brennen". Die jüdische Zukunst ist gesichert. Symbol dafür die Menorah im Tempel auf dem Berg Moriah, nicht die Opfer. Ainderecke. Gustels Rätsel. Von Heinrich Einstädter in Frankfurt a. M. Im Kinderzimmer gab es Lärm! Die „Kleinen" waren beim Spiel uneinig geworden. Die fünfjährige Paula wollte gern Kaufladen spielen, während ihre gleichaltrige Kusine die Puppenküche herangeschleppt hatte. Mutter hatte gerade Besuch und konnte sich daher nicht den Kindern widmen; auch sonst war niemand da, der sich mit ihnen hätte beschäftigen können. Da tönte die Flurklingel. „O, wie gut sich das trifft!" rief Mutter, als ihre Nichte Gustel hereintrat. „Du bist mir wirtlich willkommen. Paula und Berta sind in Streit geraten, wohl weil sie Langeweile haben, Du wirst sie gewiß zufriedenstellen können." Nun dürft Ihr Euch nicht vorstellen, daß Gustel etwa ein großes, erwachsenes Mädchen gewesen sei. O nein! Sie war selbst erst sieben Jahre alt, aber lieb und verständig. Und so begab sie sich denn auch sogleich, nachdem sie abgelegt hatte, ins Kinderzimmer, aus dem bald kein Ton mehr zu dem Besuch hinüberdrang. Gustel machte zuerst den Richter. „Du möchtest Kaufladen spielen, Du aber Puppenküche. Nun sollt ihr beide nicht recht haben. Ihr habt ja schon einige Zeit gespielt, jetzt will ich euch etwas erzählen." Das waren die beiden Mädels zuftieden. Sie setzten sich an das Tischchen, und Gustel nahm ihnen gegenüber Platz. „Was ich euch erzähle, soll zugleich ein Rätsel sein," begann sie. „Es war einmal ein Mädchen, das war sehr gut und fromm. Seinen Namen sage ich euch aber nicht, weil ihr ihn erraten sollt. Es wohnte bei seinem Onkel, und wenn der Onkel etwas von ihm verlangte, so gehorchte es so- 8) Was der Talmud (Ioma 18a) von Martha, der Tochter des Boethus berichtet, die für ihren Gemahl Jofua b. Eamla von. dem König Ianai für einen Korb voll Gold-Denare eine Würdenerhebung erbat, die ihr auch bewilligt wurde, muß nicht als Erkaufung des Hohepriester-Titels angesprochen werden, denn Ianai hat diesen sicherlich nicht abgegeben. »2121 '«22 'vspisa bv scheint darauf hinzudeuten, daß es in der Priesterschast eine adelige Klasse gab. in welche Martha ihren Gemahl wünschte ausgenommen zu sehen.

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