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Der Israelit · 1924-03-13 · Heft 11 (13.3.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 11 (13.3.1924)
Date
1924-03-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 11 Der Israelit 13. März 1924 gleich. So brav und folgsam war es, daß der Onkel sagte, mein Nichtchen mutz zum Lohn einmal einen König bekommen. Richtig, als die kleine groh geworden war, kam ein mächtiger König, der hatte ein Schloß aus reinem Marmor und einen Stuhl aus Gold. Natürlich lag ein weiches Essen darauf. Dem gefiel das fromme Mädel so gut, datz er es zu seiner Königin machte. Zur Hochzeit durfte es alle seine Freundinnen einladen, und die Juden hatten eine grotze Freude, weil jetzt eine Jüdin ihre Königin geworden war. Nun sagt mir aber ihren Namen!" Da klatschte Paula in die Händchen und rief: „Ich weitz ihn! Esther!" „Richtig", antwortete Gustel und fuhr fort. „Esther war eine sehr gute Königin, aber streng war sie doch. Sie hatte gehört, datz viele Juden in der Stadt bei einem Fest verbotene Speisen gegessen hatten. Da war sie sehr, böse darüber und sagte: „Ihr alle sollt dafür drei Tage fasten." Da kamen viele gelaufen und riefen: „Ich bin nicht dabei gewesen!" „Ich hab's nicht getan!" „Ich# bin wirklich ganz unschuldig!" Aber die Königin sprach: „Seid mir nur.ruhig!! Wenn ihr diesmal nicht dabei gewesen seid, so wart ihr gewitz ein anderesmal böse gewesen. Strafe habt ihr schon alle einmal verdient. Aber damit ihr zufrieden seid, will ich mit euch fasten." Da war aber beim König ein sehr mächtiger Fürst. Der war den Juden sehr feind, weil sie sich nicht vor ihm knieten. Und dieser Fü.st wutzte nicht, datz die Königin selbst eine Jüdin war. Er meinte wohl gar: Wenn die Königin die Juden mit drei Fasttagen straft, da mag sie sie gewitz selbst nicht leiden. Und er sprach darum zu seinen Freunden: „Wir wollen alle Juden an einem Tage totschlagen." Das hörte der Onkel der Königin und sagte es ihr, und sie sagte es wieder dem König. Da wurde der sehr zornig und rief: „Hängt den Fürsten gleich auf." Da hängte man ihn und seine zehn Jungens auch. Wie hietz der Fürst?" Diesmal rief Berta: „Das war der Haman!" Die gutmütige Paula aber fragte: „Warum aber hat man denn auch die zehn Jungens aufgehängt?" „Die waren auch sehr böse," erwiderte Gustel. „Aber sie hätten doch nachher auch wieder gut werden können," meinte Paula und verzog schon das Mädchen zum Weinen. „Selbstverständlich hat man sie dann wieder heruniergetan," beruhigte schnell Gustel, und Berta rief: „Bitte, weiter." Gustel war schon ziemlich müde. Sie erzählte aber doch die Geschichte zu Ende. „Also jetzt waren alle Juden froh, datz sie nicht totgeschlagen wurden, und sie feier en darum ein schönes Fest. Die gute Königin Esther aber dachte: „Die Leute haben ihre Freude und die Kinder auch. Aber die Kinder, die erst später auf die Welt kommen, sollen die nicht auch ihre Freude haben? Gew ß!" Und sie befahl darum, datz man das Fest jedes Jahr feiere, und datz die Kinder Schokolade und Kreppel bekommen sollten oder sonst was gutes." Und eh sie noch fragen konnte, riefen Paula und Berta zusammen: „Das gibts Purim!" Da nickte Gustel und stand auf: „Jetzt muh ich aber heimgehen: es ist spät geworden. Seid recht brav, damit die Kreppel nicht ausfallen." Das nahmen sich die Kleinen auch fest vor und riefen ihrer lieben Erzählerin noch zum Danke den Wunsch nach: „Gut Purim!" Bücherbesprechungen. ntyjram eman vonRabb.JecheskelLipfchütz in KaNsch. 4. Teil (-w-wu 'o) besprochen von Rabb. Dr. Cohn in Bafel. Als der Schreiber dieser Zeilen sich vor einer Reihe von Jahren mit einem unserer größten Rabbiner, der zugleich ein guter ist, unterhielt und seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß es so wenigeu/NL« '0 gebe, aus denen der Rabbiner, der allwöchentlich zu seiner Gemeinde sprechen will, Anregung schöpfen könne, sagte er: „Sie sagen, es gibt wenige. Es gibt gar keine!" Dieses scharfe Wort wurde gesprochen, bevor das oben bezeichnete Werk erschienen war, von dem nun der vierte Teil dem Drucke übergeben worden ist. Auch dieser Teil zerfällt wie die vorangegangenen in zwei Abschnitte noim pas halachischen und mzmn pbn homiletischen Inhalts. Es ist ein großartiges Werk, das jeden Kenner entzücken und begeistern wird, und der neuerschienene vierte Teil schließt sich den vorangegangenen würdig an. Bei jeder rrcm stellt der Verfasser Worte unserer Weisen im Midrasch oder im Talmud in den Vordergrund, Bemerkungen, die scheinbar unverständlich und rätselhaft sind. Mit der Meisterschaft, die nur ihm eigen ist, dem alle Aussprüche unserer Weisen in den Midraschim und in den Talmuden gegenwärtig sind, bringt er dann eine ganze Reihe von V'm naxn, die das vorliegende Thema nicht zu erklären, sondern nur noch mehr zu verwirren scheinen. Und nun gibt er uns eine geistvolle Erklärung, und die Dunkelheit weicht, es wird Licht; die Bedeutung des einen Ausspruches ergibt sich mühelos aus dem zweiten, und mit wahrhafter Herzensfreude und Begeisterung sehen wir, wie erst die Worte unserer Weisen, richtig verstanden, uns den tiefen Sinn unserer heiligen Thora erschließen und die ausgeglichene und bewundernswerte Lebensauffassung unserer Weisen uns anschaulich machen. Noch ein Vorzug des Werkes sei hervorgehoben: dre Themata, die der Verfasser wählt, und ihre Durchführung sind durchaus modern. Aus dem reichen Schatz von Beispielen sei zur Illustration des Dorangegangenen nur eines erwähnt: Die Söhne der Stämme Gab und Rüben verlangten bekanntlich für sich das Land diesseits des Jordan, das ehemals den Königen Sichon und Og gehört hatte. „Schafhürden wollen wir bauen für unsere Herden und Städte für unsere Kinder, so sprachen sie." Hierzu bemerken unsere Weisen im Midrasch: „Das hat schon der weise König Salomon im Buch Koheles gesagt: das Herz des Weisen ist auf seiner rechten, das des Toren auf seiner linken Seite. Nach der scharfsinnigen Erklärung des Verfassers bedeutet die rqchte Seite die Hauptsache, die linke Seite die Nebensache. Der Weise, so meint Koheleth, schaut aus die Hauptsache, der Tor auf die Nebensache. Toren waren die Stämme Rüben und Gad, denn sie wollten in erster Reihe Vorsorge treffen für ihr Vieh, während dies doch die Nebensache war und ihre Fürsorge in erster Reihe auf Frauen und Kinder sich zu erstrecken hatte. Bei dieser Gelegenheit erörtert der Verfasser im Sinne unserer Weisen den Wert der irdischen Güter. Nur ein Ausspruch sek erwähnt, den wir im Talmud finden: Rabbi Jochanan sagte: „Wer über einen vollen Becher Wein benscht, der erbt zwei Welten, diese und jene Welt." nioao) Mit dem vollen Becher, der nichts mehr aufzunehmen vermag, weil alles, was man hinzuschüttet, überläuft, ist das Bild der Genügsamkeit, der Zufriedenheit. Diese Welt genießt nur derjenige, der mit seinem Besitze zufrieden ist, der mit unserm Stammvater Jakob spricht i-o •>$> v' »a „ich habe alles, ich bin mit dem Meinen zufrieden," dem sein Besitz im Bilde des vollen Bechers erscheint. Und wenn er dann für den Teil, der ihm geworden, Gott als dem Schöpfer und Spender alles Guten von Herzen dankt, und mit Dankbarkeit und Liebe sich in seinen Dienst stellt, so wird ihm auch jene Welt zuteil, für die dieses Leben nur eine Vorbereitung ist. Das angeführte Beispiel möge genügen. Das Werk des Verfassers sei jedem, der seine jüdische Lebensauffassung bereichern will, aufs Wärm st e empfohlen. ^.nnuaire des amis de la tradition juive. pour 5684. Edit6 par les «amis de la tradition j u i v e«. Colmar 5684, Als ein schüchternes Zeichen erwachenden jüdischen Gemeinschaftslebens in Frankreich mag dieses Jahrbuch herzlich begrüßt werden. Eine kurze Vorrede teilt mit, daß der in Jahre 1921 gegründete Verein 690 meist elsäffi'chs Mitglieder umfaßt und als erstes Unternehmen ein rituelles Hotel in H o h w a l d gegründet hat. Es folgen ein Vortrag des Präsidenten, Oberrabbiner W e i l l - Colmar, über „Die Methode des Judentums" — eigentlich eine kurze Darstellung des Wesens des Judentums —, ein Aufsatz über den hygiri i'chen Wert der jüdischen Lebensführung sowie dir Vorlesung eines christlichen Arztes Dr. Loir, Chef des Hygrenewesens in Havre, über die „medi;i rische Wissenschaft und das Judentum". Recht iustruk'io ist die Einleitung zum Kalendarium und den wertvollen Zeittabellen, als deren Verfasser man wohl einen der Berufensten, Dr. B. Cohn-Straßburg, ansprechen darf. Personalien. WLrzburg, 2. März. Am 17. Februar feierte Herr Joseph Sommer und Frau geb. Seelig, das seltene Fest der goldenen Hochzeit und ersterer zugleich seinen 62. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Vor 24 Jahren waren sie von ihrer Heimat Freudenberg a. M. hierhergezogen, um nach den heiligen Traditionen des gesetzestreuen Judentums leben zu können. Möge dem ehrwürdigen Jubelpaar weiter noch ein heiterer Lebensabend beschieden sein. Matzbach, 6. März. Einen unersetzlichen Verlust erleidet die hiesige Kultusgemeinde durch den Heimgang ihres langjährigen früheren Vorstandes, Herrn M. A. Marx. Im echtzüdifchen Elternhause nach den alten Traditionen erzogen, hielt er mit peinlicher Gewissenhaftigkeit alle mxn und war er stets bestrebt, seine Kinder in gleichem Sinne zu erziehen. Seine freie Zeit — nach des Tages schwerer Arbeit — benützte er schon in Jugendsahren zur Vertiefung in die jüdischen und profanen Wissenschaften und so konnte er — ei« Fall, der wohl selten dastehen dürfte — als jüdischer Metzger schön im jüdischen Schrifttum lernen. Als p.i ist Herr Marr in weitesten Kreisen bekannt. 607 Knaben sind von ihm in den viip mia eingesührt. Sei» Sinn für non nii"ar dürfte einzig dastehen. Die hiesige Gemeinde, für deren Erhaltung er bis zu seinem Ende bestrebt war, verdankt seinen Bemühungen ihre sämtlichen, der Neuzeit entsprechenden, gut erhaltenen Institutionen, sodaß ihm aus Anerkennung seiner Verdienste vor zwei Jahren der-wn-Titel zuerkannt wurde. Hindenburg, 6. März. Die Gattin unsres^ Rabbiners, Frau Else K a a tz, ist gestern nach kurzem, schweren Leiden im Alter von 49 Jahren allzufrüh abberufen worden. Eine Tochter des unvergeßlichen Stadtrats Wiener in Kattowitz, hat die Heimgegangene im Geiste der elterlichen Traditionen an der Seite ihres Gatten eine vorbildliche Wirksamkeit auf allen Gebieten des jüdischen Gemeinschaftslebens entfaltet, dre reichen Gaben ihres Geistes und ihres Gemüts in den Dienst der Armenpflege, des Eemiluß Cheßed, der Volks- Erziehung gestellt und ihr Heim zu einer Stätte der Erqu'ckung und Seelenstärkung für jeden Hilfe Heischenden gestaltet. Ihrem Gatten stand sie als vornehme, kluge Beraterin und Gehilfin opferfroh in allem Guten zur Seite. Ihr Andenken wird in unendlich vielen dankbaren Herzen weiterleben. •n'axrn Leer (Ostfriesland), 20. Febr. Am n"-> starb im hohen Alter von fast 82 Jahren der Uhrmacher Jakob N. Gans. Der Verstorbene war wegen seines ehrlichen und aufrichtigen Charakters in feinem Berufe in der ganzen Stadt und in der ganzen Umgegend hochgeschäht. „Joseh Ta'mud Thauro in Derech Er^" war sein Wahlspruch. Neben seinem Geschäft amtierte der Verstorbene l'schem Mizwoh eine lange Reihe von Jahren als Chasen und brachte nach den alten Melodien, wom" er die ganze Gemeinde zu fesseln verstand, die Gebete vor. Am 21. Mai 1916 Lag boomer 5676 feierte der Dahinqeschiedene mit seiner Gattin, die im gleich frommen Sinne als echte jüdische Hausfrau ihm stets zur Seite stand, ihm vor 6 Jahren in die Ewigkeit vorangegangen ist, das seltene F:st der goldenen Hochzeit.^ Anläßlich dieser Füer verlieh der damals in Emden amtierende Landrabbiner Herr Dr. Ho fuann dem Juki ar wegen seines großen jüdischen Wissens und seiner aufrichtigen Frömmigkeit den Chower. — Herr Lehrer Popper gedachte in seiner Trauerrede der Verdienste der Verstorbenen. Berlin, 29. Febr. Gestern feierte die verwitwete Frau Friederike Lew in, Prenzlauer Straße hierselbst, m körperlicher Frische und geistiger Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag. Die Jubilarin stammt aus altehrwürdigem frommem Hause, daher die allgemein umfassende Anteilnahme bei der Begehung dieses seltenen Familienfestes. Aus der Stadt und der weiten Ferne waren Verwandte und Freunde herbeigeeilt, der Ehrwürdigen ihre Liebe und Wertschätzung zu bekunden. Die Wohnung glich einem Blumengarten. Glückwünsche und sonstige Aufmerksamkeiten liefen in großer Menge ein. Ein Sängerchor überraschte die Gefeierte. Abordnungen von Vereinen überbrachten ihre Glückwünsche. Herr Rabbiner Dr. Singermann von der Tauß-Synagoge hielt eine eindrucksvolle Ansprache. Redner schilderte Frau Lewin als eine echte Eschel Chajit, rühmte ihre Selbstlosigkeit, Bescheidenheit, Frömmigkeit und Ergebung. Am Abend versammelten sich die allernächsten Angehörigen zu einer solennen Feier. Tafelredner waren u. a. der älteste Sohn Julius im Namen der Familienmitglieder, ein Bruder, Kaufmann Paul Lewin, der in humorvoller Weise es verstand, den Werdegang seiner Schwester getreulich zu schildern und ein Anverwandter Rotkugel. Möge der allbeliebten Greisin noch ein langer ungetrübter Lebensabend beschieden sein! Briefkasten. Lehrer R. in G. Solche Vergleiche werden uns auf der anderen Seite sehr übel ausgelegt und unterbleiben besser. Rabb. M. E. in Nowy-Sacz. Mark zwei Millionen poln. dankend erhalten! B. L. G. Vorsitzender der Agudas Iisroel i« Holland ist Herr Oberrabbiner Hirsch in Zwolle, Schachnowitz, Merelaika kostet broschiert Mk> 1.50. gebunden Mk. 2.50 zuzüglich Porto.

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