Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1924)
- Date
- 1924-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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13. März IM_. „Latz sie, Gottes Erbarmen erstreckt sich über alle seine GeschöM" (Ps. 145, 9). Von diesem Tage an besserte sich se'n Leiden (Baba mezia 85). Das sind die Pflichten der Milde und des Hohlwollens ge^en die Tiere, die uns Bihel uyd Talmud einyrätzen, ZN keinem Religionsbekenntnis finden wir Mnere und bessere Lehren. (Schlutz folgt.) /W Korrespondenzen « HacbricMen. Usietz Trstilin «id M«s«s»th. Frankfurt a, M., 11. März. Die „Freie Deroinigung für die Inte r e ff e n des orthodoren Jude n tu m s, E. V." bittet alle diejenigen S o-f r i m, die bereit sind, gegen entsprechende Honorierung, die ihnen aufzugebenden kleineren und mittleren Gemeinden, zu besuchen, um dort Tefillin und Mesusoth nachzusehen und auszubessern, sich beim B.ü r ov d e r Ar eien De r e i n ig,u n g, Schützenstraße. 14, melden zu wollen^ Ditz Antwort der Regierung auf. die Menschenschmuggel-JnterpeHation. Berlin, 9. März. Auf., die Anfrage, des deutschvölkischen Abgeordneten. Gräfe, und. Genossen im Reichstag bezüglich des Beuthener Ostjuden-Schmuggelprozesses hat die Regierung nunmehr die folgende schriftliche Antwort erteilt: Es ist richtig, daß an. der polnisch-schlesischen Grenze bis etwa zur Mitte vergangenen Jahres eine ziemlich stärke ostjüdischr Einwanderung stattgefunden hat; aus der Tatsache, daß jahrelang über die Grenzziehung An-, sicherheit bestand, ergab sich eine Art Gewöhnung der östlichen Bevölkerung daran, dah sie unerlaubt auch weiterhin über die Grenze zu kommen versuchte. Es ist aber eine erhebliche Uebertreibung, daß dieser sogenannte Menschenschmuggel einen „erschütternden Umfang" angenommen habe. Rach sicheren Unterlagen wird es sich im ganzen, um höchstens tausend Personen handeln. Von einem Versagen der preußischen Staatsregierung kann demnach keine Rede sein. Sie bedauert es, daß auch an ihren. Beamten die Versuche, der Bestechung und Beeinflussung nicht restlos abgeprallt sind. Für die Reichsregierung liegt ein Anlaß'zu weiterem Einschreiten nicht vor. . Schwere Not unter den Flüchtlingen in Danzig. Danzig, 5. März. Im Auftrag des Danziger Emigrations-Komitees, erläßt Rabbiner Dr. Kaelter einen Aufruf an die jüdischen Landsmannschaften aller Länder, den schwer notleidenden jüdischen Emigranten in Danzig durch Geldspenden. zur Hilfe zu kommen. In dem Aufruf heißt es, die Not unter den Flüchtlingen entwickle sich zu einer Katastrophe; zum erstenmal wendet sich die Danziger Gemeinde an die Öffentlichkeit um Hilfe für die Flüchtlinge, weil ihre eigenen Kräfte hierzu nicht mehr ausreichen. Die Posener Messe und die jüdische Kaufmannschaft. Warschau, 5. März. Das Zentralkomitee der jüdischen kaufmännischen Organisation Polens hat auf eine Einladung, sich an der Posener Messe zu beteiligen, die folgende Antwort erteilt: Obwohl die Posener Messe an der Westgrenze der Republik, am Ausfallstor zu den großen Handelsindustrien Europas abgehalten wird, ist dje jüdische kaufmännische Klasse nicht in der Lage, an derselben teilzunehmen, weil in Posen keine persönliche Sicherheit für -ureisende jüdische Kaufleute besteht. Eine solche Der Israelit Beteiligung wird solange unmöglich sein, als die unerhörte Duldung der verbrecherischen antijüdischen Aktionen in Posen andauert. Die sabdatentweihende „Volkszeitung". Warschau, 6. März. Wie von uns seinerzeit berichtet, wurden Ende Dezember jüdische Zeitungsträger, die am Sabbat Nachmittag die an diesem Tage erschienene „Dolkszeitung" ausriefen und verkauften, von frommen Juden von der Straße verdrängt, wobei es zu großen Schlägereien kam. Der Zwischenfall hatte letzten Mittwoch sein gerichtliches Nachspiel. Die angeklagten Orthodoxen gaben die Tat zu und nahmen für sich in Anspruch, daß sie als religiös gesinnte Juden es nicht ruhig hinnehmen konnten, wie durch diese provokatorische Sabbatentweihung durch eigene Glaubensgenossen ihre heiligsten Gefühle aufs Tiefste. verletzt wurden. Die Angeklagten verteidigten sich selbst und ihre ausführlichen Anklagereden gegen die religiösen Nihilisten machten sichtlichen Eindruck auf das zahlreiche Auditorium. Das Urteil lautete gegen die Angeklagten von der orthodoxen' Seite auf kleine Geldstrafen, während die Gegenklage gegen einige Zeitungsverkäufer mit Rücksicht auf deren Jugend an das Jugendgericht verwiesen wurde. Antisemitismus in der Armee. Warschau, 5. März. In der MMürkommission ergriff Deputierter Kirf chb raun das Wort und beschwerte sich gegen Zurücksetzung von Juden in der Armee. Während es zu Anfang eine ganze Reihe von jüdischen Offizieren!gab, kann der Jude bei dem jetzigen Regime nicht einmal zum Unteroffizier avancieren. Der Kriegs-!minkster wehrte sich gegen die Anklage des syste- , malischen Ausschlusses. Es handle sich um einzelne Fälle und Kirschbraun müßte noch mehr Beweismaterial erbringen, um eine Untersuchung zu ermöglichen.! Sabbatheiligung, j L o b z , 5, März. | Die Lodzer jüdischen Bäckermeister, soweit sie im. 'Jüdischen Väckermeisterverein vereinigt sind, beschlossen in. einer großen Versammlung, auf der auch der. Schomre Schabbos-Verein vertreten war, 20 Minuten vor Sabbateintritt jegliche Arbeit in ihren Betrieben einzustellen und die Annahme von zugestelltem Material wie Mehl oder Kohle am Sabbat zu verweigern. Die jüdischen Leichen Warschaus. Warschau 3. März Die Frage der Herausgabe der jüdischen Leichen an die Anatomie der Warschauer Universität ist noch nicht entschieden. Das Rabbinat und der besonnenere Teil des Vorstandes stemmen sich der Zumutung, jüdische Leichen zum Zwecke der Sezierung freizugeben, mit aller Kraft entgegen. Dagegen gibt es natürlich einige jüdische Heißsporne, die schon aus Demonstration gegen die Religion die Herausgabe der Leichen gebieterisch verlangen und sogar nach einem Gesetz schreien, das die jüdischen Spi'äler dazu zwingt. Viel verständnisvoller den Argumenten des Rabbinates gegenüber zeigte sich der Rektor der Universität, der in konziliantester Weise die Verhandlungen führte und von jedem Zwange absehen wollte. Es ist nach all dem umso bedauerlicher, daß die jüdischen Spitalverwaltungen den weiteren Verlauf der Angelegenheit gar nicht abgewartet und über den Kopf von Vorstand und Rabbinat vorige Woche eine im Spital verstorbene Frau einfach an das Anatomische Institut abgaben. Wie man hört, soll dieses nicht der erste Fall sein. Und grade diese „Praxis" hat die Universitätsbehörden zu ihren Forderungen ermutigt. Cs wird Sache der maßgebenden Kreise in Warschau und nicht zuletzt der orthodoxen Ratmänner sein, den Sachverhalt klarzustellen. R»rtzl«i,d. Die Judeuausweisung aus Moskau- Moskau, 15. Febr. Auf eine Intervention der Moskauer jüdischen Gemeinde bei dem Bizeprä.i)enten des Volkskommissariats M. Kamenew und anderen Regirrungsmitgliedern hin, Haben nun djr in den letzten Monaten stattgefundenen Massenausweisungen sogenannter unerwünschter Elemente, von denen fast ausschließlich Juden betroffen wurden, auf- _ 'Jfr. 11 Sette 5 hhrt. Die jüdische Gemeinde in Moskau und das Moskauer jüdische Hilfskomitee hatten der Regierung ein diesbezügliches Memorandum überreicht, woraufhin die Regierung die Zusicherung machte, daß von nun an Ausweisungen nur nach sorgfältiger Prüfung jedes Einzelfalles stattsind en würden. Dies ist der erste direkte Bericht aus. Moskau, in welchem von stattgefundenen Massenausweisungen jüdischer Elemente die Rede ist. Die I. T. A. hat am 9. Januar einen Bericht aus Riga veröffentlicht, wonach 916 Kaufleute und Kommissionäre, in der Hauptsache Juden, am 22. und 23. Dezember in Moskau von der Ogpu (Politischen Abteilung, früher Tscheka) verhaftet wurden, weil sie angeblich mit verbotenen War«i gehandelt hatten, oder sich in Moskau ohne bestimmte Beschäftigung aufhielten. Von diesen wurden 532 sofort ausgewiesen. Nach weiteren privaten Meldungen waren seither diese Ausweisungen unter der Devise fortgesetzt worden, Wohnungen für die Arbeiter -u beschämen. (I. T. A.) Trübe Prophezeiungen. Paris, 3. März. Der frühere französische Botschafer beim zarischen Hof Paleologue hielt am 29. Februar in Paris einen Vortrag über die voraussichtliche Entwicklung in Rußland und. führte aus, die gegenwärtige Krise des Kommunismus in Rußland könne in eine Katastrophe ausarten und die angesammelte Erbitterung unter den Massen würde sich dann in fürchterlicher Weise gegen die Juden entladen. Er habe mit vielen Kennern Rußlands gesprochen. und alle waren sich, darüber einig, daß der Zusammenbruch der- Sowjetherrschaft durch., eine unerhörte Judenverfolgung signalisiert: werden wird. Die einzige Möglichkeit, die Katastrophe hinauszuschieben, wäre die, daß das ausländische Kapital der Sowjet-Regierung zu! Hilfe kommt. s Der Redner verlas den Brief eines jüdischen. Kaufmanns in Jekaterinyslaw, in welchem, es heißt: „die Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag, wir müssen -auch darauf gefaßt sein, daß die Kommunisten selbst, sum sich zu retten, die Äolkswut auf die Juden lenken -werden. Man muß so schnell wie möglich die jüdischen s Familien aus Rußland herausbringen, da sie sonst einem : allgemeinen Massaker zum Opfer fallen werden." Paleologue meinte, nach einer solchen' Explosion des Antisemitismus werde ein militärischer Staatsstreich das Ende der Sowjetherrschaft besiegeln, hernach werde eine Periode der Gewalt und der Anarchie folgen. Lettland. Die jüdische Kaufmannschaft in Lettland. Riga 10, Febr. Der lettläirdische handelsindustrielle Verband veröffentlicht einen Ausruf an die jüdische Kaufmannschaft, in welchem darauf Hingewiesen wird, daß die lettlSNdische jüdische Kaufmannschaft nicht allein von der lettischen Presse ständig angegriffen, sondern auch durch die Behörden systematisch in den Hintergrund gedrängt wird. In der Staatsbank ist die jüdische Kaufmannschaft weder im Aufsichtsrat noch im Diskontokomitee vertreten, so daß die jüdische Klientel der Bank der Willkür preisgegeben ist. Auch sonst werden der Entwicklung der jüdischen kaufmännischen Initiative rein administrative Hindernisse entgegengestellt. Die jüdische Kaufmannschaft wird aufgefordert, genaue Daten über die Rolle des Judentums im ökonomischen Leben Lettlands zu liefern, um an der Hand statistischen Materials den Kampf für die Rechte der jüdischen Kaufmannschaft führen zu können. (I. T. A.) Uumüttten. Die betzarabischen Juden und die rumänische Regierung. Bukarest, 20. Febr. Der Deputierte Oberrabbiner Z i r e l f o h n (Kischinew) richtete ein Memorandum an den llnterrichtsminister, in welchem er als parlamentarischer Vertreter der beßarabischen Judenheit, wie auch im Namen der jüdischen politischen und kulturellen Institutionen, folgende Forderungen der Judenheit Beßarabiens unterbreitet: 1. In sämtlichen jüdischen Volks- und Mittelschulen sollen, abgesehen von Geographie und Geschichte,