Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1924)
- Date
- 1924-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Dein 4 Nr. 11 Der Israelit Michael M. Mainz einen kongenialen Mitettbeiler zu finden, der, auf ihre Absichten verständnisvoll eingehend, mit Klugheit und Tatkraft die rechten Ideen vorzuschlagen und die Ausführung in die rechten Bahnen zu lenken verstand. Darüber hinaus wissen Hunderte einzelner Familien von dem nimmer ermüdenden min m^vr-Geiste zu erzählen, der in Mathilde v. Rothschild wie in den Besten ihrer Ahnen und Familienangehörigen lebendig war. Gewiß hat sie es in bitterstem Wehe empfunden, daß der Zusammenbruch der deutschen Währungswirtschaft auch sie, die stolze Erbin einer monetären Weltmacht, in ihrem Willen zu helfen und Liebe zu spenden, nicht wenig hemmte. Aber sie hat nicht aufgehört, um den Bestand ihrer philantropischen Schöpfungen zu ringen und als fürsorgende Hausfrau auf dem Wege des Sparens, des Vereinfachens, des Einschränkend über die böse Zeit hinweg in die Zukunft zu reiten, was ihr Gatte und sie selbst für die Zukunft geschaffen hatten. In der einzigen sie überlebenden Tochter, der Baronin Edmund von Rothschild in Paris, hatte sie in diesem Ringen bis zuletzt eine treue, liebende Gehilfin, die es als höchste Ehrenpflicht empfand und empfindet, das elterliche Werk fortzusetzen und aufrechtzuerhalten. So hat Hanna Mathilde von Rothschild sicherlich in froher Zuversicht die Augen zum Todesschlummer geschlossen. Waren ihr auch männliche Erben versagt, so verewigen die Werke der Zedoko und des Gemilus Chetzed, die sie geschaffen, ihr Andenken inmitten der jüdischen Gemeinschaft, und aus der Ewigkeit tönt ihr der Ruf ihres Lebensgenossen als süßester Lohn eines treuen Lebenswirkens entgegen: -I'nibibd fnrm »■pwa ivn 'inm •noxin Schopenhauers Verhältnis zum Judentum. Don Dr. I. Münz in Berlin. II, Noch eine andere heftige Anklage erhebt Schopenhauer gegen die jüdische Religion. Das Judentum kennt, so behauptet Schopenhauer, kein Mitleid gegen die Tiere und halte diese für Wesen, die man nach Belieben gebrauchen und auch grausam behandeln könne. Durch diese Anschauung habe das Judentum die Verachmng der Tiere und die in Europa herrschende Tierquälerei herbeigeführt. In Vieser Beziehung stehe das Judentum viel tiefer als der Brah- Astronomisches zu Purim. Aus dem 021 niis' des Jonathan Eibenschüh.) ...Bi> nnm B'UIW v'21 ff>»' ...nnrm NSW M'nnh vbv mwa ... V2VN ai'3 *. * nw ns»» nriwn .... NVS riV«n B'V'N *. ü’iwn wii' iVnn ivni Die letzten Worte sind ganz ausfallend. Weshalb beruft der König die Astronomen und Kalendermacher, um über die Königin zu Gericht zu sitzen? Der Zweck der Askronomenversammlung war aber ein ganz anderer. Der König lud sie ein, um die Frage zu entscheiden, ob ein Schaltmonat Weadar (der persische Kalender war dem jüdischen ähnlich) eingesetzt werden solle. Zugleich erfahren wir hierdurch, an welchem Tage die Begebenheit mit der Waschti sich zugetragen hat. Ais sich zum dritten Male der Regierungsantritt des Achafchwerosch jährte, also am ersten Tischri — die Regierrmgsjahre der nichtjüdischen Herrscher zählten immer von diesem Datum ab — begannen die Hosseste. Das Wort B'»' bedeutet mindestens 2, am mindestens 3 Tage; mit den 130 Tagen zusammen währten die Feierlichkeiten 185 Tage. Dann kamen die Volksbelustigungen von siebentägiger Dauer. Am 192. Tage nach dem ersten Tischri hatte die Königin sich geweigert, dem Befehle des Königs na^ukommen. Das ist, wie jeder nachrechnen kann, der 15. Nissan eines gewöhnlichen normalen oder der 14. Adar scheni in einem normalen Schaltjahr. Am ersten Tage Pessach kann sich die Geschichte aber nicht abgespiÄt haben. Nach dem am ersteri Sederabend zü rezitierenden Gedicht snp 'Vaa ia 31,13 ist in der ersten Nacht Pessach der Vater der Waschti. König Belsazar, ermordet worden. In dieser Nacht hätte der König seiner Geniahlin gewiß nicht zugemutet, vor den königlichen Würdenträgern zu «scheinen. Sicherlich aber wäre ihr Fernbleiben ein Manismus und der Buddhismus, die den Schütz der Tiere fordern. Mit heftigen, erregten Worten und mit be'.ßendem Spott geißelt Schopenhauer das Judentum wegen dieser von ihm ausgehenden schlechten Behandlung und Verachtung der Tiere. Mit Erstaunen liest man in den Worten Schopenhauers diese heftigen Anschuldigungen und weiß nicht, was man hier mehr bewundern soll: die vollständige Unwissenheit Schopenhauers im jüdischen Schrifttum, oder den Mut, den er aufbrachte, eine so schwere Anschuldigung ohne jegliche Begründung zu erheben. Schopenhauer führt die Vibelstelle an: „Der Gerechte erbarmt sich.seines Viehes" (Spr. 12, 10) und macht dazu die hämische Bemerkung: „Erbarmt! Welch ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters, nicht aber eines unschuldigen, treuen Tieres. Erbarmt! Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig — und bleibt sie meistens schuldig in Europa . . Aber die betreffende Bibelstelle lautet: „Der Gerechte weiß, wie es seinem Vieh zumute ist, das Herz des Frevlers ist grausam." Also der Gerechte denkt sich hinein in die Eigenart des Tierlebens; wer das nicht tut, handelt grausam. Sodann nicht bloß an dieser Bibelstelle ist, wie Schopenhauer meint, „von der Schonung der Tiere die Rede," sondern an vielen Stellen lehrt die Bibel Mitleid und Teilnahme gegen die Tierwelt. „Sechs Tage solist du deine Arbeit verrichten, aber den siebenten Tag sollst du feiern, auch daß dein Ochs und dein Esel ruhen (2. B. M. 23, 12.)" — „Cs fei die Frucht des Landes (im Brachjahre) für euch zum Genüsse ... für dein Vieh und deine Tiere in dem Lande sei dessen Ertrag zum Essen (3. B. M. 25, 6 u. 7.) Rind und Schaf, es selbst und sein Junges, sollt ihr nicht schlachten an einem Tage (3. B. M. 22, 28)." „Denn es ist kein Unterschied inbezug auf die Mutterliebe bei Tier und Mensch, denn die Mutterliebe ist nicht Sache des Verstandes, sondern Sache des Gefühls." (More Rebuchim III, 46). — „Verbinde nicht dem Ochsen das Maul' beim Dreschen" (5. M. M. 25, 4). In keiner We.se, auch nicht durch Zuruf, darf das Tier verhindert werden, von den Früchten, an denen es arbeitet, zu essen. — „Wenn ein Vogelnest sich vor dir findet, auf dem Wege, auf irgend einem Baume oder auf der Erde . . . lasse die Mütter fliegen und die Jungen nimm dir, auf dast es dir wohlergehe und du lange lebest" (5. B. M. 22,6 ü. 7). Welch' zarte Rücksichtsnahme auf die Empfindung der Vogelmutter! (More Rebuchim III, ■ _13. Mär^1924 48). Wenn auch dem Menschen die Tötung des Tieres zu feinem Nützen erlaubt ist, so muß doch jede unnütze Qual vermieden werden und die Schlachtung mir mit einem glatten, haarscharfen Messer vorgenommen werden (4. B.M. 12, 31). — Einem unter seiner schweren Last zusammengebröchenen Tiere muß sofort Hilfe geleistet werden, selbst der Feind darf sich dieser Hilfeleistung nicht entziehen (5. V. M. 22, 4). — „Deine Gerechtigkeit gleicht den mächtigen Bergen, deine Gerichte einer unermeßlichen Tiefe, Menschen und Vieh hilfst Du, Ewiger (Psalm 36, 7). — Zu Jona, der über die Rettung der bußfertigen Stadt Ninive Aerger ' empfand, spricht Gott: „Mir sollte es nicht leid fein um Ninive, die große Stadt, hie so viele Menscheu hat und viele Tiere (Jona 4, 11)." In zartfühlender Weise haben dör Talmud und die Dezisoren diese Vorschriften zum Schutze der Tiere weiter ausgebaut und entwickelt. Vor allem stellen sie den Grundsatz auf: Die Rücksicht auf das Schmerzgefühl lebender Wesen ist eine göttliche, biblische Vorschrift und ist mit derselben Gewissenhaftigkeit zu beachten wie die anderen in der Thora enthaltenen Gebote (zaar Baale chajim de — orajta). Um dem Tiere einen Schmerz zu., ersparen, Müssen demgemäß Manche räbbinische Gebote zurücktreten. Wenn z. B. ein Tier am Sabbat in eins Grube gefallen ist, för darf man die Sabbatruhe verletzen und das Tier in schonender Weife aus der qualvollen Lage befreien. (Schulchan Aruch I 305, 19). Ebenso ist es gestattet, ein Tier am Sabbat melken zu lassen, weil sonst das Tier einen Schmerz erleiden würde. — Man darf selber ke'.ne Mahl» zeit genießen, bevor man den Haustieren das Futter gegeben, denn sie können nicht wie der Mensch verlangen, wenn sie hungrig sind (Berachot 40 a, Gittin 62 a, Schulchan Äruch I, 176, 6). — Nach dem Midrasch erfolgte deshalb die Erwählung Möses' und Davids zu Führern Israels, weil sie sich als Hirten barmherzig gegen die Tiere zeigten (Midrasch! Rabba zu 2. M. 2, Midrasch Thillim 78). Und von dem Patriarchen R. Jehüda weist der Talmud zu erzählen, daß er schwer erkrankte als Strafe, weil er einmal lieblos gegen ein Tier wär. Ein Kalb, das man züm Schlachten führte, flüchtete sich nämlich zu R. Jehuda und suchte Schutz bei ihm. Da stieß er es weg mit den Worten: „Gehe, dazu bist du ja bestimmt". An diesem Tage überfiel ihn die Krankheit. Einmal bemerkte er wieder, daß seine Magd junge Wiesel, die sie zusämmsügekehrt hatte, töten wollte. Da befahl er tör: > ' " •■■■■■ ■■■ ■ -- --- ' ■■wr ■ ..w.. Mklderungsgrunö gewesen, um sie nicht Trift Lern Tode zu bestrafen! Zweifellos hatten die HofastronomeN also emen Schaltmonateingefügt, und die Standalaffäre Achaschwerosch-Wäschtk kann sich nur abgespielt haben im Schaltjahre an einem — Purim. B. T. Jüdischer Humor. Gut geantwortet. Ein verbissener Judenfeind ruft vom Balkon einem vorübergehenden Juden zu: „Was unterscheidet den Juden von einem Schweine?" „Der Balkon," gab der Jude prompt zurück. Nocheiner. In einem, litauischen Städtchen stellte man Neben denk Rabbiner noch einen M a g g i d an. Der Rabbi machte den Maggid darauf aufmerksam, daß er, der erste Lehrer, schon so schlecht besoldet werde, daß es kaum zur Fristung des Lebens reiche. Wie füllten sie sich wohl jetzt beide ernähren. „Keine Sorge," antwortete der kluge Maggid, und erzählte eine Fabel: „Ts hatte jemand eine Gans im Hühnerstall und vergaß gar oft, ihr Futter zu geben. Da stellte er eines Tages noch einen Hahn dazu. Und es sprach die Gans zum Hahne: „Willst du mir mein letztes kärgliches Futter nehmen?" „Nein," sagte der Hahn, „jetzt werden wir beide reichlich zu essen haben. Deiner vergißt der Herr, ich aber werde krähen . . ." Familiennachrichteu. Geburten: Eine Tochter: Immanuel Herz^ Rothschild, Luzern, Bruchstraße 1. Sabbat-Anfang und -Ausgang. alp*) rot? Ort: Anfang ltÜM Äusg. Uhr Mn. E 8634 Uhr » Frankfurt & M. 6 — 15. g. 7 15 Berlin .... 6 05 März AdarU 6 50 München . . . 6 — 6 57 Köln. 6 05 7 20 Stuttgart . . . 6 15 7 10 Breslau.... 6 — S 30 Nürnberg . . . 5 45 6 59 Hamburg ... 6 10 7 10 Wochenkalender 15. —23. März isst / 9.- -16. Mär IL 5884 Samstag März 15 rripi 9 T7K tot Brno Sonntag 16 10 3 Montag 17 11 Dienstag 18 12 ' Mittwoch 19 13 Fasttag M« Donnerstag 20 14 P«rim Freitag 21 15 Sch«schan-P»rt« Samstag 22 ' U 16