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Der Israelit · 1924-03-06 · Heft 10 (6.3.1924) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 10 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 10 Nr. 10 6. März 1924 gestellt wird. Dennoch muh es gesagt werden; Rabbiner Ehrentreus wundersam Charakterbild - wird vollkommen erst, fügt man zu den anderen Schönheiten seines Wesens die schönste, seine grohe, große Bescheidenheit, die naturgemäß verletzt sein muß ob der Huldigungsartikel zu seinem siebzigsten Geburtstage. Verzeih, Meister! Es mußte sein. Du gehörst nicht mehr dir allein, bist Lehrer deiner Schüler, bist Mitglied des Rabbinischen Landesrats, zählst zu dem Chachme Hatauro, die sich Agudas Jisroel zu ihrer Kenessio Gedaulo erkürte. Der Aulom, der gebieterisch heischende, verlangt diese Huldigung, die dir Qual sein mußte. Weil dein Volk es will, geschieht es, und du wärest nicht du, wenn nun noch du dich dagegen wehrtest. Nicht ganz mit Unrecht kann der Leser erwarten, daß auch Rabbiner Ehrentreus Gelehrsamkeit gedacht werde. Wieviele gibt es nun hierzulande, die beurteilen und aus eigenem Wissen behaupten können, daß mein Rabbi ein großer Lamdon ist? Aus der Preßburger Konferenz hat, als es sich um die Frage drehte, wer denn eigentlich den mauezes gedaule hatauro wählen solle, der Ponewjescher Raw vorgeschlagen, man solle das Volk wählen lassen. Denn, so fügte er in seinem einschmeichelnden litauischen Jiddisch hinzu, unsere Großen gleichen den Sternen: „scheinen sie nicht, so seinen sie nicht; scheinen sie, so seinen sie!" — Der Stern am Münchener Himmel scheint, leuchtet, darum erkennt das Volk an seinem Schein sein Sein als Godaul batauro. — Pikudei Haschem jeschorim. Gradheit, das bemerkt der aufhorchende Schüler immer wieder, Geradheit ist das Gepräge für das Lernen Rabbiner Ehrentreus. Emmeß ist sein klärend Wort. Unser Stern ist auch schön. Das feine vergeistigte Gesicht, vom seidenweichen weißen Barte umrahmt, tut harmonisch wohl. Ein Bild vom letzten Tage der Kenessio Gedaulo verdient festgehalten zu werden. Der greise Rabbi Perlmutter von Warschau und der Münchener Raw haben zusammen gespeist und sind im Begriff. Abschied von einander zu nehmen, wahrscheinlich auf fünf Jahre, bis zur nächsten Kenessio Gedaulo. Hand in Hand stehen die beiden Männer in Ergriffenheit. Hand in Hand lauscht einer nach dem anderen dem dwar halocho, aus dem heraus nur sie von einander scheiden dürfen. Nun umarmen, und küssen sie einander — ein Anblick so voll Schönheit, daß den Umstehenden die Augen feucht werden. Wohlan, geliebter Meister! Schreite von einer Kenessio leschem schomajim zur anderen, künde dein dwar halocho auch kommenden Geschlechtern. In leisem, inbrünstigen Gebet beugt sich der Lehrling über deine Hand . . . -Mw» wpa» mini nsn iw pa msv ->3 - xia mxas 'a *pVa »a - DieLaterne von MutterBrause. Von Jaacob Israel de Haan in Jerusalem. I. Als Sokrates starb, schuldete er dem Aesculapius einen Hahn. Wir aber schulden eine Laterne an Mutter Brause, der Hotelwirtin von Mozah, das eine halbe Stunde Ritt von Jerusalem entfernt liegt. Es ist eine alte Schuld. Als .wir einmal von Jaffa kamen und El-Kudo (Jerusalem) vorm Dunkelwerden nicht mehr erreichen konnten, lieh sie uns diese Laterne. Wir haben ihr natürlich versprochen, bei erster Gelegenheit die Laterne zurückzusenden. Jadallah, der Stalljunge, der sie zurückbringen sollte, ließ sie fallen und sie zerbrach. Wir haben natürlich eine neue Laterne kaufen müssen. Doch immer wieder und immer wieder haben wir versäumt, sie zurückzugebett. Wenn wir heute darüber Nachdenken und die ganze Zeit überschauen, verstehen wir eigentlich garnicht, wie wir an Mutter Brause so lange die Laterne schuldig bleiben konnten. Ab und zu sehen wir hier ihren Mann durch die Straßen fahren. Er macht Einkäufe für sein Hotel. Er hat ein ganz altes Wägelchen und ein uraltes Pferd. Und er schaut so sorgenvoll drein. Ist das wohl ein anderer Grund, als der, daß wir seiner Frau immer noch nicht die Laterne zurückgegeben haben? Wir können es nicht mehr länger mit ansehen. Mutter Brause muß ihre Laterne wieder zurückhaben, noch bevor wir nach Jaffa fahren. Wir schicken Adil in die Blechschlagerstraße der Bazare, dort, wo alle Blechschlager Jerusalems einträchtig beisammen sitzen. Daß eine Laterne aus Blech gefertigt wird, weißt Du. Und daß man dafür nicht mehr wie zwanzig Piaster zahlen kann, wissen wir. Sonntag Abend, wenn Vollmond ist, werden wir Mutter Brause zu Pferd die Laterne zurückbringen. II. Mutter Brauses Laterne. Aber zuerst einmal etwas über das Haus des Malers Isaak Snowmann. Von Mea Schearim ist er in ein Haus verzogen, das in der Stadtmauer am Damaskustor gebaut ist. Ich weiß nicht, ob Snowmann in Holland bekannt ist. In England ist er offiziell. Die Arbeit ist gut, schwer. Akademisch. Nichts für die bewegten Jungen unserer Zeit. Bei der letzten Ausstellung hat man ihn heftig kritisiert: „Gefärbtes Zuckerbrot, das zu Unrecht dem Publikum als Kunst angepriesen wird." Doch ich glaube nicht, daß die Malereien so schlecht sind, da Snowmann eine so gute Prosa schreibt. Und ein Maler, der gut gefärbte Prosa schreibt, kann kein schlechter Maler sein. Ec schrieb im „Jewish Chronicle" einen Artikel: „krom a window in Jeruzaiem". Es ist eine Kritik hiesiger Zustände. Er beschreibt den Markt in Mea Schearim. Der Israelit Und er weist darauf hin, daß die' täglichen Bedarfsartikel ausschließlich durch Araber herangeschasft werden: Milch, Butter, Gemüse, Früchte. Die Juden handeln m alten Kleidern und geräucherten Häringen. Jüdische Bauern sind nicht zu sehen, auch keine jüdischen Landprodukte. Ebenso ist es in den Kolonien. Die älteste und größte ist Petach Tikwah, dicht bei Jaffa gelegen. Diese Kolonie ist groß und schön angelegt. Die Anpflanzungen machen einen guten Eindruck: Apfelsinen, Mandeln, Zitronen, Eukalyptus und Trauben. Aber geh' auf den Markt. Alles arabische Anfuhr. Die Gärten um die Häuser herum, die für Gemüsebau geeignet sind, schauen verwahrlost aus und sind unbebaut. Der meiste Besitz ist bis zum Dach verhypothekiert. Miete wird nicht bezahlt. Und die Anpflanzungen, die so schön aussehen, sind. auch finanziell kein Erfolg. Die Kolonisten sind mehr Kaufleute als Bauern. Sie hängen nicht an ihrem Land. Die Kinder bleiben nicht zu Hause. Zwar wird für Unterricht viel getan, für landwirtschaftlichen Unterricht aber fast garnichts. Und so kann ein Land nicht aufgebaut werden. Schon über vierzig Jahre wird hier viel Geld ausgegeben, ohne daß viel erreicht wird. Man muß mal lesen, was. ein bekannter Palästinakenner, Davis Triefch, nach seiner Rückkehr aus Palästina geschrieben hat." In Petach Tikwa will man nun die Fehler, auf die Snowmann aufmerksam gemacht hat, verbessern. Verteilter Gemüsebau, Hühnerzucht usw. III. Dieser böse Maler-Schriststeller, der es natürlich lange nicht so gut weiß, wie die Leute in Europa und Amerika, hat ein neues Haus bezogen. Ein hübscheres konnte er garnicht bekommen. Hier in Jerusalem ist noch immer die meterdicke Stadtmauer, auf der man ganz ohne Gefahr spazieren gehen kann. Snowmann's Haus ist ein ehemaliges Wachthaus, ins Damaskustor hineingebaut. Die Regierung hat es wieder frisch Herrichten lassen und vermietet es. Zwar ist die Lage ein bißchen unsicher, so nahe am Polizeibüro, aber die Aussicht oben vom Dach ist prachtvoll. Ganz Jerusalem liegt einem vor den Füßen. Nahebei die schwere, feierliche Kuppel der Omar-Moschee. Und unten die enge Damaskusstraße, die da hinten nach, einer Biegung verschwindet. Die Fenster sind frühere Schießscharten, durch die man über die ganzen Hügel hinwegschaut. Am Spätnachmittag haben wir Snowmann besucht. Ganz Jerusalem sahen wir unter uns. Keine systematisch gebaute Stadt wie Amsterdam. Kreuz und quer kaufen die Straßen durcheinander. Kreuz und quer liegen Häuser, Höfe, Kirchen und Türme beieinander und die Abendsonne spielt in allen Farben darüber. Schade, daß ich nicht länger bleiben kann. Aber die Pflicht geht dem Vergnügen voran. Und Jeder wird doch begreifen, daß unsere erste Pflicht ist, die Laterne an Mutter Brause zurückzubringen. IV. Um halb acht wollten wir wegreiten. Gegen halb Zehn kommt Adil. Etwas spät, nicht wahr? Ja, wir durchleben ernste Zeiten. Drum war Adil auch im christlich-mohamedanischen Klub oder im Kaffee. Die Pferde wiehern. Für Adil ein großes, braunes Pferd. Für mich einen schwarzen Traber. Wie wundervoll. Der Mond hoch und weiß. Die Lust seide-nebelig, blau. Keine Wolken. Kein. Dunst. Kein Leben, kein Laut. Die Stadt ist schon so früh ruhig. Wir reiten außen heraum, längs der Wirket Mamilla. Vielleicht ist es der Wasserweg II Könige XVIII: 17 und Jesaja VII.: 3. Wir kommen am Waisenhaus vorbei, an der Bezalelschule. Es ist ein Außenpfad mit aufgerollten Steinen. Wir können nur ganz langsam reiten. Cs ist wunderbar. Das Land träumt. Weiß-Hell glitzern die Sterne. Und der Mond leuchtet bald tageshell. Und ein kühler Wind kommt über die Hügel gefahren. Täler. Hier und dort ein paar Bäume. Alles durchsichtig. Cs ist Friede. Alles atmet Frieden aus. Nun sind nur äu," die Jaffastraße gekommen, das letzte Viertel von Jerusalem. Und in einem Hause, an dem wir vorbeireiten, liegt ein Toter. Wir Hörem das an dem lauten Wehklagen, das in die Stille der Nacht hineintönt. Gottfeidank ist zwei Häuser weiter eine Hochzeit: viel Licht und laute Blechmusik. Das letzte Haus ist das Krankenhaus: Schaarei Zedek, die Pforten der Gerechtigkeit. V. Nun lassen wir die Pferde lausen. Ihr Trab hallt durch die Stille. Und die zarten Umrisse der Berge im silbernen Mondlicht. Der Weg bahnt sich weiß. Verschwindet plötzlich in einem Talweg. Windet sich nach unten, bahnt sich wieder fort. O, der Wrnd der uns umkost. Und der Takt der Pferde. Es ist kalt. In Jerusalem sind die Nächte stets kalt. Aber in den Tälern, zwischen Bergen, ist es schwül, warm, still. In großen: Bogen reiten wir um Listah herum, das unten im Tal liegt. Hier ist ein schöner. Brunnen mit klarem Wasser, in heißen Sommern wird es nach Jerusalem verkauft. Die Häuser sind von gehauenem Stein. Vielleicht ist es das alte Nafah (Josua XV: 9). Uralte Ruinen. Der alte Muchtar reitet immer auf einem weißen Pferd. Im vergangenen Jahr find Die von Liftah mit Stöcken nach Jerusalem gezogen. Es ist ihnen schlecht bekommen. Und nun schlafen sie. Wir reiten. Langsam. Träumend. Kamele ziehen schwer beladen dahin. Und die silbernen Glöckchen, mit denen sie behängen sind, klingen leise in die Nacht hinein. Eselchen, auch bis oben bepackt, mit ihrem geraden, bestimmten Gang, ihren schönen, langen Beine«. Und Männer und Jungen sind dabei, in weiten Gewändern, bloßen Füßen. Nun sind wir im Tale von Mozah, das dre Araber K o l o n i a h nennen. Aber es ist so schön und wir reiten so bequem. Wir reiten durch. „Wollen wir nicht gleich bis Jaffa reiten", fragt Adil Effendi. VI. Es ist schon lange nach Mitternacht: und wir halten, zurückkommend', vor dem Hause von Vater und Mutter Brause. Die vielen Kinderchen schlafen natürlich schon. Aber das Kaffee bleibt die ganze Nacht über auf. Für ausfahrende Wagen ist es die erste Station, für zurückkommende die letzte. Schade, daß die Automobile meistens vorbeirasen. Aber in diesen Nächten voller Sonnenschein kommen Spaziergänger aus Jerusalem. Wir geben die Laterne zurück und entschuldigen uns wegen der langen Verzögerung. Wir erkundigen uns auch nach allen Kinderchen. Und wir bekommen ein feines Nachtessen: Wurst, Bier, geschnittene Gurken und weißes Brot. Und wir unterhalten uns natürlich über Politik. Vater Brause klagt über den Zwiespalt in unseren eigenen Reihen. Ja, sagt er: „unsere Heilige Lehre ist fehlerlos ... mit einer Ausnahme . . . Daß Gott das Volk von Israel in zwölf Stämmen schuf.' Juda stritt gegen Efrajim . . . gegen Benjamin ... so ist es auch heute noch . . .". Nun wollen wir heimreiten. " Das schlanke, starke, braune Pferd. Das kleine schwarze Pferd. Wir sitzen auf. Wir reiten ohne anzuhalten durch das ganze Tal von Mozah. Cs ist unbeschreiblich schön. Wir fühlen uns so glücklich. Vor uns ziehen Nachtkarawanen von Kamelen und Eseln und die silbernen Glöckchen klingen so ganz leise durch die Nacht. In einem Ritt sind wir an ihnen vorbei. Der Weg nach Jerusalem, der aufwärts steigt. Morgen nach Jaffa. Uebersetzt von H. K. Vermischtes. Danzig, 12. Februar. Hier ist am 10. Februar im Alter von 82 Jahren Frau Berta Gold b erg, geborene E g e r, gestorben. Sie war die letzte der zahlreichen Enkelkinder des berühmten Posener Gaon Rabbi Akiba Eger. Haag, 14. Februar. Wie gerneldet wird, steht Holland noch immer im Zeichen der Erinnerungsseier für seinen großen Maler Joses Israels, der vor 100 Jahren in Gronungen geboren wurde. Von 'den Israelsausstellungen sind zu erwähnen: eine Ausstellung seiner Werke aus der Frühzeit in Groningen; im Amsterdamer Reichsmuseum sind die Säle mit den Bildern Israels mit Blumen verziert; das Haager Gemeinde-Museum arrangierte eine Ausstellung von Werken aus Israels reifster Zeit. Der Kultusminister de Visser sagte bei der Eröffnung der Ausstellung: „Josef Israels ist Nationaleigentum. Er hat das Niveau des niederländischen Volkes erhöht". Königsberg, 16. Jan. Das Schöffengericht hat die Anstifter der im Oktober 1923 stattgefundenen pogromartigen Ausschreitungen in dem ostpreußischen Städtchen Neidenburg, den - Vorsitzenden des deutfch-völkischen Landesverbandes Apotheker Keydel und den Kaufmann Hellmuth Ehlert, zu je drei Monaten Gefängnis und zu je 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Sechs weitere Angeklagte erhielten Geldstrafen von mehreren hundert Mark. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, diese Ausschreitungen gegen einen Teil der Bevölkerung seien verwerflich. . Das Gericht sehe nur in der Hoffnung, daß künftighin derartige Ausschreitungen unterbleiben, von schärferen Strafen ab. m-- GRUDEN Gas~*tmd Kohlenherde Komb. Herde Transport. Kachelöfen Horstkötter, Knodt &C9 Am Eschenheimer Tor 3 :: Tel. Hansa 683

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