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Der Israelit · 1924-03-06 · Heft 10 (6.3.1924) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 10 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 a Nr. 10 Der Israelit 6. März 1924 sorge zuwendet, ansehnlich vermehrt. Die Schülerzahl beträgt zurzeit 25 junge Leute, 19 Knaben und 15 Mädchen. Durchschnittlich nahmen wöchentlich 250 Personen jeglichen Alters an den Lernveranstaltungen teil, wozu noch ein ein erheblicher Personenkreis tritt, der die fast allwöchentlich stattfindenden Lernvorträge des Vereins besucht. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der Herrn Herbert Heymann und Hermann Rothschild und an Stelle des nach Berlin verzogenen Dr. Michael die Neuwahl des Herrn Dr. Josef Frank. Nach Erledigung verschiedener Anfragen schloß der Vorsitzende mit Dankesworten an die Erschienenen die Versammlung mit der Versicherung, daß auch im zukünftigen Jahr der Vorstand aufs Eifrigste bemüht fein werde, das Taurostudium zu immer höherer Blüte und Entfaltung zu bringen. Werein seköstättdrger israelitischer Handwerker und Geweröetreivender K. W. Das Ehrenmitglied Simon David, Börnestraße 50. feierte am Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Der ehrwürdige Greis ist einer der Gründer des Vereins und hat sich um denselben sehr verdient gemacht. Der Verein brachte seine Anerkennung und Dankbarkeit in einer würdigen Feier zum Ausdruck, die am Vorabend stattfand. Nachdem der Gesangverein „Lyra" einige wohlgelungene Lieder zum Vortrag brachte, überreichte der Vorsitzende des Vereins selbst, isr. H. u. G., Herr Schneidermeister Areh. dem Ehrenmitglied ein Blumenarrangement. Agudas Iisroel-Iugendgruppe. Die hiesige Jugendgruppe der Agudas Jisroel hatte ihre Mitglieder sowie diejenigen der Ortsgruppe auf letzten Mittwoch zu einer geschlossenen Mitgliederversammlung eingeladen, in der insbesondere der Jugend geeignetes Material zur Stellungnahme gegenüber der neugegründeten „Achduth"-Organisation geboten werden sollte. Der Referent Dr. med. Falk Schlesinger aus Berlin, eine in den Kreisen der Agudajugend besonders beliebte Persönlichkeit, verstand es, den informatorischen und objektiv aufklärenden Charakter des Abends streng zu wahren, indem er sich an die offiziellen Kundgebungen der„Achduth" selber hielt und daran eine vornehme und zurückhaltende Kritik übte. „Achduth" tritt einerseits mit dem Anspruch auf, eine Art „überparteiischer" Organisation der deutschen Gesetzestreuen sein zu wollen, in der sich angeblich Zionisten und Agudisten, Anhänger des Zentralvereins und der Separatgemeinde sollen wohlsühlen können. Diese angebliche politische Neutralität wird aber durch den Tendenzparagraphen der Satzung völlig negiert. Denn als Grundlage der „Achduth" wird das Bekenntnis zu einer bedingungssosen „Einheit der jüdischen Gemeinschaft" verkündet, die das thoratreue Judentum, das nur eine Einheit auf dem Grunde der Thora kennt, von jeher verwerfen mußte. Des gleichen Widerspruches mit sich selbst und mit jüdischen Grundprinzipien macht sich „Achduth" schuldig, wenn sie einerseits „Entpolitisierung" predigt, andererseits aber ein ganz bestimmtes von weiten Kreisen der Orthodoxie nicht anerkanntes politisches Programm, das der orthodor-neologen Einheitsgemeinde, an die Spitze ihrer Satzung stellt. Im letzten Teile seines Referates führte der Redner dann den Nachweis, daß es der Gemeindeorthodorie sehr wohl möglich gewesen wäre, Schulter an Schulter mit allen gesetzestreuen Gesinnungsgenossen innerhalb der vorhandenen orthodoxen Organisationen dem Klall zu dienen. Eine Organisation wie die „Achduth" hätte alsdann trotzdem ihre Existenzberechtigung gehabt als eine reiner Krästezusammenfassung der Gemeindeorthodorie zur Vertretung ihrer idealen Interessen in den Großgemeinden. Eine solche „Achduth" wäre von allen Orthodoxen freudig begrüßt worden und hätte zum Unterschied von der jetzt ins Leben gerufenen Organisation dem wahren Frieden unter den Gesetzestreuen gedient, der nun aufs ernsteste gefährdet ist. Starker Beifall lohnte den Referenten für seine durchdachten Ausführungen. In der Diskussion meinte Herr Ignatz Aron, man solle sich freuen, wenn „Achduth". Thoralernen und Wohltätigkeit fördern werde. Herr Karl Weil suchte die Gründung der „Achduth" zu rechtfertigen indem er darauf hinwies, daß manche Stellen in der Orthodoxie der Gemeindeorthodoxie die Mitarbeit in den orthodoxen Verbänden allzusehr erschwert hätten. Dr. Harry Abt übte Kritik an dem Referenten, der vor lauter Objektivität und Vornehmheit, das Kind nicht beim rechten Namen genannt habe. Herr Jacob R o s e n h e i m erblickt die Berechtigung der heutigen Versammlung in der an die Jugendgruppe gelangten Nachricht, daß Achduth beabsichtigte — was man ihr als Trägerin einer Idee ja auch nicht verübeln könne — eine besondere Werbetätigkeit unter der Frankfurter Jugend zu veranstalten. Demgegenüber erwachse natürlich die gebieterischste Pflicht, der Jugend völlige Klarheit über den Unterschied zwischen dem Gemeinschaftsbegriff der Agudas Jisroel und demjenigen der Achduth zu geben. Redner weist auf die ungeheuer weite Strecke gedanklicher Evolution hin, die zwischen der Austrittentscheidung Rabbi Seligmann Bär Bambergers und der Einheitsparole der „Achduth" liegt. Als Rabbi Seligmann Bär Bamberger vor 40 Jahren entschied, daß der Austritt aus der Reformgemeinde in Frankfurt keine religiöse Pflicht sei, sofern nur die Orthodoxen den neologen Vorstand als ihren Gemeindevorstand nicht anzuerkennen brauchten, hat er gewiß nicht im Traume daran gedacht, daß man dereinst aus diesen: ganz konkreten, an einen bestimmt umrissenen lokalen Tatbestand anknüpsenden Psak das Feldgeschrei der „Einheit der jüdischen Gemeinschaft" machen werde. Heute Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Die Religionsverfolgungen in Rußland. — 2. Wochenrundschau: Ein ehrliches Wort. — Religiöser Bolschewismus. — 3. Homiletik: Von Rabb. Dr. Wmkler in Kopenhagen: Bemerkungen zum Wochenabschnitt. — Ein Echiurvortrag von L. A. in Würzburg: nsnavruiami rtföm- — 4. Kleines Feuilleton: Goldene Worte des Jedaja Hapenini. — Der Midrasch in der deutschen Literatur. — 5. Aufsätze: Bildungsanstalt für Religionslehrer an der Jeschiwa in Frankfurt a. M. — Bon Dr. I. Münz in Berlin: Schopenhauers Berhältnis zum Judentum. — 6. K orrespondenzen und Nachrichten. — 7. Aus aller Welt. — 8. Personalien. —9. Briefkasten. — 10. Frankfurter Berichte. I — 11. Vereinskalender. — 12. Gebetzeiten. — 13. Feuilleton-Beilage: Der Herr gibt. — Meister Ehrentreu »»3. — Von Jaacob Israel de Haan in Jerusalem: Die Laterne von Mutter Brause. — 14. Vermischtes. — iS. Beilage: Jüdischer Volksfreund. allerdings erkennen wir klar, daß jener lokale Gegensatz in der Tat der Gedankenkeim des jetzt wogenden großen Entscheidungskampfes war, ob auch im jüdischen Volke wie in allen Völkern der Welt die sogenannten „religiösen Richtungen" wie politische Parteien desselben Parlamentes miteinander zu verhandeln, Kompromisse zu schließen und sich zu vertragen haben oder ob das jüdische Volk ein ni-iro as? sei, in dem der Wille Gottes allein die Stelle vertritt, die überall sonst Land und Sprache, Gemeinsamkeit und Abstammung und Geschichte einnehmen. Hinsichtlich der Frage, ob die Satzungen der Agudas Jisroel Anlaß zur Gründung der Achduth gäben, verwies der Redner auf seine Halberstädter Ausführungen. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde die Versammlung mit Dankesworten des Vorsitzenden Herrn Hermann Frankenthal geschlossen. Won einem Aus Mg. Der Z. K.-Zirkel der Agudas Iisroel-Iugendgruppe machte auch in der Geselligkeit vorigen Sonntag einen Ausflug, der allen Teilnehmern mit seinem schönen Verlauf noch frisch im Gedächtnis ist. Obwohl der Ausi flug durch Aushang im Vereinslokale bekannt gemacht' wurde, war es kein großes Regiment, das sich Sonntag früh bei strömendem Regen am Hauptbahnhos traf. Aber eine kleine Schar gegen Wind und Wetter Gewappneter hatte sich doch pünktlich um 6 Uhr eingesunden und so ging es 6.18 Uhr nach B. an der Bergstraße. An der Bahn wurden wir dorten um 7.30 Uhr erwartet und zur Synagoge geführt, die ausnahmsweise zu Ehren der Frankfurter Agudoh auch am Werktage geheizt war. Nach beendigtem Gottesdienste wurden wir zu einem Herrn zum Kaffee geladen. Da die dortigen Juden von der Ankunft der Frankfurter schon vorher wußten, hatten sie sich geeinigt, die Gäste nobel zu bewirten, sogar Kuchen wurde eigens für die Frankfurter Gäste gebacken. W irließen uns die gastliche Bewirtung gut munden und es gab auch geistige Aufwartung. Unser Gastgeber besaß eine überaus große und sehenswürdige Bibliothek und an Hand von sehr interessanten Thauroworten verging die Zeit schnell, bis daß wir endlich daran erinnert wurden, daß wir noch eine große Fußtour vor uns hatten. Wir gingen nach dem Schlosse A.. einer alten Ruine, und von da nach dem Gipfel des M., des höchstgelegenen Punktes des Odenwaldes, der ganz in Wolken gehüllt war. Wir zogen weiter, im Chor jüdische Lieder singend, und gelangten über eine alte zerfallene Burg nach dem Orte K., wo wir zu mun erwartet wurden. Der Vorsteher zog uns entgegen (wir kannten uns schon von früheren Touren) und auch hier war die Synagoge gemütlich erwärmt, auch einige avn hatten sich zum gemeinsamen Gebet eingefundeu. Nachdem nma und a’isa gebetet, lernte unser Leiter in klaren verständlichen Worten eine Stunde aus ruwi »«1'» vor. Das gefiel den Leuten so gut, daß wir versprechen mußten, vor nov nochmals wieder zu kommen, um aber dann länger zu lernen. Um 6.30 Uhr beförderte unsrer Zug wieder heimwärts. An dieser Stelle sei den beiden Gemeinden für ihre edle Gastfreundschaft im Namen aller beteiligten Touristen herzlicher Dank auszusprechen. (Der Bericht kann auf die neuerdings eingesetzten Bestrebungen der Aguda und der „Freien Vereinigung", in den Landgemeinden zur Hebung der Lehre und des jüdischen Lebens zu wirken, nur ermutigen. Die Red.) Berichtigung. Herr Mar Neumann bittet uns mitzuteilen, daß er nicht — wie in der letzten Nummer des „Israelit" irrtümlicherweise berichtet wurde — die musikalische Leitung bei der Purimfeier des Jüd. Frauenvereins „Esras noschim" übernommen habe, vielmehr nur in dem Wohltätigkeitskonzert der „Jüd. Frauenvereinigung", in dem Dr. Silber und Hans Erl als Solisten Mitwirken, die lünstlerische Leitung habe. In der Veranstaltung der „Esras noschim" wirke er lediglich als Begleiter bei Herrn Oberkantor Groß mit. Vereinskalender. (Wegen Raummangels verkürzt.) herein Wekor Göajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. 4 Uhr „Mikro"; Herr Lehrer Goldfchmidt Sonntag aoend V27 Uhr Vortrag des Herrn B. Rabbinowitz I ah rz ei ts-Stiftung ent Samstag, Julius Stern-Stiftung. Agudas Iisroet-Augendgrrrppe. Freitagabend 8 Uhr, Langestratze 18, gemütliches Beisammensein. — 8—9 lausende Sidroh mit Rafchi, Herr M. N o w a k. Jüdische Arauenvereiniqüug. Sonntag abend V27 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage „Dom Sabbatfrieden der Woche", Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer. Fereinignug jüdischer Akademiker (B. j. A.) Sonntag, 2. März, abds. ^28 Uhr bei Dr. Rosenbaum, Grünestratze: Fortsetzung der Diskussion über einige religionsphilosophische Probleme im Anschluß an den Dortrag des Herrn Rabbinowitz. — Die Teilnehmer der A. J.-Arbeitsgemeinschaft „Chassidismus" sind höfl. eingeladen. Hal'mud-Wora-Ierein. Vereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag, 11—12 Uhr: „Schulchan-Aruch"; Herr S. U n n a. - 3^4 Uhr: „Raschi zum Wochenabschnitt"; Herr Rabb.-Ass. Lipinsky. - 7* Stunden vor Nacht: „Mikro"; Herr S. Unna. Alle übrigen Schiurim wie gewöhnlich. Geketzerten. ■HipD row F reitag abend 5.50. Samstag morgen 8.—. Samstag nachmittag 4.30. Samstag abend 7.05. lVochengottesdienft: Morgens 6.30. N achrni ttags 6.- Tefilin-kegen am Morgen 5.40. Familiennachrichten. Barmizwo. Walter Haas, Sohn der Frau Ernestine Haas geb. Karpf, bei Bernh. Haas, Sandweg 28 m. Es ist, ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässtgkeit zu prüfen. r _ 'S.*' Näheres siehe Anschlagsäulen! Im „Kleinen Saalbau" findet Donnerstag, 13. März. Vortragsabend von Erich Sommer „Aus dem Ghetto" statt. Näheres Inserat. SCHUMANN-THEATER * Täglich zwei Vorstellungen 1572 Uhr | 18y2 Uhr j Sonntag außerdem eine Fremdenvorsteliung | 3 Uhr 1 Voryerkanf an der Tageskasse ii-i Ohr und bei Lina Schott Adler's Kur-Hotel »Bellevue« Besitzer Emil Adler BAD-NAUHEIM Terrassenstrasse direkt am Kurhaus Telefon 40 unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld'GieSen Erstklassig geführtes Haus mit bekannt guter Verpflegung. Mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Saiaoneröffnung am 1. April. Für Pesach bestens empfohlen. Frühzeitige Anmeldung erwünscht. Säle für Hochzeiten und Festlichkeiten. Beste Referenzen stehen zur Verfügung. Für die Vorsaison Preisermäßigung. Man bittet bei Anfragen sich genau obiger Adresse zu bedienen. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton: S. S ch ach nowitz;Jnserate i. V.: S. Schachnowitz, sämtlich in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Verlag »Israelit", ®. nt. b. H„ Frankfurt a. M. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M- .

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