Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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6. Mürz 1924 Der Israelit 5lr. 10 Sette 6 Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden beruft auf Sonntag, den 16. März, eine Mitgliederversammlung nach Berlin, in der Bericht über die bisherige Entwicklung - erstattet werden soll. Der Verband jüdischer Studentenvereine hielt am 27. bis 29. Februar eine Konferenz in Berlin ab. Referenten: Klazkin, Marburg. M. Gol.dmann u. a. m. — Der Verband ostjüdischer Organisationen plant eine ostjüdische Konferenz in Berlin. Begründung eines Presse-Amtes und eines Presse-Organes. — Die Konferenz für Deutschland- Hilfe fand am 21.-25. Februar in Berlin statt: den Vorsitz führte L. Motzkin; es sprachen Easpari. Wolf, S e g a l sowie die auswärtigen Delegierten Ueber die Organisation referierte Dr. Klee . — Gegen den „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" soll seltsamerweise ein Verfahren wegen Geheimbündelei eingelettet werden, das sich gegen die Selbstschutz-Organisation des Bundes richtet. — Der „Deutschvölkische Studentenbund" wurde unter Protektorat Ludendorfs in Berlin gegründet; die jungen Herren betreiben eine wüste Hetze gegen Juden und Katholiken. — Der sächsische Landtag hatte eine Ostjudendebatte nach bekanntem Muster. — Oesterreich. Im Beleidigungsprozeß des zionistischen Gemeinderats Dr. P l a f ch k e s gegen den Kultusgemeindebeamten Kaiser wurde dieser zu 2000 Kronen verurteilt; Kaiser hatte Plaschkes Lügner genannt. Ungarn. Der Oberrabbiner der Budapester neologen Gemeinde, Dr. Elias Adler, ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Polen. Anträge des jüdischen Klubs wegen der in Lodz veranstalteten polizeilichen Jagden auf Juden und wegen der antisemitischen Uebersälle in Posen wurden von der Seijmmehrheit abgelehnt. —. Anstelle Lines anullierten ukrainischen Mandats haben die -Juden ein neues Seijmmandat (Michael Feinstein aus Kowel) erhalten. . . Rußland. Die berüchtigte Jewsfektie (jüdischkommunistische Sektion) hält am 20. März in Moskau einen Kongreß; auf der Tagesordnung steht u. a. auch die „antireligiöse Propaganda". Rußland. (Forts.) Bei der Beerdigung von R. Glieser Rabbinowitz s. A. waren 25 000 Personen anwesend. — Zahlreiche Mitglieder der Zeire Zion wurden ohne Gerichtsverfahren nach Sibirien verbannt. — Eine „jüdische" Lehrerkonferenz in Petersburg beschloß, an den Schulen Sonntagsruhe statt Sabbatruhe einzuführen. Rumänien. Die Regierung hat ein Gesetz eingebracht, das in Neurumänien nur denjenigen Juden Bürgerrecht gewähren will, die am 20. Dezember _ 1918 Irrt Gebiet wohnten; die anderen seien „unerwünschte bodenfremde Elemente." — Eine Reihe jüdischer Soldaten wurden in einem Heldengrabe feierlich beigesetzt. — In Klausenburg fanden unter studentischer Führung wüste antisemitische Ausschreitungen statt, ebenso in Temesvar. England. Im Unterhältst sagte bie_ Regierung auf mehrere Anfragen einem Sonderbericht über das R u - thenberg -Unternehmen zu. , Amerika. In Rorth-Tarolina (Verein. Staaten) hat das Erziehungsministerium beschlossen, den Unterricht in Biologie und Entwicklungslehre, soweit er der Bibel widerspricht, aus den Schulen auszuschließen. — Die amerikanischen Reformrabbiner haben zu Ehren von Rabbi Dr. de Sola Mendes am Fasttag des 10. Tewes ein Festessen veranstaltet. — Der durch seinen tapferen Widerstand gegen die bolschewistische Religionsverfolgung bekannt gewordene Homeler Rabbiner, Rabbi S. M. Barischansky ist in Amerika eingetroffen, um sich dort niederzulassen. — Morris Goldberg in Rew-Hampshire wurde als Jude von Mitgliedern der Ku-Klux-Klan ermordet. — In Kanada erwartet man in den nächsten drei Monaten 6000 jüdische Einwanderer. Valästina. Die Regierung führt Ersparungsmaßnahmen durch; die Einwanderungsämter in Jaffa und Haita werden geschlossen. Eine Reihe höherer Beamter find zurückgetreten. — Eine englisch-russische Gesellschaft wurde gegründet, die Orangen und Oel nach Rußland ausführen und Bauholz, Zement, Weizen, Kartoffeln, Spiritus von dort hier einführen soll. — Die arabischen Minister hielten zahlreiche Konferenzen mit Herbert Samuel ab. — Eine indisch-arabische Delegation wird erwartet. Personalien. Rabbiner Dr. Ehrentreu in München. Zu seinem siebzigsten Geburtstag. Frankfurt a. M., 1. März. Einer der geistigen Führer der deutschen Orthodoxie, Rabbiner Dr. Heinrich Ehren treu in München, begeht anr ’ipa 's na® seinen siebzigsten Geburtstag. Mit der Gemeinde München darf das thoratreue und das thoralernende Judentum den Tag festlich begehen und mit den besten Wünschen die Hoffnung verbinden, sich noch ungezählte Tage der reichen Gaben dieses schöpferischen Geistes erfreuen zu dürfen. Rabb. Dr. Ehrentreu ist 1854 (10. Adar 5614) in Altofen bei Budapest geboren. Sein Vater Jonas Ehrentreu, ein angesehener thorakundiger Kaufmann, setzte seinen Stolz darein, den Knaben zu einem tüchtigen Talmid Chochom heranwachsen zu lassen, und ein bedeutender Rabbiner, dem er den Achtjährigen zuführte, daß er ihn im Lernen prüfe, tat den prophetischen Ausspruch: „Der wird einmal lernen können!" Bis zur ms» na verblieb der Knabe in der Heimatstadt, wo er vornehmlich bei dem nachmaligen Prager und Hamburger Oberrabbiner Mordechai Hirsch!>*st lernte. Sodann begab er sich auf die berühmte Jeschiwa nach Ragy Surany in Ungarn, wo er jahrelang ausschließlich dem intensiven Thorastudium oblag. Ein pnaiv T>»Vn des Rabbi Feiwel Plaut, der damals die Jeschiwo leitete, erhielt er auch schon in jungen Jahren von demselben die Rabbinatsautorisation. Als Ehrentreu zu Anfang der Siebziger Jahre nach Preßburg kam, hatte er bereits den Ruf eines der besten Bachurim Ungarns. Dort lernte er zuerst beim „Ksaw Sofer" und später bei dessen kongenialem Sohne, der ihm später ebenfalls die Rabbinatsautorisation mit lobenden Worten erteilte. Ehrentreu kam 1877, ein Dreiundzwanzigec erst, ein •p-as» Vater an Weisheit und zart an Jahren, als Hauslehrer zu der bekannten Familie Bondi in Mainz und erst jetzt wandte er sich den profanen Wissenschaften zu, und zwar mit solch raschem Erfolge, daß ihm bald die Zulassung zur Universität in Heidelberg und die Promotron dortselbst ermöglicht wurde. Er studierte Philosophie, klassische Literatur, orientalische Sprachwissenschaft, jüdische Geschichte, und er wußte all diese Wissenszweige mit dem großen Fonds seines jüdischen Wissens harmonisch zu verschmelzen, sodaß die Resultate seiner Forschung sogar seine jüdischen Studien, sein Lernen befruchteten, ohne es im mindesten zu beeinträchtigen. So wurde aus dem ungarischen Bachur der jüdische Gelehrte von Ruf. Seine ersten schriftstellerischen Arbeiten stammen aus der Mainzer Zeit, da er als junger Freund Rabbiner Dr. Lehmanns $>"st auch zu seinen Mitarbeitern am Mainzer Israelit zählte. Rach Vollendung semer profanen Studien kehrte er zu seinem ersten Lehrer, Rabbl Mordechai Hirsch, damals Oberrabbiner von Prag, zurück, dessen Tochter er sich zur Lebensbegleiterin erkor. Mit ihr zog er ein Jahr später nach München. Die Münchener Wirksamkeit Ehrentreus war von Anfang bis jetzt ein Siegesweg ohne Kampf, der dem friedlichen und freundlichen Gelehrten auch garnicht liegt. Er begann seine rabbinische Tätigkeit in München 1888 als Prediger des sogenannten „Frommen Vereins". Das Privatminjan wuchs sich aber unter seiner Hand mit den Jahren zu der Sondergemeinde „Ohel Jakob" aus, und ihrem Rabbiner wurden sämtliche religiösen Jnstittutionen der großen Kultusgemeinde unterstellt. Neben seinen üblichen Obliegenheiten, wie Schiurim für Schüler, Studenten und Baalei Battim, Predigten, Schrifterklärungen und halachische Vorträge hat er noch die Leitung von Dine Thora, bei welcher Gelegenheit er sich als echter Schüler Ahrons bewährte, „friedliebend, nach dem Frieden strebend, alle Menschen liebend, um sie der Thora nahezubrmgen." Allein die Eigenart und Bedeutung des Siebzigjährigen liegt weniger in seiner praktischen Wirksamkeit als in seiner wissenschaftlichen Arbeit. Seine maipn sind für denjenigen, der einmal Gelegenheit hatte, in die eine oder andere Einblick zu nehmen, ein geistiger Genuß, wie ihn nur die klassische Einfachheit unsrer Großen zu gewähren vermag, und die auf umfassendstes rvurpa und schärfste ni’a gegründeten zahlreichen talmudischen Roten, die er in den Jahrbüchern der Jüdischen-Literarischen Gesellschaft von Jahr zu Jahr veröffentlicht, verraten auch dem Fernstehenden, welchen DiVa nsitt an nninn naan die deutsche gesetzestreue Judenheit an dem greisen Münchener Rabbiner besitzt. Der letzte Band des „Dikduke Sofrim" ist nach dem Tode von Rabbinowitz, dessen Freund und Mitarbeiter er war, von Rabbiner Heinrich Ehrentreu herausgegeben worden. Nach dem Tode des Rektors Hoffmann V'Xt erging zweimal der Ruf an Ehrentreu, die Leitung des Berliner Rabbinerseminars zu übernehmen. Der fast Siebzigjährige, dem erst vor kurzem die zweite Gattin allzufrüh entrissen worden war, konnte sich aber nicht entschließen, seine Gemeinde und seinen Wirkungskreis zu verlassen. Seme Wahl in den Rabbinischen Rat der Agudas Jisroel bedeutet auch die formelle Anerkennung seiner Persönlichkeit in ihrer ragenden Bedeutung für das Judentum der Welt. Am Geburtstage wird dem Gefeierten von einem Verehrerkreist eine Spende überreicht werden, bestimmt zur Drucklegung seiner Arbeiten, auch seiner Droschaus, die wahre Perlen aus der jüdischen Gedankenwelt enthalten. Auch ist eine Broschüre des Sohnes, Dr. Ernst Ehrentreu-Preßburg über „Massorahbemerkungen in der rabbinischen Literatur", die dieser Tage erscheinen wird, dem Jubilar gewidmet. Den Wünschen, die. von weit und breit an diesem Tage nach München gerichtet sind, schließen wir uns von ganzem Herzen an. Möge dem greisen Jubilar ein heiterer Lebensabend gegönnt sein, der ihm die Möglichkeit gibt, in bisheriger Weise der jüdischen Thorawissenschaft zu dienen und noch weiter als Mehrer im Reiche des jüdischen Geistes zu wirken. •ni® o'n®Vi nun ns Frankfurt a. M., 5. März. In voller geistiger und körperlicher Frische begeht Herr Jakob Karpf aus Wertheim a. M., zurzeit bei seinem Sohne Herrn Bernh. Karpf. hier, Sandweg 28, 3. Etage, seinen achtzigsten Geburtstag. ®*w- Briefkasten. E. in Sy. Milchpulver darf nur dann gebraucht werden, wenn die zu verwendende Milch unter Aussicht gemolken ist. M. R. in Myslewice. Poln. Mk. 5,000,000 dankend erhalten. L. S. in St. Betrag dankend erhalten. I. S. Wir konnten bisher nicht feftftellen. wie die Zusammensetzung des »Bebeeo" ist. Rabbiner M. B. in G. H. Bukooina. Die gewünschten Adressen lauten: »Verlag des Ieschurun". Berlin N., Linienstratze 147, Administration des «Jud". Warschau, Granizna 9. Ihre Karte kostete uns wegen ungenügender Frankatur 20 Pfg. Strafporto. L K. in Ffm. Für uns ungeeignet. Besten Dank. Dr. M. in D. Sie befinden sich im Irrtum, von einer unentgeltlichen Lieferung kann nicht die Rede sein. frankfurter Berichte. Großes Woßttätigkeits- und H>uriw-Aest. Wie berichtet, veranstaltet der ostjüdische Frauenverein „Esras noschim" am Montag, den 17. Mäl^ 1924 abends 7.30 Uhr, in sämtlichen Räumen der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße 27, ein Purim f e st. U. a. werden die ■ Herren Oberkantoreil P e issachowitsch und Groß Mitwirken, und zwar mit Klavierbegleitung des Herrn Dirigenten Mar N e u - nt«ntt und des Herrn Julius Peifsachowitsch. Es wird an diesem Abend Gelegenheit geboten, das historisch-melodramische Stück „Josef und seine Brüder" in 5 Akten und 6 Bildern, die die Midraschim über Josefs Geschichte künstlerisch verwerten, unter Mitwirkung von 30 Personen mit Orchesterbegleitung zu genießen. Eintrittskarten zu diesem Feste sind zu haben bei: B. Rachelsohn. Zeil 3; Drogerie Schneemann, Zeil 39; Buchhandlung B. Bergmann, Allerheiligenstraße 45 und Buchhandlung W. Wahrmann, Am Schwimmbad. Dr. Siöer im WoHltätigkeitskorrzert der „Jüdischen Irauenvereirrigrmg." Wie wir in der letzten Nummer des „Israelit'' schon berichteten, veranstaltet die „Jüdische Frauenvereinigung" unter künstlerischer Leitung von Herrn Mar Neumann ein Wohltätigkeitskonzert großen Stils. Das Orchester wird die Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor" und die Peer Eynt Suite l bringen. Als Solisten wurden Herr Hans Erl, der 1. Bassist unserer Oper und der berühmte Schriftsteller und gefeierte Violinvirtuose Dr. Jul. Siber, Würzburg, gewonnen, dessen geradezu dämonische Kunst die Hörer hinreißen wird. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen und ist nur noch eine beschränkte Anzahl von Karten bei Frau Dr. Rosenbaum, Grünestraße 42 und bei Frau Dr. Lindenbaum, Fichtestsratze 10, erhältlich. Das Kreppenstaus an der Wainz'schen Schul — eine Leistung jüdischen Kandwerks. Wie das jüdische Handwerk in der Praxis sich bewährt, zegt das Treppenhaus in der Börnestraße 52, der Mainz'schen Schul. Es handelt sich um neuausgeführte Malerarbeiten des Malermeisters Herrn Josef Meier. Das Haus selbst, das sich seit 1812 im Besitze der Familie Mainz befindet, ist ein äußerlich nüchternes, aber solides Gebäude und hat durch die Malereien im Treppenhaus ein besonderes Gepräge erhallen. Aur dunklem Holzgetäfel als Basis, begleitet denjenigen, der die Treppe ersteigt, in Schulterhöhe fortlaufend das lichte Bild einer Terrasse, grün bekränzt und von hohen Bäumen eines Parks umsäumt. Beachtlich ist der konsequent und richtig durchgeführte Wurf der Terrassenbekränzung (Guirlanden), wie sie sich dem jeweiligen Steigungsgrad der Treppe anpaßt. Was aber der Dekoration des Treppenhauses das eigentliche Gepräge des Schönen gibt, ist die angebrachte Malerei von Blumenarrangements. Schon im Hausflur beginnend, wird das Auge bei jedem Treppenabsatz erneut freudig überrascht durch immer andere und neue Vlumenvasen und -Körbe. Grüßen hier sonnig einfache, dekorativ angeordnete Feldblumen den Beschauer, so zeigen weiterhin prachtvolle blühende Rosen in vollen Körben ihre herrliche Schönheit. Alles in allem: Hier handelt es sich nicht nur um eine wertvolle Bereicherung auf dem Gebiete der Innendekoration, sondern es zeigt sich hier auch das Können jüdischen Handwerks in denkbar bester Entfaltung. Agndas Iisroek-Ingendgruppe. Wir beabsichtigen in diesem Jahre wieder eine Purimfeier größeren Stiles zu veranstalten. Die bereits in Angriff genommenen Vorarbeiten gewährleisten einen überaus genußreichen Abend. Alle näheren Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. Agudas Iisroek-Iugendgruppe. Sonntag, den 9. März, abends 8.30—9.30 Uhr. findet ein Schachkurs unter Leitung des Herrn H. Haar für Anfänger statt. Gäste (Herren) sind willkommen. Heneratversammkung des Iatmudtßora-Wereins. Am S4. Februar fand im Hörsaale der Gemeindesynagoge am Börneplatz die ordentliche Generalversammlung des Talmud-Thoravereins statt. Herr Jakob Hamburger konnte in seinem Jahresbericht die erfreuliche Tatsache hervorheben, daß der Verein auch im abgelausenen Jahr sich günstig weiterentwickelt hat, um mit nunmehr mehr als 750 Mitgliedern mit an der Spitze aller Lernvereine in Deutschland zu marschieren. Die Zahl der wöchentlichen Schiurim ist von 45 auf 61 gestiegen, insbesondere wurden die Schiurim für Knaben und junge Leute, denen der Verein seine besondere Für-